Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 49 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Varli». Der Peschlutz de» Hilfskomiteefür Palästina, einen größeren Vorrat von Geräten und Maschinen für jüdische Bauern und Handwerker in Palästina zu erwerben, ist von den zuständigen stellen im Heiligen Lande mit leb- I,asrer Genugtuung begrüßt worden. Das Komitee erhielt die Mitteilung, daß die Vertreter der größten in Palästina arbeitenden Lrganiiationen ein geineinsames Komitee bilden »«erden. welches die Verteilung der nach Palästina zu entsendenden Gcrüischaftcn übernehmen wird. Nach dem Erhalt dieser Mitteilung ichritt der Arbeitsausschuß des Hilfskomitees sofort an die Anschaffung der Geräte, welche noch vor der neuen landwirtschaftlichen Kampagne im Heiligen Lande eintreffen werden. Gelegentlich des Purim- und Pesiachfeftes haben zahlreiche Vertrauensmänner des Hilfskomitees, insbesondere die Mitglieder des RabbinernuSschusses. in ganz Deutschland die Sammelarbeit mit Eifer und Erfolg weitergefnhrt. Berlin. Die Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden. die auf den 10. Mai d. I.. vormittags l I Uhr. einberufen war, mußte mit Rücksicht auf die augenblicklichen Verhältnisie, insbesondere auf die bevorstehenden ReichStagsivahle». leider wieder vertagt werden. — Der Geschäftsbericht über die Zeit feit dem Jahre 1913, in dem die letzte Hauptversammlung tagte, wird demnächst veröffentlicht werden. Berlin. Die Cäcsclljchafl Hachnassath Kaltah, die älteste lüdijche Vereinigung Berlins, begeht am Sonntag den 16. Mai die Feier ihres zwcihundertjährigen Bestehens mit einem jchlichten»Festakt. der der Erinnerung an die Be- Minder der Gesellschaft geweiht ist. Die Festordnung siebt außer einem Prolog und musikalischen Darbietungen eine Weiherede von Ralwiner Dr. Weiße vor. Der Jubiläumsfeier. die im Roten Saal des Brüdervereinshauses stattsindet, geht eine außerordentliche Mitgliederversammlung voran. die über eine Erhöhung der Aussteuerbeibilscn bersten wird. Österreich. Wien. Die dcutjchnatioualen Studenten haben am Dienstag voriger Woche die Tore der Universität besetzt »nd den jüdischen Studenten den Einlaß vernwigert. Es kam bis zu den Mittagsstunden znüschcn den sich ansammelnden jüdischen und sozialistischen Studenten, denen sich auch Kommunisten >und Bolkswehrsoldaten änjchlossen, zu schweren Schlägereien mit den Deutschnarionalen. denen ein großes Wachaufgeboi nur mit Mütze ein Ende bereiten konnte. Als die Dcutschnaiionalen schließlich in einem etwa 1000 Mann starken Zuge abmarschierlen. ertönten Rufe: ..Hoch Kapp und Lüttwitz!" Am Dienstag schon banen deutschnationalc Studenten die jüdische Mensa Academica in der Alscrstraßc überfallen und dort die Fensterscheiben »nd die Möbel zertrümmert. Es heißt, daß die Amerikaner wegen dieser Vorfälle eine Anstage an die'Rfgierung gerichtet habe». Infolge dieser Vorfälle ist die Universität bis ani^weiteres geschlossen. Wien. Ei» Lohnkamps dev Angestellten ist in der israelitischen Kultusgemeinde auspcbrochen. der möglicher-, weise zum Streike der letzteren führen wird. Die jüdischen Religionslebrer an Volks- »nd Bürgerschulen verlangen vom Vorstand der Kultusgemeinde die Gleichstellung im Gehall mit den städtische» Lebrern. Dieser Kampf nähert sich nun dem Höhepunkt, denn die Religionslchrck hnbeii in^ einer Resolution an den Vorstand ein Ultimatum gestellt und droben mit Einstellung des Unterrichts. Der Vorstand der KnltliSgemestHe behauptet, nicht-in der Lage zu sein, ihnen auch nur ein halhiregs menschliches Auskommen uneil!>.erden z» lassen. \ Wien Ein Komitee der Ärziegruppc des Wiener Palästinaomies wende» sich in einem Aufruf an alle Jude», insbesondere an die Arzte- »nd Jürjorgestellcn der Welt, sich an der Gründung von Sanatorien in Palästina zu beteiligen. Ewplanl ist der sofortige Bau zweier Sanatorien, »nd ztvar für Nierenkranke und Tuberkulose. Für beide Erkrankungen ist Palästina infolge seiner geographischen Lagt, seiner fräftigcir, heilspendenden Sonne bei kühlen Passatwinden ein Kurort ersten RcmgeS. Durch den Bau von Sanatorien würde in erster Linie den Kranken gedient, jedoch auch dem Lande, das auf diese Weise Tausende von Menschen beschäftigen könnte. Während Länder mit zah- ,tungskräftiger Valuta die Gebäude errichten würden, könnten Länder mit schwacher Valuta die erforderlichen Einrichtungen in ihren Staaten besorgen, so daß auch diese ihr Kapital nutzbringend anlcgen könnten. Zuschriften werden an die ..Ärztegruppe" des Palstinaamtes. Wien 2. ZirkuSgasie 33, erbeten, wo auch Auskünfte gern erfolgen. I. P- 3. Polen. . ' Wien. Flüchtlinge aus Ostgalizien, die vor tvenigen Tagen aus den Gegenden von Kolomea. Brodh und Tarnopol nach Wien gelangt sind, berichten über furchtbare Ausschreitungen der in Ostgalizien zum Kampfe mit den Bolschewisten zusammengezogenen polnischen Truppen. Diese Ausschreitungen richten sich ausschließlich gegen Juden und Ukrainer. IN den meisten Städten und Städtchen fanden .'Pogrome statt. Die polnischen Soldaten plündern unter den Augen ihrer Kommandanten. Das berüchtigte Bartabschneiden, ein Hauptspaß der Truppen des General» Haller. wird neuerdings praktiziert. Die angesehensten Juden . und Ukrainer werden in Rudeln zusammengetrirben und zu kn niedrigsten Zwangsarbeiten angehaltcn. Besonder» häufig sind Überfälle auf Gotteshäuser, aus denen die Gläubigen mir Gewalt zu Arbeiten hinter der Front geholt werden. So überfielen Hallertruppen ain zweiten Pessachfestc in Kolomea die Hauptsynagogc und trieben die zlr siierlichem Festgebet versammelten Juden zusammen und zwangen sie zum Verladen.von Kriegsgerät. Ähnliche Vorkommnisie spielten sich in Brodh und in der Umgegend von Brodh ab. .Bisher sind viele Mordtaten vorgekommen. Zahlreiche Einwohner flüchten ins Ungewisie. Warschau. In den polnischen Zeitungen wird ein Gcheimerlaß der Staatsbankdirektion in Posen veröffentlicht über 'Anstcllungsbedingungen von Beamten, worin u. a. auch die ^Zugehörigkeit zum Katholizismus gefordert wird. Ungarn. Wien. Aus Budapest wird der Wiener Morgcnzeitung gemeldet: Nach dem durchschlagenden Siege der studentischen Brachialformationen über die völlig schutzlosen jüdischen Kotnmilitonen und nachdem es nunmehr gelungen ist. Tausende jüdischer Studenten ihres Rechtes auf die Lernfrciheit zu berauben und aus dem Lande zu treiben, gehr es jetzt an. die Vertreibung der jüdischen Universitätsprofessoren und der christlichen Hochschullehrer, die sich durch liberalere Haltung verdäcluig gemacht haben. Unter dem Drucke dieser Agitation har nunmehr der Rektor der Universität de» Geschichtsprosessor Dr. Heinrich Marczati, einen Juden, „im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung während der demnächst beginnenden Vorlesungen" aufgefordcrt, um seine Beurlaubung anzusuchen. Ein anderer jüdischer Universitätsprofessor, Dr. Beruhärd Alexander, der sich bereits zu unfreiwilligem Urlaub in der Schweiz befindet, hat nunmehr fein Gesuch um Versetzung in den dauernde» Ruhestand übersende». Berlin. Wie aus Budapest gemeldet wird, mußte die letzte „Walkürc"-Aufführung in der Slaatsoper infolge von Judcnkrawällen abgebrochen werden. Die Sänger Burian und Ludwig Röfsa wurden mit den Rufcii „Heraus mit den Juden!" empfangen »nd so lange niedergebrüllt, bis der Vorhang entgiltig fiel. Tschechoslowakei. P.'.ig. Die vereinigten jüdischen Parteien haben bei len Parlameistswahlen insgesamt die Anzahl von 70 0.0!» Stimmen auf ihre Listen vereinigt. "Da sie aber in keinem Wahlkreis die Wahlziffer don 20 000 Stimmen erreichen konnten, entfällt auf sie kein Mand'at. Zu diesem Resultat