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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-06-11 · 54 (11.6.1920) · p. Seite 254

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
54 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 254 (sequence 2)
Language
German
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Berlin ihre erste Tagung ab. An der Spitze der Akademie steht Geh. Medizinalrat Dr. Landau, wissenschaftlicher Leiter ist Privatdogent Dr. Täuber, der nach einem Vortrage Prof. Dr. Cassierers-Hamburg über Hermann Cohen den wissenschaftlichen Bericht erstattete. Die Arbeiten der im Werden begriffenen Akademie begannen in einem Forschungsinstitut. Am 1. Juli 1919 wurde die historische, am 1. Oktober 1919 die talmudische, am 1. Januar 1920 die sprachwissenschaftliche Sektion eröffnet.- Me Arbeiten der Mitarbeiter sollen in der Reihe der Veröffentlichungen des Forschungs-Jnstituts erscheinen. Außerdem gelte eS die Gründung einer Bibliothek Judaica und einer Kritischen Zeitschrift. — Justizrat Lilienthal erstattete den Finanzbericht. Bonn. Die interalliierte Kommission hat die Verbreitung von antisemitischer Pogromliteratur im besetzten Gebiet verboten. Berlin. Im Repräscntanten-Sitzungssaal der Berliner Jüdischen Gemeinde tagte am 16. und 17. Mai eine Konferenz des Verbandes, der Ostjuden kn Deutschland, an * der 40 Delegierte aus den verschiedenen Teilen des Reiches tcilgenommen haben. Während der zweitägigen Verhandlungen wurden alle das Ostjadentum in Deutschland berührenden aktuellen Fragen eingehend erörtert. Der Generalsekretär, Herr Lin, gab den Tätigkeitsbericht und wies auf die Leistungen des Verbandes, insbesondere auf den Oiebietcn der sozialen Fürsorge und de- Rechtsschutzes hin. Herr F. M. Kaufmann, der Gencralsekoetär des Arbeitersursorgeamles der jüdischen Organisationen Deutschlands, beleuchtete sgdann an Hand statistischen Materials die ostjüdische Einwanderung in Deutschland und legte dar, daß die jüdischen Emigranten, deren Zahl maßlos übertrieben „ wird,, produklionsfähige Kräfte sind und für die deutsche Wirtschaft nutzbringend verwendet werden könnten. Im Anschluß an die Referate berichteten die Vertreter der Ortsgruppen über die Lage der Ostjuden in ihren Städten und schilderte insbesondere das tragische, ergreifende Los der ostjüdischen Flüchtlinge. Die Frage der jüdischen Wandel „ rung und der Flüchtlingsfürsorge behandelte Herr Dr. Taubes in einem eingehenden Referat. Einen Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete der Ausbau der Organisationen. Es wurde ein zwölfgliedriges Zentralkomitee als Leitung der ostjüdischen Gesamtorganisation in Deutschland gewählt, dem 5 Mitglieder aus Berlin und 7 aus der Provinz angehören. Die Debatten nahmen einen würdigen Verlauf und führten zu voller Übereinstimmung in allen einschlägigen Fragen. Leipzig. Die hiesige von Herrn Rabbiner Feldmann in streng traditionellem Sinne gegründete Pflegestätte hebräischer Wissenschaften hat sich zum Ziele gesetzt, jungen thoraliebenden Leuten Gelegenheit zu bieten, sich dem Talmudstudium voll und ganz widmen zu können. Für die Beköstigung der in der Jcschiwah lernenden Jünger wird ' von Seiten des Vereins „Ahavas-Thora" gesorgt. Die Vorschule der Jeschiwah bildet die ihr als Unterabteilung angeschlosiene Talmud-Thoraschule. Ungarn. Gzegedin. Dr. Löw wurde auf Einschreiten der holländischen Negierung, auch der alliierten Missionen in Budapest, von der ungarischen Regierung befreit. Er wurde jedoch seines Amtes als Oberrabbiner enthoben. Wie verlautet, soll gegen ihn das Disziplinarverfahren ausgenommen werden. (I. C. B.) Debreemn^ Der protestantische Bischof, Balthasar, hat einen Feldzug gegen die antisemitischen Exzesse in Ungarn eröffnet. Inzwischen fanden neue Exzesie in Szolnok und Abony statt. Rußlaud. Moskau. Hier wurden 75 Delegiert« zum russischen Zionistenkongreß auf Grund verschiedener Beschuldigungen von der Sowjetregierung verhaftet. Moskau. Angesichtder wirtschaftlichen Rot der russischen Juden und der einstweiligen Unmöglichkeit, nach Palästina oder Amerika auSzuwandem, will die Sowjetregierung für «ine großzügig« jüdische Jnnenkolonisation . Land hergeben. Ukraine. Jassy. Meldungen von hier besagen, daß seit 10 Tagen Podolien der Schauplatz großer Judenpogrome ist. Die von Juden stark bevölkerte Stadt Balta ist in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Auch in L i t i n und Bar s waren während ihrer polnischen Besetzung viele Opfer zu beklagen. , , . tfiifci Konstantinopel. In Stambul soll ein muselmanischer Ausruf zum Heiligen Krieg ausgegeben worden sein. ES wird berichtet, daß Galiläa von arabischen KriegNanden überflutet ist. M« französische Zone ist in den Händen der Aufständischen. Die Franzosen erlitten schwere Verluste. Die Bevölkerung flieht nach der englischen Zone, die ebenfalls bedroht ist. Auch in Mesopotamien rücken die Araber weiter vor. Damaskus und Bagdad sind eingeschlosien. Auch Jerusalem ist von den Arabern bedroht. Konstantinopel. Der Oberrabbiner von Adrianopel, Chajim Bigeranö, ist zum stellvertretenden Chacham Baschi als Nachfolger Haim Nohoums ge.wählt worden. Nahoum reist nach Paris ab, wo sich seine Familie befindet. Amerika. New-Aork. Einen interesiantcn Überblick über die .Entwicklung der jüdischen Landfiedlung in Amerika gebt der diesjährige Bericht der „Jewish Agricultural Aid Society". Während vor 20 Jahren noch ein jüdischer Farmer eine Seltenheit war, gibt es jetzt schon 12000 Mische Farmerfamilien (etwa 60 000 Sachsen). Der Wert des gesaintcn jüdischen Landbesitzes macht mindestens 60 Millionen Dollars aus. New-Aork. In Anerkennung seiner großen wisienschaftlichen Verdienste hat die Columbia-Universität in New-Aork Profesior Einstein, den Urheber der Relativitätstheorie die Große goldene Medaille verliehen. > New-Aork. Me „Jüdische Verlagsgesellschaft" in Amerika hat, wie arch einem Bericht hcrvorgeht, in der Zeit ihres seither mehr als 30jährigen Bestehens 115 Werke herausgegeben und von ihnen *750 000 Exemplare verkauft hat. Unter den Autoren, deren Werke sie ediert hat, befinden sich Abrahams, Achad-Haam, Dubnow, Graetz, Lazarus, Perez, Schecher, Zangwill und viele andere. Di« Gesellschaft beginnt jetzt mit dev Herausgabe einer Serie „Jüdischer Klassiker'zu diesem Zwecke hat ihr Jakob Schiff 50 000 Dollar zur Verfügung gestellt. New-Aork. Wie daS „Lodzer Tagblatt" von hier meldet, sammeln Zionksten aus der Tschecho-Slowakei einen Fonds von 100 000 Dollar, um in Jerusalem ein jüdisches Studentenheim zu erbauen. Dieses soll den Namen des Präsidenten der tfchecho-slowakifchen Republik M. Th. G. Masaryk tragen. . England. London. Herbert Samuel, der als „Erster Oberkommisiar^' am 20. Juni machPalästina geht, gehört der angesehenen jüdischen Familie Montagu an und ist als gesetzestreuer Jude bekannt. Samuel wuü>e im Npvember 1870 in Liverpool geboren. Er ist seit 1902 Mitglied des Parlaments und zählt zu den Führern der Liberalen Partei. Mr Regierung hat ev 1910 bis 1914 und 1915 bis 1916 als Generalpostmeister, zwischendurch als Handelsminister und 1916 biS 1917 als Minister des Innern angehört. * . _

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