Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 49 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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lMgt am meisten der Umstand lsxi. daß Las karpathorusfi. jche Gebiet, wo di« Juden in größerer Anzahl siedeln, nicht gewählt hat. sondern erst nach Erlangung der Autonomie einen eigenen Bertretungskörper bilden wird. Frankreich. Paris. L'Ere nouvelle vom 9. April veröffentlicht in der Rubrik „Für die Unterdrückten" nachstehenden Aufsatz: j Tie Pogromflüchtlinge haben ein Recht auf die Gastfreund-! schaft Frankreichs. Tie französischen Verwaltungsbehörden haben im Verfolg einer antisemitischen reaktionärenPreßkainpagne strenge Maßregeln — um keinen andere«! Ausdruck zu gebrauchen . -v gegen dte Pogromflüchtlinge ergriffen, die Opfer unerhörten Hasies im wiedererwachtcn Polen, der meistens von der Regierung unterstützt wird, ivelche die Pflicht hat. alle ihre Bürger zu schützen. Man hetzt diese, unglücklichen Jüden, inan treibt sie in Masten aus. und sie.sind nach Frankreich, in das Land des Ajylrechts, in der Hoffnung gekommen, hier vorübergehend; ein Obdach zu finden, hier ein Stück Brot zu esten, bis der , Tag der endgiltigen Befreiung komint. ° j Welche Tragödie ist doch das Leben der Juden in Po- : len! Es ist eine Hölle.- Tie öffentlick)e Meinung ivürde vor Schrecken und Abscheu schaudern, lvenn sie die morde- ' rische Politik kennen würde, die »ran gegen die Juden in« alliierten Polen cingejchlagen hat, Schändung, Plünderung. Blutbad — das ist das tägliche Leben dieser arinen Teufel, .j Was wirft man den Juden vor? Man nimmt an, daß sie dieser oder jener Tat fähig wären. Aber seit wann hetzt inan jemanden auf eine bloße Vermutung hin? Man ivill Präventivmaßregelii ergreifen? Aber seit wann schließen Präventivmaßregeln die Gerechtigkeit aus? Rein, nein, die französische Republik darf kein schreiendes lknrecht begehen: man darf niemanden vertreiben, «in die Launen der polnischen Gesandtschaft zu befriedigen, die' ihren Staatsangehörigen die Pässe verweigert: es geht nicht an. daß inan ails Angst vor dem entsetzlichen Bolsck-ewisinus ei lies der heiligsten Rechte seit dem Altertum verweigert: das Recht der Gastfreundschaft. Tausende von Juden haben sich töten lassen für die Sache der Alliierten. Will man diese Opfer so belohnen? Wir hoffen, daß Frankreich trotz allein Frankreich bleiben wird! Paris. Die Alliance Jsraelite hat den Betrag von 20 000 Fr. zur Errichtung nationaljüdischer Schulen in Galizien beigesteuert, iveitere 2', 000 Fr. dem Betrage hinzugefügt, tvelchcn Baron E. de Rothschild zugunsten der j jüdischen Waisen in Ostgalizien gespendet hat. i Syrien. London. Ein Kaufmann in Kleinasien hat dem englischen Konsul in Aleppo ein hebräisches Testament überreicht. das zwecks Bestätigung nach London übersandt lvurde. Es ist'das erste Mal in der Oieschichte der englischen Registratur, daß ihr ei» hebräisches Testament zur Bestätigung vorgelegt wurde. - 1 Amerika. Rewyork. Reuter berichtet über eine Versammlung', die am Mittivoch den 21. April Hierselbst stattfand, nnd auf welck)er 100 Delegierte als Vertreter von zwei Millionen Juden erschienen waren.' In der Resolution lvurde die Hoffnung ausgesprochen, daß die englische Regierung ihr dem jüdischen Volke gegebenes Versprechen halten möge. Tie Konferenz beschloß auch, daß für den-0. Juni ei» Kongreß der amerikanischen Juden nach Philadelphia einberzifen werden und dort in Permanenz erklärt iverden sollte. Rewyork. Aus der von etiva hundert Personen besuchten Konferenz der Delegierten zum Jüdischen Kongreß in Rewyork trat Tr. Salkind, der Delegierte des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris, mit einer scharfen Rede gegen die jüdischen Vertreter auf und stellte sie einfach vor das Ultimatum, entweder.Mittel kür di« nötig« Arbeit zu gewähren oder zu erklären, daß sie sich um die Ereignisse in Europa nicht kümmern wollen. In diesem Falle werde däs^Büro des Pariser Komitees geschlossen werden. Er erwähnte. unter welchen Mühen die jüdischen Vertreter aus Rußland und Polen nach Paris gekommen seien, nachdem sie durch die russische Revolution ökonomisch rujniert worden waren. - Es sei eine Schande, daß. während die anderen kleinen Rationen Millionen für ihre politische Arbeit in Paris aufbrachten, das Budget der Jüdischen Delegationen in Paris bis jetzt nicht mehr als einige OOOOÖ Francs betrug. und auch dies mußte zum Teil aus de» Privatmineln der Delegierten gedeckt iverden. Rewyokk. Das American Joint Distiibulion Committee setzt seine Bemühungen fort, ei» gemeinsanics Vorgehen aller Hilfsorganisatioiren des Roten Kreuzes und der 'amerikanischen Regierung zum Zlvecke des Rücktransportes der sibirischen Kriegsgefangenen zu erzielen. Das Komitee, das im vorigen Jahre durch seine» Delegierten Dr. Rosenblatt 100 000 Dollar unter die jüdischen Kriegsgefangenen aus Österreich verteilen ließ, har neuerdings für die Repatriierung eine Viertelmillion Dollar lwwilligt. Rewyork. Tie „Jewifh Publication Society of America" hat der zionistischen Orgäiiisation Amerikas mitgeteilt, daß sie beschlossen habe. Ercmplirre aller von ihr her ausgegebeneu Bücher der Jerusalemer Universität zur Verfügung zu stellen. Die Bücher iverden bei der ersten fiel) darbietenden Gelegenheit nach Palästina gesandt iverden. Rewyork. Henry Morgcnrhau. der ehemalige Botschafter in der Türkei, ist zum Botschafter in Mcriko ernannt worden. England. > London. Aus die alle Erwariungen erfüllenden Freu den-Rachrichien aus San Remo Hai eine große Begeisterung die jüdische Welt Londons elfaßt. ' Di« meisten jüdischen Häuser und Gebäude sind mit Fahne» reich gcschmückl. \ London. Daily Telegraph veröffentlicht einen Brief des Majors Lioncl de Rothschild, Präsidenten der „Liga der britischen Juden", an den Staatssekretär des Auswärtigen. Der Brief stellt zunächst fest, daß die Liga nicht mit allen Forderungen der Zionisten übereinstimmt. Sie würde jedoch „mit Mißfallen („rcpanl witli «lisniny“) den Vorschlag ausnehmen. Palästina unter arabische Suzeränität zu stellen. „Aus Gründe», die nicht nur "die Juden, sonder» ebensogut alle Christen angchen, wünscht die Liga energisch. ' daß Palästina freie Jnstitulionc» unter einem britischen oder, wenn das nicht geht, unter französischem Ppotckloral ■ genießt. Obgleich die Liga aus Juden zusammengesetzt ist. die nicht de» Wunsch haben, ihre staatliche Zugehörigkeit aus zugeben, erkennen ihre Mitglieder doch an. daß viele Tausende ihrer weniger glücklichen Glaubensgenossen in Osteuropa sich in Palästina anzusiedeln wünschen, und deshalb möchten sie, daß die Zukunft dieses Landes so geregelt wird, daß sie mit diesen'Wünschen nicht in Widerspruch steht und daß ohne Schädigung der arabischen Bevölkerung die Ein Wanderung solcher Juden erleichtert wird." London. Im Unrerhause erklärte Bonar Law, daß die- Militärverwaltung in Palästina demnächst durch eine Zjvilverwaltung ersetzt wird. TlNlm"ist eine der iveseni iichen Forderungen der zionist-sschen Organisation erfüllt,' die umsomehr an Bedeutung gewinnt, trenn man sic mit den jüngsten antijüdischen Erzessen in Jerusalem in Verbindung bringt, wofür die bisl-erige Verwaltung verantwortlich gemacht tvurde. London. Churchill teilte im Unierhnnse mit. daß bei den Unruhen i» Jerusalem ungefähr 2"»y Personen gelöle; oder verwundet wurden. Davon sind 90 Prozent Juden, Palästina. -Jerusalem. „Haarcz" vom 9. April bringt folgend' Kundmachung des mililärisihen Oberbefehlshabers: