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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-09 · 45 (9.4.1920) · p. Seite 171

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
45 (9.4.1920)
Date
1920-04-09
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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Kischinew. Auch in Dubosary fand, wie aus Kriul- I jany berichtet wird, ein Pogrom statt, bei de», es fünfzehn! Tote gab. Tie „Swobodnaja R,etsch", das im Herrsckiaflsj gebiete Tenikins erscheinende kadettisll-e Organ, tritt beson-' ders giftig gegen die Juden auf und verlangt, daß man die > Juden als „Fremde" erklären soll. | Berlin. Ter ukrainische Pressedienst in Berlin hat > eine Sammlung von Verordnungen, Gesetzen, Regierungsj erklärungen. Aufrufen und anderem Material über die Lage! der Juden in der Ukraine zusammengestcllt und veröffent-! licht. Ter ukrainische Pressedienst ist die Berliner Vertretung der Regierung Petljuras, und die Tendenz der Broschüre ist, zu beweisen, daß die Pogrome Schuld der Bolschewiki, der Polen und insbesondere Tenikins gewesen seien, daß dagegen die Regierung Petljura stets mit aller Energie gegen die Pogrvme aufgetreten sei. Freilich ergibt auch diese Zusammenstellung die leider unleugbare Tatsache, dast in dem von Petljura beherrschten Gebiet gleichfalls blutige Ausschreitungen stattgefunden haben und daß cs den Bemühungen Petljuras nicht immer gelungen ist, ihnen Einhalt zu gebieten. Tem gibt Zangivill in einem in der Sammlung abgevruckten Brief deutlichen Ausdtuck. Dennoch spricht aus der ganzen Dokumentensammlung ein versöhnlicherer Geist als etwa aus den Denikinschen Proklamationen. Handelt es sich doch um dieselbe Regierung, die die nationale Autonomie seinerzeit in die Wirklichkeit umgesetzt hat. Im gegenwärtgen Augenblick ist die Regierung Petljura nicht mehr vorhanden und der Kampf in der Ukraine spielt sich zwischen Denikin und den bolschewistischen Heeren ab, welche letztere immer mehr die Oberhand zu gewinnen scheinen. Vielleicht wird in der Zukunft die von Petljura vertretene Richtung wieder einmal die Herrschaft gewinnen. Hoffentlich bewahrheitet sie dann den Geist, der aus den Erlasien der Dokumentensammlung spricht. Ungarn. Wien. Rur mühsam ringt sich aus dem von der Zensur beherrschten „erwachten" Ungarn der Todesschrei der von raffinierter Verfolgung gemarterten Juden an das Licht der Öffentlichkeit. Die ungarische Judenverfolgung arbeitet „individuell", das heißt, es werden keine Masscnpogrome veranstaltet und nicht Judenviertel in Brand gesteckt. Aber man wirft unter den nichtigsten Vorwänden jüdische Bürger in Kerker und Festungen, setzt sie qualvollen Martern, Leib und Leben gefährdender Behandlung und teilweise dem Tode aus und schafft daneben durch systematische Aufhetzung der öffentlichen Meinung eine Stimmung unbändigen Hasses, 'die sich unausgesetzt m den furchtbarsten Persönlichen Angriffen auf Juden äußert. In der Erlauer Festung schmachten unzählige Juden aus dem von den, Rumänen befreiten Gebieten. Eine Entente-Kommission, die Garantien für Schonung der Juden forderte, wurde mit leeren Versprechungen abgespeist. Wien. Ter Vorsitzende der ungarischen Friedensdclcgation in Paris, Graf Apponyi, richtete an den Ministerpräsidenten ein offizielles Schreiben, worin er erklärt, daß die Judenhetze in Ungarn die Stellung der ungarischen Unterhändler bei der Friedenskonferenz aufs äußerste erschwere. Die Herrschaft des Gesetzes auch zugunsten der nichtchristlichen Konfessionen müssen endlich gesichert werden, sonst sei Ungarns Unabhängigkeit verloren. Der Ministerpräsident hat den Brief in der Kammer verlesen, wo er tiefen Eindruck machte. Tie „Wiener Morgenzeitung" befürchtet jedoch nicht mit Unrecht, daß man jetzt die Judenverfolgung bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags unterdrücken >r>crde. um sie dann in verschärfter Form aufleben zu lassen. Eine Bcsierung der Lage kann in der Tat nur von innen heraus erfolgen. Budapest- Tie Korrespondenz Herzog meldet: Abg. i Josef Bottlik brachte eine Interpellation inder Rational- " Versammlung ein. die sich mit dein -Verschwinden von 2<> Inden in Miskolcz beschäftigt. die von Angehörigen des Tetachemenls Oßienburg als Kommunisten verschleppt und ermordet worden sein sollen. Ter Pogrom so» am -7. vor. Mis. in Miskolcz stallgefuizde» halwii. wo noch immer Plakate den Jude» nach!> Uhr >ibe»ds das Betrete» der Straße verbieten. Wien. Tie „Jüdische Zeitung" meldet aus Budapest: Kardinal-Fürstprimas Johann Esernoch hat kürzlich in der Universilälskirche wieder ungesäbr hünderisünfzig gelauste Inden konfirmiert. Am Schlüsse der Messe hielt der Kir chensürst eine Rede und nahm sodann die Kommunion vor. Ter Tominikanerpaier Ladislaus Büros jagte über dieEle lauste» folgendes: Im September vorigen Jahres erhielten alle neugelaufien Erwachsenen die Einladung, an dem für sie veranstalteten Ilnlerrichiskurs leilznnehnie». Es hal>en sich sehr viele gemeldet, jedoch nur l.">o bis zum Schluß ausgehalten. Tie Männer habe ich im Zentral-Priefterseuiinar fünf Monate hindurch nnlerrichiel. während die Frauen im Sion-Institut dem Unterricht anwohnlen. Ter Prozeß der Bekehrung hält noch an. Tie Absolventen des Lehr kurfes erhalten vom Fürstprimas ein amtliches Attest, laut welchem sie vor Gott und den Mensche» würdig sind, den geborenem.Katholiken gleich behandelt zu werden. Budapest. Hier wurde Polizeioberinspektor Rojzner, ein Ehrist. von Offizieren, weil sie ihn für einen Juden hielte», blutig geschlagen. Tschrchoslowakci , Prag. Beim Empfang des Sladiraies der Stadl Göding irandle sich Präsident Majarhk betreffs der jüdiiche» Verhälmisie an den jüdischnationale» Siadirai Ingenieur Steinitz. Bei dieser Gelegenheit iagie Masaryk. die jüdisch nationale Idee sei ihm sehr jiimpaihisch. und er erhoffe von ihr eine Gesundung des Judentums »ach innen wie nach außen. Er begrüße die Anerkennung der jüdischen Rationalität in der tschccho-sloivakischc» Verfassung. Prag. In Mähr.-Weißkirche» wählte bei den Ge nieindewahlen fast die ganze Jndenichafi die jüdiichnalio nale Liste, sodaß zivei Raiionalsuden gewählt lvurde». und auch in Leipnik erhielten die Jüdischnativiialen zivei Man daic in der Gemeindeverireiung. Rumänien. Ezernowitz. Eine Anzahl jüdischer Sindciucn, Mil glieder der studentischen Verbindung „Hebronia". wurde auf der Straße von rumänischen Studenten angercmpelt und aufgesorden. ihre Vcrbindungsfarbeu abzulegen. Als die jüdische» Studenten sich ^weigerten, dieser Forderung nachznkommen. griffen die au Z,ahl bedeutend überlegenen rumänischen Studenten die Juden an. entrissen ihnen ihre Abzeichen und verbraititien diese ans der Straße. Tie Ofsentlichlcit.unserer Stadt, in der früher die besten Beziehungen »nkti den verschiedenen Rationalitäten herrschten. ist durch dieses Vorkommnis sehr erregt. Sogar eine rumänische Zeitung protestiert gegen diesen Roheiisakt rumänischer Studenten. Schweiz. Zürich. Ter Züricher Kanionsrai hat dem Antrag .John, der sich gegen die Befreiung der jüdischen Schüler am Sabbat vom Schreiben ausspricht, mit l-i> gegen .">s Slim men zugestimnil. Tie meisten Freisinnigen und Demo tralen stimmten dem Antrag Höhn zu, dagegen ivaren der größte Teil der Sozialisten, die Ehristlichjozialen und l Freisinnige. Zürich. Ter Hilssverein für jüdische Lungenkranke hat beschlossen, die Heilstätte in Tavos sobald wie irgend möglich wieder zu erössuen. Entscheidend für den Zeit puiikl wird das Ergebnis der eingeleiielen -Sammlungen sein. Estland. Ten Haag.. 'Eine dem Hauptbüro des jüdische» Ra uonalfonds verspätet.zugegangene Mitteilung berichtet.von.

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