Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 45 (9.4.1920)
- Date
- 1920-04-09
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sie. „Aber mit Gottes Hilfe werde ich noch zu deiner Hoch, zeit tanzen. Zillah. io flink wie zu meiner eigenen, damals - den „Kysak-Tanz". der Pater und ich. du weißt schon - — und du und Laika, ilir'mcrbet dabei sieben und mit den Händen den Soft fliiiioh'it." Ihr (Ndanken schweiften in die ferne Vergangenheit zurück und sie erging sich wieder i» all den Einzelbeiten. denen ihre minder stets mit Entzücken gelauscht. Heute aber ivirkten sie auf Willahs Sinn wie das Murmeln eines fernen Bächleins. Venn sie doch immer io bleiben könnte — nichts hören, nichts sehen, nichts wissen, l'lk'r nein, das gebt nicht: bald tvird sie wieder lebendig werden müssen. Was. schon so bald? konnten sic ihr nicht wenigstens einen ganz, ganz kleinen Aufschub gewähren? Unten ans der Straße hörte sie den Schritt schnellschreitender Menschen — ja. zwei: nun standen sie vor der Türe, und int nächsten Augenblick ivar Salkas Freudenruf „Pater" zp ihr gedrungen.;jillnh erhob sich: ihre Nerve» traten eisig ruhig: ihr Blick starriest. War sie denn ein — >rind? Lvllie dieser fremde sie von der Psliätt tvegängstigen. den heimkehrenden Pater mit oifenen Armen zu empfangen? Wenn sie sich schon snrchisaui zeigt, noch ehe sie de» Feind erblickt, tvie toll sie den Mampf beginnen und enden? Tic erhob sich hastig: aber ihre Enischlossettheit kam zn spät: noch ehe sie die Türe erreicht, trurde diese geöffnet und ihr Pater trat frendig erregt ins Zimmer. >..A'a. das lasse ich mir gesallen: das nennt man einen t'inft ehren", rief er fröhlich, und die Fröhlichkeit erhöhte sich noch, als er den festlichen Anblick des Zimmers wahrnabin. „Ich treue mich ja herzlich über den Empfang, obtvobl ich den Perdach nicht losteerden kann, das; nicht alles mir zu Ehren geschieht. Esther, du sichst ja zwanzig Jahre jünger aus. und, tvie Salka sagt, wirst du stark wie ein Riete!" Tann tvendcic er sich an Willah: „Du hast dich sehr deiner Mutter angenommen, wie man es von einer guten Tochter nicht anders erwarten kann, und darum", er küßte sie herzlich und ilüsterte ihr freundlich zu: „Darum. mein Liebling, habe ich dir auch jemand miigcbrachl, dei fickt auch bald deiner ganz annehme» tvird." Dann bemerkte Zsillah »tit einet» flüchtigen Seitenblick noch eine männliche Gestalt, die ruhig und betvegungslos an der Türe sielten geblieben war. Antchel trar ihrem Blicke gefolgt. „Wo bist du. Aron?" ries er dieser Gestalt freundlich zn: „das wäre eine schöne Sache, wenn Leute, wie du. sich fiirditeten. ihr Gesicht zu zeigen." Das nächste, was Zillah wußte, war nur, daß der Pater die Gestalt ihr zunihne und zu ihr sprach: „Zillah, dies ist Aron Kronthaler. Als du noch in der Wiege lagst, war der Name seines Vaters schon an allen vier Enden der Erde bekannt und berühmt. Er ist ein Name. aus den man stolz sein kann, und der Sohn ist des Paters würdig: brauche ich noch tnehr zu sagen? Siehe» Aron, hier ist auch meine Frau — und nun tue ißt du alles. Dir ist zwar ein stilles Willkommen geworden, aber nur. weil es aus der Tiefe des Herzens kommt." Zillali erbleichte bis zn de» Lippen. Das also war die große Ebre. die der Pater angedentet — die Perbindung mit dem Lohne des große» Dalmudgclehrten. Ach, das macht ja ihre Sache noch viel schwieriger. Sie schickte, sich gerade an. darüber nachzudcnkcn. wie viel schwieriger tvoltl der Matupf sich seht gestalten tvird. als die lebte Bemerkung ihres Paters an ihr Ohr drgug, die sich fast tvie ein Porwurf anhörte, und sie kam wieder zuisich. „Sie haben eine beschtverliche Reise gehabt", sprach sie :u dem Gaste mit niedergeschlagenen Blicken: „bitte, nehme» Sie Play und haben Sie Nachsicht mit uns für wenige Minuten: gleich wird das Beste für Sie bereit sein."' .Dock dieser icktien sie gar nicht gehört zu Italic»; er Hieb ruhig stellen, seine melancholischen Augen, die durch hie Schwärze noch glänzender schienen, fest auf sie gerichtet. A nickte! sah ihn von der Seite ckn; es war ein gutes Zeichen, dieses Sclttveigen es bedeutet vielerlei—. Mit einem frohen Lächeln nahm er daher die Unterhaltung wieder auf. „Ihr habt uns wohl gar nicht so schnell erwartet? Und beinahe wäre es auch gar nicht geschehen. Daß wir hier sind, ist wirklich etwas tvie ein himmlisches Wunder. Nein. Esther, gefährlich war es nicht", unterbrach er sich selbst, als er den ängstlichen Blick seiner Frau bemerkte. „Aber — höre nur. wie es sich zugetragen. Ich kam aus Wilna, wo ich einige Tage getveilt, und wo ich mit Aron zusanirnentraf. Um jede Verzögerung zu vermeiden, fuhren wir bald mit dem nächsten Zuge weiter, und ich hatte mir nicht einmal Zeit genommen, meinen Paß von der dortigen Polizei unterschreiben zu lasten. Ich machte mir keine Sorge darüber; denn der alte Boguslaw, der hiesige Polizei-Kommissar. war — na, es wäre ja nicht das erste Mal, daß wir eine solche .Kleinigkeit durch ein buntes Papierchen geregelt. Und nicht eher, als der Zug in Bogilno hielt, erfuhr ich. daß der alte Boguslaw tot sei und ein neuer feit, daß ich von dieser Nachricht nicht besonders entzückt ivar. Ich machte mich auf alles gefaßt und bereitete mich vor. jo gut ich konnte. Zunächst zählte ich hundert Rubel ab und tat sie in eine besondere Tasche; sodann aber nahm ich mein Psalmenbuch heraus und machte davon einen 'guten Gebrauch, ohne aufzuhören, bis wir hier anlangten. Draußen, bei den Gendarmen, sah ich ihn stehen, den neuen Kvininissar. Ich weiß nicht, ob du ihn, schon gesehen, Zillah? — Es ist ein großer, dunkler Mann, mit einem Ltahlblick in den Augen und einem eisenharten Zug um dan Mund. Mir wurde das Herz schwer, denn ich sah mich bereits ivieder nach Wilna zurücktransportiert, um dort, nach Wochen und Monaten, meinen Paß unterschrieben zu hekoninien. Doch, wie Gott will! Schweigend reichte ich ihn hin: kaum aber hatte er einen Blick darauf getan, als seine Stirne sich in Falten Zog und seine Lippen sich drohend zusainincnpreßten. Krampshaft faßte ich nach dem Päckchen Rubelscheinc. Schon will ich es ihm zuschieben, als sich sein Gesicht plötzlich wieder glättete. „Heißen Sie Markowitz?" fragte er. Ich nickte zustimmend; sprechen konnte ich nicht. „Haben Sie hier am Orte ein Hering- »nd Käsegeschäft?" „Jawohl, Euer Gnaden", erwiderte ich erstaunt, daß er bereits hier so bekannt sein. „Hier, bitte", sprach er darauf, gar nicht, wie man es von einem Kommissar erivärtet, „Ihr Paß ist vollkommen in Ordnung: Sie können ruhig gehen." Nun saget, ist das nicht ivunderbar?" Und Anschels Brust dehnte sich behaglich, um sich ivieder mit frischer Luft zu versehen, die er während der langen Erzählung verbraucht hatte. „Es ist ivirklich ganz befremdend", ermiberte Zillah, ,'H die A mschel die letzte Frage gerichtet hatte; „allein, neu» man bedenkt, daß du vorher so viele Psalmen gebetet ..." iJortsttzung folgt.) Kon Kerg und Tal. Siegburg. Am 24. März fanden sich die Vorstandsmitglieder per einzelnen Ortsgruppen des Kreisverbandes Sieg vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Porstandssitzung in Mondorf zusammen. um als ersten Punkt die Wahl des Arbeiisausschustes vorzunchmen. Die Wahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Herr Hermann Levy. Hennef-Sieg, 2. Vors. Herr Mar Eohen, Siegburg. I. Schriftführerin Frl. Julie Schö- »enberg, Gäistingen, 2. Schriftf. Herr Map Heimann, Siegburg, l. MaHenführcr Herr Leo Müller, Siegburg, 2. Kasseusühter Vs. Heß, Ruppichteroth. Als Beisitzer wurden gewählt: Hetr Hermann Seligmann. Eitorf, Herr Julius Gonjchalk, Rheidt. Herr Paul Süßkind, Lberdollendorf, Herr Jakob Levy, Honnef. Herr Lehrer Seelig. Siegburg. In, Anschluß an diese Wahl fand die Aufstellung eines Arbeitsplanes statt und es wurden die dazu nötigen Richtlinien sestgelegt. Die Vvrstandssitzungen sollen, wie bereits früher beschlossen, bei den verschiedenem Ortsgruppen tvech-