Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 51 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nie». Hugo -«stein in Rio de Janeiro übermittelte der Stadt Men von ihm gesammelte 1'/, Millionen Kr. für Zwecke der Kinderfürsorge, davon Million zur Verteilnng durch dir Israelitische Kultusgemeinde. Ungarn. ^»nOllnirN. Bukarest, Reuter meldet. daß ^ei der gegenwärtigen Wahlkampagne in Rumänien die Juden eigene Liste aus. stellen werden. Sie haben eine eigene Partei gebildet, welche 700 000 Mitglieder zählt. - Paris. Von verschiedenen autorisierten Quellen erhielt das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris sehr beunruhigende Nachrichten über di« Lage der Juden in Ungarn. Die Gefängnisse sind mit Juden gefüllt, die buchstäblich' Hungers stechen. Die Denunzierung eines Christen genügt, um «inen Juden zu verhaften und ihn ohne jeden Prozeß verschwinden zu lassen. In. Budapest bilden di« Offiziere öffentlich und mit Wissen der offiziellen Behörden Vereinigungen, die den Zweck verfolgen, die Juden auszurotten. Die Offiziere veranstalten täglich Razzien in den Straßen und in den Zügen, vechaften Juden, foltern und morden sie. Im Lause der letzten Wochen sind gegen 600 angesehene $uben verschwunden, ohne irgendwelche Spur zu hinterlassen. Es gibt keine Scherereien oder Demütigungen, die die Behörden oder Offiziere den wehrlosen Juden nicht auferlegen würden. Große Judenmorde werden organisiert. In den Schulen wird di« Ausnahme jüdischer Kinder abgelehnl. Der jüdische Handel ist voll- - ständig lahmgelegt. Die Juden sind derart terrorisiert, daß sie sich nicht einmal öffentlich zu beklagen und eine Intervention der Vertreter der alliierten Mächte zu verlangen ivagen. Die Regierung, an die man sich dieserhalb gewendet hat, erklärte die Tatsachen zu ignorieren und hat-den durch die Opfer dieser barbarischen Akte vorgebrachten Klagen keine Folg« gegeben. , I. P. Z. ' Budapest. Der greise Lberrabbiner Dr. Immanuel Loew in Szegedin, ein namhafter Gelehrter, ist verhaftet worden, weil er nach Aussage des Radaublattes „Nemzeti Uysag" einem holländischen Journalisten gegenüber sich abfällig über die gegenwärtige innere Politik Ungarns geäußert habe. Bemerkensivert ist, daß gerade Oberrabbiner Loew von jeher einer der begeisterten Kämpfer für das Magi)arentum war und die jüdische Assimilation vertrat. Budapest. Oberrabbiner Dr. Loew-Szegedin bestreitet irgend eine politijck)« Äußerung getan zu haben. Sein Ankläger ist der Journalist Alexander Hollosi, ein getaufter Jude, der als politischer Agent Provokateur bekannt ist. Polen. Warschau. Tie Ausschreitungen gegen Juden in Warschau nehmen kein Ende. Immer wieder >r>erden Juden vvn Soldaten überfallen und mißhandelt und insbesondere das Bartabschneiden ist noch immer eine beliebte Beschäftigung. Am l. Mai kam ein Trupp posensck)er Soldaten.in Warschau an und begann sofort mit Attackierung von Juden. Ein Jude, der sich den Bart nicht abschnöiden lassen tvollte, würde mit dem Bajonett erstochen. Zum Schutze der Juden rückte Gendarmerie auf und es entspann sich ein halbstündiges Feuergefccht zwischen den Gendatmcn und dem Militär. Auf beiden>Seiten gab es Vettvundete, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. Nur mit Mühe gelang cs, ir-eiterc antisemitische Ausschreitungen des Militärs zu verhindern. Vor einigen Tagen interr>eiiiecle Abgeordneter Farbstein im Kriegsministvrium und bekam den B«sck)eid, daß das Minifterimn bereits alle Anordnungen getroffen habe, um den -Exzessen ein Ende zu machen. Es wurden noch weitere Maßregeln in Aussicht genoimnen. Abgeordneter Farbstein intervenierte auch bei der Obersten Heeresleitung und forderte Schutzmaßregeln für die Juden an all den Orten, welche von dem siegreichen polniscl-en Heer auf seinem Vormarsch berührt werden. Der Adjudant des Chefs des Generalstabs versicherte dem Abgeordneten, daß mit Zustimmung der Staatsregierung schon alles mögliche in dieser Richtung veranlaßt ist und daß auch die weiteren Forderungen des Herrn Farbstein erfüllt werden. Kowno. Bei den Wahlen zur litauischen Verfassunggebenden Versammlung wurden sechs jüdische Kandidaten gewählt. Sowjet-Rußland. Zürich. Nack) den „Zürcher Nachr." hat in Rußland eine konfessionelle Bctvegung eingesetzt, die die bisherige Zusammensetzung der Sowjets umzustürzcn beabsichtigt. Die Arbeitersck-aft hat eine Aktiv!! mit ausgesprochen antisemitischem Charakter cingeleitet, deven Führer die Anhänger des sogenannten reinen Kommunismus find, die das Vorgehen Lenins und Trotzkis, besonders aber die allge-' meine Militarisierung bekämpfen. Sie verlangen den Rücktritt der jüdischen Volksbeauftragten. besonders Trotzkis. London. Die „Morning Post" vom 6. Mai berichtet, daß in den letzten :l Monatep 15 Tausend Flüchtlinge aus Rußland die finnischen Grenzen überschritten haben. 90 von ihnen nmren Juden, Holluud. Den Haag. Dem Hauptbmeau des Jüdischen Nationalfonds ist die Mitteilung zugekommen, daß verstorbene Mitinhaber der bekannten Teefirma Wisiotzkt), .Herr Gotz, Moskau, dem J.N.F. ein Legat von 50 000 L. (zirka neun Millionen M.) testamentarisch hinterlassen hat. Amerika. London. Einem Bericht der „Jewijh Chronicle" zufolge fand in Nelv Aork aus Anlaß des Palästinabeschlusies eine große jüdische Demonstration statt, um dem Tanke des jüdischen Volkes Ausdruck zu geben. Groß« Mengen von Juden zogen durch die Straßen, jüdijck-e, amcrikanisck)e und britische Fahnen tragend, mit denen auch viele jüdische Häuser und öffentliche jüdische Anstalten geschmückt »raren, In vielen.New Aorker Lokalitäten fanden Massenvcrsammlungen statt, um der britisck)en Regierung den Dank für die Einlösung des dem jüdischen Volke gegebenen Versprechens auszudrücken. New Aork. Eine aus 45 Stücken bestehende Serie der KriegSbildcr des bekannten jüdisck)en Malers'Abcl Pann, die pegennwrtig in der Kunstgalerie Cincinnati ausgestellt sind, irvrden demnächst in den Besitz des Bezalel-Museums in Jerusalem übergehen. Diese irertvollcn Bilder sind ein Geschenk des Herrn Markus Pachheimer. Mitglied der Exekutive der zionistisckM Organisation in Amerika, der die ganze Serie vom Künstler erworben hatte. London. Auf einer infolge deb Bejchlüsic von. San Rcmo veranstalteten Festsitzung der Zionistisck-en Organsjalion sprachen u. a. Weizmaun, Sokolvw, Nordau, Hantke, Herbert Samuel. Lord Rothschild, James de Rothschild und der Chacham-Baschi Jacob Meir. Lord Rothschild appellierte an dw-Einheit aller Juden. Jeder Jude, welcher Anschauung er auch sonst sein möge, müsse von nun an zum Aufbau der jüdijckxn .Heimstätte beitragen. \ James de Rothschild erklärte, daß sein Vater Edmond und; er selbst aufrichtigen Anteil an der Freude über die erreichten Erfolge nehnicn. v Herbert Samuel, Präsident des „Board of Deputies", wies gleichfalls auf die Notwendigkeit der Einheit- und Einigkeit unter den Juden hin. London. Im Unterhaus teilte HarmSworlh mit, der Bericht der zur Beratung über die Lage.der Juden in Polen eingesetzten Kommission imtx bald dem Völkerbundlat vorgelegt lverden.