Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 52 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■» -- ' - ' - -- — JÜDISCHER BOTE Ctf4«iat Jekta KrriU,. Bqi|l< **!• 76 Pf. ainatl. Za kezUhea karch fidaiNch« PsßUatrr ,»rr karch kea Bateaaerlag ta Baaa. VOM RHEIN >ai*(«nkn{f:l.-VLfitk<( kies* gtfk. fe*it|tUc. SU |M|i Mk aaift|*a60a*Uta. PaßschackÜata Jüdisohes Yolksblatt «aUaaerla, Baaa, «DUIK.747L7. yarausgagaben von Rabbiner vr. Arnik Aohn.Bonn. Schristleitnng und <S»schLft,si,ll«r Bonn, Brüdergaffe SL *1 ZUnmaer 52 [jjfiontx, 28. Mai 1920. — 11 Kiwan 5680 2. Iahr-ay-. oDODanoaaponogBaapnoöDoooooaDooDODoaaDO I D D a D a a 1 M-che»avschnttt oaoiinaaaoaaiioaiaociaooaoaDDoaDonaociaDODa *■ Beamte. Und Gott sprach zu Mole wie folgt: Nimm auch die Zahl Mt Sohne Gersonk auf, Familie für Familie, Sippe für Sippe. Bon 30 Jahren aufwärts bis 60 Jahren sollst du sie mustern, alle, die Dienst zu tun und Arbeit zu verrichten haben im Stiftszelte. DieS aber sei der Dienst der Geschlechter der Gersoniter, was sie zu dienen und zu tragen haben: - v 4. Mose 4, 81-24. In genauesten Musterungen, Dienstanweisungen und Arbeitsteilungen gliederte der Gesetzgeber den Levitcnstamm und schuf auf diese Weise das Beamtentum des Priesterstaates. Er hatte die tiefe Erkenntnis, daß die große Idee vom heiligen Volke unfruchtbar bleiben mußte, wenn es nicht gelang, ihr einen materiellen Unterbau -zu geben, nicht gelang, das Priestertum des Geistes in einem Priestrrstaate zu verwirklichen. So braucht jedes Ideal seine materielle Spiegelung. Niemals kann ein Gedanke Wirklichkeit werden, wenn er ganz im Luftbcreich des Geiles bleibt. Zum Verständnis eines Gedankens schon be- >arf es seiner Versinnlichung, zur Verwirklichung eines ittlich sozialen Ideals bedarf man d?r Organisation. So chuf Mose die kleine Welt, den Mikrokosmus, der Prieterschaft, um der Verwirklichung des Makrokosmus. der sroßen Welt, des menschheitlichen Priestertums zum Durchbruch zu verhelfen. Dies ist überhaupt der Sinn und die hohe Bedeutung des Beamtentums. Die Beamten eines Staates sind nicht nur die Hebel, Schrauben und Werkzeuge, vermittels derer die Staatsmaschinc in Gang gehalten und der Siaatswill« durchgesetzt wird, sondern 'sic sind eine Welt für sich, sind ein Staat im Kleinen, in dem der Staatsgedanke seine Verwirklichung findet, lange bevor er ins Gemüt des Volkes dringt, und viel stärker, als er je dorthin dringen kann. Um Beamter zu sein, dazu gehört eine große Portion Idealismus, und Mose hat unbewußt eine tiefe Wahrheit ausgesprochen, als er nicht nur die Gersoniter» sondern jede priesterliche Beawtenfamilic darauf hinwies, was sie „zu dienen und zu tragen hätten". Das Beamtentum unseres Landes hat in den letzten Jahren eine Belastungsprobe durchgemacht, die nicht von ollen Kreisen der Beamtenwelt gleich herostch überstanden wurde. Ganze Kategorien von Beamten sind den Versuchungen von Bestechung und Diebstahl erlegen. Das bedeutet nicht nur den Verderb irgend eines Standes, der wie andere Stände auch im Kriege moralisch gelitten hat. ondern die Erschütterung des ganzen Staatsgedankens, »es Vertrauens aller auf den Staat und seine innere, sitti iche Macht. Denn für das Volk ist Staat und Beamter ein und dasselbe, mit dem Kredit des Beamtentums sinkt und steigt cher Kredit des Staates nach innen. . Der dies hier ntederfchreiÄ, ist — wie der schöne ' lautet — ein jüdischer Kultusbcamter, und der. Stand/ dem er angehört, hat — was das „Dienen und Tragend angcht — in sechs schrecklichen Kriegsjahren sein vollgemessen Teil auf sich genommen. Das besonders Trübe am Schicksal der Rabbiner und Lehrer bestand aber darin, daß ihr Stand zwar alle Nöte des Beamtenstandes an sich erfahren hat, aber sie selbst doch eigentlich nur dem Namen nach Beamte, in Wirklichkeit und vor allem durch den Willen der Gemeinden Privatangestellte waren. Der Priesterstaat Moses ist ein Märchen aus alten Zeiten, das uns kaum noch in den Sinn kommt. Das Judentum eine Organisation von der Lockerheit eines Vereins, ohne Gliederung, Unter- und Oberbau. Und hätten wir nicht unsere Feinde, die uns durch ihren Haß zusammenpserchen, wir wären längst zerfallen. Wenn nun schon der Beamte als solcher den sittlichen Schäden der Zeit ausgesetzt war, was konnte man vom jüdischen Kultusbeamten erwarten, der Beamtennöte litt, ohne Beamter zu sein, d. h. ohne das große, vielAgutmachende Gefühl zu haben, daß in ihm eine hohe Macht sich darstelle und spiegele, sei es die Macht eines Staates oder einer Kirche? Der jüdische Kultusbeamte reagiert heute ebenso stark wie der Staatsbeamte, nur auf anderem Wege, auf die Nöte der Zeit., Er stiehlt nicht, und läßt sich auch nicht bestechen — wie könnte er auch, da er doch gar nichts zu gewähren hat? Aber mehr oder weniger irreguläre Nebenbeschäftigung hat es auch gegeben, vor allem jedoch — und das ist das Gefährliche — der jüdische Kultusbeamte ist auf der Flucht. Es gibt keinen Stand, der so in Scharen verlosten wird wie dieser., Ein entscheidender Moment ist gekommen. Das Bcamtenbesoldungsgesetz wurde Wirklichkeit. Nach ihin bezieht in Zukunft der Volksschullehrer durchschnittlich 15,000 Mark, her Oberlehrer 25 000 M., der Gymnasialdirektgr 28—30 000 M. Gehalt. Ein Memento an unsere Gemeinden, die fast alle im Kriege reich geworden sind. Weh ihnen, weh dem Judentum, wenn sie ihrerseits nicht entsprechende Folgerungen ziehen: Vor-der Tür des deutscl>en Judentums steht der polnische Melamcd und lvartet, steht der ostjüdische Rabbiner und lauscht l Das sind starke Menschen, sind auch starke Juden, stärkere jedenfalls als wir! Aber ihr Einzug in die so schon erschütterte deutschjüdische Gemeinde würde für das deutsche Judentum, wie es heute ist/ eine seelische Revolution bedeuten, der es nicht mehr gewachsen ist. E m t l C o h n. {Snocbenftbau» Mm— « »— <&w|N)m RXI MIDEWUsWE. Deutschland. Berlin. Jnr Repräsentanten-Sitzungssaal der Berliner Jüdischen Gemeinde tagte am 16. und 17. Mai eine Konferenz des Verbandes der Ostjuden in Deutschland, an der 40 Delegierte aus den verschiedenen Teilen des Reiches leilgeuommrn hauen, wahrend der zweuugigeu ^erhano-