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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-09 · 45 (9.4.1920) · p. Seite 173

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
45 (9.4.1920)
Date
1920-04-09
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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178 Die Cehrerfrage Im Hlnblkk auf dH« Zukunft der jfidlsdicn Gemeinden. Bon Geh. Sonilät-ral t>r. 2. Äpfel, Köln. Wer unsere kleinen und mitlleren Gemeinden kennt, der weiß, daß ihr geistig-jüdisches Leben bedingt ist von der Möglichkeit, einen Lehrer anzustellen. Religionsunterricht und Gottesdienst sind nur da möglich, wo ein Lehrer ist; jüdisches Vereinsleben, irisbesondere die Beeinflusiung der schulentlassenen Jugend in jüdischem Sinne ist in unseren kleinen und mittleren Gemeinden wiederum in die Hand der Lehrer gelegt, kurz, es gibt kein jüdisch-geistiges Gebiet, auf dem nicht der Lehrer führend, anregend und belebend zu wirken hat. Tie Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat es mit sich gebracht, daß diese Gemeinden sich entvölkert haben, und ihre Leistungsfähigkeit ist von Jahr zu Jahr geringer, geworden. D. I. G. B. und die Provinzialverbande haben versucht, die Not zu lindern, indem sie den leistungsschwachen Gemeinden Subventionen gewährten, um in den lehrerlosen Gemeinden Religionsunterricht einzurichten. Dadurch wird in den lehrerlosen Gemeinden den Kindern ein regelmäßiger Religionsunterricht erteilt: den Lehrern in den Lehergemeinden wird eine Erhöhung ihres Einkommens gewährt. Durch den Krieg und die übergroße Teuerung sind nun die Verhältnisie so schwierig geworden, daß weder der D. I. G. B. noch die Provinzialverbönde irgend eine wirksame Hilfe leisten können. Tie Gemeinden norden in abjehbarerZeit keinen Lehrer erhalten können, da sie nicht in der Lage sind, ein dieser Zeit angemesienes Gehalt aufzubringen. Daß dies keine Schwarzseherei ist, zeigt folgende Tatsache, die bereits auf der letzten Ausschußsitzung unseres Verbandes erwähnt worden ist. In einer Lehrerbildungsanstalt haben jetzt 14 Kandidaten ihre Lehrerprüfung bestanden. ca. .10 Stellenangebote lagen vor, aber keine einzige Stelle konnte besetzt werden, da kein Mensch von dem nngebotenen Gehalt leben kann. Es ist nicht übertrieben, wenn wir behaupten, daß ein Straßenkehrer mehr verdient als ein Religionslehrer. Unser Provinzialverband hat sich mit dieser Frage währei d des Krieges in jeder Sitzung beschäftigt. Wir haben die Subventionen über das Maß unseres Könnens erhöht in der Hoffnung auf besiere Zeiten. Wir arbeiten heute mit einem Defizit, und nur daun, ivenn unsere Perbandsgemeinden ihren Beitrag zu unserem Verbände erhöhen, können wir unsere Tätigkeit im bisherigen Rahmen (an eine Anpassung an die Geldentwertung ist nicht zu denken) fortsetzen. Wir haben auch zweimal den Lehrern eine Teuerungszulage gewährt. Wir haben den leistungsfähigen Gemeinden die wirtschaftliche Not der Religionslehrer in einem längeren Erpose dargelegt und sie um einen bcr sonderen Beitrag gebeten. Auf Grund unserer damaligen Enquete mußten wir feststellen, daß von keinem einzigen Religionslehrer das Gehalt den Betrag von 1000 M. übersteigt; Lehrer mit 4 und 5 Kindern bezogen ein Gehalt von noch nicht 2000 M. Und heute? Wir haben uns das Material beschafft und es liegen uns die Angaben von 124 Lehrern und Lehrerinnen der Rheinprovinz und Westfalens vor. Davon sind verheiratet 26 ledig 26 mit 2 Kindern 61 bis 5 Kindern 12 ' über 5 Kinder 6 definitiv angestelll sind 62 auf Kündigung 17 Kontrakt über 1 Jahre 5 Das Gehalt betrug bis 2400 M. bei 24 Stellen 2400—5000 „ „ 60 „ v über 5000 „ „ 21 Zu dieser Übersicht ist zu bemerken, daß in dieser Enquete die Angabe von 61 Volksschullehrern enthalten sind; diese machen zum größten Teile die jgünstigen Falle arrs. Wir haben in Rheinland und Westfalen eine größere Anzahl von öffentlichen Volksschulen. Die öffentliche Volksschule ist heut« das Glück der Gemeinde auch in wirtschaftlicher Beziehung. Unser Provinzialverband ist zu alle» Zeiten für die jüdische Volksschule eingetreten (nicht nur aus wirtsckrastlichen Gründen). Wie richtig dieser Standpunkt gewesen ist. das benvist die beutige Lage der (Gemeinden mit Religionsschulc». Die (hemcinden mit öffentlichen Volksschulen können bei dieser Frage ausschciden. denn für diese Stellen sorgt der Staat. Aber die Stellen an Religionsschulcn? Es ist sicher, daß viele (^eiiicinden bei gutem Willen mehr leisten könnten, aber ebcnso sicher ist. daß keine dieser Gemeindkn in der Lage ist, ihre Religionslehrerstellen so zu dotieren, wie cs bei den heutigen Verhältnisien notwendig ist. Als Mindestmaß der Besoldung muß die der g l e i ch a l t r i g e n L e h r c r an öffentlichen Schulen gelten. Wir sagen Mindestmaß, denn es ist bekannt, daß die Beamten aller Kategorien unter den heutigen Verhältnisien am meisten leiden. Ist dieses Ziel zu erreichen? Durch die Hilfe der Provinzialverbände des D. I. G. B.. der Großgemeinden nicht, denn alle diese befinden sich heule in schwerer finanzieller Bedrängnis. Es handelt sich bei dieser Frage, ivie eingangs erwähnt, um die Zukunft der Wc in e i n d e n, nicht der Lehrer in erster Reihe. Den Ehrennamen einer jüdischen Gemeinde darf man nur dorr annwnden, wo für die jüdische Erziehung, für Gottesdienst und jüdisch-geistiges Leben gesorgt ist, und das ist nur in Lehrergcmeinden möglich. Wir wiederholen, was wir auf unserer letzten Ausschußsitzung ausgeführl halwn. es handelt sich hier um die Zukunft des Judentums, auch in den G r o ß g e in e i n - den, denn der Nachwuchs dieser (Gemeinden ivandert ab in die Großstadt und dieser Zuwachs ivird bald in jüdischer Beziehung völlig ungebildet sein. Wir sehen nur einen AusN'eg. der es ermöglicht, dieser Nor abzuhclfen. Es ist in jeder Provinz ein Ansgleichfonds zu schaffen, aus desien Erträgnissen den mittleren und kleineren Gemeinden geholfen werden kann. Ein solcher Ausgleichfonds ist. wie die Dinge heute liegen, nur durch private Spenden aufznbringen. Der Ausgleichfonds ivird von den Provinzialverbänden verwaltet, und es werden Rechtsgarantien geschaffen, die jeden Mißbrauch des Fonds anslchließen. Wir werden darüber später ausführlich berichten. Darum wenden wir uns an den tinzeUren, an jeden, der sich der Verantwortung für die Zukunft des Judentums bewußt ist. Große Spenden sind nötig. Die Hilfe darf natürlich erst dann eintretcn, wenn diese Gemeinden ihre volle Schuldigkeit getan haben, aber dann muß die Hilfe eine ausreichende sein, und das ist nur möglich, wenn dieser Fonds groß genug ist. Der rhein. Provinzialverband wird den ersten Versuch in dieser Richtung wagen. Wir norden versuchen, in allen Städten und Dörfern nnierer Provinz unsere wohlhabenden Glaubensgenossen zu Spenden zu veranlassen, und wir hoffen, daß unser Versuch nicht mißlingt. lUcUfche Cochter. Von Samuel Gordon. Berech. Übertragung ou8 bei» (lugt Don VI. pulvcrniann. fljortfefruiifl.) Krampfhaft mühten sich ihre Lippe», um für die Mutter eine Antwort zu formen-/doch vergeblich -v-und bald wurde ihr auch die Mühe erspart. Die Kranke richtete sich plötzlich auf — ihr Lhr, durch Leiden geschärft, haue das Rollen des herannahenden Zuges vernommen. „In zehn Minuten sind sie hier", rief sie freudig erregt; „nun tvirst du ihn bald jehen. Zillah. uwichwind. rücke die Stühle zurecht — der Lampenschirm hängt auf der einen-Seite schief herunter. Wenn doch meine Glieder tvenigstcns so kräftig wären, um. mich bis zur Türe zu wa gen. damit ich'sie dort begrüße, wbald sie eintreien". >e 'nre

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