Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 55 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Leitttttg, in Aftern er für die (olbtae Gründung einer starken jüdischen Legion alt unerläßlich für dir Lavchesvs» teidigung «intritt. Pari». Baron Rothschild entsandte Ingenieur Polak nach Palästina, um einen Entwurf über die AuSnützung der Wasserfälle in der Gegend von Schum zu Bewässerungs- und Elektrizitätswerken auszuarbeiten. *JQcUrcfx cad>ter. Bon SamuelGordon. Gerecht- Übertragung au« dem «ngl. von M. Pulvermano. lFortsehung.) Schon die ganze Zeit über hatte, sich «in gewisieS Unbehagen AnschelS bemächtigt. Es ivar ihm ganz und gar nicht gelegen, von dem Althergebrachten abzuweichen, wo. Eltern die ganz« Angelegenheit vorher klipp und klar uüter sich erledigt, um sie dann den Kindern als vollendete Tatsache vorzulegen., der sie sich in vollvcrtrauendem Kindesgefühl'ohne Murren fügten. Nur Zillahs neumodischem Wesen und ihrer vornehmen „Bildung" wegen hatte.er sich entschlosien. Aron mit sich zu nehmen, dmnit die jungen Leute sich früher kennen lernen, damit sie sehen, „ob sich das Herz zum Herzen findet". Anfänglich schien ja auch die Sache auf diese Weise sich zu machen — aber sie kam nicht vom Flecke. Und wessen Schuld war es? - Einzig und allein Zillahs! Die Eltern erachteten es als das schönste Glück ihres Lebens; Aron strebte danach mit der tzaNjdn Kraft seiner Seele und nur Zillah tticb gleichgiltig und' unberührt wie früher. Anschcl war ein seelensguter Mensch, der keinem Geschöpf irgend ein Leid hätte zuftigen können; wehe aber den deutschen Romanschreibcrn, wären sie ihm jetzt unter die Hände geraten-! Er hätte es sich gern zehn Rubel kosten lassen, um einen strammen Kosaken zu bestellen, daß er jedem von ihnen fünfundzwanzig — aber kräftig — aukählte l Der Respekt, den er bisher vor Zillah . gehabt, der Nimbus, mit dem er sie umgeben, fing allmählich an zu' schwinden, da er mehr und mehr zu der Einsicht kam, daß das Bücherlesen ihr nur den Kopf verdrehte und Anschauungen ihr beibrachte, die dem jüdischen Familienhause ganz und gar fremd waren. Armer Vater! Könntest du ahnen, wohin die Halbbildung, das Lesen unverstandener Bücher, deine Tochter bereits geführt, daß sie bereit war, dir den Dolch ins Herz zu stoßen — wahrlich, man hätte es dir nicht verargen können, wenn du, in deiner Notwehr den ganzen. Büchervram als eine giftige Schlange erachtet hättest, um ihr den Kopf zu zertreten. Glücklicherweise konnte er das Entsetzliche, das ihm bevorstand, auch nicht im entferntesten ahnen; im Gegenteil, di« Angelegenheit schien jetzt, den erwünschten Verlauf zu nehmen, und seine frohe Laune hatte sich wiedelgefunden. Auch Aron war heut« voller Jubel, und die Freude machte sich bn ihm bald bemerkbar. Die Parabeln, die' Wortspiele, sein dialektisches Feuerwerk flog hageldicht herum. Mit seinen gelehrten Neckereien trieb er häufig Anschel in die Enge, aus der er sich nicht herauszuhelfen wußte. Aber Anschel fühlte sich nicht gekränkt; er war ganz entzückt darüber, wie ein dreijähriges Kind,, das einen Erwachsenen gefunden, um mit ihm horumzutollen. Salka hingegen saß heute gedrückt da, mit einem Schimmer von Röte um die Augen, die sicherlich von einer hastig getrockneten Träne herrührtc. Zillah hielt sich den ganzen Abend neben dem Lehnstuhle der Mutter' auf, deren bleiches Gesicht und abgemagert« Hände sie fortwährend streichelte und liebkoste. Sie blieb auch noch auf ihrem Platze, als die beiden Männer sich bereits zurückgezogen und Salka sich wieder in die Küche begeben hatte. » V «Endlich werden wir wenigstens fünf Minuten für Uns allein haben, kleine Mutter", sagte sie; ,^s ist schon sehr lange her, seitdem wir ohne Zuhörer zusammen hätten plaudern können." „Ja, Zillah. du hast recht, und beinahe habe ich den Klang deiner Stimme vergessen — ich meine deine innere Stimme, di« du so sorgsam für dich allein behälft." .Mußt du nicht anfangen, dich daran zu gewöhnen, sie ganz und gar zu vergessen?" fragte Zillah schwermütig. „Dann hast du wohl schon alles mit Aron verabredet — ist es wirklich wahr?^ „Sage mir, Mutter", sprach Zillah. die Frag« überhörend und auch den frohen Blick vermeidend, der diese begleitet hatte; „sage mir, ist es nur für die Ehre und daS Ansehen unseres Hauses, daß diese Patti« zusammengebracht wird?" „Kind, welch sonderbare Fragen du stellst", tvar' ihre schlichte Antwort; „für die Ehre des Hauses? Selbstverständlich nicht — nur für dein eigenes Glück." „Dann würdest du wohl ganz zufrieden sein, wenn nur nierne Herzenswünsche sich erfüllen?" „Natürlich; was sollten wir Eltern denn noch mehr verlangen? Zillah, was geht denn eigentlich mit dir vor?^ Warum ängstigst du mich denn überhaupt mit solchen Rätseln?" „Verzeihe mir, Mutter; ich bin wittlich ganz ungeschickt", stottette Zillah; „ich wollte dich doch nur beruhigen, daß, wenn ich sott bin, du stets nur von meinem Glücke hören wirst; ich werde dir sehr oft schreiben..." „Ja. das wird mir lieb sein. Doch wozu alle diese Versprechungen? Tut eine Tochter nicht solches, auch ohne daß man erst viel darüber spricht? Ich stelle dir keine Bedingungen, mein Kind; ich verlange mcht, daß du mir Versprechungen machst. Ich will nur, daß du mir eine treue Tochter bleibst. Das übrige überlaste ich dir. Komm, Zillah. hilf mir zu Bett, ich bin sehr müde." Schweigend gehorchte diese; sie hätte jetzt kein Wott hervorbringen können und sollte sie auch um ihr Leben flehen. Das Bewußtsein einer vereitelten, einer mißlungenen Absicht nagte in ihrem Innern. Sie hatte versucht, sich den Weg zu bahnen, vorzubereitcn —. Aber sie hat nichts erreicht.-Oder doch, etwas. Sie hat der Mutter eine unbestimmte Furcht eingeflößt, die später, wenn die Mutter sich überzeugt, daß diese Furcht keine eingebildete war. den Schmerz wenigstens insofern verringern wird, als sie durch diese Vorahnung das Jähe und Unvermutete ausschließen wird. Zillah wunderte sich selbst, daß sie jetzt schon all die Einzelheiten mit solcher Genauigkeit berechnen und jeder den richtigen Wert beilegen konnte; daraus entnahm sie, daß sie jetzt schon all die Einzelheiten mit solcher Genauigkeit berechnen und jeder den richtigen Wert beilegen konnte; daraus entnahm sie. daß das Getriebe ihres Herzens ganz aus der Ordnung gekommen war — und vielleicht nicht nur das Herz, sondern auch die Vernunft. Denn wäre dieses nicht der Fall, warum sollten diese beiden Organe gemeinschafttiche Sache machen, um ihrem bevorstehenden Vetbrechen die Schärfe und Spitze abzustumpfen? . (Fortsetzung folgt.) Mo» Kery und Tal. Köln. Vor kurzem brachten wir einen Artikel über di» „Jüdische Kinderheilstätte in Bad Kreuznach", der die Aufmerksamkeit weiter Kreise in Deutschland, besonders aber in unsern westlichen Provinzen erregt hat und uns - zahlreiche Anfragen einbrachte. Hat doch unter den traurigen Verhältnissen der letzten Jahre der Gesamtzustand unserer Jugend derartig Schaden gelitten, und die Zahl der blutleeren, unterernährten, rhachitischen und skropbulösen Kinder, sowie der Kinder mit chronischen Eiterungen so sehr zugenommen, daß in allen Kreisen der Bevölkerung das Bedürfnis nach guten Kinderheilstätten *in starkem Maße gestiegen ist. Denn immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn» daß diesen Kindern nur durch die beste