Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 46 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER ttescheint jede« Freitag Bezngs prciS 75 Pf. «««all. Zn dezi«I>en »»ich sämtliche Postämter 'o»ri »nrch de« Batenverlag in van». V0I^ RHEIN Jüdisches Yolkshlatt An >ciAcnv rrt^: 1. M für di» »ierges». Petit,eile. Dir ganze Seite umsastr.'li>0 Zeilen. Pestscheckkont» Polrndcrlag Pinn, 8»>n<ir. 74747. Herausgegeben von Rabbiner Or. Knrit Kobn, Bonn. Schriftleitung und Gcschäfl-sieUe Kummer 46 > Wonn, 16. April.' 1920. — 28 {Hiffan 5680 3cim, Brüde.gassc 52. 2. Jahrgang. G G d Der in letzter Zeit eingetretenc Mangel auf dem Papiermarkt zwingt uns gleich den andern Tages- und Wochenblättern, den Umfang unseres Blattes vorübergehend herabzusetzen. Sobald das Papier wieder reichlicher wird, rverdeiF wir den „Boten" im alten Ausmaß und noch weiter und reichlicher ausgestaltet erscheinen lassen. Ter Jüdische Bote vom Rhein. ODaaaaaaaoaaaaziEiBUaioaaDCiBaaaaaDDaaaaQaa a □ a D a o Womcnadsainiti aaaDaaaaDaaaaDQiaoaDoaDaaaaoaaaacoaa cdd Die fing« verbrannt! Nadab und Abihu aber, die Löhne Aarons, nahmen jeder seine Rauchpfannc, taten Jener hinein »nd . legten Räuchcrwcrk daraus, und brachten also vor de» Herrn fremdes Feuer, das Moje ihnen nicht geboten hatte. Ta ging ein Feuer aus von dem Herrn und verzehrte sic, und sie starben vor dem Herrn. 3. Mose, IO. 1—2. Diese beiden haben sich nicht nur die Finger, sondern Haut und Haar und Leben verbrannt, und es läßt sich streiten darüber, ob sie nicht zu streng bestraft wurden für die Naseweisheit ihres eigenmächtigen Handelns. Oder was war denn ihre Schuld? Unzeitige Tienstsertigkeit etwa? Dann wäre sie ja noch geringer gewesen! Tie Thora sagt: Weil sie etwas taten, was ihnen, nicht geheißen war. Also war nicht g e boten ist, das wäre v c r boten und nur das Gebotene erlaubt? Wahrlich, ein hartes Wort! Aber cs steckt eine?wenn auch bittere Wahrheit darin: Nichts straft sich schlimmer im Leben als das, was man Einmischung nennt. Und das wars, was Nadab und Abihu verschuldet haben. Sie haben diese Schuld in der nächsten Nähe Gottes auf sich geladen, indem sie sich in die Geschäfte Moses mischten, so wurde sie zum frevelhaften Fürwitz: Mit dem Tode wüßten sie es. Übertragen wir es-ufs alltägliche Leben, so sieht freilich das Bild gleich anders aus. Meiner will sich die Finger verbrennen, so tut keiner etwas, was ihm nicht geheißen, um was er nicht angegangen ist, und selbst das tut er nicht gern. Man läßt die Prügelanten sich ruhig blutig prügeln, denn man weiß, manch einer hat schon Prügel bezogen,.der einen Streit schlichten wollte. Man läuft weg, um nicht als Zeuge aufgerusen zu werden. Das heißt doch aber, man läuft weg vor seiner eigenen Gutherzigkeit, denn waü kann den Menschen veranlassen, ungerufen ein fremdes Gebier zu betreten,.tvenn nicht Gutherzigkeit,"wenn nicht das Gefühl, etwas Gutes oder doch wenigstens Rechtes stiften zu können? Da kommt dann die Lebensllugheit und sagt: Sei gescheit und halte dich aus dem Spiel, denn man dankt dirs nicht! Nein, crividcri man mir, nichr Gutherzigke' sondern der Fürwitz bringt die Leure dazu, üch urn Tinge zu kümmern. die sie cigei'.ilickr nichts angchcn. Ich fuge: Falsch! Freilich muß eines '»gegeben werden: Für nichts bedarf man mehr der Zurüctlii'.ilu.ig, des TaiieS und des Rejpetles als für Zuvorkommenheit. Dienstf-'rtigkcit und gu.e Hilfe. Ter zuvortominende Mensch ist nur jo lange zuvorkommend. als er nicht lästig ist. Verbrennt man sich l ibci die Finger, jo liegt es lediglich an der eigenen l!i!>>ctzmfenheit. Bon vornherein aber zu jagen: „Ich yal.e mich draußen!" ist daher nur ein Armutszeugnis, das man sich selber ausstcllt. Verwünscht sei eine Lebeusklugheii, die daS Herz verleugnet! Steck' deine Nase nicht in Dinge, die dich nichts angehen! Ja, al>e! — wo sind denn die Tinge, die mich nichts angehen? Wenn jener Vier'uticher dort unbarmherzig seine arme Mähre peitscht, aeht'imich nicht an? Wenn der Belrunkeue da auf der Siraße seine Frau prü gelt, geht'S mich nicht an? Und gehr cö mich nicht an, ivenn ich sehe, wie die Diebe den sreu.den Garten bestehlen? Traurig eine Welt, deren Mlnghcit auf Mosten der Güte, deren Lebcnsweisheit auf Mosten der Menschlichkeit geht! Der Jude, dem allezeit „die Liebe in der Fiuchr und die Furcht in der Liebe" lebte, der Jude wird wissen, wie weil er gehen darf, wle weit er.» muß. Sich die Finger zu verbrennen, mag ein Schade sein, und irerde», .uns; man den Mur haben, es, ivenn nötig,;n um. „Sei klug!" ist immer ein guter Rat, „fei gut!" iimiiei ein schlechter, ja, überhaupt lein Rai. Dafür aber ein Gesetz: das Gesetz der Menschenliebe. E m i l E o h n. Wochenschau. Tatsachen und Grqebniffe. v Deutschland. Berlin. Auf Veranlassung des Oberbefehlshabers» des Generals von Seetl, wurden a>n S a in s l a g den 'JI.März durch die Sichcrheiiswehr eine große Anzahl ausländischer Juden in der Gegend der Grenadier- und Dragonerstraße festgcnoninicn und in das Lager Zossen zwangsweise überführt. Tie Anordnung des Generals von Seekt gingen nach den Zeilungsineldnngen dahin, daß alle ohne Paß oder Pcrjonalausiveis sich aufhaliendcn Fremden, ferner alle Personen, die strafbarer Handlungen dringenh verdächtig-sind, oder bereits abgenrieilt oder ausgeiviesen sind, verhaftet werden sollten. Die offiziöse Darstellung in den Tageszeitungen betont den von leinerlci konfessionellen Rüäsichien getrübten Eharakier der Atiion. In Wirklichkeit haben die Verhasiungen. vielleicht mit verschwindenden Ausnahmen, nur. Juden betroffen. Der größere Teil der nach Zonen übersührlen PeF ionen ist im Besitz ordnungsgeiiiäßeiLegilimalionen und polizeilicher Anmeldungen.. .Zahlreiche Personen sind seil! vielen Monaten ansässig und üben polizeilich angemeldete