Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 49 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- Seite 209 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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legenen Gradierwerke zur Inhalation. Jedermann, der die Anstalt kennt, ist des Lobes voll über die Schönheit und Ziveckmäßigkeii der ganzen Anlage und entzückt von der herrlichen Umgebung. Eine Schwester des „Vereins für -jüd. Krankenpflegerinnen, Köln" ist bereits mit den Vorbereitungen zur Belegung der Anstalt feit einigen Wochen betraut und wird dabei von dem von der Gemeinde Kreuznach gewählten Wirtschaftsausschuß in ausgiebigster Weise unterstützt. Auch sattst hat sich die israel. Gemeinde Kreuznach dieser neuen- Stätte jüdischen Opfersitins mit Begeisterung angenommen und durch eine große erfolgreiche Sammmlung zum Betriebsfonds und durch Jahresbeiträge sie gefördert. Auch die Gemeinde Bingen hat in begeisterter Zustimmung dem Werke ihre Beihilfe dargeboten. Hoffentlich tverden auch die andern Gemeinden Rheinlands und Hessens der Anstalt, die auch ihren Kindern dinen soll, ihr Interesse zuivenden. ' Für die Vertvaltung und Unterhaltung der Anstalt, die satzungsgemäß rituell geführt wird, hat sich der Verein „Jüdische Kinderheilstätte Bad Kreuznach" mit dein Sitz in Köln gebildet. Dem Vorstand gehören neben Kölner Mitgliedern foldjc aus Kreuznach und Bingen an, und für die demnächst sich hoffentlich anschließenden andern Gemeinden sind irciterc Sitze im Vorstand Vorbehalten. Die Eröffnung der Anstalt erfolgt voraussichtlich am 'J.j. Mai. Die Aufnahmebedingungen sind von der I. Schriftführerin des Vereins, Frau Rabb. Dr. Rosenthal, Köln. Roonstraße 50, zu beziehen. Aufnahmegesuche sind zu richten an den 2. Schriftführer Herrn San.-Rat Dr. Sternberg. Köln, Hohenstaufenring 10. Die ärztliche Leitung der Anstalt übernimmt Herr Dr. Kullmann in Bad Kreuznach. Möge dieses große und schöne Werk, das nnbeinittcllen und bemittelten jüdischen Kindern zur-Kräftigung und Heilung eine Soolbäderkur unter den besten Verhältnissen gelvähren soll, allenthalben die Förderung finden, auf die es gerechten Anspruch hat. Sticht gering lvaren die Beden- ' ken, es in der jetzigen Zeit ins Leben zu rufen, wo die Unterhaltung unübersehbare Ausgaben erheischt. Aber das Vertrauen auf die nie versagende jüdische Opferwilligkeit berechtigen zur Hoffnung, daß durch größere Stiftungen und Jahresbeiträge der Anstalt eine gesicherte Zukunft zum Heile und zur Ehre unserer Glaubensgemeinschaft geschaffen wird. . ' Sl. lüdtrcbc Cocbter. Von Samuel Gordon. Berechn Übertragung aus dem Engl, von M. Pulvermann. lJorlsetzung.) Zillah schwieg eine Weile, dann sprach sie plötzlich: „Ich glaube, unsere Eltern hätten ihn gerne.als. Schwiegersohn?" ' ' „Tu glaubst?" wiederholte Salka, ihrer Schwester' einen Blick zulverfend, als zweifle sic an deren Verstand. „Run", fuhr Zillah ruhig fort, „haben sic nicht noch eine Tochter?" Salka wechselte dreimal hintereinander die Farbe, in kaum ebenso vielen Sekunden, „das. Zillah, hättest dw mir ersparen sollen", sprach auch sie ivieder gefaßt. „Es klingt mir beinahe wie Verspottung und Verhöhnung, du weißt ganz gut, daß ein Mann, der uns beide gesehen, nicht lange zw-eisclhaft bleiben kann, welche Wahrer treffen soll. Und er. Aron — ich weiß es ganz lwstimmt — hat seine Wahl bereits getroffen." Zillah umschlang die Schwester zärtlich und ztvang sie. ihr ins Gesicht zu sehen. „Glaubst du, daß ich eS gesagt hätte, wenn es nicht mein voller Ernst wäre?" flüsterte sie ihr zu. „Salka, lvenn ich jemals gewünscht, häßlich wie eine Kröte zu fein, so ist cs sicherlich jetzt." Ihr Mund hatte diese letzte Bemerkung in leidenschastlick-er Aufwallung ausgesprochen; doch iin nächsten Augenblick war es ihr. als müßte sie sie mit Geivalt zurückhalten, da sie doch ein falsckrer Widerhall ihrer (Gedanken >var. War es wirklich ihr aufrichtiger Wunsch, das zu sein, was sic soeben ausgesprochen? War es nicht .erst gestern nachmittag, als sie den schattigen Wald betreten, daß sie Gott inniglich für die Schönheit gedankt, die er ihrem Körper vcr-, liehen? Warum gab es nun Zeiten, wo körperlick-e Vorzüge so hoch eingeschätzt, und wiederum solckw, wo man diese als einen schweren Fluch empfand? " „Siehst du, Salka", beeilte si^sich sortzufahren, „es könnte wirklich alles so gut eingerichtet uwiden. und wenn der Vater ein- oder zweitausend Rubel mehr Biitgift gibt..." Mit einein lauten Aufschrei riß sich Salka aus ihrer Umarmung: dann lachte sie bitter auf. > „Glaubst du wirklich,, daß ein paar tausend Rubel mich dir gleichniachcn oder Arons Gefühle ändern werden?" „Dich inir gleichnmchen werden? Du bist tausend-, tausendmal bester als ich. auch ohne (Held; ich bin ja nicht wert, auch nur deine Füße zu küssen —" kam es wie ein rcißeüder Bergstrom von Zillahs Lippen. „Du liebst ja unsere Elteni und ivillst ihnen irur Freude bereite»; ich — ich aber — mir ist. als wäre ich ihre Mörderin. Und darum möchte ich. daß du. in deiner tausendfachen Güte, mir diesen Dienst erweisen sollst. Gebrauche nur die ganze weibliche List und Schlauheit: ich will sie bei Tag und Rächt alle ausdenken und sie dich lehren. Versuckw alles und jedes, daß er dich lieben soll., Ich tveiß. es gelingt dir bestimmt! Salka, varsprich es mir, daß du cs tun willst." Doch diese bewegte rvnieinend ihr Haupt. „Das liegt außer unser beider Macht", brachte sic rveinend hervor: „der Vater erzählte ja. daß Aron, kaum, daß >r dein Bild erblickt, wie ein Träumendsr, wie ein Rachtwandlcr herumging. Und dann wird auch der Vater nie einwilligen, die jüngere Tochter vor der älteren zu verheiraten; lieber wird er uns beide im Hause behalten, bis wir graue Zöpfe bekommen. Rein. Zillah. gib jeden Versuch auf. denn er ist doch rungeblich." Zillah stand wortlos da und blickte wie geistesabwesend vor sich hin, so daß Salka wieder Angst bekam. J „Was willst du tun?" sprach sic. .den Arm um den Hals der Schtvöster legend. „Was kann ich denn tun?! Ich muß es ja erst selbst - hclausfindcn". antwortete Zillah kaum hörbar; „Salka. wenn du mir diesen Dienst nicht eruwisen ivillst. vielleicht tust du mir einen anderen Gefallen." „Sage schnell, ivas es ist." ■ , „Rur eine Kleinigkeit. Rur eine kleine Uiuvahrheit. die aber keinem Menschen schadet. Morgen fährt der Vater nach Rijenawa und — und unser Gast wird nur auf unsere Gesellschaft angewiesen sein. Ich tvcrde wahrscheinlich für kurze Zeit fvrkgehen müsien — vielleicht für eine Stunde — ich möchte nun. daß du mich da mit einer dringenden Rolwendigkcit entschuldigst." > „Wieso — wohin willst du denn gehen?" fragte Salka \ mit neuer Besorgnis. y „Das weiß ich selbst »och nicht", sie vermied es. die Schwester anzusehen; „irgendwohin, wo ich allein, ganz „ allein sein kann, um mich mit mir selbst zu berate». Die Einsamkeit wird mir gut tun — wie es gestern der Fall war. Ich muß versuchen, endlich zu einer Entscheidung zu kommen: bist du nicht auch der gleichen Ansicht,?" „Ist das alles, ivas du voij mir verlangst? Ich irHuschte, cs wäre eine viel jchirorere Ausgabe, um dir meine Liebe für dich jo recht beweise» zu können." „Vorhin gab ich dir doch eine solche." „Das iräre keine Ausgabe: das ivärc ein aussichtsloses Unternehmen von vornherein."