Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 44 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/3947615-6435930-6437094--0554-3948124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHER BOTE Erscheint jcke» Kreit«, vr,«,- peri» 7S Pf. »,,«tl. Z« »e,ietzr« dmrch siimtlichr P»ftii«ter »der durch de» B»tr»»rrl», i« V»«». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt >«jri,»»prei<: 75 Pf fit die »in» ,»s». Petitirilr. Dir ,«»»« Seite «mf«§t 3ÜO Zeile». P,s>schrckk,»t, v»tr»»«rl», P»««, G il« dir. 74747. Herausgegeben von Rabbiner Or. Krnit KoHn. Bonn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergasfe 52. Kummer 44! ZVonn, 2 April! 1920. — >4 jllilTan 5680 2. Zuqiuong. I l Pesnch 5680. r s : Du sollst erzählen —! T» sollst erzählen deinem xinde au jenem Tage fvlgendermahen: Ties ist darum, weil mir der Ewige Trostes getan bei meinem Auszüge ans Egypten. 2. Mose, 13, H." da» kindliche Gefühl, daß der Pater bei allein bnbei ge* wesen ist. sein Ieugnis ist dein Minbc immer das Iengnis eines klugen- und Lhrenzeugen. und der Hcrgadist Hai nicht an die Großen. süiidern an die R leinen und an die Wir» kung ans sie gedacht, als er die herrliche Forderung aufstellte: In jeglichen, Geschlechie ist es Pslicht jedes Jude», sich anzusehen, als wäre er selbst aus Eghpten gezogen. Denn es heißn „Du sollst deinem Rinde erzählen: Darum ist dies, weil der Ewige in i r Gliles gela» bei in e i » e in Auszug aus Esthpten. Aichi unsere Päicr nur Hai der Heilige, gelobi sei er. erlöst, sondern hal auch uns niil ihnen ei löst!" „Uns ist in alten Mären Wunders viel gesagt —." Alle Völker haben ihre Mären und bei allen wird gesungen und gejagt. Aber Die Luft zu fabulieren und die Run st des persönlichen Erzählens wird immer seltener. Es ist jo bequem, seinem Rinde ein Märclrenbuch zu kaufen und ihm vom Rinderfrsiulcin vorlesen zu lassen, tvas es hören will. Wozu da noch die Anstrengung, sich persönlich ins Geschirr zu werfen? ( Bei uns Juden ist es anders: Einmal im Jahre kommt eine lenzliciw' Vollmvndnachl. die verlangt als heiligstes Gebot von jciX'm Pater, daß er die Geschichte des Auszugs seinem, Rinde selbst erzähle. Das heißt nicht, daß er am Lederabend einfach mehr oder tveniger vollständig die Hagada verlese, sondern daß eben diese Verlesung der.Hagada und die möglichst ausgiebige und möglichst lebendige Erzählung vom Anszuge aus Egupten ihm Gelegenheit gebe, die innigste Beziehung zwischen sich und seinem Rinde aufzurichlen. In diesem Linne soll der Lederabend alljährlich eine Erneuerung des Judentums bedeute», des Judentums, das Überlieferung ist und allein durch die allerpcrsönlichste Übeilieferung voin Vater aus das Rind zu leben imstande ist: „Du sollst erzählen deinem Rinde —!" . Jawohl, du beinern Rinde und kein anderer außer dir! In der Tal, dies ist ein Oiebot. das weit über.den Aahmen des Pessachfestes hinausgehl, dessen Aichtersnllung aber leider ganz allgemein geworden ist. Das Judentum ist keine Überlieserung mehr, sondern nur noch Aeligionsunierrichl und Ranzelweisheil. Mau hat Lehrer angestellt, die biblische Geschichte unterrichten. Lolche Lehrer hat es n«n freilich immer gegeben, aber. was sie leinte», war doch >>»nwr nur eine Ergänzung der häusliclien Unleriveisung. der ptisönliche» Einwirkung des Vaters ans seine .Rinder, der „beim Llpen im Hause, beim liehen aus dem Wege, beim A'iederlegen und Ausstehe»" das alle Gebot der „Einjcharsung" erfüllte. _ Ja, jo müßte es sein: der ganze Aeligionsunierricht dülfte von, jüdischen Hause lediglich als sogenannter A'gchlsilfeunierricht betrachtet niid bewertet wer-, den. während in Wirklichkeit der jüdische Lehrer heule beim Hause betteln gehen muß um jenes bische» moralischer lliilerstühiing. das seinem llnterricht überhaupt erst eine» Linn zn geben vermag. Was der Herr Lehrer jagt, wird vom Rinde nie dem gleich geachtet werden, was Vater jagt. Wenn man ein, Rind sprechen hört: „Vater hgrs gesagt!" so liegt-darin eine solche Straft der Überzeugtheit und Gläubigkeit. daß alle nuderen Ieugnisse und Beiveise daneben versinken. Es ist T du wuuderschöner Lederabeud, gib uns dieses Oiefühl des Dabeigeivesenjeins. das Gesüh'l periöitlicher zjeugenschafl wieder! Daß. wenn wir in die leuchienden Augen unserer aufhvrchanden Rinder schaue», wir eine» tiesen Blick in den Brunnen der Ewigkeit tun, aus dein die Wajiei des Lebens für uns quellen, und in dein sich, ipiegeln unseres Lchjchjals ewige Lierne! E in > l^E o l> n. « PWVWlVUN:4FlWMWlWM^» > IwSM- SMM.’l^N-I-VlWrrqSW? " Wochenschau. 3 Tatsachen und Ergebnis!« A Deutschland. Berlin. In einer überfüllien Milgliederveriammlnng der Berliner zionistischen Vereinigung reserierie der Vorsitzende der;J. V. s. D.. Herr Dr. Rice, der als Mil glied des Akiious-Roniiiees an der Londoner A. El-Litzniig leilgenoininen Hai. über den Verlaus der bedeninngsvollen Tagung. Dr, Rlee erlannie rüchhalilos die liisiorijche» Vetdiensle an. die Weizniann.und Lokoloiv sich durch ihre politische Arbeit ertrorbeu l>abeu. und erklärte, daß das Höchstmaß des Erreichbaren erreicht,sei. Der Iiiedensver irag mit der Türkei bestimmt, daß Palästina unter ein englisches Mandat gestellt wird und daß England die Ausgabe übernimmt, das A'aiional 'Home.des jüdischen Voltes dort zu errichten. Dr. Rlee erinnerte daran, »sie »nmvglich es nns noch vor wenigen Jahren erschienen iräre. am z'.iel icv'erer politischen Wünsche zu stehen.?>nr die t^renzs>. d fei nicht restlos gellinr. Man könsie als sicher an ne. ,„e». daß die Bestinunungen des Tnles Picoi Veruages l'usgehoben irerden würden, die saß mul’, ('uililmi der sran ’öfüd.en Etnslußiphhre znieilie». Tagegen sei noch nicht sicher, ob die von ni^s geivrderie Liianigrenze nnr gegeben werden würde. Tr. Rlee nüidigie an dieser iteile dia Bedeutung der Tatsache, daß Wilson den amerikanische» Botschafter in London angewieien habe, sich für ei»ch Regelung der Grenzfragc im Linne der zionistischen Iordeinngen einzusetzen. Baden-Baden. Unter außerordentlich großer Beteiligung fand hier die Beisetzung des Ltudenien der Medizin Hans Rahn stall, der. wie bereits gemeldet, ans ost'ener Ltraße von eineni christlichen Liudeiiien Engelborn, dem