Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 47 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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hebräischer Schulen in Moskau bestehen, und in verschiedenen anderen Plätzen Sowjet-Rußlands wird in Übereinstimmung mit dem Programm des Tarbuth viel Hebräisch gesprochen. In einer Erklärung, welche Maxim Gorki kürzlich betreffs des Juden veröffentlichte, legt er nachdrücklich Perwahrung ein gegen die Tätigkeit gewisser Personen der Sowjetregierung, welche die Zionisten verfolgen und sich bemühen, die hebräische Sprache zu unterdrücken. Warschau. Laut Warschauer Zeitungen spielen jetzt sowohl das hebräische als auch das jüdische Theater in Moskau bei stets ausverkauftem Hause. Letztens fand ein Maeterlinck-Abend mit „Tie Blinden" und „Interieur" statt, sowie ein Schalom Asch-Abend. Für die Theator iverden auch eigene Musikstücke komponiert. Stockholm: Nach einer Meldung der bolschewikischen „Kijcwskaja Prawda" wurde Frau Wcra Tscheyerjak, die seinerzeit im Beilis-Prozeß als Hauptbelastungszeugin auftrat, durch Urteil des Kiewer Revolutionstribunals hingerichtet. Vor ihrer Hinrichtung soll sie Aussagen gemacht haben, wonach die ganze Anklage gegen Beilis künstlich konstruiert worden sei. Diese Aussagen sollen demnächst^ veröffentlicht werden. Bern. Wie wir vernehmen, hat der Bundesrat beschlosien, das Wiederinkrafttreten des Schächtverbotes um vierzehn Tage hinauszuschieben. Nach einem im Dezember des letzten Jahres gefaßten Beschluß hätte das Schächtverbot am 1. April wieder in Kraft erwachsen sollen. Mit Rücksicht auf die israelitischen Feiertage und im Hinblick auf die Schwierigkeiten in der Beschaffung von geschachtetem Fleisch aus dem Auslande, hat nun der Bundesrat die Frist für den Ausnahmezustand um vierzehn Tage, d. h. bis zum 15. April erstreckt. Türkei. Konstantinopel. Der Großrabbiner, Chaim Raum Effendi. hat dem Justizministerium sein Abschiedsgesuch überreicht. In dem Gesuch dankt Chaim Raum Effendi der türkischen Regierung für die Unterstützung, die ihm während seiner zwölfjährigen Amtstätigkeit von der Hohen Pforte zuteil geworden sei. Wie verlautet, soll der Grund! zu seinem Rücktritt in den Schwierigkeiten liegen, die ent-! standen sind durch seinen Wunsch, die Teilnahme der Juden fremder Staatsangehörigkeit an den Wahlen durchzusetzen. England. > London. Lilli Montagu, die Schwester LordSwaykh-! lings und des Ministers für Indien, Montagu, wurde als j erste tveiblichc Predigerin in der Reformsynagoge, Hool-; street Hanovergate West, erwählt. Diese Wahl scheint die Folge eines Beschlusses zu sein, der auf der Jahresversammlung der Liberal Jewish Synagoge gefaßt wurde und der lautete: „Die Generalversammlung stimmt im Prinzip der Zulassung von Frauen zur Seelsorge (ministry) zu." Die prinzipielle Zustimmung zur Zulassung von Frauen zu seelsorgexischen Funktionen, welche in der Synagoge im allgemeinen bis heute nur den Pkännern Vorbehalten blieb, wurde in Konsequenz einer schon seit langem bestehenden statutarischen Bestimmung angenommen, laut welcher, Frauen in der Liberal Jewish Synagoge für alle Stellen > im Vorstände das aktive und passive Wählrocht besitzen. Palästina.! Zürich. Die ./Neue Zürcher Zig." bringt ckus Jaffa einen Artikel über das arabische Prvblenr. Der Schreiber hält die arabischen Autonomiebestrebungen für ein Ding der wirtschaftlichen und politischen Unmöglichkeit. „Die arabischen Provinzen befinden sich heute, mit der einzigen Ausnahme Ägyptens, in ciltem derartig mittelalterlichen Zustande, ihre Bevölkerung ist in einem solck>en Maße noch erziehungsbedürftig, ihre wirtschaftlichen Kraft- und Reichtumsquellen sind so vernachlässigt, daß eine gute westeuro-. päisck-e Verwaltung noch lange angestrengte Arbeit würde > leisten müssen, um die diesseits des Suezkanals gelegenen Provinzen wenigstens bis zur Höhe Ägyptens emporzuheben." Doch die arabische Bewegung hat den Charakter eines Aufruhrs gegen 'jede ausländiscire Behörde angenommen. Nur in Westpalästina, wo die britischen Truppen stehep, vor denen die Orientalen Respekt haben, ist Ruhe. In den anderen Gebieten ist die Lage ernst. Der Artikel schließt: „Der Orient tvartet voller Spannungauf das erlösende Wort aus dem Abendland. Alles stünde besser, lwnn die Frage de» Mandates über Palästina uiid Syrien zur richtigen Zeit erledigt worden wäre. Tenn nichts wirkt auf die Orientalen demoralisierender als lange diplomatisckw Verhandlungen europäischer Mächte über orientalische Frage», die nür deshalb nicht gelöst wcrdcn, weil sich die Europäer nicht einigen können." Amsterdam. Die Times berichtet aus Jerusalem, daß dort der Belagerungszustand erklärt ivorden ist. Die Rädelsführer der jüngsten Unruhen sind verhaftet worden. Die Stadt ist ruhig. Tie Banken und anderen Geschäfte sind wieder geöffnet. Bei den jüngsten Zusammenstößen wurden fünf Juden und vier Mohammedaner getötet. 21 l Juden, 22 Mohammedaner und 2 Christen verwundet. Unloexrltätskurse kür niditimniatrikulicrte Ruslflndcr. Es ist den Bemühungen von Herrn Professor Tr. Einstein und Gehcimrat Professor Dr. Landau gelungen, den ausländischen Studenten, die infolge der bestehenden Bestimmungen an den Hochschulen nicht immatrikuliert werden konnten, einen Ersatz für die verloren gegangene Studidngelcgenhcit zu schaffen. Auf die Eingabe der beiden Gelehrten hclt der Minister solgenderniaßen geantwortet : Berlin W. 8, den 10. März 1920. Ter Minister, für Wissenschaft. Kunst u. Volksbildung. U. I Nr. 622 I. Auf das von Ihnen in Gemeinschaft mit Herrn Professor Dr. Einstein eingereichte (besuch vom 19. Februar d. I. erwidere ich ergebenst, daß ich mich aus humanitären Gründen der Anerkennung der Notlage der zum Studium nicht zugelassenen Ausländer nicht twrschließen kann. Ich erkläre daher inein Einverständnis dazu, daß die »ach Hen näheren Angaben des (Nsuchs in Aussicht genommenen Lehrgänge als „staatlich zugclassene Lehrgänge Berliner Universitätslehrer" bezeichnet werden. Jedoch betone ich ausdrücklich, daß dieses Enn>erstäiidiiis dem Inhalt der Eingabe entsprechend sich nur auf die zur Zeit hier tveilcnden Ausländer bezieht und nicht den Anlaß zu einer dauernden Einrichtung bieten soll. Über den Beginn und den Besuch der Vorlesungen bitte ich mir demnächst berichten zu wollest. gez. H a e >r i s ch. An den Geheimen Medizinalrat Herrn Professor Dr. Landau, hier. Man kann hoffen, daß die Zeugnisse über die Teilnahme an den Kursen und Vorlesungen von den ausländischen Regierungen anerkannt werden. Hervorragende Universitätslehrer aller Fakültäten, die an der Abhaltung dieser >turse aktiv intereisiert sind, wollen für^die Anerkennung der Zeugnisse im Auslande Sorge tragen. Alle Interessenten, gleichviel welcher Fakultät, sollen ' unter Angabe ihrer Cen.csterzalil. kurzer Darstellung ihres StudiengangeS, evtl, mit Vorlegung der Zeugnisse aus Seminaren und Übungen und der Ermatrikel sich melden. Sollten derartige Papiere nicht vorhanden sein, so müssen für das'bisherige Studium glaubwürdige Nachweise erbracht werden. Die „Lehrgänge" beginne» am I. Mai. Nähere Mitteilungen später. Alle Zuschriften und Meldungen. trersehcn mit der Aufschrift „Betrifft Lehrgänge", sind zu richten an das „Kulturdezernat der B. Z. V." (Dr. Mar Schivabc), Berlin. Seydelstraße 6. r ' r