Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 54 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- Seite 255 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aenlsatem. Durch Arbeitrmruppeu werden zurzeit durch den Nationalfonds an verschiedenen Stellen Palästi. naS Notstandsarbciten vorgenommen? Diese Arbeiten haben einen größeren Umfang und zum Ziele, nicht nur die Farmen deS I. N.-F. zu assanieren, sondern zugleich auch dia. mit den sich daran anschließenden jüdischen Besitz vollständig fieberfrei zu machen. Auch werden auf allen sumpfigen Stellen Eukalyptuspflanzungen angelegt. Jerusalem. Der von dem „Waad haaschkcnast" inzwischen einstimmig als Obermbbiner anerkannte Rabbi Cook richtete an den englischen König eine Drahtung, in der er namens des jüdischen Volkes für den Beschluß von San Remo seiner Dankbarkeit Ausdruck gibt. Jerusalem. Der „Doar-Hajom" berichtet, daß die große russische Teefirma Wysodsky ein« Teesortierungs- und Packungszeütrale für dien Orient in Palästina zu eröffnen gedenkt. Diese Teezentrale wird mehrere Hundert Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen. Bekanntlich beschäftigte di«-Firma Wysodsky in der Odcssaer Abteilung, die hauptsächlich für den Orient bestimmt war. über 800 jüdische Arbeiterinnen. \ London. Dem Bericht der von der britischen Regierung eingesetzten Schaden-Kommission zufolge sind bis zum 3. Mai 499 Schaden-Anmeldungen eingelaufen, sie betreffen 66 000 englische Pfund Warenraub, 14 000 Pfund Geldraub und 10 000 Pfund Käuserbeschädigung. Jerusalem. Der durch die hiesigen Ausschreitungen bloßgestellte General Bols ist nach Ägypten versetzt worden und beveits abgereist. . A H ijUiiAiiUiiiU' lüdtrd)« C3d>ter. Von Sam,uek Gordo«. verecht. üdertragung au« dem Sngl. von M. Pulvrrmam,. \ j,xj. .▼. r. „Nein", sprach er traurig, müde, nach einer kurzen Pause. „Sie können nicht dafür, daß Sie so sind, wie Sie eben sind; ich kann aber auch nicht dafür, daß ich so empfinde, wie ich muß. Aber warum betrüben wir uns so sehr darüber? Es gibt doch ein einfaches und sicheres Mittel, um alle diese Sorgen los zu werden: ich reise ab." v Eine Idee durchzuckte-sie. -Nein, er darf nicht abreisen; er muß gerade dablciven, um Stab und Stütze der- Eltern zu lverden, auf welche sie ihr vemichtetes und zertrümmertes Dasein stützen können, wenn der. große,' furchtbare Schlag kam — sie verweilt« absichtlich längere Zeit bei diesem Gedanken, um ihr Herz mit Wollust zu zermartern. Er war so gut. so freundlich — er hat ja die-Pflichten des edlen Menschentums studiert; er wird die Eltern besänftigen und beruhigen, und schon aus, Barmherzigkeit — ihr Schwiegersohn werhen. „Abreisen?" wiederholte sic darum mit erkünstelter Verwunderung. „Wer sagt Ihnen denn, daß Sie es tun müssen? Warum sagen Sic nicht lieber,-daß Sic sich selbst, Ihre eigenen Gefühle noch nicht genügend geprüft? Sind Sie aber erst einmal von hier abgercist, dann freilich . .." Er ließ sie nicht aussprcchen und sprang in großer Erregung auf. „Was dann?" drängte er sic jetzt zu vollenden. „Dann gehen auch Ihr« Hoffnungen mit Ihnen fort." „Hoffnungen? Darf ich dann solche hier hegen? Zillah, darf ich?" „Sie müssen nicht so stürmisch auf eine Antwort drängen", versuchte sic ihm auszuweichcn; dann aber, als sic sein totenblasses Gesicht sah, regte sich dos Mitleid in ihrer Brust und sie fügt« zweideutig ^inzu: „Man kann nicht wissen." Und die FalMeit ging ga«u glatt übdr ihre Lippen. 'Was lag auch daran? Eine Luge mehr oder weniger? tamal diese vielleicht die erste war. die ihr vielleicht im immel als eine gute Tat angerechnet werden wird. Und das Fichtenholz knackte und krachte lustig weiter und streckte seine Zungenflämmchen nach allen Seiten. Beide stellten sie sich, als schauten sie diesem Spiele eifrig zu. Dadurch konnten sie ja dem Toben und Stürmen im Herzen mehr Aufmerksamkeit zuwcnden. „So in Gedanken vertieft, Kinder, daß ihr selbst meinen Kanonentritt überhört?" ES war die fröhliche Stimme Anschels, der eben von seiner Reise zürückgekehrt, auf der Schwelle stand und zu ihnen sprach, wobei er, bei dem Anblick der scheinbar vertraulich Zusammensitzenden, ein Lächeln voller Befriedigung nicht unterdrücken konnte. „Und nun, Kinder, da ich euch das Warnsignal gegeben, darf ich wohl eintreten?" Er erhielt keine Antwort; er wartete auch eine solch« erst gar nicht ab und betrat die Küche. Er weidete sich an der vermeintlichen Verlegenheit der jungen Leute, di« er als gute Vorbedeutung nahm. „Ich war auf dem halben Wege nach Skunks, als ich dem Mann begegnete, den ich besuchen wollte; er war im Begriff, wegen derselben Sache zu mir zu kommen. Wir erledigten unsere Geschäfte auf der Landstraße, und darum bin ich so zeitig hier und habe auch noch einen recht guten Appetit mitgebracht. Wo ist Salka?" „Bei der Mutter", antwortete Zillah. „Doch habe keine Angst, Vater, das Abendbrot ist basd fertig. Aron und ich kochen cs. Nicht tvahr?" „Wenigstens habe ich den Speisezettel aufgestellt", sprach Aron, der bei Zillahs direkter Anrede froh errötet war; „das aber ist auch nur das einzige Verdienst, was ich dabei für mich beansprüchen kann." . „Gott sei Dank", murmelte Anschel, „daß eS der Topf endlich so weit gebracht hat. Das Kochen hat ihre sicherlich den Geschmack für die Hausfraucnfreuden vorgepredigt. Eine Heirat in einem Topfe zusammengekocht! Hier muß sich auch Rabbi Akiba für geschlagen erklären — es gibt doch noch Neues unter der Sonne! Aber ich möchte schon gem lachen, wenn sie die Predigt gut auswendig lernt und nicht etwa wieder in der Mitte stecken bleibt." . IJortsetzunz folgt.') Ko« Kerg mrt Tal. Köln. Am 24. Mai veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe Köln eine große Demonstrationsversammlung S Feier des Tages von San Remo und im Rahmen der lt-Geulawoche. Sie gestaltete sich zu einer großen Kundgebung. Herr Julius Berger-Berlin hielt das Referat. Ihm folgte die Verlesung zweier bedeutungsvoller Briefe. Gemeinderabbincr Dr. Rosenthal nannte in dem ersten dcir Beschluß von San Remo das wichtigste Ereignis der jüdischen Geschichte seit 2000 Jahyen, in dem anderen würdigte die Kölner Zcntrumspartei mit fieundlichen Glückivünschen dies Ereignis in gleicher Weise. Nachdem noch ein Vertreter der sozialdemokratischen Partei, sodann ein Redner in jüdischer Sprache und schließlich Herr Justizrat Bodenhcimcr die hohe Bedeutung des Tages gefeiert hatten, schloß die vielhundertköpfige Versammlung mit der begeisterten Annahme einer entsprechenden Resolution. , Bonn. Am 3. Juni fand eine vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens cinberufen« Dersammlung statt, die erfreulicherweise überaus zahlreich bcsucht war. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden hielt der Geschäftsführer des Landesverbandes Rheinland (linksrheinisch) einen Vortrag über „UnsereStellung zu den Fragen dcSTage s". Der Redner gab eine gründlick>e und klare Darstellung über die gegenwärtige politische Lage, über den Antisemitismus,- soyri^vür allem über die Stellung der Parteien den Juden gegenüb«. An