Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 47 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE Erscheint setze» Kreit»,. Ve-»>»- prri» 7k Pf. «»»«tl. Z» »rzieh«, tz»rch simtlich« P»sti»t«r ,tzrr tz»rch tze» L»te»»rrl«» i» Dra». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt >»jri,e»tzrei«: l.-;Ot.fi*klt »terirstz. PetitzeUe. Dir i«»j« Seite »»sitzt SSO Zelle». P,stscheckk»»t, v,tr»tz«rl,, «,»», «kl» «r. 74747. Herausgegeben von Rabbiner vr. Kmit KoHrr, Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe 52. K»m«er 47 Wann. 23. April 1920. — 5 §jar 5680 2. Iahrgasg. iDaaDnaDonaDDDDDooo fl D 8 Wschruadschkitt «w wtii. □ 8 8 aanaDnaaDDaDDoaaonaDDaDDDDaaaDaoDDDoaaa Der Widerwille. Besieht ihn aber der Priester und findet «inen weißrötlichen Grind aus seinem hinter- und Borderschädel, so ist er aussätzig. Er ist unrein und der Priester soll ihn sofort für unrein erklären, er hat Aussatz an seinem Haupt«. Es soll aber der Aussätzige, der daS Übel an sich hat, mit zerrissenen Kleidern einhergehen, sein Haupthaar fliegen lassen, den Bart verhüllen und „Unrein! Unrein I* rufen.- Unrein ist er, abgesondert mutz er wohnen, außerhalb deS Lagers soll er sich aufhalten. III. Mose, 13. 43—46. Wer sich heute noch eine Vorstellung machen will von dem fürchterlichen Grauen, das im Altertum und Mittelalter von den Aussätzigen ausging, der muß nach Norwegen fahren, wo die letzten europäischen Reste dieser ekelhaften Krankheit zu finden sind. In Or. Schmidts Leprahaus bei Bergen leben sie eingesperrt, aber behütet von der aufopfernden Liebe eines Arztes, der sich mit ihnen einsperrte, um ihnen sein Leben zu weihen. Wenn im alten Israel der grausige Ruf „Tome, Tome (Unrein! Unrein!)" oder im Mittelalter die gellende Klapper,, die diese Ausgestoßenen schwingen mußten, durch die Gasie Moll, dann stob alles Volk schreiend auseinander und die Straße ward im Nu menschenleer. Nein, von der fürchterlichen Vereinsamung dieser Ärmsten kann man sich keinen"Begriff machen, ahnen kann man nm den Abgrund dieser Seelen, wenn man daran denkt, wie sehr man selbst mit seiner Seele vom Körperlichen abhängig ist. Nichts trägt man schwerer als ein körperliches Gebrechen. Schwerer als die schwerste Schuld. — _ Schon der häßliche Mensch, geschweige denn der Krüppel, leidet unter seiner Häßlichkeit. Vielleicht sogar mehr als er sollte, weil Häßlichkeit doch immer am meisten von dem empfunden wird, der sie hat. Man hält sich selbst immer eine Stunde früher für abschreckend, als man von den andern dafür gehalten wird. Das körperliche Gebrechen macht empfindlich und, indem es empfindlich macht, macht URk einsam, während Schönheit und Anmut frei, gefällig und gesellig macht. Wohl dem, der dann die Kraft der Ubenvindung, der Selbstüberwindung hat, die ihn vom Körperlichen unabhängig macht! Ihm gelingt es nicht nur, ein freier Mensch zu werden, sonbern er kann auch seine stiefmütterlich bedachte Körperlichkeit mit einer Schönheit begaben, wie sie nur von etwas Seelischem auszugchen vermag: Das Mädchen sprach: „Ich bin ni* Und überwand im stillen seine Oual. Doch als sie nun in ihrer Schwester, Zuruiktrat. war sie e» zum erstenmal. licht Ä schön!' Mitte sHebbe! Dieses Dichterwort enthält die ganze Wahrheit: Nichts verschont die Stirne des Menschen mehr als eine verwundene Qual. Schuld an allem abeii sind die Menschen, die im Anschau^n der anderen keine Hemmungen kennen wollen. Wie fürchterlich ist z. B. die Macht des Ekels, des körperlichen Widerwillens rüber uns. Und doch gibt es keinen so häß- ' lichen, verkrüppelten, entstellten Menschenleib, daß wir solchen Widerwillen entschuldigen dürften. Wo bleibt unsere vielgerühmte Mensck-enliebe, lvenn wir schon am körperlichen Aussehen scheitern? Nein, der Ekel ist der schlimmste Feind des Menschengeschlechtes, sich von ihm zu befreien, von ihm sich unabhängig zu machen, ist der wahrste Dienst an der Menschheit und um die Menschlichkeit. Wer sich selbst von der Triebhaftigkeit seines Widerwillens befreit, befreit ein Heer von vernachlässigten Kindern der wahllos schenkenden Natur. v Täglich gehen die Kriegskrüppel an uns vorüber mit verbrannten Gesichtern, geblendeten Augen, armlos, beinlos, gelähmt und an Krücken. Ein jeder von ihnen ein Einsamer. wenn auch der eine sich heute noch glücklich entronnen fühlen, der andere im Vergleich zum schnerer Geschädigten lachen mag. Er ist doch kein König, der Einäugige. WaS sollen aber wir anderen, Gesunden, (Yeradgewachsenen tun? Bemitleiden etwa? Dies Mitleid wäre beinahe Hohn! In einer Welt voll Krühpeln gibt es vielmehr nur ein Gesetz: Den Körper durchdringen und die Seele suchen! Ten Ekel besiegen und den Menschen sehn! , Wieviel geht bei der Abneigung des deutschen Juden gegen den „Pollacken" aus Kosten dieses schimpflichen Widerwillens! Es ist nicht tvahr, daß eine moralische Minderivertigkeit allein jene Abneigung verursacht, sondern sein Bild wirkt abstoßend, sein Kaftan, sein Bart, sein Pries, die ihn uns fremd, auffallend und deshalb — Gott seis geklagt — bei unserer Feigheit auch fürchterlich machen. Wie gern möchten wir den armen Aussätzigen absperrcn und „außerhalb des Lagers" halten! \ Hüten wir uns, so knechtisch, so unfrei, so abhängig von txn Instinkten unseres Widerwillens zu sein. Wenn das freie England und Amerika ihnen ganze Städte eingeräumt, um so zu leben, ganz so, wie sie sind, sollten da ivir das Gesetz der zur Seele dringenden Siebe vergessen, da sie doch unsere Brüder sind? E m i l C o h n. OCJP JDDuC mwligmsi.lllBii.liHfcWBBiliBt {Rochen fcbau* Tats«chen unk Erzebniffe * □□nGüDanD(;n’iuüna iD(Ji üc•oonDnrr un/: w Deutschland. Berlin. Der bisherige preußische Minister des Jnncrri 1 Heine, der zur Zeit der von den militärischen Instanzen hier brutal durchgeführten Ostjuden-Razzia die stieschäftc noch weiterführte, legt Wert darauf, ausdrücklich zu erklären, daß seine Auffassung und seine Anordnungen im schärfsten Widerspruch zu diesen eigenmächtigen Maßnahmen des Militärs gestanden hätten. Braunschweig. Tie nachstehend wiedergegebene Verfügung des Staatsmiiiistcriums ist an die Oberschulkommission ergans^n: „Von den verschiedensten Seiten ivird