Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 52 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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tragen werde, daß dies« Punkt von allen Regierungen ein. gehalten werde. Ein &onte von 100 000 Dollar für die Arbeiten be* jüdischen Kongressesoll bereitgestellt werden. Die Konferenz der Delegierten soll so lange wirken, bider permanent« jüdische Kongreß gesichert ist. Newyork. Dem anläßlich der Entscheidung in San Nemo in Newyork tagenden zion. Kongreß ist folgendes Telegramm von Lloyd George zugegangen: «Di« Ratifizierung der Balfour-'Deklaration durch den Obersten Rat und di« Übertragung des Mandats über Palästina an Großbritannien bedeutet einen großen Triumph für den Fortschritt der jüdischen Sache. Ich zweifle nicht, daß die Juden der ganzen Welt mit Gvoßbritanstien zusammenarbeiten werden, um Palästina nicht nur zum, glücklichen Heim für die Juden, sondern zum Lande ber Freiheit und des Wohlstandes auch für alle anderen Einwohner zu machen. Lloyd George." Newyork. Hier hat die Sammlung des Millionenfonds für die jüdischen Notleidenden in Europa begonnen. Am 11.. April fand ein Bankett im Astor-Hotel in Anwesenheit von 2000 Personen statt, dem Otto Rosalsky, der Leiter der Sammlung in Newyork, präsidierte. Nach einer Rede von Elkus ergriff Hoover das Wort und schilderte seine Tätigkeit für die Hilfsarbeit in Europa. Er wies auf die Leiden der Juden hin, di« nicht nm als Menschen. sondern auch als Juden leiden, und forderte zu zahlreichen Spenden auf. Nach einem warmen Appell von Louis Marshall wurden an Ort und Stelle unter großer Begeisterung 1'/, Millionen Dollar gesammelt. Frmckreich^ Paris. Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris hat die Einberufung d!eo jüdischen Welthilfskonferenz für den 27. Juli nach Teplitz (Tschecho-Slowaktt) beschlossen. Dieser Beschluß wurde nach einem Referat des aus Amerika zurückgekehrten Delegierten Dr. Salkind ge« faßt. Dr. Salkind äußerte sich ziemlich optimistisch über daS Ergebnis seiner Reise nach Amerika. Unter anderem teilte er mit, daß der amerikanisch-jüdische Kongreß demnächst zusammentreten und unter anderen Fragen auch die. Entsendung von ständigen Delegierten in den „Waad Hoarazoth" beschließen wird, welcher bekanntlich als Nachfolger des «Komitees der jüdischer: Delegationen bei der Friedenskonferenz" die ständige Vertretung der einzelnen jüdischen Nationalräte beim Völkerbundrat bilden soll. England. London. In ganz England wird demnächst eine große Geulla-Woche mit festlichen Veranstaltungen unter Beteiligung sämtlicher jüdischer Gemeinden Englands verunstaltet. Der Zweck dieser Veranstaltungen, für die unter der gesamten englischen Judenheit ohne Unterschied von Partei und Klasse das lebhafteste Interesse besteht, ist. durch große Sammlungen für den Palästina- Aufbaufonds die unverzügliche Inangriffnahme der großen Arbeit in Palästirm zu ermöglich«:. Die Jüdische Nationalfondskommission in England leitet eine separate große Sammelaktion ein und lud sämtliche Synagogengemeinden ein, die Beschlüße von San Remo durch große Spenden zu verewigen. London. Der Leiter der englischen MiSrachi-Betvegung, Rabbiner Dr. Schönfeld, verläßt dieser Tage England, um zwecks Leitung der Erziehungsinstitutionen des Misrachi nach Palästina überzusiedeln. Palästina. Jerusalem. DaS Ergebnis der Wahlen zur jüdischen Konstituante in Palästina brächte einen Sieg der sephavbischen Elemente, welche die Schaffung eines mächtigen Zentrums und die Pflege herzlicher Ziehungen zu Arabern beabsichtigen. . Zürich. Wie die ,£01 berichten weiß, fanden die W lung unter arotzer I^tetligung statt. Besonderin Jaffa war die Agitation während der letzten Tage eine äußert rege.' Eine Flut von Wahlproklamationen ergoß sich über die Stadt. Am tätigsten zeigten sich der' Hapoel-Hazair, die Achduth Haawoda, die Sephardim und die Jemeniten, während di« Bürgerpartei (ESrach) weniger rühvig war. Gewählt wurden in Jaffa', 11 Sephackim, 11 Achdus, -0 Jemeniten. 2 Misrachi, 8 Hapoel-Hazair, je zwei Manvdate fielen Mikadnim und Esrach zu. Jaffa. Auf Befehl des Militärgouverneurs Lord Allenby wurde Mitte April mit der Ausarbeitung eines Planes für den Ausbau de- Hafens in Haifa begonnen. ' Pari-. Nach Londoner Meldungen werde die Regierung von Palästirm, daunter britisches Mandat komme, einem Kommisiär anvertmut werden, dem ein Beirat zur Seite stehen werde, bis eine Volksvertretung gebildet fei. Die Zivilverwaltung werde im kommenden Monat der Militmcverwaltung unterstellt werden. (?) Nach weiteren Meldungen aus London finden längs des Jordan Ansammlungen von Arabern statt. London. „Times" melden einen Beduinenüberfall auf Jericho, bei dem 46 Stück Vieh geraubt wurden. Englisch« Truppen übernahmen die Verfolgung der Räuber. Jvälkcke CÖAter. Von SamuekGordon. Bericht. Übertragung au» dem Engl. da». M. Pulvermann. T▼ T VT T T V T TT V ' lSortsetzung.1 9. Leise betrat Zillah den Laden. Jankele stand am Fenster, um Zucfer abzuwiegen. Diese Aufgabe konnte man ihm schon getrost anvertrauen. Rhadamanthys, der oberste, Richter in der Unterwelt, gebrauchte seine Wage der Ge-" rechtigkeit sicherlich nicht gewissenhafter als Jankele seine Wagschale für Zucke.r und Sirup. Er gab'nie Übergewicht, denn dieses erachtete er als seine Nebeneinnahme. In der Küche Hörle man Stimmen. Natürlich, dort war ja Salka und der Freier. Zillah hatte ihn schon wieder vergesien. Man kann doch auch nicht an alles denken. Sie hatte jetzt was anderes im Kopfe. Wenige Schritte brachten sie in deren Gegenwart. Als sie cintrat, sprang Salka auf und betrachtete sie mit einem heißen, ängstlichen^ Blick. Das trockene Fichtenholz flammte auf dem offenen Herd, wie eine Pechfackel, so daß Zillahs Gesicht tageshell beleuchtet war. Ja, dachte Salka. man merkt es ihr an, sie ist endlich aiir Entscheidung gekommen, denn ihr- Gesicht zeigt ruhige Sicherheit, die Furchen des Zweifels sind verschwunden und ihre Lippen umspielt ein Lächeln, ein untrügliches Zeichen des Sieges. Ein namenlöser Schmerz kietz Salkas Herz erbeben. Warum hat sie auch die Gelegenheit von sich gewiesen, als sie sich ihr ungesucht dargeboten? Die Möglichkeit, die sich vorige Nacht in ihre Gedanken geschlichen, und die sich im Laufe des heutigen Tages zur festen Überzeugung ausgereift, warum ist sie denn so spät — vielleicht zu spät — erst gekommen? Hätt( sie nur eine Ahnung von dem gehabt, was sie jetzt bestimmt wußte, sie hätte es sich, wahrlich, nicht erst zweimal sagen laßen, sich Mühe zu geben, um Arons Liebe zu gewinnen, mochte daraus entstehen, was da wolle. Sie hat mit ihrem Lebensgkück leichtfertig gespielt, und dafür rächt es sich jetzt an ihr. Doch sie darf sich nichts anmerken laßen; sie muß brav bleiben — brav und mädchenhaft, ob auch das Herz bricht. „Ich freue mich, daß es ihr beßer geht", sagte sie ruhig, in Erwiderung auf eine Bemerkung Zillahs, über den Zustand einer erdichteten Freundin, di« an einer «dichteten