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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-05-21 · 51 (21.5.1920) · p. Seite 229

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
51 (21.5.1920)
Date
1920-05-21
Page
Seite 229 (sequence 5)
Language
German
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Jahr ausgemalt. Du wirst es sein, dir henimgehen wird in jenen vergoldeten Palästen, deren Pforten ich, dein Gatte — hörst du es, Mädchen? — ich dein Gatt«, dir erschließen >mt*. Ach, meine Göttin, begreifst du, was dieses alles bedeutet? Ach, du kennst noch nicht di« wahre Pracht, den wahren Glanz — die berauschende Freude, die selige Wonne des gesicherten Reichtums, das selige Entzücken, di« Huldigungen der Knieenden entgegenzunehmen. Doch bald sollst du es kosten, ich verspreche es dir. ich gelobe es dir. Und ivenn du dessen auch überdrüssig geworden bist, dann wird meine Mbe deine unvergängliche Seligkeit bilden. Komm mit mir, Madonna." ..Wobin?" fragte sie berauscht, traumbefangen. „Wohin? Weit weg von hier. Ist denn hier die .Stätte, wo ich mein Versprechen erfüllen könnte?" „Ustd meine Eltern verlassen?" sprach sie, wie aus einem tiefen Schlafe erwachend. „Du willst also alles gewinnen, und nichts dafür'' opfern?" „Ich würde gern, freudig jedes Opfer bringen, nur dieses nicht", stieß sie mit wilder Leidenschaft hervor. „Ach, warum ließest du mich nicht eher gehen? Warum mußte ich erst all dieses anhören? Oh, sei barmherzig, wenn du mich liebst, und versuche mich nicht zu schwer. Ich kann ja meine Eltern nie — nie verlassen — und doch — doch möchte ich mit dir gehen." Er faßte erregt ihre Hände. „Ja, du sollst mit mir kommen. Und halb. Höre, du iveißt es ja; ich bin hier nur zur Vertretung. In den nächsten Tagen schon erwarte ich den Befehl, mich nach Südrußkand zu begeben, um einen hohen Posten zu übernehmen. den man mir fest zugesagt. Hu mußt daher jeden Augenblick bereit sein, mir zu folgen. Am Morgen werde ich dir die Nachricht durch meinen Burschen zukommen lasten und an demselben Abend noch müssen wir fort. Das ist also abgemacht." „Noch nicht ganz — nicht ganz", flüsterte sie . ängstlich. „Ich kann mich noch nicht entschließen, „Ja" zu sagen, twU ich dann verpflichtet bin, es auch zu halten, nicht nur durch mein Herz, sondern auch durch mein Gewissen..." „Dann sage es", unterbrach er sie flehend. „Ich muß Zeit haben, um noch mehr darüber nachzudenken — mehr noch zu Ihrem Wähle als zu dem meinigen". fuhr sie fort, seine Bitte überhörend. „Ich muß wich erst darin bestärken, durch Gedanken und Gründe, die alle jetzigen Hindernisse hinwegfegen und auch alle Vorwürfe in der Zukunft, falls solche später vorhanden sein sollten. Ich will dann imstande sein, sagen zu können, daß es mir nicht aufgedrungen und aufbezwungen wurden sondern es war mein eigener, freier Wille, der mein Leben so gestaltet, wie es eben geworden ist. Glaube mir, es wird dann besser sein für uns beide. Und nun noch etwas: bis dahin meide mich. Lasse mich zu meiner Entscheidung ganz unbeeinflußt, nur durch meinen eigenen Antrieb kommen. Dein Anblick aber wird mich wahrstheinlich mehr noch als alles Zureden bestimmen und verwirren. Willst du mir dieses gewähren?" Er blickte sie mißtrauisch an: als er jedoch tief in ihre Augen gesahen, da schlug er seine beschämt nieder. „JatMsss^sprach er zustimmend: „doch als Entschädigung mußt du auch mir etwas gewähren. Du hast mir ja noch nicht einmal gesagt, was dein Herz zu meinem spricht." ..Hat es mein Schweigen picht deutlicher gesagt, als Worte es zu tun vermöchten?" erwiderte sie mit leiser Stimme. > „Jawohl: aber ich will auch die Worte hören. Sprich es mir nach: „Otto, ich liebe dich"."! ' Sie gehorchte — sogar auch noch, als er eS zweimal wiederholt verlangte. „Weißt du. welche Absicht ich dabei habe? Ich wollte es in Worte gekleidet sehen, damit das Ausgesprochene in deinen Ohren klingen und dich daran erinnern soll, wenn. deine Umgebung allzulaut dich davon abzubrtngen versuchen sollte. Jetzt aber wirst du daran denken and «je schwanken. — Oder zählst du auch dieses zu den Derbos«- nen Einflüssen?" fügte er mit einem schwachen Versuch zu . scherzen hinzu. - » Sie lächelte müde. „Nein, du hast mich ja selbst vor uiir selbst auf die Hut gestellt." „Ja. ganz recht," rief er freudestrahlend, „ich habe dich x selbst vor dir selbst gewarnt. Doch wird es das letzte Mal sein, daß es geschieht, daß es notwendig ist." Sie sah ihn fragend an. „Nach hiciem, bald wird es meine Aufgabe sein, dich zu behüten und über dich zu wachen. Fortan werde ich dein Schild und dein Panzer sein. Und darum bitte ich dich, lvenigstens dies eine Mal dich selbst zu beschützen." „Mein Schild und mein Panzer", wiederholte sie sanft: „das ist ein schönes Gefühl — ich werde darun denken. Lebe wohl." Sie hielt ihm ihre Hand hin. „Ist das alles?" fragte er traurig, die Hand ei> greifend. „Alles, bis ..." „Bis wir zusammen sind, ohne drohendes Gespenst der Trennung vor uns": sprach er feurig; „bis dahin will ich mich bescheiden." Ja, er mußte sich wohl bescheiden, denn im nächsten Augenblick hatte sic ihn verlassen und ging schnell und sicher der Stadt zu. Doch er hatte den Blick aufgefangen, mit dem sie sich von ihm gewendet, und dieser war besser als eine Umarmung. In der Nähe der Häuser angelangt, verlangsamte Zillah ihre Schritte. Bei diesem Schnelllauf würde sie ja bald zu Hause sein, ehe ihr heißes Blut sich gekühlt, ehe sie wieder über Zunge und Stimme genügend Macht erlangt, um beide in die alte Tonart hineinzuzwängen, ehe sie ihre Gefühle bemeistert und es verhinderte, daß ihr Geheimnis sich gewaltsam Dahn brach und sich jedem aufgedrängt, ob er es hören wollte oder nichts „Nein", sprach sie zu sich selbst: „jetzt noch nicht: es ivird ohnedies allzubald ans Tageslicht sich drängen." Der Herbsthimmel rötete sich bereits und die Sonne rüstete sich zum Untergang. Die Feuerkugel hoch oben schien all die Myriaden Strahlen wieder an sich zu ziehen, die sie den ganzen Tag über ausgesandt hatte, um schließlich in einem breiten Flammenmeer zu zerschmelzen. Die Wolken ringsherum waren in rosige Glut getaucht, als Hab« sie der Himmel für die kühle Nacht mit einer warmen Hülle umgeben. Zillah blickte auf. Glanz und Pracht überall — doch wie lange und es folgt schaurige Finsternis. Auch hier also ewige, unlösbare Rätsel, gerade wie ihr eigenes Leben. iJortskpung folgt.I Von Hera uns Stl. Bonn. Am Samstag den 8. Mai sprach hier im Zeniralverein vor. zahlreicher Zuhörerschaft Herr Dr. Ed. Strauß aus Frankfurt über „Das jüdische Bildungspohlem der Gegenwart." Ausgehend vom Begrifle der Dil^' düng legte er dar. warum es ein .jüdisches BildungsProblcÄ gebe, und führte aus. >vie nur von der Heimkehr zu einehr vollen Judentum für den Juden eine geschlossene und harmonische Bildung zu erhoffen sei. Als praktischen Vorschlag brachte er eine Anregung zur Gründung kleinerer und grbßeier Zirkel zur Behandlung der jüdischen Probleme in gegenseitiger Aussprackn' vor. Die Ausstihrunge». deren eigentlicher Wert in der warmherzigen und von hohem Idealismus zeugenden Persönlichkeit und Art des Redners lag, fanden reichen Beifall. An der Ausspraiire beteiligten sich Herr Sanitätsrat Dr. Lichtcnstein. der auf die höbe Bedeutung jüdischer Bildungsquellen hinwies. und Rabbiner Dr. Eohn. der das Problem der Jugendbildung lvriihrte und als unerläßliche Forderung jüdischer Bildung das stolze Bewußtsein jüdischer Eigenart und Eigenwuchses verlangte. '

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