Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 46 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Berufe aus. Unter den Verhafteten befinden sich sogar Personen, die »eit ihrer (Geburt in Berlin ansässig sind. Leipzig. ..Tie Pvgrombewegung" und andere, Artikel in der omiicinttifdKn Zeitschrift des hiesigen ^tiftstellers Tr. Heinrick, Pudor, wie „Wahrheit trotz allem". „Wo stehl der Fcind'i'". ..Ausstoßung des Giftes", „Kulrur und Anliseiniiislnus". „Rückkehr zur Monarchie", „Hinaus mit den Juden" usw., die im Laufe des vorigen Sabres im „Teuljcken Volksrat" erschienen, waren die Grundlage einer Anklage wegen Aufreizung zum Klaffenhaß. die vor der 7. Slraskaminer des hiesigen Landgerichts gegen Tr. Pudor verbandelt wurde. Die Anzeige war erftattct worden von dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdische» Glaubens. Ter Angeklagte bestritt, daß durch seine Veröffentlichungen der Frieden zwischen den. einzelnen Bevölkerungskreiscn gestört ivorden sei. Das ganze Jahr habe im Revoluiivnszustande gestanden, von Frieden sitzenden über die Bedeutung des Pogrombegriffes, und ob er. der Angeklagte, etwas gegen die Anlvendung gcwalttäiiger Mittel cinzulucndcn hal»e, meinte Dr. Pudor: „Wenn sie den gewünschten Erfolg bringen würden, könnte ick, sie willkomme» heißen.^ Tie Strafkammer erkannte gegen den Angeklagten Tr. Pudor auf eine Geldstrafe von Mark an deren Stelle im Falle der Nichteinbringlichleit graiijiä Tage Gefängnisstrafe zu treten haben. Miinciw». Tas bayerische Staatsministerium verfügt mir Erlas; vom 30. Marz, daß alle seit dem 1. 8. 1914 zugezogenen Ausländer, die nicht im Besitze einer ausdrücklichen Ausentballsbewilligung sind. Bayern innerhalb fünf Tagen zu verlassen haben. Tnrch diese Verordnung ist auch eine Anzahl jüdischer Ausländer, hauptsächlich Ostjuden, betroffen. Tas Arbeiierfursorgeamt der jüdischen Organisationen Tcutschlands in Berlin erhob bei den bayerischen und bei den Reichsbehörden Vorstellungen gegen die besondere Härte, die der Erlas; vor allem in der Befristung zeigt. Es wird durch die ausgestellt- Frist der Zwang ausgeübt, ''den Auscnthaltsort »litten in den höchsten Feiertagen zu verlassen. Münckie». Tie MünckMcr Post veröffentlicht in ihrer R'r. >^0 vom <>. April „Tokumente der Konterrevolution", die einen auch heule noch überrajckMd wirkenden Einblick in die Organisation und Absichten der Reaktionäre gestatten. In einem Brief des Leutnants Meyerl vom 11. Februar, heißt es: ..Hoffentlich vergißt der kommende Diktator nicht, die Juden für bügelfrei zu erklären — eine Nacht genügt, um diese Hunde auszurottcn. Ich habe hier schon eine schwarze Liste angelegt, damit auch die „Richtigen" totgesckilagen werden, denn cs verdienens auch manche Nichtjnden reichlich!" Iinmerhin freundlich vom Herrn Leutnant, daß er nick» nur die Juden umzubringen gedenkt. Bi'iinckw». Tie Münchener Post vom 6. April' veröffentlicht eine Zuschrift eines Studenten aus Prag, welckwin die Münchener Universität die Aufnahme verweigerte, trotzdem er sich als Teulschcr bezeichnet« und die Universität in den von ihr verschickten Drucksachen erklärt, daß sie 1,'le denisckwn Konimililoncn, gleichviel welcher Staatsai.gehörigkcit. willkommen heißt. Es wurde ihm erklärt, daß er als Jude eben nicht Deutscher wäre. Polen. Warschau. Ter Senat der Warschauer Universität hat >die Kandidatur des lvrühmtcn Profesiors Simon Aschkenasy aus den Lehrstuhl der Geschichte bei der Warschauer Universität abgelehnt. Der akademisch-polnische Kongreß hat mit großer Mehrheit gegen diesen Akt von Antisemitismus protestiert. Profesior Petrajicki, der bekannte Geleinte. der länge Jahre hindurch Profesior der Geschichte an der Universität Petrograd war und der die Kandidatur von Professor Asckikenas» vorgeschlagen hatte, hat deshalb seine Demission als Professor der Warschauer Universität gegeilt. Ungarn. Budapest. Die Befürchtungen vor den Ausschreitungen der ungarischen Truppen, welche das von den Rumänen getkiumtt Gebiet bezogen haben, haben sich bewahrheitet. In der Erlauer Festung ist eine große Anzahl von jüdischen Bürgern eingekerkert, welche von den Horthy-Truppcn unter den nichtigsten Vorwänden in Haft gesetzt wurden, ' darunter ein Rabbiner, der in einer Leichenrede kommunistisck)e Ideen geäußert haben soll. Eine große Anzahl der angesehensten jüdischen Persönlichkeiten aus Tisza-Füred ist ganz grundlos in Erlau in Haft. Diese Verhaftungen erfolgten sofort, nachdem die Rumänen die Stadt geräumt hatten, trotzdem eine Ententckommission von den einziehenden ungarischen Truppen eine Garantie für die Sicherheit der Juden verlangt hatte und sich diese für vollste Ordnung verbürgten. Die Horthy-Offizicre erklärten unverhohlen, daß sie in das von den Rumänen geräumte Land einrücken. um dieses ludenrein zu machen. Für die jüdische Bevölkerung dieser Gegenden kann das Wüten dieser Horden eine wahre Katastrophe bedeuten, wenn nicht rasch Abhilfe geschaffen wird. Italien. Rom. Der König von Italien äußerte sich in einem Interview folgendermaßen über die italienischen Juden: „Wir sind glücklich, keine jüdische Frage zu haben. Wir hegen keine Vorurteile gegen sie, und ich habe niemals ein Zeichen der Feindseligkeit gegen sie auf irgend einem Gebiete des Lebens bemerkt. Bei einer Bevölkrung von 35 Millionen haben wir nur 40 000 Juden, und sie geben dem Lande mehr hervorragende Männer, als es im Verhältnis zu ihrer Zahl steht. Amerika. Zürich. Auf der Konvention der ukrainischen Juden in Amerika, die in Philadelphia stattgefunden hat, wurden nach zweitägigen Beratungen, an denen sich auch die Delegierten aus Europa, Dr. Korolnik, Meier Großmann und Dr. Salkind, beteiligten, eine Reihe wichtiger Resolutionen gefaßt. Es wird u. a. gefordert, daß Amerika seine Tore den Pogromwaisen und -witiven öffne, unter gleichzeitiger Verpflichtung, daß sie weder den Städten noch den einzelnen Staaten der Vereinigten Staaten zur Last fallen; man solle den bereits in Europa befindlichen Delegierten Katz nach Möglichkeit unterstützen und ehestens weitere Delegierte entsenden; man solle sich'an der Agitation zur ehesten. Einberufung des jüdischen Kongresics in Amerika beteiligen und dafür eintreten, daß schnellstens in Europa ' die jüdische Welthilfskonferenz zusammentrete. Alle Delegierten, die für die Ukraine bestimmt sind, sollen durch ein Referendum, das von den einzelnen Gesellschaften vorgenoMmen wird, bestimmt werden. I. P. Z. Newyork. Ein Verband jüdischer Kriegsveteranen in Amerika^hat sich gebildet, besten "Zweck es ist, neben dem Schutze der amerikanischen Flagge und der Verfassung den jüdischen Namen rein zu halten und ihn gegen ungerechte Angriffe, von welcher Seite und zu tvclcher Zeit immer sie versucht werden sollten, zu verteidigen. An der Spitze der Organisation stehen jüdische Offiziere, die sich im Kriege ausgezeichnet haben, Oberst Isidor Israel und Oberst Samuel Kopetzky. Das Komitee erließ einen Aufruf, in welchem erklärt wird, daß der Schutz der Juden gegen antisemitische Angriffe niemals durch religiöse Körperschaften so wirksam geübt lvcrden könne, wie durch die ztveihunderttausend jüdischen Soldaten, die an dem Kriege tcilgcnommen und sich als verläßlich und pflichttreu erwiesen haben. Dies zechte sich am deutlichsten bei der würdigen und imposanten Demonstration gegen die Pogrome in Polen und in der Ukraine, bei welcher die jüdischen Veteranen geschloffen aufmarschierten. Frankreich. Paris. In der letzten Plenarsitzung des Komitees der jüdischen Delegationen unter dem Vorsitz von Dr. Motzkin, an der zahlreiche Delegierte teilnahmen, gab Weizmann