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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-16 · 47 (16.4.1920) · p. Seite 190

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
47 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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uns mitgeteilt, bafe an den höheren Lehranstalten des Landes Flugblätter zur Fördening der antisemitischen Bewegung verteilt werden und auch sonstige Propagandaarbeit in antisemitischem Sinne erfolgt. Dje Flugblätter werden anscheinend von dritter Zeile ohne Borwissen der Lehrerschaft in die Schulen hineingelragcn. Sie enthalten die gehässigsten und aufreizendsten Angriffe gegen die , Volksgenossen jüdischen Glaubens. Sie sind geeignet, die »och nicht ausreichend urteilsfähige Schuljugend zu ganz einseitiger Stellungnahme gegenüber ihren jüdischen Mitschülern zu veranlassen. Wir erblicken in diesem Treiben eine schwere Gefahr für den inneren Frieden der Schulen. Tie Oberschulkommission ersuchen wir daher, die Schulleiter auf dieses Treiben aufmerksam zu machen und ihm nachdrücklichst entgcgcnzutretcn. auch gegen Schüler, die sich an der Verbreitung derartiger Flugblätter beteiligen sollten. mit den strengsten Schulstrafen vorzugchen. Über Verstöße gegen die Anordnung ist uns in jedem Einzelfalle vor Verhängung der Schulstrafe schleunigst zu berichten. Gez.: Ronneburg." Berlin. Ten Monumentalbau der Synagoge in der Fasanenstraße haben sich bübisctfe Hände dazu ausersehen, um die kunstvollen Eingangslore mit schivarzer Ölfarbe in Form von großen, sogenannten Hakenkreuzen zu bemalen. Auch mehrere' der Synagoge benachbarte Häuser sind mit diesen Hakenkreuzen „geschmückt" worden, die ingewissen Kreisen als auliscmilisckfe Wahrzeichen gelten. Haustüren und Parterrcfenster einzelner Wohnungen sind gleickffalls mit diesen kreuzen in starkem Farbenaufstrich übermalt. Die Täter haben ihr Werk in einer der letzten Rächte verübt und sind leider nicht beobachtet worden. Tic Versuche. die Kreuze zu entfernen, waren mit einfachen Mitteln vorläufig ergebnislos. Tic Synagogenverivaltung sieht sich genötigt, die Portale durch Handwerker abhobeln und reinigen zu lasten. ' München. Ter „Bund jüdischer Frontsoldaten" fordert in einem offenen Brief an die Regierung des Freistaates Balfernj den alle größeren Tageszeitungen brachten, von der Rcgiening cnergisck-es Einschreiten gegen die ivüstcn Judenhetzen. Er tvcist darauf hin, daß in den Tagen des Kapp-Putscl-es unbescholtene Söhne angesehener Münchener Familien in der Türkcnkaserne von RcichStvehrsoldaten auf Befehl beschimpft, ihrer Freiheit beraubt und blutig mißhandelt wurden, »veil sie Flügblätter mit ivahnsinnigcn Verleumdungen gegen die Juden entfernt hatten. Bei dem Andenken der tausende für das Vaterland gefallenen jüdischest Soldaten erhebt der Bund feierlichen Protest gegen die unerhörten Versuche des deutschvölkischen Schutz- und Trupbundcs. der Juden Heimat, und Ehre zu rauben und sie als wurzellose, vcrbrecherisck)e Abenteurer zu zeichnen. Er erhebt feierlichen Protest gegen die systematijckfe Vergiftung der Jugend, die mit steigernder Erbitterung vergeblich den Schutz vor Haß und Luge ersehnt. Polen. Warschau. Tie Wahlen zum Stadtrat in Chmelnik tvurden im Widerspruch zu den Bestimmungen des FriedenSverlrages auf Samstag, den 21. Februar anberaumt. Diese Verletzung des FriedensverlrageS ist um so bemerkeusiverter. als bereit* frülfer eine Wahl in Chmelnik stattgesunde» hatte.» Bei dieser tvaren 20 Juden und 4 Christen gewählt worden. Tie Wahlen wurden annulliert und die Reuwahl nunmehr auf den Sabbat verlegt. Warschau. . Für den Fortgang der Boykottbewcgung ist die Mitteilung des l»ekannlen antisemitischen Organs „Twa Grosze" symptomatisch, tvonach in Warschau eine große Ttrumpsivarenfabrik gegründet wurde, in, der Juden grundsätzlich nicht angestellt iverden. Warschau. Tie -fahl der Juden im neuen Polen beträgt jetzt 1 770 00(1. Sie stellen mit dieser Zahl 14 Prozent der Gesamtbevölkerung Polens dar. Warschau zählt unter etwa 000 000 Einwohnern 297 977 Juden, so daß fast jeder dritte Bewohner ein Jude ist. Tie anderen be, deutenden Städte des Landes tveisen^zum Teil eine noch höhere jüdische Bevölkerungszahl auf: so Siedler mit 56 Prozent, Suwalki mit 55 Prozent und Plock mit 51 Prozent Juden. In zahlreichen kleinen Städten bilden.die Juden 50 bis 90 Prozent der Eipwohnerschaft. In Galizien leben etwa 803 000 Inden, die 10 Prozent der Gesamtbevülkerung bilden. Die Ziffer der Juden beläuft sich in Lemberg auf 28 Prozent, in Przemysl auf 30 Prozent und in Krakau auf 21 Prozent. Wilna. Zur Feier des 200jährigen Geburtstages des WilNaer Gaon s. A. werden umfassende Vorbereitungen getroffen. Minsk. Hier fand eine große Trauerfcier zu Ehren des am Flecktyphus verstorbenen Abraham Caplan, Präsident der Zionistischen Organisation in Weißrußland, statt. Ungarn. Zürich. Ter ungarische Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich" berichtet: „Täglich werden neue Schandtaten der Brachialgewalt und namentlich der berüchtigten Offiziersdetachements gemeldet: Tie Exzeste nehmen täglich an Wildheit zu. Neulich wurde ein Jude namens Samuel Kohn auf Befehl des Offiziers Zombory-Tokh von Soldaten auf das Dach der Budapester Basilika geschleppt und hinabgestürzt. Das Kommando meldete dann, der Unglückliche habe Selbstmord verübt. Tie Staatspolizeit von Budapest hat eine Untersuchung eingeleitet, bei der jedoch infolge der gegenwärtig in Ungarn hervsckiendcn Methoden nicht viel herauskommen dürfte. In den Bahnhöfen wird auf durchreisende Juden Razzia gemacht und diese lverden, wenngleich sie Ausländer sind, geschlagen, beraubt und eingesperrt. «Besonders kraste Fälle ereigneten sich in den letzten Tagen in Szolnok und Szokesfehörvär, wo ein im Kriege invalid gewordener jüdischer Reserveoffizier halb tvtgeschlagen'und erst nach achttägiger Schutzhaft entlasten wurde. In Vcsprem, Papa, Gyor und Kaposvär geht es ebenso zu. Tie jüdischen Universitätshörer von Budapest werden andauernd von der „Universitätswache" an der Fortsetzung ihrer Studien verhindert. Den Prügeleien an der Universität sind zwei jüdische Studenten zum Opfer gefallen. Wie das in Wien erscheinende ungarische Blatt „Az Ember" meldet, trübten die in Mako nach dem Abzüge der Rumänen einziehenden ungarischen Truppen einen gräßlichen Pogrom. Die Zahl der Opfer beträgt etwa dreihundert. Auf Wunsch der Einwohnerschaft mußten die Rumänen wieder zurückkehren, um Ordnung zu stiften. Rach derselben Quelle hat das Ministerium des Innern verordnet, daß der christliche Glaube bei Angeklagten als Milderungsgrund zu gelten habe. Wieviel Juden der entmenschten Soldateska in verschiedenen Teilen Ungarns täglich erliegen und ivievicl ohne Grund in den Kerkern schmachten, läßt sich gar nicht fcststellen." Sowjet-Rußland. Basel. Aus''Moskau wird gemeldet, daß die Sowjetregicrung eine Proklamation veröffentlicht hat, in der die jüdischen Gemeinden als eine Gefahr für die Erziehung des russiscl-en Proletariats und den Kommunismus bezeichnet lverden. Tie Regicnmg befiehlt daher die Schließung sänitlicher jüdischen Lehranstalten in ganz Sowjctrußland. Minsk. Rach einem hiersclbst eingetroffenen Bericht ist der zionistische Merkas in Petrograd wieder eröffnet ivordcn. Alle Gegenstände und Dokumente, welche von den Bolsckwwisten requiriert worden waren, sind zurückgcgeben worden, ebenso die konfiszierten zionistischen Gelder. Jedoch haben die Behörden bis jetzt noch nicht die Herausgabe der zionistischen Zeitungen „Chronic Zevreisk-Zsin" und „Palästina" 'gestattet. Der zionistische Merkas hat die 'Arbeit wieder ausgenommen und es sind verschiedene Komitees gebildet worden, um die zionistische Tätigkeit in Sowjet-Rußland zureorganisiere». Es wird auch berichtet, daß trotz des Verbotes des' Studiums des Hebräischen in den Schulen eine Anzahl

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