Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 56 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint je»e, Kreit«,, ve,,,». Preis 75 Pf. «,„U. Z, »ezirhr, d«rch st«ilichr P»ft,»trr »per d»rch de» P,te»»trl»> t» v»»». VOH RHEIN Jüdisches Volksblatt >»zri,««piri,: I,— M siirpir »irr« ,«sp. Petit,eile. Tie,«»,e Seit» »ms«gt 36V Feite». P.psche«»»»,, >»tr»»«rl«, »»»,, «»I, «r. 74747. Eserausgegeben von Rabbiner Dr. Krnik KoHn, Bonn. Schriftleitung und Geschöftsslelle: Bonn. Brüdergass« 52. Kammer 5t> Monn, 25. Juni 1020. 9 Garnrnns 5080 2. Jahrgang. \ Hn unsere Lefer! Der „Jüdische Bote vom Rhein" tritt mit Br. 57 das dritte Vierteljahr seines 2. Jahrganges an. wir richten an unsere Leser, welche das Blatt durch die post oder den Buchhandel beziehen, die Bitte, die- Bestellung für das dritte Vierteljahr schnellstens, falls itod? nicht geschehen, zu erneuern, bannt die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleidet. Diejenigen Bezieher, welche die Zeitung direkt von uns erhalten, bekommen dieselbe ohne besondere Erneuerung fortlaufend zugesändt. Durch die fortwährende Steigerung aller Unkosten.waren wir gezwungen, den preis auf Mk. f.50 pro Monat festzusetzen. wir bitten unsere Leser höflichst, den Betrag non UV. $.50 für das nächste Quartal umgehend auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 7^? zu überweisen. Nach Ablauf eines Uloa.Ns werden wir uns erlauben, die noch nicht eingezahlten Abonnementsgelder durch Nachnahme zu erheben. vfff Infolge vielfacher an uns ergangener Anfragen, und um den wünschen der meiste» unserer geehrten Bezieher zu entsprechen, erklären wir uNs gern bereit, der Einfachheit und der Porto-Ersparnis wegen Abonnements, beträg« auch für mehrere Vierteljahre auf einmal im voraus entgegenzunehmen. Die Expedition ^olrliooooooaliooaooiotoisoookniooooonoooooooo o o 8 Wochrnabschnitt r,p.n g D - 0 a a DaaaaaDDCDDDDODiaDiaDcaaaaDBanaDtDDaa’DDa Tragen und Sdta>eigen. Und sie kamen zum Berg« Hör. La sprach der Ewige zu Mos«, wie folgt: „Aron soll eingetan werden zu seinem Volke. Tenn er soll nicht in daS Land kockmen, daS ich den Kindern Israel gebe. Weil ihr widerspenstig wart gegen meinen Befehl am Hadcrwasser. So nknim Aron und seinen Sohn Elcasar und führe sie hinauf auf den Berg Hör. Lab Aron seine Kltider auSziehen und lege sie seinem Sohn« an. Aron aber — soll sterben!" — Mose tat, wie Gott geboten hatte, und sie stiegen ans den Berg Hör vor. den-Augen der ganze» Gemeind«. Ta JLiffe Mose Aron seine Kleider ausziehen und legte sie dessen Hohn Eleasar an. Aron aber starb oben auf dem Berge. Tann kamen Mose und Eleasar ' vom Berge herab »»d die ganze Gemeinde sah, daß Aron verschieden war. Ta beweinte das, ganze Ha»S Israel 30 Tage. 4. Mose, 20, 22—29. Die Geschichte eines Sterbens und eines Schlvcigens. Wortlos steigen drei Menschen auf einen Berg und nur zwei kehren wieder, wie sie gegangen waren, — wortlos. Über dem Ganzen liegt eine wunderbare Verhaltenheit., daß wir tief ergriffen sind. Drei Menscl)enschicksale vollenden sich, jedes mit dem andern verwebt, und alle drei nur rin einziges Leid, das schweigend verwunden lvird. Es ist dies eine jener fabelhaften Erzählungen unserer Bibel, die durch das wirken. lvas verschwiegen ist. Nicht bloß Mose, Aron und Eleasar sind stumm, sondern auch hxr Erzähler selbst. Er verzeichnet das kurze Geschehen, weiter nichts., Und doch fühlen wir, welch ein Schwall von Empfindungen die Herzen der drei Männer überwältigt haben muß, bic\ damals den Berg Hör hinausstiegen. Aron soll sterben ^rm I derselben Sünde willen, in der Mose, noch weiterleben muß. Den Bruder zum Tode führen hieß für den Gesetzgeber, das eigen« Gericht erleben. Welche Flut von Erinnerungen nlußte ihm da über die Seele quellen? Schuld, Reue, Sehnsucht und Not mußten wiederkommen und ihren bittern Kampf noch einmal kämpfen. Mose schwieg. Und Aron: Einnach dem andern von den Zeick»eN seiner Würde muß er oblegen. Nicht dem Toten, dem noch' Lebenden wird alles genoinmen. Er erlebt sein Sterben und schweigt. - , Und Efeasar: Was dem Vater Stück um Stück genommen wird, wird ihm Stück um Stück gereicht. Der Vater, lebt noch, er erbt und schlveigt. Drei gehen schweigend und schiveigcnd kommen zn>ei wieder. Das Volk sieht es und N'eint. Dasselbe Weinen schluchzt noch heute durch diese lautlosen Zeilen, dieses tiefste Lied ohne Worte, das unsere Bibel hat. Ter Midrasch hat --dies Schireigen ergreifend gedeutet, indem er die Legende vom Tode Arons sang und erzählte, wie Mose ins Zelt zu Aron kam und ihm den Todesgedanken in einem tvunderbaren Gespräche nah und näher brachte, bis Aron sich totbereit erhob und dem Bruder folgte. So schön aber dieser Midrasch ist. unvergeßlich erhal>ener ist die Bibel selbst. Drei Tatsachen dürr' aneinander gereiht, und der Leser sieht die Gestalten vor sich, wie einer neben dem andern geht, keiner den andern anzuschauelt wagt: Drei, die^um einaw der wisien, drei, die schweigen.- Solches Schweigen ist Größe. Weil es nicht daS Schweigen stumpfer Ergebung, auch nicht die harte Überwindung des grausamen Geschickes ist. Sondern Gott spricht und, »pie er spricht, so geschieht's. Ein Gericht ist da. und lvird anerkannt als Mricht. Ter Stimme Gottes folgt der reine Gehorsam. — Düster ist unsere Seit, tiefes Weh macht die Tage drückend uird manchem die Nächte cinsain. Eiif Gericht ist da, was nützt es zu jammenl? Eiehen wir den jchiveren Weg bergauf wie Mose und Aron ihn gingen. Trage jeder seinen Packen und lerne schtveigen. Das ist menschlich, das. ist jüdisch. Eiehen wir nebeneinander wie jene großen' Brüder, und fühlen wir brüderlich >vie sie, daß wir des gleichen Schicksals ttinder sind. Seine Pflicht tun, tragen und die Zähne zusammcnbeißen, das ist die lrmhre Weisheit der Zeit. Und lvenn der Schmuck unserer' Ehre uns Stück für Stück genommen wird, lvenn wir eiukleidet lverden all dessen, was uns unentbehrlich schien, lvenn wir bei Lebzeiten mit unserer Leick)e gehen müsse», jiir joHien dennoch schweigen. Denn die Fugend, unsere Jugend steigt