Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 54 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE (Frftfiat jede» Krrita,. prri» 75 Pf. Z» »rztrhr, »»rch st«,lich« P,stt«trr »tzrr tarch' de» v»te»»erla, t« Bin». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt 1.— M skr die »Irr« > |*f>. Prtitzrile. Di« ,«»»« Seit« »»fistt 3KO Zeile». P»stscheckk«»ts B»tr»,erl», B»»n, (SU, Kr. 74747. q-raurg-geben poij Rabbiner Dr. gtttiC Kohn. Bonn. Schristleitckng und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaff« 52. Kummer 54 ZSönn. 11, Juni 1SS0. — 25 Siwan 5680 2. Jahrgang. □□□□□□□□□□aaaaäooiaioiaaaQaaDDaaQaaaaaaoDa S □ a D a Wochenadfchnilt Y? n& g 5 D O Q DaaDoaaDaaDDaaaaonoaaaaaaaDnaaaDooaoaoa Das Hrgument des Knüppels. Josim aber und Kaleb, die »nler denen wnrcn, die dnS Land aiisgekundschaftet Hallen, zerrissen ihre SUfi- > der »nd sprachen zur ganzen Gcnieindr.. wie folgt: „Das Land, welMS wir durchzogen' haben, um es anszuknndschasten, ist ein sehr, sehr gutes Land. Wen», Gott Gefallen an uns hat, so wird er »ns in dieses ,.?and bringen n»d eS »ns geben... Fallt nur nicht . vo» Gott ab, so braucht ihr die Bewohner des Landes nicht z» fürchte», denn sie sich) uns preisgegeben. Ihr Schatten ist von ihnen gewichen, gud mit uns ist Goit: Fürchtet sie nicht!" —' Ta wollte die ganze Gemeinde sie steinigen. Ta aber erschien die Herrlichkeit' Gottes im StislSzeltr vor allen Binder» Israel. 1. Mose, 11, G—10. Taö ist Kas letzte Argument: Wenn dem Pöbel die Wtfmfcc ausgeheu, greift er zum Knüppel, oder, wie damals zuin Stein. Gegen das, >vas Josua und Kaleb vorbrachten, und vor allein gegen die Art, wie sie es vorbrachten, gab es keine anderen: Hier offenbarle sich die Macht des Wortes in.einer so zwingender Weise, das; ein Widerivort unniöge lich war. Ein heiliges Feuer strahlte von diesen Männern -aus, als sie riesen: „Ihr Schatten ist von ihnen geivichen nnd mit uns ist Gott!" Das Volk geriet ins Schlvanken, da blieb der Gewalt nichts übrig, als sich auf die Gewalt zu berufen: „Her mit de», Knüppel! Steinigt sie!" Ja, was soll man gegen solckw Gründe sagen? Was soll der Jude sagen, mit dem die Welt eigentlich nie anders . argumentiert hat als jo? In einem Anzengruberschcn Stücke lvird einmal ein Bua, der vom Nausen kommt, gefragt, warum sie ihn denn im Wirtshaus gehauen hätten? „Weil's tue Mehreren »raren!" antwortete er. Das ist der liefe Sinn all unserer Nöte: Man hat rjmnier nur mit diesen letzten Gründen — die freilich auf eine ganz besondere-Art triftig sind — mit uns Juden debattiert, und wird es ewig so weiter tun. Die Diskussion mit uns wird immer au; Ende begonnen: Wer di« Mehrheit, die Gewalt, die Macht hat, brgucht keine Gründe, unb noch selten hat es eine Macht gegeben, die sich freiwillig ihres besten Grundes, nämlich, feine Gründe zu brauchen, begab. Wir Juden mögen deshalb mit Engelzungen reden, es nützt uns nichts. Jinmcr lvird gegen uns sprechen, daß mir die Wenigen sind. Ja, je überzeugender wir reden, je zivingender unsere Gründe, um so näher der Knüppel. Und doch gibt es für den Schwachen, den Kleinen einen Trost: Das letzte Wort behält der-, Knüppel nie. er bleibt ein armseliges Argument, das wohl den Mund stopfen, aber nicht den Eieist vertreib» kann. Der Menschheit ganzer JaininerKann einen anfassen. »>enn man in der letzten Woche die lieben Parteien auf diese Weise argnmetrtieven sah: Lauter papierene .Knüppel wirbelten in der Luft, man steinigte sich mit Plakate^ ersäufte de« Eiegner mit Flugblättern, sprengte Versammlungen, und wo kerne kleine zu schmeißen waren, benutzte man Roßäpfel: Ei» Kampf um die Macht mit den Mitteln der Macht: Geld, Masse. Gewalt!- Und doch, was ist das alles gegen die Macht des Geistes, gegen die gute und gerechte Sache, seis auch nur eines mit Ehre willen groß lwrsochtenen Strohhalms. x Wir Juden, die min über keine Machtfülle verfügen als die Fülle des HerzeirL^die stets die Macht der Schwachen, Unterdrückten war, sollten im eigenen Lager keine andere Macht ans Ruder lassen als diese. Leicht läs;t sich der Unterdrückte verführen, selbst ein Unterdrücker zu werden für noch Schwächere und wir erleben es auch schon einmal bei uns, das; .Knechtsinn die Trümpfe der Macht auszuspielcn versucht gegen die Trümpfe der Idee, die die besseren sind. Mit Knüppeln lägt sich der Geist nicht Niederschlagen. Versucht man's, so erscheint im selben Augenblick die Herrlichkeit Gottes über dem Stiftszelt, die, überall da ist, wo Menschen die Brust aufreißen und ihr blutendes Herz zeigen wie Kalcb nnd Josua. Emil E o h n. Mocdenscdau. Tatsachen und Ertzebniße. Deutschland. Berlin. Iw dem bereits in voriger Nummer genannten Aufsatz Paul Nathans über .^Weltkrieg, Judentum und Zionismus" redet der Verfasser einer Versöhnung der Parteien im deurschen Judentum das Wort. Er tut es i» der Form einer Besprechung von I)r. Zollschans Werk „Revision des jüdischen Nationalismus", das er im allgemeinen beipsliksitend kritisiert, und schlicht mit den Worten: Des Buch von Nr. Zolljchan verdient nicht-Nur von Zionisten, souderir auch von Nichtzionisten gelesen und durchdacht zu werden. Es wird gewiss,Ansechlungen erfahren, akwr ihm wohnt ein großes Verdienst inne: e^ist ein erster und ein außerordentlich verdienstvoller Versuch, unter Berücksichtigung der neuen Verhältnisse nach der» Kriege Brücken zu schlagen ztvischcn den Zionisten und den Nichtzionisten. Die allen Gegensätze zu mildern, die alte Verbitterung und die alten Vorurteile auf kreiden Seiten zurückzudrängen, wird nicht leicht sein, und der Versuch wird nicht von heute ans übermorgeu gelinge»; aber einen Versuch nach dieser Richtung hin zu Hnterstützen, ist die Aufgabe aller derer, die den pvlitisck-en Ernst der Zeilen erkennen, denen dke furchtbaren Pogrome in der Ukraine, im Innern Rußlands. in Polen, in den lilauisck-en (Gebieten, in Uägarn Warnungssianale sind; die das Hervortreten des Antiscmilisinus in Österreich, in Deutschland richtig bewerten, und die daher die erbitterte Gegnerschaft von Juden gegen Juden in solchen Zeiten als besonders verderblich erachten. Berlin. Die aus den Anregungen des Cohen-Schüler» Dr. Franz Roscnzweig-Eassel hervorgcgangene Akademie für die Wisienschast des Judentums hielt am 17. Mai in