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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-05-28 · 52 (28.5.1920) · p. Seite 238

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
52 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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fungen wurden all« da- Ostjudentum in Deutschland berührenden aktuellen Fragen eingehend erörtert. Nach der Dahl des Präsidiums Lewit (Berlin), Reich (München), Bader (Köln), Lin (Berlin), Dr. Taubes (Stuttgart) er- “ stattete der Generalsekretär des Verbandes, Herr Lin, den Tätigkeitsbericht und wieS auf di« Leistungen des Verbandes. insbesondere aus den Gebieten der sozialen Fürsorge und des Rechtsschutzes, hin. Gleichzeitig hob er l>ervor, daß der Verband an den grohen Aufgaben deS GesamtjudentumS aktiv mitzuwirken habe. Die Frage der jüdischen Wanderung und der Flüchtlingsfürsorge behandelte Herr Dr. Taubes in einem eingehenden Referat und wieS besonders darauf hin, daß Deutschland vornehmlich eine Etappe auf dem Wege der jüdischen Wanderung bildet. Einen Hauptgegenstand der v Verhandlungen bildete der Ausbau der Organisation. ES wurde ein zwölfgliedriges Zentralkomitee als Leitung der ostjüdischen Gesamtorganisation in Deutschland gewählt, dem 5 Mitglieder auS Berlin und 7 aus der Provinz angchören. Tie Debatten nahmen einen würdigen Verlauf und führten zu voller Übereinstimmung in allen einschlägigen Fragen. Tic Konferenz setzte die Richtlinien für die künftige Tätigkeit des Verbandes fest. Zum Schluß drückte sic ihren Dank -an die jüdischen Organisationen in Amerika aus für ihre segensreiche Hilfsaktion zugunsten der notleidenden Juden in Osteuropa. Berlin. Die zunehmende Notlage und Bedrohung der aus dem Osten eingewanderten Flüchtlinge haben dazu geführt, daß die gesamten jüdischen Organisationen Deutschlands sich nach längeren Verhandlungen zusammengetan und das bereits früher bestehende Jüdische Arbeiter-Fürsorgeamt zu einer Spitzcnorganisation ausgebaut haben, der ausdrücklich die Vertretung und der Schutzs der Flüchtlinge vor den Behörden und allen in Frage kommenden Stellen, sowie die Einleitung zweckmäßiger sozialpolitischer Maßnahmen zum Dohle der Flüchtlinge Vorbehalten worden ist. Tie Räume des Arbeiterfürsorgeamtes sind verlegt worden und befinden sich jetzt Berlin, Auguststraße 15. I Treppe. Telefon 4223? Frankfurt a. M. Der diesjährige Delcgiertentag der Agudas-Jisroel-Judcnorganisationcn findet vom 2. bis 5. August in Nürnberg statt. München. Die in München, so treten auch in andern Orten Bayerns immer stärkere Bestrebungen hervor, die darauf hinziclen, die^ Einwohnerwehr zum Instrument der reaktionären und vor allem der antisemitischen Bewegung zu machen. In Rosenheim wird folgender Protest in Um- ° lauf gesetzt: „Protest. Die Unterzeichneten Mitglieder der Einwohnerwehr Rosenheim verlangen, daß die Wehr sich nur aus dcutschrassigen Mitgliedern zusammensetzt und erwarten daher das Ausscheiden der jüdischen Raste aus dem Verband. Sollte das nicht freiwillig erfolgen, so lehnen wir innerhalb der Wehr weitere Kameradschaft mit der jüdischen Rasse ab und verweigern ihr jede Unterstützung J und jeden kameradschaftlichen Schutz." Ungarn. v ' Berlin. In der Nacht vom 16. -um 19. ds. Mts. kam es an vier Stellen der Stadt Budapest zu schweren judenfeindlichcn Ausschreitungen. Die Urheber dirstr Pogrome, in deren Verlauf viele Juden getötet und ver- wundet wurden, waren die Brachial-Leute, Anhänger Horthys und seiner reaktionären Genosien. Zürich. Die Affäre des Szegediner OberrabbinerS Dr. Immanuel Löw wirft immer weitere Wogen. Man versucht Dr. Löw auch Verbindungen mit dem Ausland« zu unterschieben, die er bei seiner „Aufreizung gegen die ungarische Nation" benutzt haben soll,' und will einen Zu« sommenhang zwischen Dr. Löw und der öffentlichen Anklage gegen die Budapester Regierung, dir der Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes auf dem Meeting vom 11. April in Wien-gehalten Hot, Herstellen. Me der Budapefker Korrespondent der Neuen Züricher Zeitung mitteilt, dürfte Dr. Löw zweifellos zum Tode verurteilt werden. Zürich. Dir Rabbiner Dr. Cohn (Basel), Kornfein. Dr. Littmann. Dr. Lewenstein (Zürich) sandten namens der Rabbiner der Schweiz an den ungoäischen Justizminrster folgendes Telegramm: „Tief erschüttert und ganz entsetzt über die Verhaftung de« auch im Auslände allgemein geachteten und in -der jüdischen Gelehrtenwelt hochange- , sehenen Obervabbiners Löw auS Szegrdin bitten wir Eure ' Exzellenz, die erhobenen Beschuldigungen genauest prüstn zu lasten und den Zeugen Hollosy, den .Ilgemeen Handelsblad" am 29. April redaktionell als Agent provocateur bezeichnet, entsprechend einzuschätzen?' Zürich. Der Präsident des Zentralbüros dev AgudaS Jisroel, Dr. T. Lewenstein, ersuchte telegraphisch den Fürstprimas von Ungarn' um seine Intervention in der gegen Löw gerichteten Berleumdüngsaffäre. Desgleichen wandte er sich in dieser Sache mit einer eindringlichen Eingabe an die ungarische Regierung. Warschau. Am 31. Mai wird hier ein« jüdische Aufbaukonferenz tagen, auf der alle Parteien und Gemeinden vertreten sein wemden. Es soll auf dieser Konjeoeiy alles Nötige und Mögliche zum Wiederaufbau der zerstörten Gemeinden in Polen erhoben werden. Die- AgudaS „Schlaume Emuno«Jisroel" nimmt hervorragenden Anteil an diesen Bestrebungen. Warschau. „Der Jud", daS Blatt der Warschauer Orthodoxen, veröffentlicht einen Aufruf des Zentralkomitees der Schlaume Emune Jisroel in Polen, angesichts der neuen Lage eine Erez-Jsrael-Woche zu veranstalten. Die Entschließung wendet sich scharf gegen die Bestrebungen, den Aufbau auf anderen Grundlagen ass auf den alttraditionellen zu beginnen, und fördert die Orthodoxie auf, durch Bereitstellung großer-Mittel die Möglichkeit zu orthodoxer Aufbauarbeit in Ercz-Jsrael zu geben. Warschau. Die Überfälle dev Hallerschen Soldaten auf bärtige Juden haben in den letzten Tagen solche Dimensionen erreicht, daß Juden überhaupt nicht mehr wagen, sich nach dem Bahnhof zu begeben, dq die Bahnhöfe den Haupttummelplatz für die „Volksbelustigung" der gewaltsamen Bartabschneiderei äbgeben. Selbst »am nationalen Feiertag, dem 3. Mai, da man auch in allen Synagogen der Stadt den Gedenktag dev.polnischen Konstitution ftierlich beging, unterließ man es nicht, Juden auf diest Weise zu drangsalieren. Bei einemsolchen Zusammenstoß stürzten sich Soldaten auf den bekannten greisen Rabbiner - Rabbi Holpern, der es versucht hatte, einige bedrängte Juden in Schutz zu nehmen, und mißhandelten ihn, zum Glück nicht schwer, denn die Angreifer nahmen Reißaus, als sie erfuhren, daß der Rabbiner zugleich Mitglied de» Landtages sei. \ Amerika.? Zürich. Der amerikanische Korrespondent der Jüdischen Preßzentrale Zückch berichtet: Am 17. und 18. April traten in Newyork Delegierte vieler nationaler und zen- N traler jüdischer Organisationen, die gegen zwei Millionen Juden vertreten, zusammen, um über die Fragen, die Mit dem in den nächsten sechs Wochen zusammentretenden jüdischen Kongreß in Verbindung stehen, zu beraten. Richter Hartmann erklärte, daß die aiyerikanischen Juden einen Kongreß, und zwar ein^n pevmanenten jüdischen Kongreß, verlangen. Eine einstimmig angenommene Resolution sprach sich für «inen permanenten jüdischen Kongreß aus. ' Es wird auch gefordert, daß der Kongreß die Hilfsarbeit übernehme und sich än der Weltbilfskonferenz beteilige. Es wird beschlossen, die Arbeiten des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris zu fördern. — Den palasti- \ musischen Juden wird die Lympathie ausgesprochen und gegen die ii^zeste in Palästina Protest erhoben. Palästina dürfe nicht geteilt sein und seine Türen müsten allen Juden offen stehen.'— Die Konferenz sprach sich auch zugunsten der Minoritätsrechte für alle kleinen Völker aus, in der Hoffnung, daß die Friedenskonferenz dafür Sprge

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