Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 50 (14.5.1920)
- Date
- 1920-05-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint jede» Kreit«», vez»»»- Preis 75 Pf. «,»«tl. Z» »riirh«, »«rch ss«tlich« Peftimter »«er ^»,rch de» v»tr»»«l«» i» v»««. V0^1 RHEIN lildinlmll: 1- M strsir »trr- »es». Petitjeil«. Di« »,»»« kette »»s«tt-36OZ,iie». P»ftsche«,»t, «,»e,»erl«, «„», iltl» «r. 74747. Jüdisches Volksblatt ^eraurgegebei, von Rabbiner Df. Krnik Hohn, Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergasse 52. |bhnmtt 50 Monn. 14. Wai 1920. — 26 Ajar 6680 2. fajrgang. für die jOdiftben Kinder Mens! Esten. Kegelklub „Altes Haus" durch Jak. Tager 400 M. , Nach Abzug von 8Ö.60 M. für Unkosten für Telegramme und Porto haben wir am Montag,-den IO. Mai 21 025 M., 1776 Kr. und 1000 Kr. öftere. Kriegsanleihe an den Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin W. 35, Steglitzerstr. 12, zur weiteren Beförderung nach Wien abgesandt. Die EMedition. aooaoaaoaaaaoatHiDKiiaiQaooDoaDaaaadDaaoaDa o a □ u 0 Wochenabschnitl '»rpna -ms. g D D a a DODaaaaaDaaaoao(aDK)DaDaDDaDDaooDDoaDOOQa Die ewige Heimkehr. \ Und ihr sollt das sünfzigste Jahr heiligen und Areihcit auSrufen im Lande für alle seine Bewohner. Ein Jodel sei es euch, und ihr sollt heimkchren, ein jeglicher zu seinem Eigentum, und ein jeglicher ju seiner Favnlic sollt ihr heimkehren. III. Mos«, 26,10. Das Gesetz der ewigen Heimkehr: Mag einer verarmen, sein Land und Erbe verlieren; aufhören, ein Eigener zu sein, im fremden Hause frohnen; ja, seinen Leib verlieren an einen harten Herrn; — hoch, himmelhoch bleibt ihm leuchend die Hoffnung stehen. Wenn siebenmal sieben Jahre verrauscht, ein Sabbath der Sabbathjahre, dann kommt für ihn, dann kommt für jeden der Tag der Heimkehr: Ein jeglicher kehrt heim zu seinem Eigentum, zu seiner Familie, zu sich selbst ein jeder I So. seltsam ein solches Beiwort kliygen mag, — es ist «in wonniges Gesetz. Jüdisch, denn es ist „Lew" darin. Man denke an die Kriegsgefangenen, die jahrelang im fremden Lande geschmachtet haben. Wenn sie nie gewußt haben, was es heißt, eine Heimat zu haben, ein Eigener zu sein, nie gewußt, was das kleine Wort Familie bedeutet, das sie ftüher nur zu „simpeln" pflegten, — als die Halljahrshörner der Heinikehr ihnen erschollen, da wußten sie es. Da wußten sie auch, wie im alten Israel das Jubeljahr der,Freiheit empfunden wurde. Freiheit ist nichts anderes als Heimkehr, die ewig« Möglichkeit des Rückwegs zu sich selber: Das fünfzigste Jahr sollt ihr heiligen und FreilM auSrufen im Lande! Ohne solche Gewißheit kann der Mensch nicht leben, mit ihr mag er alles überwinden, Not, Schuld, Schande. Was das neue Testament mit dem Gleichnis vom verlorenen Sohn sagen wollte, war nicht neu, sondern hier längst gesagt. Der Mensch muß wissen, daß er so lvas hat, wohin er zurückwandern kann, wie er von dort ausgegangen ist, muß wissen, daß er ein Eigener ist, ein Erbe, eine Scholle, ein Haus, ein Heim hat. Und ist es nur die Möglichkeit einer Möglichkeit, ohne dieses Bruchtcilchen an wonniger Gewißheit ist sein Leben kein Leben, sein Wollen kein Wille und seine Liebe keine Liebe mehr. - ' Ewige Heimkehr! Der Jude, r^rseft und zersprett" in Götter welker Welt, empfindet-es mehr als jeder. Jeden Tag stehen vor der Tür des Schreibers dieser Zellen die Flüchtlinge aus dem Osten, die Ängste des Pogroms, dem sie entronnen, noch in den aufgescheuchten Mienen, aber in den Augen brennende Sehnsucht. Menschen aufgegebener Hoffnung verschütteter Möglichkeiten. Aber Juden, und als Juden an ein Halljahr der Freiheit glaubend. Ewige Heimkehr! Tönt das Wort nicht auch in unfem Herzen nach, die wir 'glücklicher als sie in unserer Heimat leben? Sind nicht trotzdem auch wir „zerseit und zcrfpreit"? Geistige Schnorrer, an tausend Türen pochend? Überall zu Hause und njxstendwo? Wieviele Jnteresien, Pläne, Mitarbeiten, Neigungen beherrschen uns und erfüllen uns scheinbar? Scheinbar, denn wir sind nicht glücklich. Irgendwie, irgendwo ist eine Lücke, wir spüren sie, spüren es, daß die Rechnung unseres Lebens nicht aufgeht, daß uns etwas fehlt. Was fehlt uns denn? Wo liegt der Bruch? > r M« Glücklich kann nur derjenige sein, der die Möglichkeit derewigen Heimkehr hat. die Gewißheit, daß eine Scholle da ist, die auf ihn wartet, ein Haus, das Tag und Nacht die Tür zur großen Straße des Lebens offen hält. I h m offen hält. Für Millionen unserer Brüder ist diese Scholle und dieses Haus heute das neu erstehende Palästina. Sie haben „heimlyehstark des Halljahrs Hörner blasen hören", und ' lvelcher Jude, wenn ers nicht selbst empfindet, empfände ihnen nicht das Leben des Herzens nach am Tage solcher Heimkehr. Alle aber, die so nicht heimkehren werden, sollen doch fühlen, daß auch ihnen eine Heimkehr offen steht, di« ewige Heimkehr zum Judentum. Zwar ist das nur eine geistige Scholle, die ihrer wartet, ist sie darum nicht ebenso beglückend. Etwas Eigenes muß der Mensch haben, wenn er etwas Eigenes bedeuten will. Was soll aus uns werden, lvenn wir zu diesem Ererbten, Überlieferten, Geistigen, Blutvollen, das wir Judentum nennen, nicht mehr sagen können: „Du bist unser!" —? Was aber — und das ist noch schlimmer —, was aus diesem Judentum, lvenn nicht mehr Menschen da sind, die, zu ihm sprechen: „Wir sind dein so wie du unser bist!" —? Und wenn wir hundertmal wähnen, des Judentums als innerster Lebenskraft entraten zu können, — das Judentum kann uns nicht entbehren. Es wehrt sich dagegen, Strandgut Schiffbrüchiger allein zu sein und wartet auf uns, wartet auf die vielen oder sei es nur die »innigen, die immer norden heimkehren „jeglicher zu seinem Eigentum". . , Emil Cohn. mBIMBBatI HIIIWliBR Soeben leb au. T«ts«chen und Ergebnisse Deutschland. Berlin. Aus Anlaß des Palästinabeschlusses der Konferenz in San-Nemo fand am 29. April im überfüllten Saal« des iMnnMAlthauseS «ine große zionistische Kund-