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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-05-28 · 52 (28.5.1920) · p. Seite 240

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
52 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
Seite 240 (sequence 4)
Language
German
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Krankheit darniederlag. und die Zillah jetzt bejucht ^rben wollte: ,.ja. ich bin floh, daß es ihr bester geht. Rate einmal. was wir heute zum Abendbrot haben werden?" Zillah zuckte die Achseln. * „Roterüben-Suppe mit blauen Kartoffeln." Zillah öffnete ihre Lippen zu einer spöttischen Bemerkung. ..Es ist Arons Leibgericht — er hat es mir eben verraten". erklärte Salka. ..Wirklich?" sprach Zillah. man wußte aber nicht, war es ironisch gemeint, oder hakte sie Interesse dafür. Doch Salka legten sich diesen Ausruf nach ihrer Ansicht.zurecht; ihr schien er ein großes Interesse zu bekunden. „Sie hat ja jetzt auch ein Recht, nach seinen Lieblingsgerichten sich zu erkundigen", dachte Ne mit Bitterkeit. „Meine selige Mutt« zog dieses allen anderen Speisen vor", sprach Aron ruhig:^ste war eine brave Frau und eine herzensgute Mutter, und ich glaube, man kann das Andenken guter Menschen auch dadurch ihren, daß man ihre Gewohnheiten annimmt, und sei es auch Roterübcn-Suppe mit blauen Kartoffeln zu esten." lstortsrtzung folgt.) Mo» Krrg (Ed. Köln. Wer unlängst sich das Vergnügen gemacht hat. die stets sehr interestanten zuv Schckv ausgelegten Bilder der Kölnischen Zeitung zu betrachten, der hat sich gewiß fesseln lasten von einm Bilde, das — nach dem Platze zu urteilen, der ihm in den» gairzen Arrangement zugewiesen lvorden lyar — anscheinend als die Zierde des ganzen Schaufensters angesehen zu werden bestimmt war. Das Bild, eine Photographie, stellte den Moment eines wohlgelungenen Stabhochsprunges dar. auf der Brust des Turners >var deutlich sichtbar der Sechsstern, der Stem Davids. das Abzeicl)en des Klubs, dem der Springer angchört. Wie es sich herausstcllte. hatte weder dieser noch irgend ein Mitglied des Klubs eine Ahnung von der Ehrung, lvelche die Kölnische Zeitung dieser turnerischen Leistung zollte. Um so größer war die Freude des Jüdisck>en Turnvereins — denn um einen Turner dieses Vereins handelte es sich — auch jüdische Leistungen auf dem Gebiete dev Leichtathletik an so hervorragender Stelle getvertet zu sehen. Es muß diese Tatsache jeden Juden um so angenehmer berühren, als ihm seine Eignung zum strammen Dienst und zur straffen Disziplin auch heute noch von antisemitischer Seite abgesprochen wird. Das hindert den Verein natürlich nicht, seinen Ehrgeiz zu verdoppeln, es jedem anderen, ja dem tüchtigsten Konkurrenzverein gleichzutun. Davon legte er auch kürzlich wieder einen Betvcis gelegentlich des am letzten Sonntag veranstalteten Sternlanfs ab. Besondere Anerkennung wurde den jüdischen Teilnehmern dort für Ordnung und Disziplin ausgesprochen. Mit gespannter Ungeduld sehen die Mitglieder des Jüdisckttn Turnvereins den kommenden großen Ausscheidungskämpfen entgegen und unten dem Stem Davids auf ihrer Brust hämmert »»erhaltene Kampfesfreude. Düsseldorf. Im jüdischen Jugendverein, Düsseldorf, sprach) am 4. Mai in einer gut besuchten Versammlung der Vorsitzende des Verbandes der jüd. Jrmendvercine, Herr Dr. Apfel aus Berlin, über das Tl)ema: Sind die deütschen Juden arrs dem richtigen Wege?" — In seinen bedeutsamen, von hoher Begeisterung getragenen, mit stmkcm Beifall ausgenommenen Ausführungen, betonte der Redner. daß jeder sich bewußt stin müsse, daß er eine Epoche miterlebc. di« auf allen Gebieten die tiefgehendsten Umwälzungen heworgerufen habe. Die deutsche Revolution hat>e. wenn sie auch geistig tveniger vorbereitet gewesen sei als frühere, doch schöpferische Gedanken, zum mindesten auf sozialein Gebiete hervorgeoracht. Es sei die Pflicht eines . jeden, auch der Juden, insbesondere der Jugend, an dem ' Wiederaufbau des Vaterlandes mitzuarbeiten. Di« Parteizugehörigkeit habe dabei nicht mitzusprechen, überhaupt sei der Jude nicht für eine bestimmte Partei verpflichtet, er könne sich, wie es ja auch geschehe, in jeder Partei betätigen und es sei deshalb ein unbilliges Verlangen, daß wir Juden von einer bestimmten Partei abrücken sollten. Gewiß könne heute kein Jude der Deutsch-nationalen Partei angehöven. die den Kampf gegen daS Judentum auf ihre Fahne geschrieben habe. Aber es gebe doch viele Juden, die innerpolitisch auf dem Boden dieser Partei ständen. Redner besprach dann das Verhältnis der übrigen Partien zur Judenfvage und stellte fest, daß selbst freiheitlich gerichtete Parteien sich aus „Zweckmäßigkeitsgründen" scheuten, Juden als Kandidaten aufzustellen. In dieser Zeit, da eine Sammlung aller jüdischen Kräfte erforderlich sei, müßten innerjüdische Streitigkeiten, auch der Kampf um die zionistischen Ideen, zurückgestellt werden. Die Konferrnz in San Remo habe die Zionisten ihrem Ziele näher geführt. Die jüdische Heimstätte erscheine gesichert. Für uns deutsche Jaden wcüre sich aber wenig ändem, da sich der überwiegende Teil als unlösbar zum deutschen Volke gehörig betrachte. Lebhaft zu bÄvuern sei, daß der Konferenzgedanke nicht zuv Ausführung gelangt und so die einheitliche Vertretung der deutschen Judenheit noch nicht „ geschaffen sei. Ein Krebsschaden für uns sei die Übcrorgg- ' nisation Und das Notabelunwesen. Bei all diesen Aufgaben ' müsse die jüdische Jugend eifrig Mitarbeiten und den Materialismus der Zeit überwinden durch gesunden Realismus. . Dem Vortrage wohnten zahlreiche Delegierte der westdeutschen Jugendvereine bei, die nachmittags zu einer Besprechung zusammengekommen lvaren. ' Ein. Mißtoni wurde in die Berfanunlung gebracht durch das ungehörige Verhalten einer Anzahl älterer Schüler höherer Lehranstalten. Mitglieder des deutschnationalen Jugendbundes, die während'' des Vortrags lauten Schrittes den Saal betraten und die Versammlung zu stören versuchten. Am Schluß seines Vortrags wurde Herm Dr. Apfel von einem der Schüler eine Broschüre äs Schutz- und Trutzbundes überreicht, mit dem Ersuchen, sich darüber zu äußnn. Dies geschah in solch schlagender, eindrucksvoller Weise, daß die Gegner verstummen ^mußten. Es ist tief bedauerlich, daß die Verhetzung unter den Schülern so weit um sich gegriffen hat und daß der Antisemitismus sich unreifer Menschen bedient, um ihm mißliebige Versammlungen, die austlärend wirken könnten, zu stören. " Siegburg. Ter hiesige Jüdische Jrrgendbmtd Gabriel Riesser entfaltete in letzter Zeit-eine rege Tätigkeit, die zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Neben einigen schönen Wanderungen, die dir Mitglieder zum Teil mit. den benachbarten Schwestervereinen zusamnienführie. sind besonders zwei Veranstaltungen hervorzuheben, bei denen sich zwei Redner in freundlicher Weise dem im Aufblühen begriffenen Vereine zur Verfügung stellen. Am 1. Mai sprach Herr Rechtsamvalt Dr. Blankenfeld-Bonn über „Die politifck)e Zerklüftung dev Juden in Deutschland" und am 13. Mai Herr Dr. Veist-Andernach über „Jüdische Gegentvartsfragen". Es ist noch zu erwähnen, daß eingangs der Vorsitzende, Herr Max ^Heymcknn. der dem Delegiertrntag Jüd. Jugendvereine in Düsseldorf beigewohnt hat,, einen treffenden Bericht über die wichtigsten daselbst zur Sprache gekommenen Punkte gab. Es ist wohl angebracht, Herrn Max Heymann für seinen unermüdlichen Eifer an dieser Stelle den Dank der Mitglieder auszusprechen. Trier. Am 13. Mai 1920 fand in her hiesigen Zionistischen Ortsgruppe, di« seit ihrer Gründung vor einem Jahre 40s Mitglieder zählt, eine Palästina-Feier statt. Es »varen außerdem 15 Gäste, die der Ortsgruppe nahestehen, geladeiu Per Festredner. Zahnarzt Bernheim, gedachte vor allem Herzls und sprach im wesentlichen über eigene zignistische Erlebnisie und stierte die Bedeutung des Beschlusies von Kan Remo für das jüdische Volk. Ferner wurän einige Gedichte und ein Märchen vorgettvgen. Nach dem Festakt fand, ein tadelloses Festesten mit Patä-

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