Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 49 (7.5.1920)
- Date
- 1920-05-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BOTE Erscheint jede» Kreit»,. Srz»,»- prei» 7k Pf. «,»«tl. Z« trzietze» d»rch fimilich« P»st4»t»r »der »>rch tu B«tr»»erl«, i« v»»». VOI^ RHEIN Jüdisches Volksblatt 1- M.fiirdir »Iw* ,tf». Petitzril». Dir ,««|t Seit« »»f»tt360ZrUr». P,sifch«<k»»t» «rttaMtl»,«„ Cllafhr.74747. Lferausgegeben von Rabbiner Or. Krnik Kobn. Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. tzlomimr 49 mmmamaismmsei ZSonn. 7. Wai 1SL0. — 19 Ajav 8680 2. Jahrgang. aaoaaGaaoaannasaalaicntiaaaDaaaaEianaoaaoao a a □ v O g Wochenadfchnttt g a d a o aaaaaopaaaaaaaoiaoiaoaaaaaaaaaaoaoaDaiaaD Rdligc Strenge. Sänflt aber die Tochler eines priesterlichc» Mannes Unznchl zu treibe» an, so entweiht sie ihre» Filter: verbrennen soll man sie. ' 3. Mose 21,!>. „ Eines andern Mannes Tochter mag also treiben, was sie will? Nur die Priestertochter soll den Tod eileidcn? — In der Tat. was hier verlangt wird, ist die aristokratische - Strenge. Das dritte Buch Mose enthält den sog. Priesterkoder. Tie Priester waren der Adel. und Adel ist nichts anderes als ein Gesetz übers Gesetz hinaus. Immer strebt der Temos, die Masie, vom Gesetze weg> Tein Adel genügt nicht das allgemeine Joch, er fordert ein' Tarüberhingus an Satzung, Bindung und Strenge gegen sich selbst: Sterben soll das Mädchen, das seinen adligen Vater entweiht! Ties Gebot der rücksichtslos das Übel ausbrennenden Härre erhalt aber seine allgemeine Bedeuiung nicht nur daher, daß Israel als Priesterreich das Tarüberhinaus auch für sich als ganzes Volk anerkannt, ja, sogar beansprucht hat, sondern auch, weil schließlich jeder Mensch, auch der leidenschaftlichste Temokrat und Umstürzler, einem aristokratischen Triebe unterworfen ist. Alle Erziehung z. B. ist adlig, und wer den Satz da oben liest und an die manchen . Schwierigkeiten denkt, die ihm die Erziehung seiner Heranwachsenden Söhne und Töchter schon bereitet hat, dem ist es nicht nur nicht schwer, in dem Satze noch etwas anderes als eine bloße Levitenlehre zu lesen, sondern er kann überhaupt nicht anders, als in sich selbst den priesterlichen Mann zu sehen, und es schaudert ihn bei dem Gedanken. ör könnte einmal durch eine liederliche Tochter entehrt, entweiht und geschändet werden. Eine schreckliche Zeit ist hereingebrochen. Auch wenn inan nicht dem Verein zur Hebung der Sittlichkeit als Vorn. standsmitglied angehört, überläuft es einen kalt, wenn man sieht, bis zu welchem Dckiße die Ssttcnlosigkeit unserer Zeit gediehen ist. Fürchterlich wirkte der Krieg, noch fürchterlicher sein Ende. Es ist ein offenes Geheimnis, daß, zumal im besetzten Gebiet, das Weglaufen von Mädchen, die Schirangerschaft von Tienstbgten. Frauenraub und Verschleppung eine mehr als alltägliche Erscheinung sind. Tie Verwilderung der sittlick-en Begriffe, zumal bei der Heranwachsenden weiblichen Jugend, spottet jeder Beschreibung. Was nützt es noch, mach Gründen zu forschen?^ „Ter Vater war so lange fort!" Jetzt'ist er da, aber andere Gesetze gelten für die Welt:-Man findet nichts'mehr dabei, svenn dies und das geschieht, wobei sich einem früher die Haare gesträubt hätten. Es ist so viel passiert, daß, jedes Folgende auf ein Vorhergehendes sich berufen kann, das noch schlimmer war als dies. Man findet nichts mehr dabei. Wie wichtig ist es in solcher Zeit, daß der Jude sich auf seinen Adel besinne, die Alten sich besinnen: was sie ihrer Vergangenheit, die Jungen, was sie ihren Eltern schuldig. sind. Sirenge! Strenge! Strenge gegen sich selbst! Was andern erlaubt ist, ist uns noch lange nicht erlauht! Ein altes jüdisches Wort jagt: „Zucht ist mehr als Adel, denn Adel bedarf der Zucht. Zuckt aber nicht des Adels!" Tas könnte so ansschcn, als wenn Adel nichts wäre. Aber etwas äst er dock: Tenn, wer adlig empfindet. wer das klare Bewußtsein hat, daß und warum sein Adel ihn verpflichtet, der bedarf nicht mehr der Zucht für seinen Adel, sondern ihm ist sein Adel Zucht. So pflanzt in eure Kinder diesen OSeifl des jüdischen Adels ein! Je stolzer sie auf ihr Judentum sirrd. je leidenschaftlicher sie den Reichtum ihres Erbes, die Göttlichkeit ihrer geistigen Herkunft empfinden iverden. , umso .züchtiger, reiner und keiiicker werden sie sein. 'QBocbcnlcbau. Tatsachen unk Urgebuiffe. [Honrjcicuurn Gnunpocorv qo.n | Berlin. Zum Beschluß der Großmächte, Palästina zur! Heimstätte der Juden zu bestimmen, schreibt die zionistische I „Jüdische Rundschau": Tiefe historische Stunde, die uns zu erleben vergönnt war. ist zu groß und zu ernst, als daß , wir in laute Begeisterung und Jubelausbrechen dürften. Wir danken bewegten Herzens den Völkern und Männern, n eiche'unsere Not und unser tragisches Geschick verstanden und den Willen bekundet haben, uns zu unserer Besreiung zu veihelfen ... Wir danken vor allem jenen Männern, die als Vertretende» jüdischen Volkes seit mehr als drei Jahre» un^müdlich und allen jchiveren Hindernissen zum Trotz, in mifrcchlem Glauben an die Güte der Sache, in oft schier übermenschlichem Ringen mit tückisckwn Widersacher» die Sache unseres Volkes geführt haben und nun mit Genugtuung den Erfolg ihrer Arbeit erleben. Ihr Verdienst wird nicht vergessen iverden und wird in den Annalen der jüdischen Geschichte für alle Zeiten vermerkt sein. Nun ist die Stunde gckonimen, die von uns die Leistung heijcht. Wir haben uns noch nicht einmal innerlich auf die Befreiung vyrbereitel: wir stehen vor der Gefahr, daß es uns jo ergeht wie einst dam ersten Geschlecht des Auszuges aus Ägypten, das wegen seiner Kleinmütigkeit verivorfen wurde und in der Wüste sterben inußte. Tie nächsten Monate schon werden lehren, ob wir der Aufgabe gewachsen sind. Ter Weg ins Freie ist mit Tornen gepflastert : wehe uns, wenn wir uns nach den Jleijchtöpfcn der Knechtschaft zurücksehnen! Tas Werk der Befreiung heischt ungeheure Anstrengungen. Ein Neues soll von uns geschaffen werden, das nicht seinesgleichen Hai in der Geschichte. Jetzt heißt es alle Kräfte zusaminennehmen. Jeder muß verstehen, daß alles, ivas er bisher getan, nichts ist im Vergleich dazu,.was jetzt gefordert wird. Nur wenn jeder sein Äußerstes tut, kann das Werk gelingen. Von uns hängt es ab. ob Palästina Erez Israel, wird.