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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-09 · 45 (9.4.1920) · p. Seite 172

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
45 (9.4.1920)
Date
1920-04-09
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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einer großen spontanen Kundgebung der gesamten jüdischen Bevölkerung anläßlich der Chanukkafeier in der Synagoge Revals. Rach einer Anjpraclie des Rabbiners stiftete ein Teilnehmer seine goldene Uyr zugunsten des I. R. F. Sein Beispiel fand Rachahinung. Arm amd Reich aus der wrinmmdten ("kmeinbe eilte herbei und brachte Werl- und Schmuckgegenstände. die inan bei sich irug, für den I. R. F. her. Insgesamt »vurden aus diese Weise ca. 05 (K)() Mark gesammelt. Spanien. Madrid, l'luf Initiative von Tr. Aahuda. dein belannten Madrider üniversilälsprosestor, wurde in Barcelona eine zionistijäre Landsmannschaft für Spanien begründet. Tr. Aahuda berief in die Räume der jüdischen ("kmeinde Barcelona eine Versammlung. in welcher die Gründung vorgenommen wurde. Tein leitenden Komitee gehören an: Edmond Meezer als' Präsident, Leon Benveniste. Tr. Tanon. Reumann. Buly. Subol und Haskowitz. Tie Zionisten in Spanisch-Marokko 'werden sich der Landsmannschaft anschließen. Fraukreich London. In einen, Artikel der „Jewish Times" erklärter. T. Pasmanik de» Turchfall ClemenceauS bei der Präsidentenwahl mit dessen allzugroßer.Judenfreundlichkeit. Tie Deputierte» verziehen es ihm nicht, daß er so viele Juden zu seinen engeren Mitarbeitern und Vertrauten zählte. Ter Fall ClemenceauS sei vom jüdischen Standpunkte aus zu bedauern, da Clemenceau energisch für das Recht der jüdisäien ("Gleichberechtigung in Polen und Rumänien eingetreten sei. Zum Schluß spricht Pasmanik die Befürchtung aus. daß die neue französische Diplomatie bezüglich der Wahrung der jüdischen Rechte nachgiebiger werden könnte. Amerika. Reivqork. Ter Hierselbst erscheinende „Haint" bringt eine Zuschrift seines Washingtoner Korrespondenten Fink anläßlich der/Demission des Staatssekretärs Lansing. Ter Korrespondent'schreibt: Jetzt, nachdem Präsident Wilson ">errn Lansing enllassen hak, kann ich gewisie sensationelle Tatsachen berichten, die bisher nicht enthüllt tverden durficn. Ich bin in der Lage, zu erklären, daß in den Archiven des Weißen Hauses und des StaalSdepartcrneiitS daS Original und die Abschrift eines Briefes liegt, den der geivesenc Staatssekretär Lansing an Präsident Wilson gerichtet hat, und in welcher er den Präsidenten aufforden, den Zionismus nicht zu unterstützen. Ter Brief >var die Antwort auf eine Anfrage Wilsons über LansingS Meinung vom Zionismus. Ter Brief enthält die Worte: „Ich bin der Ansicht, daß unsere Regierung die Zionisten bei der Friedenskonferenz nicht unterstützen soll. Ich habe die Empfindung., daß. die christliche Welt nicht erlauben wird, daß in Palästina eine Regierung von jenem Volke eingesetzt wird, das Jesus gekreuzigt hat." — Es ist anzunehmen, daß »ach Lansings Abgang Wilson noch entschiedener als bisher für die Forderungen der Zionisten eintreten wird. Rcwyork. Auf dein Purirnabend deS Perez-Journa-, listenvereins wurde eine Sammlung für Arthur Schnitzler veranstaltet, der nach eingelaufenen Rachrichten sich in großer Rot befinden soll. Zur Aufbringung größerer Mittel bildete sich ein besonderes Komitee. In den letzten Monatcn hat der Perezverei» je 5oy Dollars an die jüd. Schriftsteller in Wien. Warschau und Wilna überwiesen. (I. P. Z.) England. London. In der Unlerhaussitzung vom vorletzten Dienstag fragte Abg. Rewnian de» Unterstaatssekretär deS Auswärtigen, ob Palästina nach den Beftiminuitgen des Friedensvertrages dem arabischen Königreich zugewiescn ivorden sei. Ter Unlerstaalsjekrelär antwortete^ die Frage jei zy vernci neu. Diese Antwort enthält nichts Neues. und es ist, auch abgesehen von dem formalen Moment, ziemlich ausgeschlosien. daß England sich von dem arabischen König das Mandat über Palästina entwinden läßt. Lloyd (Yeorge hat den Emir einladen lasten, zur Berichtet stattung nach London zu kommen. v Sqtitn Jaffa. Tie britischen Okkupationsbehörden in Mesopotamien haben eine Volkszählung durchgeführt, die zum ersteninale ein zuverlässiges Bild über die Zusammensetzung der Bevölkerung dieses Gebietes bietet. Die drei bisher türfifd>en Wilajets Bagdad. BaSra und Mosul zählen zusammen 2 849 282 Einwohner, worunter 87 488 Juden und 78 792 Christen sind. In Bagdad allein wohnen 50 000 Juden. Palästina. Jaffa.' General Bols erhielt folgendes Telegramm von der inuselrnanisch-christlicl)eii Gesellschaft in Jaffa: „40 000 Dunam Land zwischen Rubin und Graliah^ 8 Kilometer von Jaffa, sind den Juden ohne vorherige Verständigung der alten Landesbewohner überlasten worden. Wir deuten dies als ersten Schritt von seiten der Behörden zur Verwirklichung der zionistischen Aspirationen, die Verderben für Moslem und Christen bedeuten. Wir protestieren dagegen mit aller Macht. Wir widersetzen uns der Idee der jüdischen Einwanderung in unser Land mit dem Ziel, eine nationale Heimstätte für die Juden hier zu schaffen. Seien Sie gerecht: beachten Sie die Geschichte! Welches Unrecht haben die Einwohner begangen, daß sie so bestraft werden sollen und daß ihr Geburtsland fremden Händen ausgeliefcrt werden sollte? Wir protestieren gegen Sie vor Gott und den Menschen, gegen Ihre Regierung, die die Juden unterstützt. Wir bitten Sie, der traditionellen Ge- " rechtigkeit Ihres Landes treu zu bleiben! Die Engländer waren immer auf Seiten der Schwachen! Wir bitten Sie, den Befehl, durch welcheit den Juden der erwähnte Landstrich zugewiesen wird, zurückzuziehen." Es handelt sich offenbar um die Überlastung von Dünen an die Juden, also um wüste Ländereien, mit denen die Araber nichts anfangen konnten. Jerusalem. Ter Waad Hasmani hat beschlosten, die konstituierende Versammlung nach Jerusalem einzubevufen. Die Wahlen sollen am 1. Jjar (19. April) stattfinden. Die Versammlung soll dann Lag b'omer (6. Mai) eröffnet iverden. Ussischkin hat dem Beschluß zugestimmt, der aber erst nach erfolgter Zustimmung Tr. Weizmanns in Kraft treten wird. Jerusalem. Rach einem amtlichen Bericht über die Tchneekatastrophe, von »welcher Palästina und insbesondere Jerusalem kürzlich heinigesucht wurde, hat dieses Elementaiereignis in Jerusalem großen Schaden angerichtet. Die im Orient übliche Bauart rechnet naturgemäß nicht mit solchen, nur äußerst selten eintretenden Schnee- und Masterkatastrophen, daher die ziemlich zahlreichen Häusereinstürze,' Untevwaschung der Straßen und der Verkehrswege. Mehr noch als der Schnee hat die Übcrschivemmu^g, die nach der Schneeschmelze hereingebrochen twir, arge Verwüstungen angerichtet. Die Bäckereien ruhten, tveil die Mehlzufuhr unterbunden >vat>; Jerusalem war von der Außenwelt abgeschnitten und in der Stadt selbst war der Verkehr fast ganz lahmgelegt. 1 Arg gelitten haben auch die Schulen, und das Rothschildspital mußte einzelne Teile der Spitalsanlage evakuieren. Mordechai ben Hillel Hakohcn hatte, um eine längere Unterbrechung dev Tätigkeit der betroffenen Abteilung zu vermeiden, den größten Teil seiner Wohnung als Poliklinik und Ambulatorium zur Verfügung gestellt. Berlin. Wie aus London berichtet wird, ist Weizmann in Palästina eingetroffen. Sokolow ist nach Schluß dev Aktionskomitee-Sitzung nach Paris zurückgekehrt,' um die Arbeiten im Comitee des Telegations Juives wieder aufzunehmen.

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