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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-05-21 · 51 (21.5.1920) · p. Seite 228

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
51 (21.5.1920)
Date
1920-05-21
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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Brighton. LouisMosenblum hinterließ ein Vermögen im Werte von 32 300 Pfd. (tn. 6 Mill. M.). Davon erholt die jüdische Universität in Jenisalem 1000 Pfd.: sein $au* mit Wnmb und Bode» wird für ein WaisenhüuSl>estimmt. in dein hebräisch gesprochen wird, und chen Rest erhält der Jüdisch« Nationalfonds zum Wmif von Land in Palästina, wobei er es den Fainilienuüigliedern des Verstorbenen ermöglichen soll, sich in Palästina anzusiedeln. Palästina. London. Wie die Times melden, hat die Veröfsentlichung der Enlfckeidung von San Remo in Jerusalem einen ungeheuren Jubel Hervorgeiusen. In de» Synagogen fmid ein besonderer Tankgollesdienst statt. Kairo. Tos britische Hauptquartier in Kairo hat das vom Militärgericht in Jerusalem gefällte Urteil gegen Jabotinskh. sowie gegen die iveileren >9 Juden dem General. Eongreve zur Überpnisung empfohlen. Dieser hat sowohl Jabotinsky als auch den anderen Verurtnlten mildernde Umstände zuerkannt und die Urteile in folgender Weise abgeändert: Tie Strafe gegen Jabotinsky wird von 15 Jahren auf ein Jahr leichten Arrests, gegen die anderen 19 von drei Jahren ZumngSarbeit auf sechs Monate leichten Arrest herabgesetzt. London. Die Times meldet aus Haifa vom 10. Mai: Araber überfielen christliche Dörfer in der französischen Zone südlich von T»)rus. In Air-Jbl sollen 500 Menschen gelötet worden sein. Ein Strom von Flüchtlingen ergießt sich in die englische Zone. 2000 von ihnen haben Safcd erreicht. 700 .Haifa. In Safed und anderen Orte» iverden Blockhäuser errichtet. Vom Jüdischen Arbeitsamt in Duisburg. Quergasse 4 (Postsckwckkonto Köln 92 310), über desien segensreiche. Tätigkeit wir bereits berichtet hatten, erhalten wir mit der Bitte u>n Abdruck folgenden Aufruf. _ Die ökonomische Lage im Osten zwingt die Ostjuden, aus ihren Geburtsländern auszulvandern. Mit einer Ein- «vaüderung nach Deutschland ist auch weiter zu rechnen. Es bleibt nur die Wahl, die Einwanderer dem Elend oder Verbrechen zu überlasien oder sie produktiven Berufen in Anpassung an die Bedürfnisie des deutschen Arbeitsniarktes zuzuführen. Diese Arbeit kann aus vielen Gründen nur von selbständigen Jüdisck-cn Arbeitsämtern geleitet iverden. Zu ihrer Unterhaltung sind große Geldmittel nötig; es ist eine Ehren- und Selbstrrhaltungspflicht der. deutschen Juden, durch große Spenden den Jüdischen Arbeitsämtern und damit vielen tausend Juden die Eristenz zu ermöglichen. Zeichnet auf der leiliegenden Zählkarte für das Jüdische Arbeitsamt! x Wdtfchc Cöcbter. Bon Samuel Gordon. Befechl. kdr«'n^»n„ au« dem Engl von M. Bulvrnnon». (Sortfetung.) Mit weitgeöffnewn Augen/ mit gefalteten Händen stand sie lauschend da. und als er schwieg, da haucht« sie kaum hörbar: „Fahren Sie fort, für mich zu denken, für mich zu fragen." Er tirugte sich dicht zu ihr hin. jo daß seine Lippen beinahe ihr« Stirn berührten. I „Rein, Madonna, ich habe jetzt genug gefragt; es ist! jetzt an der Zeit, auch zu antworten: Es bedeutet, daß wir bestimmt'find, unseve Hände zu fassen und für das ganze Leben festzuhallen, bis die Kraft des Lebens sie verlaßen; es bedeutet, daß wir bestiuimt find, einander die HerzenSgedqnken abzulesen, bis unsere Schlürft durch den Tod erloschen ist. Du und ich und die Zukunft, meine MadotMi — habe ich richtig geantwortet?" ».Ja", erwiderte Zillah/und ein Zittem durchlief ihren galten Körper; „Sie hohen für mich gedacht, für mich gefragt und für mich geantwortet — jedoch handelnwill ich für mich selbst! Sie haben es gut gemacht — nur zu gut, als daß es lang« dauern könnt«, und darum muß es bald — aufhövew..." „Was muß es?" «Ein Ende nehnien, als ob nie ein Anfang wäre." Er taumelte zurück, wie von einem Faustschlag urS - Gesicht getroffen; seine Zähne knirschten hörbar und aus seine»! Augen schoßen flammende Blitze. „Aha", stieß er rauh und schneidend hervor, «jetzt fange ich an, zu begreifen und jetzt wird mir alles klar! Gemein und verwerflich, schamlos und niederträchtig! Ein' klug angelegter'Plan, «in Anschlag voller List, Trug und Tücke! Rack-e und Echadenfveuhe rvaren Ihre Führer. „Ich werde das Herz dieses Ehristen",' so flüsterten die bösen Geister Ihnen zu, „durch Locken und Schmeicheln erst fest mit eineu« Fangnetz umspinnen, und wenn ich es gefangen, ivenn ich sehe, wie es sich windet und krümmt, dann werde ich mich an seiner Qual weiden, dann habe ich einen Teil der Verbrechen gerächt, die seine Brüder an ineinen Schlvestern begangen. Mädchen, Mqdonna, sage mir, woher hast du den Mul dazu genommen?" Sie sah ihn fest, furchtlos an. „Mut?" sprach sie mit'unheimlicher Ruhe, „ich habe keinen; ich bin nicht wie Jael, das Weib jenes Keniten — mit dem Milchkrug in der einen und dem Dolch in der anderen Hand. Wenn ich meinem Stamme mit meinem Leben, mit meinem Herzblut cinc Hilfe hätte bringen können, ich würde es mit Freuden tun; doch niemals würde ich mit verräterischen Waffen kämpfen und nix durch geincinc Rache mich verführen laßen." Hoch aufgerichtet stand sie vor ihm, und ihr freier, stolzer Blick beugte sein Haupt in Beschämung nieder.. Sie fuhr weiter fort: „Sie , rühmten sich vorhin der Kunst, Trug und Wahrheit leicht unterscheiden zu können — nun, wo ist jetzt Ihre gerühmte Urteilskraft hin? Sie suchen das, was Ihnen begehrenswert erscheint, machtvoll zu ergreifen — aber auch ich beanspruche das Recht, den Aufruhr, in «»einem Innern zu beschwichtigen und meine Scelenzweifel aufzuklären, die Sir ■ > aber jetzt rücksichtslos und erbanmmgslos nur noch ver- «nehrt und vergrößert haben." Wehmütig und traurig lvendete sie sich von ihm. Wie ein Rasender stürzte er ihr nach. „Madonna Zillah I" rief er leidenschaftlich, „vergeben Sie — vergeben Sie mir!" Und als sie stehen geblieben war, fuhr er bedrückt und demütisi fort: „Die Enttäuschung machte mich ungerecht; oder nein —nicht die Enttäuschung— sondern ich habe Sie mißverstanden. Sie haben sicherlich etwas ganz anderes gemeint, als >vas Ihre Worte gesprochen. Nicht wahr, ich habe Sie falsch verstanden? O bitte, reden Sie doch; ich werde ganz geduldig zuhören." Er wartete eine volle Minute — zwei — doch kein Ton drang aus ihrem fest geschlossenen Mund. Er nahm' ihre Hand, die er zärtlich, voller Ehrerbietung streichelte. „Madonna; meine Heilige — Mädchen, sprich, liebst du mich denn nicht?" Noch immer sprach sic nicht; doch hatte er ihren Blick, halb unaussprechlicher Wehmut, halb leidenschaftlichen Flehens bemerkt und er hatte verstanden. „Nun können wir reden", rief er mit vor Aufregung . zitternder Stimme. „Erinnerst du dich noch jener Frau, von der ich dir erzählte, di« so traurig aussah, »veil sie mit Glückseligkeit beladey war? Weißt du, wer diese Frau »var? Du selbst — du selbst, wie ich dich mir ikl dem kommenden

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