Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 56 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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glänzend und hoffnungsvoll dm Beug hinab wie Eleafar, lind wir sehen es und hoffen auch, uiib das ist genug. « ' Emil Cohn. □ Mockenfck-u. Tatsache« «ad ErDebaiße. v Deutschland. Berlin. Bei den jüdischen Gcmeindewahlen sind insgesamt 14 442 Stimmen abgegeben worden. Davon entfallen auf die Liste der Vereinigten Reformer und Konservativen 8662, der Zionisten 4521, der Poale Zion 940, der Unparteiischen 269 und der-Orthodoxen 50. Es erhaltm also die Vereinigten Reformer, und Konservativen 8 Mandate mit 4 Stellvertretern, die Zionisten 4 Mandate und 2 Stellvertretei» die Poale Zion einen Stellvertreter. Im ganzen sind somit gewählt 12 Repräsentanten und 7 Stellvertreter. Berlin. Wie wir bereits mitteilten, hat der Profesior für Assyriologie an der Berliner Universität eine Schrift „Tic große Täuschung" erscheinen lasten, die gegen Bibel und Juden gerichtet ist, und in grober Geschichtsklitterung und marktschreierischer Art unser altes Schrifttum herabzusetzen sucht. Erfreulichertveise inrhren sich die Stimmen hervorragender Gelehrter gegen solches Verfahren. Nachdem bereits in txr Voss. Ztg. ein Berliner Profcstor das Buch als eine Schande bezeichnet und der Bonner Profesior Eduard König im Abwehrblatt sich ähnlich geäußert hat, ergreift jetzt der angesehene Alttestamentler Herrn. Gunkel in der Frankfurter Zeitung das Wort und unterzieht das Telitzsche Buch einer vernichtenden Kritik. Daß die Deutsche Tageszeitung das Buch als eine „Tat" bezeichnet hat, nimmt nicht wunder. Berlin. Hier hat.sich ein „Bund jüdischer Krankenhäuser und P f l e g e a n st a l t e n" gebildet, dem sich S>6 Anstalten mit 2000 Betten angeschlossen haben. Die Angliederung an den Reichsverband ist bereits vollzogen. An der Spitze steht provisorisch der Vorsitzende des Jüdischen Krankenhauses-Berlin, Kommerzienrat Netter. Die Geschäftsstelle ist im Gemeindebureau, Oranienburgerstraße 29. \ Berlin. Die Berliner Unabhängigen stellten nach dem „Vorwärts" bei der Stadtverordnetenwahl den Grundsatz auf. daß keiiler ihrer Kandidaten einer Religionsgemeinschaft angchörcn dürfe. Dieser Beschluß ist um so erstaunitdxcr, als man gerade in der letzten Zeit in sozialistischen Büchern und Zeitschriften häufig positiven Auseinandersetzungen mit dem religiösen Problem begegnet. Berlin. Vorn 20. bis 24. Juni tagte hier der 16. zionistische Delegiertentag. auf dem nach dem vom Vorsitzenden Tr. Klee erstatteten Rechenschaftsbericht die*Fr<pgen der zionistisck)cn Gcsamtpolitik nach außen und innen, der Palästinaaufbau und die dazu gehörige Vorbildung, sowie die zionistiscl)e Arbeit in Deutschland (Gemeindepolitik, soziale Volksarbeit und jüdische Bildungsaufgoben) besprochen wurden. Nähere Nachrichten über die Beschlüsse stcl)en noch aus. Hamburg. Der Olcmeindevorstand hat die Errichtung eines F ü r s o r g e a m t s für die O st j u d e n beschlosten, das die Aufgabe hat, als legitimierte Vertretung der Hamburger Judenschaft bei den.zuständigen Behörden für die Rechte der Juden einzutretcn und ihre Interessen in jeder Weise zu fördern. Berlin. Prof Max Liebermann, der Maler, wurde einstimmig zum Präsidenten der Akademie der Künste gewählt. »«lin. Der Verband ba Oftufcn erläßt eh* ®*. nung. an dir östlichen Auswanderer, nach Deutschland zu kommen, weil sie dort schlecht ausgenommen würden. München. Im bayerischen Landtag kamen die Judienschikanen zur Besprechung. Auf Anfrage der Sozialdemo, traten erwiderte Ministerpräsident v. K a h r, daß man -einen Unterschied hinsichtlich Abstammung und Religion machen werde und man außerdem Milderungen in da Handhabung der Fremdenpolizei vorhabe. Karlsruhe. Hier tagte die neue badische Srmode und zwang den bisherigen Ooerrat zum Rücktritt. Ein neun achtgliederiger Oberrat wurde gewählt und paritätisch mit 4 Liberalen'und 4 Orthodoxen resp. Zionisten besetzt. Geheimrat Mayer, der nun nach. 37jähriges Mitgliedschaft auSschied, wurde sehr gefeiert. Im übrigen befaßte sich die Synode mit einer neuen Wahlordnung, die das Wahlrecht auf Frauen und Jugendliche auSdehnt — daS aktive und passive Wahlrecht steht auch jedem ausländischen Juden, der seit 3 Jahren ansässig ist, zu — und beschloß vor allem ein« großzügige Aufbessemng der GehaltSverhältniste für Lehrer.; j , , . Tschechoslowakei. Prag. Der jüd. Nationalrat für die Tschechoslowakei hat für den 14. und 15. Juni den 2. Kongreß der tschechoslowakischen Judenschaft einberufen. Der erste Kongreß fand am 4.—6. Januar 1919 in Prag statt. Der zweite erhält eine besondere Bedeutung durch die inzwischen erfolgte Anerkennung der jüdischen Nationalität durch die Verfassung der tschechoslowakischen Republik. Dieser Kongreß wird daher die Aufgabe haben, die Konstituierung der jüdischen Minorität im Staate vorzunehmen und an die aus dem Minoritätsschutzvertrag sich ergebenden Aufgaben heranzugchen, sowie den jüdischen Nationalrat zu reorganisieren. Ungar«. Budapest. Vön den 100 Schwerverletzten der letzten Pogrome sind bis jetzt 3 ihren Verletzungen erlegen. Der Urheber dn Exzesse soll der „Verein der erwachenden Ungarn" sein, obgleich die Zensur die Veröffentlichung dieser Tatsache nicht zulirß. Budapest. Graf Apponyi sprach dieser Tage vor seinen Wählern und führte dabei aßs: „Die Judenverfolgung verurteile ich schon deshalb, weil sie zum großem Teil bloß eine Erscheinungsform der Faulheit, der Scheu vor konkurrierender Arbeit, im übrigen aber ein Abgleiten der christlichen Richtung von den Selbstbeherrschung und Einkehr erfordernden Höhen der christlichen Moral in einen Abgrund ausschweifender Zügellosigkeit ist, in dem allen bösen Leidenschaften stattgegeben werden kann. Da gibt es keinerlei Entschuldigungen für Gewalthandlungen, die die Sicherheit der Persoy und des Vermögens unserer jüdischen Mitbürger angreifen. Die Regierung, die Heeresverwaltung und das Gros unseres Volkes stehen solchen Handlungen fern; es wäre mithin eine große Ungerechtigkeit, sie der Nation aufs Kerbholz zu schreiben. Allein auch das Entstehen eines falschen Anscheins darf nicht zugelasten^ derartige Erscheinungen dürfen keinen Augenblick geduldet Iperden. Welchen Rock immer die Urchebek tragen, sie müssen mit eiserner Hand gezügelt werden und zwar sofort." Pole«. Warschau. Das projektierte Gesetz zur Schaffungvon Handelskammern, die nur zur'einen Hälfte aus freier Wahl hervorgehen, zur anderen Hälfte durch Nominierung von seiten des Handelsministeriums, ihre Mitglieder eichalten, rief eine lebhafte Judendebatte in der Plenarsitzung deS Landtages hervor. Von jüdischer Seite wurde sofort das ganze Projekt als neuer Versuch, die Rechte der Juden im Geschäftsleben-zu begrenzen, erkannt.