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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-02 · 44 (2.4.1920) · p. Seite 159

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
44 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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159 England. London. Wie die Londoner ..Times" beriditct, wurde Sir Pliilipp Safsoon ,yim Parlainenlsjekretär des Ministerpräsidenten ernannt. Sir Philipp dal verhältnismäfzig rasch Karriere gemacht. Er begann seine politische Laufbai,n als Privaliekreiär des Feldmarschalls Saig? Versal, dann dieselbe» Dienste bei Sir Eric l'wddes und seine jüngste Ernennung n'rd auch nur als Vorstufe (ii einer höheren, verantwortungsvollen Stellung angesehen. Sir Philipp Sastoon ist ein Mitglied der angesehenen jüdischen Familie Sassoo», die in den verschiedenen Dominions des englischen Reiches begütert ist. - London. Dr. Hugo Bergmann. erster Sekretär der Erziehuugs- und Lulrurabteilung der 'Monistischen Lrganisalion. ist nach Palästina abgefahren, um die Stelle als Bibliothekar an der jüdischen NalionalbibllotheT"in Jerusalein zu übernehmeg. London. Das E)roste Zionistische Aktionskomitee wird in Zukunft den Namen Erekntivrat. das Engere Aktionskomitee den Namen Erekurive führe». Palästina. London. Wie aus einem Briefwechsel zwischen der Misrachi-Leilung und Dr. Weizmann hervorgehl, hat sich der „Misrachi" in Abänderung seiner Amsterdamer Resolution zu folgendem neuen Vorschlag betreffend die Lrganisalion des Erziehringswesens in Palästina verstanden. Es sollen zwei, in allen inneren fragen unabhängige „Aijfsichrrräte"Z(Waad hamefakeach) gebildet werden, von denen einer die orihodoren Schulen unter der Leitung des Misrachi repläjenlierl. Darüber wird ein oberster Rai (Waad cljou) gebildet, in dem d/r Misrachi „Paritätisch" ld. h. wohl mit der Hälfte der Sitze) vertreten ist und dessen Vorsitzender nur mit Zustimmung aller Mitglieder gewählt werden kann. Diese oberste Behörde soll alle 'äufzeren Fragen, insbesondere das Budget regeln. Weidmann will diese Vorschläge mit Ussijchkiu besprechen und sich um die Annahme bemühen. Jerusalem. Eine weitete Demonstration amijüdischeu Eharaklers fand hier statt, ivobei mehrere Juden geschlagen wurden. Der Militärgouverneur hat fernere Muudgebungeu ve>boten. Jerusalem. Herbert Samuel besichtigte, begrüsst von Rabbiner Tukazinskn, die Cz Ehnjim-Schule und brachte die ELüsie der englischen Regierung, unter deren Herrschaft Erez Jisrocl das geistige und religiöse Zentrum denjüdische,n Welt werden solle. ' ' A. v Von den Judenpogromen in Podolien. Ein in Warschau angckoiumener Bevollmächtigter des Hilfskomitees für die Pogromopfer in Podolien teilte nach dem „Moment" vom IS. Januar u. a. folgendes mit: Das grösite Unglück für die Juden in Podolien war der öftere , Regielungswechsel in dieser Provinz. So herrschten z. B. über die Stadt Proskurow nach dem Pogrom vom >',. Februar INI!» im April die Boljcheiviki. im Juni die Ukraicr. im Juli wieder die Boljcheiviki, im August neuerdings die Ukrainer, im November Denikin, im Dezember die Polen (jetzt kommen wahrscheinlich bald lviederum die Boljchewiki). Jedesmal?wenn ein neues Heer in die Stadt einrückle oder sie verliest, nahm es alles, was cs nur initnehmen konnte: am meisten wurden natürlich die Juden beraubt, die vollständig ruiniert sind. Nock,'mehr als voui regulären Heer litten die Juden von den Bauernhorden. Manche Bezirks wurden fast wöchentlich von den Räuberbanden überfalle». die jedesmal ihren Weg mit Feuer und Blut bczeichnelcn. Die ökonomische Lggc der jüdischen Bevölkerung ist ganz erbärmlich. Die Händler und Lrämer sind verarmt. In vielen Städten sind die Ewschäftsplätze abgebrannt. TaS jüdische Vermögen. daS vor den Räubern gerettet wurde, ist in Rauch aufgegangen. Deir- Haiidnwrkern wurden die Werkzeuge, den Fuhrmännern.die Pferde genonimen. Niemand kann was verdienen.' Was Pie Bolschewiki zurückliesie», nahmen die Ukrainer, was diese über liesien, raubte« Denikins Truppen. Wenige können ihre Hemden wechseln. Die Fenstersckwibe» sind zerschinerterl und können wegen Mangel an Mas nicht ausgebefieri wer den. .Tausende liegen trank darnieder. In erschreckendem Maste wütet der Fleckinplms. der meistens mit dem rod endet. Noch schrecklicher ist die Lage der vielen Tausende von Pogiomwaijen. In vielen Städten ist die erwachsene männliche Bevölkerung ausgerouel und sind nur noch Frauen und Linder übriggebliebeu. Wegen Eleldiuangel und herrschendem Ehaos im Lande find viele Liuderlieime. Volksküchen und andere Wohltätigkeiisanstalien geschlossen. Manche darunter, die früher vom Hilsskomiiee in Lieiv unterstützt wurden, sind jetzz von jeglicher Hilfe abgejchnii l len. Man erwartet dort nur noch Unterstützung von der Warschauer Abteilung des anierikanischen Hilfskomitees. Die Tafelrunde von S'ne ö'rak. 4>o» 2. '.'I ii ö o > ii MifidS. Die Erzählung von den Männern, „die in B'ne Brak beisammen waren", fügt sich unausfällig und zivanglos in den Aufbau des Hagadahbüchleins. Die vorangehende Dar stellung fchliesit mit der Versicherung, dasi hohes Lob ver z diene, n er von dem Aus.stig aus Agnpien reclu viel zu jagen wisse. Und nun wird im folgenden Abschnitt aus von : solcher Absicht erfüllte, volkibetaniue Männer verwiesen, j Wenn ninns so liest, mags ganz harmlos erscheinen. «Rin; anders stellt sich die Heine Episode dar. trenn inan aus die : Männer sieht, die sich in B'ne B'ral eingesunden haue», trenn man die Zeit ihrer Zusammenlunfi in Betracht ziel». Unter Rabbi Eliejer ist irohl Elieier be» Horkinas zu verstehen. ein Mann, den man in heutiger burschikoser Aus?' drucksweise als ein sehr „gelehrtes Haus" bezeichnen irürde, joireit eben das Wissen allein in Frage läme, Sein be rühniterer Lehrer — Jochana» be» Sakkai - Hane ihn mit einer Zisterne verglichen, die keinen Dropsen Wasser ver liert. Die Sage dichtet ihm eine bäuerische Helkunil an. Zweifellos lassen sich in seinem Wesen Z,üge bäuerlichen Wesens feststelleu, nie ein gewisser unbeugsamer Starrsinn, der ihn schließlich in eine» unveriöbnlicheu täegeniatz zu dem gebietenden Patriarchen brachte. Z,ur Z,eil. als die denkwürdige Zujammenkunsl in B'ne B'rak. slailsand. ivar er wohl längst Vorsteher eines eigenen Lelirhauies. Eianz anders geartet nar Io!»» beu Eliania. Von beweglicheren? Eeifte und geschmeidigeiem Wese», zvi» Diploinaten und Volksberaier geeignet »nd oft berufen, ein j Meister der politischen Parabel ein Freund jeglichen j Ausgleichs. — Weniger bedeutend irar irohl Eleaiar ben Asarjah. der zeitweise den abgesetzte» Munaliel I I'. vertrat und später mit ihm die Velsiandick'asi teilte. Dari man aus dem folgenden Abschnitt der Hagadah einen ^ailus; ziehen, so wäre seine Hinneigung ziiz Wondeuielei sestz» swllen und vielleicht eine gewisse Venrandischasi »>ii der E'eistesart des Eliejer be» Horkinas. Von Rabbi Tarphon ist nur bekanni. das; er ein übe», aus heftiger Widerjack ep der auskonimxnden ihriftlu1,en Lehre, ein furchtloser läegner auch der Hadiiäniickieij Unter drückuiigsversucke irar. Für seine Schätzung spricht der' Umstand, dast er in einen Rat geladen iriirde. deiii ein Akiba angehörte. Wie Atiba Inn er sicki vor den römischen Vorschriften nick t gebeugt und ist irie jener ein Spser sei »er Mannhaftigkeit und llbei Zeugung geworden. Alle nm ihm genannten Männer überragt Akiba »in eine oder ineb! rere Haupteslängen. Dieser ungewöhnliche Mann ist Jahrzehnte hindurch der geistige und politische Führer seines Volkes, der Meister seiner Lehrer und Lerugenossen geblieben. Für die Behandlung und Erfassung „der Lehre" hat Akiba unendlich viel getan. Seine Sehnsucht aber bil dew die Wiederherstellung des selbständigen jüdischen Staates, die Befreiung auch stpr jüdischen Siedelungeu in anderen Ländern. In jener Zeit bereiteten fick, in Linene. in Ehpern. in Äghpten »nd anderwärts die vom Muiierlande

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