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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-04-02 · 44 (2.4.1920) · p. Seite 158

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
44 (2.4.1920)
Date
1920-04-02
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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158! Sohne des Kunstmalers Pros. Engelborn von hier, erschossen woiden ist. Tie OZedäditnisrede hielt Herr Rabbiner Tr. liolm au» Karlsruhe. Fm i'lnjdUufj an Klagelieder .. ..T ie id> gehegt und großgezogen. mein fveinb hat sie ueniiduei" legte er dar. wie der (Getötete, der biird) Lehre sind Beispiel des Elternhauses zu der Betätigung edler Menschenliebe herangebildei worden war, jclber blindiviiligei» Menschenhasie z»»> Opfer gefallen ist. Seine liesergreisenden Ansführungen. die zum Teil eine politische Färbniig trugen, machten and» ans die zahlreich erschienenen RH»luden grvßeii Eindruck. ihm widmete Lehrer Griinfeld seinein früheren Schüler, der mit allen Tugenden des leistes »nd lRmiüies gesdmiückt und zu den schöN^- fteu Hossnungen berechtigl geivesen jei, herzliche Worte des Abschieds. «verlier jpradien noch am Large Vertreter studentischer Korporaiione» sowie der Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr Rechisaitwall Tr. Herrmann, der hervorhob, das; nid» nur die jüdische, sondern and, die christliche Einivohnerschasl den innigsten Anteil nehme an dem sdiwere» Verluste, den die Eltern durch die Erinordling ihres einzigen Kindes erlitten hätte». Dresden. Knllusininister Tr. Seinen hat zil'ei Erlasse gegen die Ausbreitung aniisemitisdier Verhehung in den Schulen gerichtet. Fn Betracht kommen dabei in Sackisen nainenilidi Miiielsdmlen. Ter Minister, bcfanmltdi ein alter liervorragender Sdmlfadnna»». Hebt in seinem ersten Erlas; hervor, das; die ans innerliche EinHeitlid)keit unseres Volkes geridneie staatsbürgerliche Erziehung es nicht vertrage, wenn ei» Lehrer sein 21 int gebrauche, um die Schüler für eine politische Partei zu gewinnen, ^n dein an die Schüler geridneie» zweiten Erlast werden diese zur Pflege kaineiadschastlichen tristes ermahnt. >. Österreich. Wien. Ein Kreis amerikanischer Lrihodorer hat einen besonderen Benag zur Verieilung a» rabbinisdie Fliichtlinge in Wien überwiesen. Tie Meldung erfolgt bei einem Komitee. dem n. a. die Herren Großrabbiner Friedniann, Rabbiner Fürst. Rabbiner Lchapira angehören. Wie». Bei de» Vorlesungen int Belh-Hamidrasch. die jeut z»meist von Hodpchülern besucht >verden, konnle Tr. Kaminla, da fast alle Hörer das Hebräische gut beherrschen, den ..More Rebtichini" in liebräischer Sprache vortragen. Wie». Tie „Tr. Blochsdie Wochenschrift" hat fürs erste ihr Erscheine» eingesielli. Als Grund wird in. der lepien Rümmer eine längere 'Auslandsreise des Herausgebers iin Tienste jüdischer Angelegenheiten angegeben. Ungarn. Wie». Fn der Brbeil'er-,',eini»g ichildert ei» Wiener, wer in der leinen;*,eit berufsmäßig in Budapest z» tim haue, die Geiahre». denen jeder Fremde ausgeieM ist. der de» Bode» des von der christlichen Kultur belterrs^ien Ungarn he um. »nd erzählt zwei Vorfälle aus Budapester Kafseehauier». die das Verhallen der ungarischen \.Soläiv lesta gegen das Pnblitutn bele.nhien. Fm Kaffee Tgtnjaniiich-eiichien am V>. Februar gegen halb I I Uhr abends eine Patrouille von sechs Cüi yeieu nnd ungesahr sünizig Soldaieti. alle ganz feldmästig adjusiieri. Sänulidv Eiilgänge wurden beiebi. Hierauf forderte ein Offizier aus. dai; sich ^lle im Lola! ariiresenden Fnden zu melden häiien. Eliva -l^leisteie» der Alissorderung Folge. Run fielen die Oüi ziere über sie her nnd iäwiliche Fuden wnrdeit geprr'igeli ic>;d inii t^enehrkolbdii geschlagen, bis sie blunibersiroini rniaminenbracheii. Tie-meisten lagen bewußtlos auf dem 'lwdrn nnd die Reiiüngsgesellschasi nnißie sie abfiiblen. Ter Be Über des Kaffees haue im Eiiiiepen über den furchtbaren Rohheiisakl lelephoniich die Polizei verlangi und endlich erschien ein Kommissär mit zwei Wach- . leuteii. der angenchis der Mißhandelten die naive Frage 'hellte, uesbalb inan ihn habe holen lassen. Nachdem ihm dxr ganze Vorfall erzählt irorden >rar. enlgegneic er ganz lakonisch: Wegen der Saujnden hätte es sich nicht-gelohnt, ihn zu störe». Eine besonders charachieristisdie Sache, die sich bei diesem Überfall der militärischen Rohlinge ereigtu'te. sei noch hinzugefügt: Ein Offizier ging auf eine« älteren Herrn zu. sdilug ihn mit dem Revolverschast und fragte ihn um seinen N'ame». 'Als der Gast zur Antwort gab. er heiße „Deutsch". ohrfeigte ihn der Offizier mit der Bemerkung: „Tu Saujude, rvarum hast du did; nicht gemeldet?" Ter alte Herr entgegnete furchtsam: er sei kein Fude. sondern ein Ehrist. Tararif drehte sich der Offizier um und ging ohne Entjd)uldigung von ihm iveg. Am selben Rbend erfolgte eine ganz ähnliche Pairouillenstreifung mit fast genau denselben Rohheiten im Kaffee Kairo. Lo sind unter der Herrschaft der Horthh-Banden Juden »nd Ehristen nidit mehr sicher, denn jedermann ist ständig der (Gefahr ausgeseyt. von irgendeinem Offizier angefallen und verprügelt zu werden, ivenn ihm nicht gar ärgeres passiert. Tschechoslowakei Prag. Tie Wahlbewegung zum Landtag hat begoniieu: die Wahlen sollen am 18. nnd 25. 'April ftaltfinden; es besteht Wahlpflidn. Tie von den Rationalisten gejchaftene „Bereinigte jüdische Partei" entfaltet eine lebhafte Tätigkeit, um ivomöglich mindestens einen jüdisd>en Abgeordneten durchzubringen. Tie orthodore Landeskanzlei hat sich gegen die Aufstellung besonderer jüdischer Wahlkandidaturen erklärt. Prag. Ter Füd. Rationalrat und das Zionistische Zeniralkoinitee bcfriuiimcn zu Ehren des 7». Geburtstages des Präsidenten Majariik 100 000 Kr. für ein jüdisches Studentenheim. Rumänien. London. Es scheint, daß sich das Spiel, das Rumänien nad> dem Fnkraftireten des Berliner Vertrags mit seinen Perpslichtnngen geczenül'er den Juden trieb, wiederhole» soll! Ter nt»täui|d,e Korrespondent der „Times" veröffentlicht einen ziemlid) offiziösen Anstridi tragenden Artikel, worin bittere Klage über das schivere Unrecht der 'Wuimüticu auferlegten Iudenschutz-Klausel gdiührt wird. Tie Banernsdiafl sei verloren, ivenn sie einer befreiten Judenheii „ausgelieferi" werde: selbst die Wahlen dicksten — horrihile diel« — nidit am Samstag sein, wohl aber am Sonntag. Man darf gespannt sei», ob die (Garantien des Vertrags von Versailles über die rnmänische» Tiplomate» den Sieg davonlragen werden: das; das Los der rumänisdien Fuden inzivischen kein beneidenswertes sein wird, ist leider außer Frage. Südafrika. FoHannisburg. Hier starb Samuel Marr. ein.geborener russischer Jude, als einer der größlen Grubenbesißer Siidafritas. Marr war mir Präsiden! Paul Krüger eng befreundet. Auf Marr' Besitzung wurde der Friede zwiidieit England und den Buren geschlossen. Melbourne. Tie hiesige jüdische ^Gemeinde Hai beschlossen. ihrem Mitglied Generalleutnant Sir Föhn Monaib io oou Pfund als Zeichen ihrer iBeivnnderung zu überreicheil. Monash will das Geld den hiesigen Universiiäi übergeben, j Amerika. V'ewhork Ter bekannte, Philanihrop Fakob Schiff, der schon seit der Balfour-Teklaraiion zum Zionismus übergeganaen war. Hieli auf einem ziouistisdien Festessen zu Ehren des amerikanischen Marinesekretärs eine Wehe, worin er ertlärie, die Juden könulen sich nichts Besseres wünsche». als ein „jüdisches Heimatland unter englischer Souveränität". „Wir sind darauf vorbereitet, der entfernten Z>»knttsi die Eniivicklung der jiidisdi-politischen Lage zu überlassen, nachdem Palästina das Land der Fnden geivorden sein tvird." Tie Minderheiisverträge im Osten seien vorerst nur ein Stück Papier, die einzig mögliche Heimat für die F»deii sei Palästina.

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