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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-05-14 · 50 (14.5.1920) · p. Seite 218

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
50 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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gebuug statt, zu d« sich mehre« Taichnd Teilnehmer eingefunden hatten, wahrend weite« Hunderte abgewiesen werden mußten. Die Versammlung war «ine Maniscstation, wie sie hier in Berlin kaum jemals gesehen wurde. Die Reden wurden vom Publikum mit stürmisch« Begeisterung ausgenommen. Nach ein« kurzen Begrüßung j durch den Vorictzenden Dr. Egon Rosenberg, gab Professor l)r. Marburg, der Vorsitzende des zionistischen Aktionskomitees, einen kurzen yiftorischen Rückblick auf den Entwicklungsgang der zionistischen Bewegung, vom Auftreten ab bis zum gegenwärtigen Augenblick. Er gedachte der vielen führenden Mann«, welche die Bewegung während dies« Zeit verloren hat. und schloß mit dem Hinweis auf die großen Ausgaben, welche derArdpüheit beim Aufbau Palästinas «wachsen. Weit»« »sieden wurden von l)r. Schmarja, Lewin, Frau Anitta MM« und vr. Klee gehalten. Nach, einem temp«amentvollen Appell des Vorsitzenden schloß die eindrucksvolle Ansammlung mit d« Abstngung d« Hatikwatz^ Berlin. Die Wahlen zur Repräsentantenv«sammlüng dn Jüdischen Gemeinde, die für den 27. Juni angesetzt wa«n, sollen am 20. Juni statlfinden. Die Wählerliste, liegt vom 25. April bis zum 24. Mai im Gemeindehause zur Einsicht aus. Alle Eimvendungen sind innerhalb dieser Frist zu «heben. T« Wahlkampf verspricht sehr lebhaft zu werden. Berlin. Abi 15. Mai (27 Jjar) jährt sich zum 100. Male der Tag, an dem JsraelHildesheimer das Licht der Welt erblickte. Das Berliner Rabbinerjeininar, das vor nahezu 50 Jah«n von ihm gegründet ivurde, rüstet sich, die Erinnerung an diesen Großen in Israel würdig zu feiern. Zahlreiche deutsche Gemeinden iverden den Tag durch einen besonderen Gottesdienst begehen. Die vielen Freunde und Schüler des Verewigten haben sich zur Begründung einer Israel Hildesheimer JubiläumSspende zusammcngetan, die ein« Erweiterung deS Rabbinerfcminars durch öffentliche Kurs« usw. dienen soll. " München. In einer am 20. und 21. April in Nürnberg zusammengetretencn. von mehr als 200 Kultusgemeinden beschickten Tagung wurde ein Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden begründet. Der Verband soll als öffentlick)e Körperschaft im Sinne des Artikels 137 d« Reichsvcrfasiung die jüdischen Gemeinden in Bayern zujammenfassen. Die Hauptaufgabe des Verbandes wird die Fürsorge für di« nicht genügend leistungsfähigen kleinen Gemeinden und ih«r Beamten sein. Zu diesem Zwecke ist dem Verband ein Bestcuerungsrecht gegenüber den Verbandsgemeindcn zugestanden worden. Die vorläufige Verfasiung des Verbandes wurde auf Grundlage eines von LberlandeSgerichtsrat vr. Neumet-er (Münster) verfaßten und in eingehenden Referaten vertretenen Entwurfs beschlosien. , Berlin. Die Korrespondentin der „Daily Mail", Frau Stan-Harding, hatte eine Unter«dung mit dem Kapitän Ehrhardt im Munsterlager. Auf die Frage, welch« Ursache er das Mißlingen des Kapp-Putsches zusch«ibc, eiwiderte Kapitän Ehrhardt, ohne sich zu besinnen: „Nicht dem Generalstreik, Indern, den Jntriguen jüdischer Unterstaatssekiretäre, denen es gelungen war, einen Stteik der Regierungsbeamten herbeizuführen und so die Etaatsmaschin« ^ahmzulegen. Wir haben es unterlassen, diese Unter st aatssekretäre zu erschießen, waS.ein bedauerliches V e r s e h e n i st." ölen. £'o«Am. Nach ein« Times.Meldung aus Warschau verlassen 86 060 Inden Polen, um sich nach Südamerika ^u begeben: Ukraine. Warschau. Die Arbeit d« „Jüdisch-amerikanischen, Emigrationskommission" in Warschau geht gut von statten/ Tausende wurden mit Pässen versehen und sehen d« baldigen Überfahrt entgegen.'besonders hervorzuheben ist die Tätigkeit der Kommission zur Auffindung der von Amerika au» gesuchten Verwandten der Amerikaner tn lstÄen. London. Ter Chiefrabbi von England «hielt einen Brief von Rabbi Mirti, d« aus der Ukraine nach Schaulcn geflohen ist. in welchem er berichtet» daß er wisse, ukrainische Inden seien "gezwungen worden, das Blut ihr« eiggcnen Kinder zu trinken. Italien. Rom. Für die Hilfsarbeit d« jüdischen Flüchtlinge in Italien hat sich ein Hilfskomitee gebildet, dem Vertreter Mer Hauptrichtungen im italienischen.Judentum angehören. D« neubegründete Ausschuß soll als Zentralorgan _ für ganz Italien dienen, Lokälorganisationen in den Hafen- ' städten Genua, Neapel und Triest werden die Arbeit unterstützen. Neben agitatorisch« und diplomatischer Arbeit, zu dn auch christliche Italiener herangezogen werden sollen, hat daS Komitee als Hauptaufgabe die Organisation der wirtschaftlichen'Hilfe für die Flüchtlinge, die durch Italien reifen, in Anteilnahme an einer geregelten Emigration in großem Stil, vor allem nach Palästina, und endlich in der Unterstützung für die Wiederaufrichtung d« zerstörten jüdischen Wirtschaft. Bulgarien. Sofia. Die jüdischen Kultusgemeinden in Bulgarien haben beschlossen, einen festen Prozentsatz der gesamten Geineindesteu«n für die jüdische Kolonisation in Palästina zu verwenden. Fraukrrich Paris. Eine ganze Anzahl polnisch« Juden, zum Teil Familien, die schon lange Zeit hi« wohnen, sind durch Verfügung des Ministers des Innern ausgewiesen worden. Auf Initiative des Großrabbiners hat sich ein Komitee zum Schutze der bedrohten K«ise gebildet. Die Motive des Ausweisungsverfähvens find nicht klar, doch ist seit länger« Zeit in der Presie eine Campagne gegen die ostjüdische Einwanderung im Gang, die wohl nicht ohne Einfluß auf die Regierung geblieben ist. Paris. L'Evenement vom 14. April bringt einen Artikel von Enric F. Braunstein, betitelt „Frankreich und die Juden", in dem dargelegt wird, daß die aus dem Osten ein- resp. durchwandernden Juden allerlei Schikanen seitens der französischen Behörden wegen ihrer Papie« ausgesetzt seien. Der Autor warnt, dieses System weit« fortzusetzen, da die Emigrantenströme bei schikanöser Behandlung ihren Weg nach Amerika über Belgien od« Hollanb nehmen würden, was wahrscheinlich nicht im Interesse der französischen Schiffahrtsgesellschaften gelegen sei. Frankreich, so heißt es weiter, brauche Arbeit«; es entsende Kommissionen nach Polen, um Arbeitergruppen zu rekrutieren, und wenn Arbeitsuchende bei ihm anpochen, w«de ihnen die Türe gewiesen oder man suche sie auf andere Weise fernzuhalten. Frankreich fruktifizieve schon von der antiMischen Politik des Kardinals Dubais in Palästina; will es sich, so fragt der Autor, auch noch den Vorwurf der Intoleranz zuziehen und seinen Ruf als Land des Asylrechtes Einbußen? Ir P. Z. Amerika. Philadelphia. Samuel Dickstcins Sabbat-Bill, welche den Juden, die den Sabbat halten, am Sonntag zu arbeiten erlaubt, wurde von dem Parlament des Staates Newyork mit 126 gegen 13 Stimmen angenommen. Die Zustimmung des Senats und der Landesregierpng steht in Aussicht. Chicago. In Chicago, das 200 000 bis 300 000 Juden zählt, ist um etwa der vierte Teil d« Juden Mitglied ein« Dhnagoge. und eine jüdische Gemeinde gibt es nicht.

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