Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 53 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jede» Areit»». vez»i»- peris 75 ff. »,»,tl Z« lc|<c|ca d»rch stattlich« f»ftt»ter «der d»rch de« v»te»d«,l«i i> L»»». VOI^ RHEIN Jüdisches Volksblatt Vajeiieaprtl*: 1.- fl.str dir »l«t* »efp. Petlt»eUe. Dir,«»1« Seite »»fitzlSSV Zelle«. P»ßscheckl»»t« >,te«»rrl«, v«»«, Eil« Nr. 74747. ^«rausgegeben von Rabbiner Dr. Hrnit Kohn, Bonn. Schristleitung und Geschäftsstelle: Bonn, vrüdergaffe 52. N»mmer 53 Wonn, 4. Auni 1920. — 18 Kiwan 5080 2. Jahrgang. aaoanaDaaoaaaooaaDKHODaoDoaaaaaaDaoaoaon S 8 8 Wocheiadschnitt in^na. g a d a a DQaaaaDDaaaaaaDiaaBoaaaaaaDDaDODaaaaaoDD Das „zn>eiteiPc$ach“. Und so feierten sie daS Peßach am 14. Ta^e des ersten Monats. ... Es Ivaren aber da Männer, die sich an einem Toten verunreinigt hatten, und deshalb das Peßach nicht feiern konnten an jenem Tage. Ta kamen sie vor Mose und Aron an eben dem Tage. Und jene Männer sprachen zu ihm: „Wir sind unrein an einem Toten, warum sollen wir verkürzt werden, daß wir das Opfer des Ewigen zu {einer Zeit inmitten der Kinder Israels nicht darringen dürfen?"- Ta sprach Mott Xu Mose wie folgt: Rede zu den Kindern Israel: Jeglicher, der sich am Toicn verunreinigt hat oder ans iveiter Reise ist von euch oder euren Nachkommen, soll dennoch baß Peßach darbringen, und zwar am 14. Tage des zweiten Monats . ... 4. Mose, 9,6—11. Es ist die lvenig bekannte Lehre vom „zweiten Peßach", die wir hier vor uns haben, und die uns erstens die überragende Bedeutung des Freiheitsfestes lehrt,- zweitens für alle guten Dinge auf Erden ein für allemal den Satz gelten läßt: „Besser spät als nie!" Wer unrein oder auf Reisen ist, das heißt, ivem seelische oder räumliche Hemmungen am 14. Nißan entgegenstehen, der feiere Peßach am 14. Jjar. Dieser 14. Jjar wird, wie die späteren Erklärer sagen, dadurch kein Jontef, auch tverden Chomez und Mazzoh an diesem Tage brüderlich die Speisekammer teilen, aber das Recht am Peßach, am Freiheitsfest, am Auszug aus Mizraim, soll keinem Juden rwrkürzt oder gar genommen sein. Dieses Gesetz wirkt heute mit der Sinnbildlichkcit eines schönen Midrasch auf uns ein. Ist nicht unser ganzes Judesein erfüllt von Hemmungen und damit eine einzige, große, unsterbliche Sehnsucht? Wir Juden sind eigentlich immer „auf einer weiten Steife", oder immer irgendwie*„an toten Dingen", sei's Geld oder Gier, tinrein, und kommen darum nicht dazu, die Freiheit zu feiern, wie sichs gebührt. Und doch ist jedes Herz brennende Sehnsucht, hcimzukonimcn und rein zu tverden und jede jüdische Seellr schreit wie die Männer um Mose: „Wir möchten, wir wollen, wir inüssen feiern!" Und »uenn wir dann wirklich dazu kommen, da mag dann auch ein bischen Chomez dabei sein und ein bischen Jontef fehlen, was tut es? — Wir feiern! Ja, gerade, iwil alles nicht so restlos aufgeht, alles, spät und ein lvenig halb koinmt, ist es um so menschlicher und rührender, vielleicht sogar ethisch um so höher zu bewerten, daß man sich nicht, beruhigt hat bei den Unmöglichkeiten einer höheren Gewalt, sondern dem entschrvebendcn Feste nachgelaufen ist, um wenigstetis noch den'Zipfel seines Schleiers zu erhaschen: „Bester spät als itie!" Bon allen guten Dingen, die nie zu spät kommen können, ist das schönste doch — ein gutes Wort zur rechten Zeit: „Wie goldene Apfel in silbernen Schalen ist ein Wort gesprochen in rechter Art", sang der weise Salomo. Ein solches Wort ist gerade in diesen Tagen gesprochen tvordcn, und zwar von einem Manne,, der vermöge Stellung und Gaben mehr als jeder andere berechtigt ist \ alsein Mahner aufzutreten in ernster Zeit. Daß gerade seine Gegner es von ihm am.allerlvenigsten erwartet hätten, erhöht den Wert seiner- Rede. - F)r. Paul Rckthan, der geschäftsführende Leiter des Hilfsveieins der de»lschon Juden, hat in der Presse einen Aufsatz über „Weltkrieg, Judentum und Zionismus" ersä)eineir lasten, in dem er der Versöhnung der Parteien im deutschen Judentum das Wort redet. Er tut es in einer Weise, die nicht nur seiner -Klugheit, sondern auch feinem jüdisckwn Herzen Ehre machd Wild das Echo seines Wortes so auSfallcn, wie es zu wünschen wäre und vielleicht auch zu erivarten ist. so darf sich das deutsche Judentum uiixinc Hoffnung reicher rechnen. Das deutsclje Judentum, seine Gesetzestreuen und Liberalen, seine Zionisten und Zentralvereinlcr, ist „auf weiter Reise" gewesen und hat sein beste». Peßach, daK- Peßach des gegenseitigen Respektes, der Achtung rwr den Empfindungen und des Einfühlens in die Gcdankengängc anderer, — und nur in diesem Respekt vor dem anderen liegt eines Volkes wahre Freiheit — zwanzig Jahre lang versäumt. Aber jeder dcutsäre Jude soll Nüssen, daß eS nie zu spät ist, dieses Peßach, zu feiern, nie zu spät ist. Brücken zu schlagen, und. >ver den ersten Pfeiler einrammt,. verdient Dank. Emil Cohn. 8 Wochenschau. 8 V Tatsachen uni Crgelnilfe. jj Deutschland. Berlin. Die in Wien erscheinende jiddische Tages zcilung „Jüdische Morgenpvst" Hat eine besondere Redak tivns- und Adniiiiistrationsableilring für Deutschland in Berlin/RosentHaerstraßc 4.1, Telefon Norden 198$) eröffnet. Die wichtigen Erschcinnngcn im Leben des deutschen Judentums, insliesonderc der Ostjndcn in Deutschland, finden in dem Blatte ständige Würdigung. Die „Jüdische Morgenpost" ist die einzige in jüdischer Sprache erschcinendc Tageszeitung in den deutschsprachige» Länderir. Duisburg. Der» Tätigkeitsbericht des Jüd. Arbeitsamtes in Duisburg für die Monate März und April errinehmen wir. daß eine merkliche Abnahme der ostjüdische» Eir.wandcruug, wie in ganz Deutschland, so auch im rheinisch westfälische» Industriegebiet eingetrelen ist. Diese Abnahme ist'viellcicht schon zurückzusühren auf eine lang same Konsolidierung der Verhältnisse inr Lsten, jedenfalls aber auf eine Mindernng der militärischen Einziehungen. Die bedculnngsvolle Tätigkeit des Jüdischen Arbeitsamtes litt beträchtlich unter den Widerständen, die ihm von antisemitischcr Seite in den Weg gelegt wurden. Besonders geringes Verständnis für seine Tätigkeit zeigten die Landesarbcitsämtcr. Sehr nnrühmlich ist auch das Vorgehen der Duisburger Polizeiverwaltung, die sich gegenüber den ostjüdischen Arbeiter» einer schikanöse» Praris zugewandt hat.