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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-06-04 · 53 (4.6.1920) · p. Seite 246

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
53 (4.6.1920)
Date
1920-06-04
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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firlne der am Stufigsten gebrauchten Argumente «gen die ostjüdischen Arbeiter ist die auch von Mischer Seite öfters geglaubte Erzählung, von der Teilnahme der ostjüdischen Arbeiter an den Kämpfen der Roten Arme«. Tiefe Erzählungen find Lügen. De Teilnahme jüdischer Atlieiier an der revolutionären Bclvegung im Ruhrgrbiet ist tatsächlich, selbst nach Eingeständnis der Behörden, sehr gering. Aus dieser Teilnahme auch einiger jüdischer Arbeiter seine Stellung zu den Ostjudcn oder dem Jüdischen Arlvilsamt abhängig 'machen zu wollen, würde nur ein völliges Verkennen der gewaltigen sozialen Aufgaben bedeuten, die durch ein negatives Verhalten nicht gelöst werden können. Tie jüdischen Gemeinden Rheinland-Westfalens haben die Bedeutung des Jüdischen Arbeitsamtes voll erkannt. Es zahlen jetzt 47 Gemeinden Rheinland-Westfalens regelmäßig Beiträge. Allerdings ist die Höhe der Beiträge vieler Gcineindeu nicht genügend. Das Arbeitsamt bittet alle angcschlofienen Gcineinden ergebenst, eine Erhöhung ihrer Beiträge in Erwägwig zu ziehen. In den Monaten März-April sind vom Jüdisck)cn Arbeitsamt 260 Arbeiter umergebracht worden. Nürnberg. Am 1.1. Mai fand in Nürnberg die erste Telegicrtcntaguilg des Landesverbandes der Jüdischen Jugendvereine Ba»)erns statt, an der außer den Vertretern dcr 1.1 baherischen Vereine der Verbandsvorsitzende, Herr l>r. Apfel, Berlin, und der stellvertretende Vorsitzende, Herr >>r. Löffler, Frankfurt a. M., außerdem Delegierte der Landesverbände von Hcsien, Württemberg. West- und Nordwestdeutschland teilnahmen. Jugendliche Begeiste- >»»g. innere vom glühendsten Feuer für die Jugendbewegung erfüllte Mitarbeit aller -Anwesenden drückten-der Tagung ihren Stempelauf und hat bei allen Teilnehmern den tiefsten Eindruck über die erhebenden Stunden hervvlgcrufen. Ganz besonders tiefen Eindruck riefen bei allen Zuhörern die aus innerstem jugendlichen Herzen kommenden Worte des Herrn l)r. Löffler hervor, der mit der ihm eigenen Prägung den Gedanken der neuen Jugend nicht nur beredtesten Ausdruck verlieh, sondern neuen Arbeitsfloss für die kommenden Monate in reichster Fülle zu geben verstand. Tie eindrucksvolle Tagung beschloß ein Referat des Herrn l)r. Apfel über „Sind wir deutschen Juden auf dem richtigen Wege?", das bei der zahlreichen Zuhörerschaft großen Beifall erntete. Mit dem befriedigenden Gefühl. einen neuen Merkstein am Bau der Jugendgemeinschaft errichtet zu haben, verließen' die Delegiertender zicueir Jugend die Mauern des alten Nürnbergs. Berlin. Die Zeitschrift „Neue Jüdische Monatshefte" hat ihr Erscheinen vorerst eingestellt. Als Grund nird die außerordentliche Teuerung aller Erzeugnisie des Buchdrucks und der durch die Sperre des Ostens bedingte Verlust an Beziehern angegeben. Berlin. Ter Verein zur -Abwehr des Antisemitismus hat unter dern Titel Abivehr-Abc soeben ein in erster Linie für den Wahlkampf bestimmtes kurzes Handbuch er- .jcheincn lassen, das. bis auf die letzten Erscheinungen fortgcführt. allen denen, die sich mit der Abtvehr antisemitischer Anwürfe zu t>efasscn hüben, einen gedrängten Überblick und eine schnelle Nachschlagemöglichkeit über alles bieu't, was mit jener Bclvegung in Zusammenhang steht. Tas Werkchen ist zum Preise von 3 Mark durch das Bureau des Vereins, Berlin W. 35, Flottlvellstraße 7, zu begehen. Berlin. Der „Vorwärts" ist in der Lage, ein streng venraulick>es Rundschreiben zu veröffentlichen. das von der Tcuischnaiionalen Polkspartei im Kreise Ncustcttin an ihre Parteimitglieder und Freunde gerichtet worden ist. Tas Rundschreiben ist außeroidentlich bezeichnend für die Skrupellosigkeit der deutschnationalen Agitation; es lautet: „Tas bon uns zur sozialdemokratischen Maifeier herausgegcbcne Flugblatt hat seine Schuldigkeit getan. Tie Arbeiter»glauben bekanntlich alles, ,wgs gedruckt ist. Eo liegt demnach an uns. sie fortwährend mit dem richtigen Lesestoff zu »»ersorgen. Eine in diescin Sinne gechickk geleitete Agitation wird ihre Bsrküng kum «ri ehlen. Durch den Hinweis auf di« Juden und' bestmtzers mdurch, daß man. den Anschein erwecktals ob di« Führer ' mib»jüdischem Gelbe bestochen wären, lassen sich die Arbeiter leicht ablenken. Dazu kommt, daß Mebrheitssozialisten und Unabhängige sich gegenseitig bekämpfen bis aufs Mesier. Nutzen wir diese für uns überaus günstige Situation richtig aus, in.dem wir die Aufmerksamkeit der Arbeiter auf die Juden und nur auf die Juden lensen, dann wird der 18. März, der wie Frühlingsnahen hoffnungsvoll uns aufging, trotz Sturm und Wettpr seine Blüten entfalten und reiche Früchte tragen l" Weinheim. Auf der Tagesordnung der demnächst hier stattfindenden Tagung des Weinheimer Seniorenkonvents, dem alle studentischen Korps der deutschen technischen" Hochschulen angchören, soll für dieselben ein neues Statut beschlossen werden, in welchem eine Bestimmung lautet: „Tas Korps ist eine Vereinigung ehrenhafter, für das Leben in Freundschaft verbundener Studenten und früherer Studenten auf nationaler Grundlage. . . Entsprechend der nationalen Grundlage des Korps sind Juden und deren Abkömmlinge, sowie Fremdausländer von der Aufnahme ausgeschlosicn. Angehörige germanischer Staaten können ausgenommen werden, wenn sie Förderer der , germanischen Ideen und Deutschfreunde sind." Berlin. Wie wir vom Arbeiterfürforgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands erfahren, laufen ausländische Juden, insbesondere Flüchtlinge, die ohne besondere Einreiseerlaubnis sich nach Bayern begeben, Gefahr. auf bayerischem Gebiet festgenommen zu werden, wo sic dann längere Zeit in Haft fitzen. Alle mit der Flüchtlingsfürsorgc betrauten Stellen, insbesondere auch die Durchreisekommissionen und Fürsorgestcllen für Wanderarme »verden gebeten, die Flüchtlinge entsprechend zu informieren. da es schwer hält, für bereits schuldlos, aus Unkenntnis in Haft genommene, auf bayerischem Gebiet die Freilasiung zu erwirken. Ungarn. Szegedin. Wenige Stunden nach der Verhaftung de- Oberrabbiners Immanuel Löw sprach eine aus Mitgliedern der Szegediner Kriltusgemeindc bestehende Abordnung beim Staatsanwalt vor und bot eine Kaution von einer Million Kronen für vr. Immanuel Löw an. Diese- Summe wurde nicht nur zu dem Zwecke angeboten, um dadurch zu bewirken, daß Or. Löw auf freien. Fuß gesetzt wurde, die Gemeinde hat vielmehr erklärt, daß diese Kaution auch für den Fall als verfallen angesehen werden möge, wenn die Beschuldigung des Hochverrats gegen vr. Löw im Verlaufe einer Verhandlung vor einem ordentlichen Gerichte auch nur in geringstem Maße nachgewiesen werden sollte. Der Staatsanwalt hat die Mitglieder dieser Abordnung hinausgewiesen und ihnen mit Verhaftung ge- , droht, wenn sie noch einmal mit solchen Anliegen kämen. Budapest. Die Exemplare des „Nemzedek Ujsäg" mit d^n Berichten über den Hochverrat des Oberrabbiners I)r. Löw wurden von der Friedrich-Gruppe vervielfältigt und in alle Teile des Landes versendet. Ivan Hejjas und Bibo, die Organisatoren der Masicnmord« in Orgovani und jenseits der Donau, sind mit ihren Offiziersdetachements behufs „Überwachung der Untersuchung gegen vr. Löw" in Szegedin. Die Szegediner Judenschaft verläßt fluchtartig die Stadt. . I. P. Z. Pole». Warschau. Die Regierungsbehörde hat vier jüdischen Arbeitcrblättern das Weiteverscheinen untersagt. Es sind dies die „Arbeiterstimme" (Organ des „Bund"), „Arbeiterwort" (poale-zionistisch), ,Ler neue Weg" und „Sozialistische Jugendstimme". Warschau. Einen originellen Gedanken verwirklicht die „Amerikänisch-südische Famllien-Kino-Gesellschaft" in New Jork. Sie läßt in Warschau Filmaufnahmen in

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