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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-05-07 · 49 (7.5.1920) · p. Seite 208

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
49 (7.5.1920)
Date
1920-05-07
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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l. Hs wird -ftlkr die Stadt und Umgegend der Kriegszustand verhängt. 2. Tie Macht ist von der Polizei auf das Militär übertragen, das für die Aufrechterhaltung der Oldnung zu sorgen hat. Jede Gewalttat wird, wenn nötig, mit Waffengewalt unterdrückt werden. Schleudern von Lteincn wird als Angriff gegen das Militär betrachtet werde». 3. 2^lle Einwohner werden gawaritt, zwischen 0 Uhr abends und «> Uhr morgens die Strafte zu betreten; n>er die Verordnung Übertritt, wird mit Gefängnis bestraft. 4. Wer mit Waffen angetroffen wird, wird nachKriegsrecht bestraft. Lhne besondere Militärcrlaubnis ist das VerlasieN oder Betreten der Altstadt verboten. ti. Der Kriegszustand wird jo lange dauern, bis Ordnung und normale Zustände eingeirelen find. Jerusalem. Ter Oberkommandierende"drr 3. Lahore- Tiviston hat die folgenden Urteilssprüche, die vom Kriegs-, gerichtsverkündet worden sind, bestätigt: Zwei Araber wurden wegen Plünderung und Brandstiftung zu 15 Jahren Kerker verurteilt; 19 Juden wulden zu drei Jahren Mcrfcr wrurtfilt, weil man sie im Besitz von Waffen und ^stegierungscigenlum betroffen hatte; ein Jude wurde zu 15 Jahren verurteilt, weil man bei ihm ixeuerivaffcn und Munition fand." London. 'Juid) Mitteilungen der Zionist Commission ist Jabülinski zu 15 Jahren Zwangsarbeit vemrteilt worden. Tie andern wegen Teilnahme an der SelbftN'ehr angeklagie» neunzehn Juden wurden zu je drei Jahren verurteilt. London. „Times" bringt eine Meldung ihres Jeruialcmer Korrespondenten vom 19. d. M., wonach die Unter* snchungskommission, bestehend aus Oberst Meinerzhagen und Judge Marshall, in Jerusalem eingelroffen ist. —-—-—' i Ter Jüdisckw Rationalsonds und feine gegenioärtige Bedeutung. Freude durchlebt die ganze Judenheit. Was vor kurzem noch-weiicn Kreisen als Utopie erschien, ist Wirklichkeit geworden. Palästina wird wieder jüdisch. Wir stehen vor einem neuen Abschnitt jüdischer Geidiidue. Nach zwei Jahrtausenden unsäglicher Leidens nadidem uns die blutigen Ereignisse der letzten Jahre nod) einmal die hoffnungslose Lage des TiasporajudcntumS mit unbalinherziger Teutlid)keit vor Augen geführt haben, eröffnen sick) verheißungsvoll die Perspektiven einer glücklidiereil Zukunft. Tie großen Massen unserer armen östliche» Brüder, längst in Bewegung geraten, werden künftig nicht mehr in Länder neuer Verfolgungen flüchten müssen. Sie werden als freie Männer nadi Palästina ziehen und dort in fleißiger Arbeit eine Stätte neuen jüdischen Lebens uilfbanen. lind wenn das palästinensisdw Gemeintvesen einmal ei stärkt ist. dann wird es als gleichberechtigtes Glied des Völkerbundes auch die Juden der anderen Länder vor Verfolgung mit» Entrechtung schützen. Palästina ist nicht mehr die Angelegenheit bestimmter kreise, sondern Sache der ganzen Judenheit.' Tie gesamte Judenheil muß daher an dem wirtschaftlichen Aufbau des Landes Mitwirken, muß anerkennen, daß für diese große 'Ausgabe alle verfügbaren Mräfte mobil zu machen sind. Tenn der Beschluß von San Nemo, so beglückend er ist, stellt dodi nur die Grundlage dar für das Kolonisatioirswerk, das irir Juden selbst errichten müssen. In diesem historischen Außenblicke gewinnt der Jüdijche Rationalsonds erhöhte Bedeutung. Ursprünglich eine Scktöpsunß der zionistijchcn Organisation, ist er längst zu einem Vohkssdiatz geworden, der von den Juden aller Richtungen und blassen als widrigstes Fininzinstrumcnt für den wirtsdiastlickien Ausbau Palästinas beiraditet wird. Seine in allen Ländern der Welt wadisenden Einnahmen und die häufiger weidenden Zuw'endungcn bedeutender Stiftungen sind sickiere Zeichen für seine immer größer irerdende Popularität. Ties kann um so weniger wundernekmcn, alsdev' volkstümliche Grundsatz des Rationalfonds: „Alles.durch daS Volk, alles für'-das Volk" eine segensreiche Verwendung der gesammelten Gelder verbürgt. Ter Nationalfonds will den Boden Palästinas, soir-eit dieser in dem dünn bevölkerten Lande verfügbar ist, erlverben und mit arbeitsamen Landwirten besiedeln. Schon hat er eine Anzahl blühender Siedlungen angelegt und wichtige Vorbereitungsarbeiten für die demnächst beginnende Kolonisation großen Stils durchgeführt. Er hat sick) insbesondere um die Ausbildung eines tüchtigen Ländorbeitelstandes erfolgreich bemüht und wirtschaftliche Siedlungs- und Bebauungsmethoden mit vielversprechepdem Ergebnis versucht. X Tie Zeit der Vorbereitungen ist vorbei. In nächster Zukunft wird aller Voraussicht nack) mit der großzügigen Aufbauarbeit begonnen tverden, wobei der Ntmonakfonds die finanziell« Grundlage bilden wird. - P a u l L i o n. Eine neue jüdische Linderheilstättr. » Köln, Mai 1920. Ten sozial-hygienischen Forderungen, die schwack)en, anämijdwn, skrofulösen, rhad)itischen Kinder zu kräftigen und vor tieferem Verfall in Krankheit und Siechtum zu betvahren, hat man seit langew-Jahren auch in unserer Gemeinde durch die mannigfachsten Einrid)tungen Rechnung getragen, so durd) Gründung eines Sck)rebergartens mit Aufenthaltsräumen, wo die Kinder verpflegt tverden und den ganzen Tag im Freien verbringen können, durch Kindergärten und Kinderhorte, durch die Entsendung mehrerer Hundert Kinder jährlick) in die Ferienkolonien, in Kinderheime, Seehospize und dergl. Aber trotz der gastlid-en Aufnahme, die unsere Kinder m derartigen Anstalten fanden, konnte dem sich immer mehr steigernden Anspruch der hilfsbedürftigen Jugend nicht v genügt werden, und das Bedürfnis nack) einem Kinderhospiz in unserer Provinz, wurde immer dringender. Die Kriegszeit war dem dahin zielenden Plane nicht günstig, und die Verhältnisse der fetzigen Friedenszeit ließen die Erbauung einer Heilstätte ganz aussichtslos erscheinen, auck) nachdem der hiesige israel. Frauxnverein zu seinem 100jährigen Jubiläum im verflossenen Jahre eine große Sammlung für an Tuberkulose erkrankte Frauen und Kinder und für die von dieser Krankheit Bedrohten veranstaltet hatte. Aber der Beharrlick)keit eines kleinen für die Sack)« begeisterten Kreises ist der'Erfolg beschieden worden, eine ivenige Jahre vor dem Krieg erbaute Heilstätte in Bad Kreuznack) zu erlverben, die nack) jeder Seite hin den weitgehendsten Anforderungen genügt. Getreu seinen Tendenzen steuerte der Frauenvcrein aus seiner Sammlung 500 000 M. bei. Auf einer Höhe über der.Nahe, in unmittelbarer Nähe der Salinen, zwischen Kreuznach und Münster a. St., liegt das weithin sichtbare sck)üne Gebäude init 9000 Quadratmeter großer wohlgepflegter Parkanlage. Von hier bietet sick, dem Auge die schönste Rundsicht auf das tveite reben- ,umkränzte Tal und die Felsen des Grafensteins. Tie Anstalt selbst ist nack) den modernsten hygienischen Grundsätzen und mit auserlesenem künstlerischem Empfinden erbaut. Sie bietet Raum für 00 Kinder. Im Untergesck)oß befindet sick) neben den.ausgedehnten Wirtschaftsräumen, den Koch- und elektrischen Waschküchen, der Zentralheizung, der elektrisck)cn Entstaubungsanlage, die Bädcrableiluirg mit 0 Zimmern, alle mit Süßwasier- und Soolbädern ausgerüstet. Jrn Erdgeschoß sind Büro und ärztliche Zimmer, das Inhalatorium für Soole, die großen Spiel- und Eßzimmer mit Veranden nnd Terraren und einige Schlafräume. In den beiden Obcrgeschosien sind Schlafräume' mit 2 und 4 Betten für Kinder und Pflegerinnen, Waschräume» Bäder, Turnsaal, Jsolierzimmer usw. Ter große Geinüse-, Blumen- und Obstgarten bietet den Kindern reiche Gelegenheit zur Betätigung im Freien, die von dem Oielände in den Wald und in die Berge führenden Wege zu Spaziergängen, die in nächster Nähe ge-

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