Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 46 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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m einen Überblick über die gegenwärtige Lage der zionistischen Politik, worauf er den Zweck seiner neuerlichen Reife nach Palästina auseinanderjetzte.- Er besteht darin, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Arabem und Juden, die seit einigen Wochen geknüpft wurden, zu festigen und ihnen eine bestimmte Form zu geben. Neuerliche Tatsachen erlauben fest zu hoffen, daß es gegenwärtig gelingen wird, dieses schnüre Problem zu lösen und beide Bölker zu befriedigen. England. London. Am 10. März stelle im englischen Unterhause Major Ormsby Gore eine Anfrage an. den Ministerpräsidenten ,ob er keine Informationen über die letzten antijüdischen Erzesse der Mohammedaner in Palästina erteilen könne, und ob spezielle Instruktionen an den Haupt- . kommandierenden in Palästina erteilt wurden, um weitere antijüdische Demonstrationen zu verhindern. Namens des Ministerpräsidenten erklärte der Finanzsekretär im Kriegsministerium, Williamson: Das Kriegsministerium hat noch keine Informationen über diese Exzesse und hält es nicht für wahrscheinlich, daß solche vorgefallen sind, da sonst der Hauptkommandierende darüber Mitteilung gemacht hätte. Falls das genannte Mitglied Einzelheiten mitteilen würde, würden nähere Unersuchungen vorgenommen werden. Spezielle Instruktionen wurden an den Hauptkommandierenden nicht gesandt und auch nicht für nötig erachtet, da er über die Politik S. M. Regierung in bezug auf Palästina genügend informiert ist. v London. Der bekannte Journalist und Redakteur der ..Jüdischen Welt" in Philadelphia, Katz, traf in London ein, um sich im Einverständnis mit dem Joint Distribution Committee via Konstantinopel nach der Ukraine zu begeben. Er wird eine Verbindung zwischen den ukrainischen Juden und ihren Verwandten in Amerika Herstellen, um ihnen nicht bloß Almosen, sondern direkte Hilfe bieten zu können. Palästina. London. Sir Herbert Samuel, den bekanntlich die englische Regierung als Berater des Generalgouverneurs nach Palästina entsandt hat. ist von dort abgereist und bereits untertvegs nach England. Vor seiner Abreise gewährte er den Vertretern der Presie eine Unterredung, in welcher er sich über die Lage in Palästina äußerte. Die Finanzlage findet er zufriedenstellend. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hängt von der Lösung der Frage der zu schaffenden Staatsgebilde und von der Zusammenarbeit aller Bevölkernngsschichten ab. Die Möglichkeiten für die Zukunft sind sehr groß. Bei dem heutigen Stande erweist sich das Land noch als unkultiviert und unterbevölkert. Die feindliche Stimmung gegen den Zionismus liegt nicht tief und hat ihren Grund in falschen Begriffen über den Zionismus und seine Bestrebungen. Das Land bietet breiten Räum für große Bevölkerungsschichten. Die Einwanderer werden aber der fleißigen, fortgeschrittenen Klaffe angehören müffen, wie sie in den jüdischen Kolonien zu finden sind, tvelche das Land^bewohnt haben. Der Zionismus muß die Mohammedaner und Christen als integrierende. permanente Elemente Palästinas anerkennen. Weizmann und Ussischkin erließen einen Aufruf wegen ausnahmsloser Teilnahme an den Wahlen für die Nationalversammlung. London. Am Ostersonntag ist es in Jerusalem zu einem ernsten Konflikt zwischen Juden und Mohammedanern gekommen, Personen wurden verwundet. Zürich. Wie aus Petach-Tikwah der Jüd. Preß-Zentrale Zürich berichtet wird, haben die Orangen-Plantagen von Petach-Tikwah unter den diesjährigen starken Regengüffen schwer gelitten. Viele Orangenbäume sind mit der ' Wurzel ausgerissen worden, andere stark beschädigt worden. Auch viele Baulichkeiten sind zerstört. Große Ouantitäten Orangen, sogar solche, die bereits in Kisten verpackt waren, sind durch den starken Regen verdorben worden. Es hieß, daß gerade in diesem Jahve für den palästinensischen Orangen-Export ein guter Absatz in Aussicht stehe, nun aber hat die Regenkatastrophe großen Schaden verursacht. Auch ist die AuSsaat auf den Feldern n>eggeschwei»iiit worden und verloren gegangen. v lüdifebe Cöcbtcr. Bon Samuel Gordon. Bericht, Übertragung aus dem Engl, von M. Pulverniann. fftartfcfriiag.) Anschel schlug sich die Stirn und sah vergiiügt zu Aron hin. „Na, das muß ich sagen, das Mädchen beschämt uns Männer", sprach er fast^feierlich. Aron hustete ein wenig, um ein eingebildetes Hindernis aus der Kehle fortzuschaffen, ehe er antwortete-, dennoch war seine Stimme ebenso träumerisch wie seine Augen. „Sie halten vielleicht auch dieses für ein Wunder, Reb Anschel? Für mich hingegen ist es ganz einfach und klar. Wenn Gott ein Wesen schafft, das vollkommen ist in seiner ganzen äußeren Erscheinung, warum sollte er halbwegs stehen bleiben und es nicht auch innerlich vollkoniinen gestalten? Und weil es nicht sein heiliger Wille ist, seine Werke immer vollkommen zu machen, ist es da schon ein Wunder, tvenn er es wieder einmal ja tut?" Ein kurzes Schweigen folgte diesen Worten, lind Anschel sah seine Tochter lächelnd an. „Was sagst du dazu?" fragte er sie. „Daß diese Worte schlecht angebracht sind", enigegnete sie errötend aus Bescheidenheit, möglich n&er auch vor Arger. „Unser Gast schätzt mich zu hoch ein. Ich bin nur ein Mädchen wie tausend andere, voller Fehler und Mängel; lvenn er daher sagt, daß ich ein Wesen bin. dem Gott den Stempel der Vollkommenheit ausgedrückt, dann ist es eine — Gotteslästerung." Arons bleiches Gesicht wurde noch etwas bleicher; seine Augen aber erhielten einen neuen Glanz, als er das Erröten wahrnahm, das ihre Züge bedeckte. Anschel saß da wie in einem Traum. Das größte Rätsel war es stets genasen, wie er dazu kam, daß ein solches kluges Kind ihn Vater nennen sollte; heute aber wurde es. ihm klar, daß es Zeit sei, dieses Rätsel als unauflösbar ganz und gar aüfzugeben. „Siehst du. Aron", sprach er neckend, „man kann nie vorher wissen, wann man für sein Brot einen Stein bekommt." „Und dennoch gibt es auch Fälle, wo man gezwungen ist, Brot zu geben, obwohl man im voraus bestimmt weiß, daß man dafür doch nur eine ganze Hagelschnur von Steinen zurückerhalten wird", entgegnete dieser ohne Aufregung. „Da gerade vom Brot die Rede ist, so siehe .zu, Zillah. daß Salka das Abendbrot heraufbringl". siel die Kranke jetzt ein. Das besorgte Mutterauge hatte eine» Blick unaussprechlicher Qual im (Gesichte der Tochter wahrgenommen. Ob auch mädchenhafte Schüchternheit einen körperlichen Schmerz bereiten kann? Zillah gehorchte, und wenige Minuten später brachten Salka und der vielbeschäftigte Jankele die dampfenden Schüffeln herauf, und das trauliche Geklapper der Lössel und Teller jagte bald das niederdrückende Gespenst ans dem Zimmer. Anschels hausbackene Witze und. Salkas heiteres Geplauder dienten als Barrikaden cxgen seine baldige Rückkehr. Wenn Aron etwas einsilbig war und Zillah sich ganz und gar schweigend verhielt, so ivar es bei derartigen Gelegenheiten nur ganz natürlich. Sie ivürden sich geivundert haben, wenn es anders wäre. Ebenso natürlich war es auch, daß Zillah, Kopfschmerzen vvrschützend. sich bald zurückzog. Doch hätte jemand es beobachten können, wie sie sich 'in ihrem Zimmer aufs Bett Ivan', verziveiselt die Hände rang und in einen herzbrechende» Tränenstrom ausbrach.