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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-16 · 47 (16.4.1920) · p. Seite 192

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
47 (16.4.1920)
Date
1920-04-16
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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JQditd* C&htcr. von Samuel Gordon. Berecht. Übertragung aus dem Engl von M. Pulvermann. •M**"*-) „Und nun. Aron", sprach Anschel, „nur noch eine einzige Frage: es ist zwar schon spät — seht nur, Kinder, die Mutter ist bereits eingeschlafeü — aber ich möchte so gern eine, Erklärung für den etwas befremdlichen Ausspruch Rabbi Chaninas haben, den ich vor längerer Zeit schon von unserem Rabbiner gehört und den ich durchaus nicht begreifen kann. Rabbi Chanina sagt im Traktat Baba-Kama — siehst du, ich habe es mir wohl gemerkt — daß derjenige, der die heiligen Gebote Gottes beobachtet, weil sie ihm besonders eingeschärft worden sind, auf eine weit größere Belohnung rechnen darf, als derjenige, der sie ausübt, ohne dazu besonders verpflichtet zu sein. Nach meiner Ansicht müßte doch der letztere auf ein viel höheres Verdienst Anspruch haben." Arons Stirn kräuselte sich durch tiefes Nachdenken; nach einer kurzen Weile umspielte ein siegesgewistes Lächeln seine Lippen. „Sehet, Reb Anschel. es ist eine tiefe, schwierige Frage, die Ihr gestellt; aber ich hoffe doch, sie Egch befriedigend beantworten zu können. Ter vornehmste Trieb der menschlichen Natur ist doch wohl, nach Freiheit zu ringen. Empört sich denn nicht jedes vemunftbegabte und jedes vernunftlose Wesen gegen jede fremde Macht, die es beherrschen und beschränken will? Wenn wir daher unter einer gewisien Botmäßigkeit stehen, die uns ihren Willen auferlegt, ihre Befehle erteilen will, da ist es uns, als hätte man der Haupt- und Spannkraft unseres Lebens ein fesielndes und drückendes Joch auferlegt. Gar oft sträuben wir uns gewaltig gegen einen solchen Zwang, da unser eigener Wille, uüsere eigene Neigung vielleicht nach der entgegengesetzte^ Richtung treibt. Darum bedeutet der Gehorsam unter fremdem Einfluß Aufopferung und Selbstbeherrschung, und wenn es zu einer Tugend, zu einer Tat führt, ist diese weit, weil verdienstlicher, als eine solche, die wir mühelos und ohne Überwindung ansüben, die aus eigenem Antriebe, aus freiem Verlangen geschieht. Überwindung, Hingebung ist rühmlicher, erhabener, als mechanisches, gedankenloses Tun." Zillahs Oht hätte die letzten Bemerkungen aufgefaygen, ohne eigentlich recht zu wissen, was zu dieser Schlußfolgerung geführt. In jedem Falle schienen sie etwas zu enthalten. was auch für sie bezeichnend mar; doch sie sich zu eigen zu machen, danach handeln-, das wollte sie keineswegs; sie lehnte sich förmlich dagegen auf. Sich aufopfern, unterordnem mag löblich, mag großartig sein, aber sie hat den Geschmack dafür verloren. Sie hat ja während ihres kurzen Lebens oft genug Selbstbeherrschung und Überwindung ansgeübt; einmal lvenigstens wollte sie sich auch den Lurus der Unabhängigkeit gestatten. Die beiden Männer erhoben sich jetzt, ebenso Salka. „Du ivirst niich gewiß für einen geizigen Wirt halten, Aron", sprach Anschel frohgelaunt; „für das bißchen Gastfreundschaft, >vas ich dir gewähre, lasie ich mich/mit Juwelen der Weisheit belehren. Aber glücklicherweise bist du mit einem großen Vorrat versehen, daß ich keine Angst zu haben brauche, du könntest deine Zahlungen etwa einstellen müsien." J „Ich gebe Euch gern, soviel ich nur irgend vermag", sagte Aron herzlich; „es tut sogar wohl, diese Art Reichtümer aysstreuen zu können, tuen» man nur richtige Abnehmer findet. Leider ist dieses nicht überall eine gangbare Münze." , Salka ivußte ganz genau, tvohin er mit seiner Klage tielte. Sie konnte jetzt nichts sagen, doch nahm sie sich fest vor. daß sie recht bald an die richtige Adresse gelangen sollte. „Zillah, unser Gast will sich für heute zurückziehen", bemerkte Anschel mit einem Anflug des Vorwurfs in seinem Tone. Die Bemerkung war nicht nur notwendig, sondern auch gerechtfertigt, denn Aron war dicht zu ihr hingetreten, ohne daß sie auch nur den Kopf bewegt hätte. „Gute Nacht", murmelte sie verwirrt Und verlegen. Vielleicht kam es ihr jetzt doch zum Bewußtsein, daß, wenn sie es auch sonst an einem wärmeren Gefühl fehlen ließ, dennoch gar kein Grund vorhanden war, es auch noch an der nötigen Höflichkeit fehlen zu lasten. „Gute Nacht", sprach auch er. Man merkte eS ihm an, daß er noch mehr sagen wollte; allein diele zwei Worte hatten es bereits getan, ohne daß er es eigentlich selbst wußte. sJortsetzun> folgt.) t No» Kertz tmd Sei. Bonn. Der Verein zur Pflege jüdischen Gemeinwesens der Synagogengemeinde Bonn wählte auf seiner letzten Versammlung in den Vorstand Herrn Leop. Coßmann als Vorsitzenden, Herrn Jakob Meyer als Stellvertreter, Herrn Louis Rollmann als Schriftführer, Herrn Leop. Abraham als Stellvertreter, Herrn Mos. Kahn als Kassierer. Die erschienenen Gäste wurden als Mitglieder ausgenommen, alsdann wurden die Satzungsänderungen durchberaten und von der Versammlung genehmigt. Der Verein hofft, daß weitere Anmeldungen von Gemeindemitgliedern behufs Aufnahtne in den Verein erfolgen, die Jntereste an der Pflege des jüdischen Gemeinwesens haben. Die nächste Versammlung wird in Kürze stattfinden und an dieser^ Stelle bekannt gegeben. Köln. Der Schulrat der „Jawne", Höhere jüdische Schule i. E. (Realgymnasium und Lyzeum) hat Herrn Oberlehrer Dr. Cahn, bisher in Leipzig, der längere Jahre an den staatlichen Gymnasien in Wiesbaden und Hersfeld gewirkt hat, zum Direktor der Jawne erwählt. Herr Direktor Dr. Cahn, dem ein ausgezeichneter Ruf als Pädagoge und Gelehrter vorausgeht, ist bereits in sein Amt eingeführt und hat mit Beginn des neuen Schuljahres die Leitung der Jawne übernommen. ' Wir hoffen, daß die junge Anstalt unter seiner sachkundigen Leitung sich -immer mehr ausgestalten nzöge und sich in weitesten jüdischen Kreisen stets zunehmender Beliebtheit erfreuen wird. Dusemond (Mosel). Herr Artur Strauß, Sohn des Weinhä'ndlers Simon Strauß von hier, wurde für hervorragende Tapferkeit im- Felde noch nachträglich mit dem Eisernen Kreuz 1. Klaste ausgezeichnet. Herr Strauß war. zuletzt noch Leutnant und Kompagniefühver und hat als solcher dem Vaterlande den rechten Arm geopfert. i nooraomDOdD^aaaiiiioiaDiiDOKiaaiiDaoaoiiiiaaaW o Der Neretnrdole. g 8 □ D D □ □ _ aaDaciaoaDaaciaKinaaaoaaoaaoKionaoaaaaooDoo i Bonn. Zion. Ortsgruppe. Vorsitzender: Max Goldreich, Beuel, Jriedrichstr. 1b. Dienstag, den Lv. «prtl, Weberftrabe 8t, Referat des Herrn Hugo Helmann: Die Tätigkeit der jüdischen Arbeitsämter und die Ostjudenfrage. Gäste willkommen. Jüdischer Jugendderei» „Die Kameraden", Vorsitzende: Frau Rechtsanwalt Dr. Lohn. Sonntag, den 2b. April 1920: HalbtageSfahrt zum Ennert. Treffpunkt um ’/,9 Uhr an der Brüekenrampe. Bälle mitbringen.— Für di« Spielgrupp« wird noch besonderemitgeteilt. — Di« Rodlergruppe trifft sich SamStaq, den 24. April tS20, abendum */,6 Uhr, zwecks Festsetzung der Fahrtentag« im tzofgarten am Wetterhäuschen.

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