Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 43 (26.3.1920)
- Date
- 1920-03-26
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Winkel; keiner wühle woher. Eine Woche nach ihrer Ankunft aber war sie bereitberühmt. Sie bewegte sich von einem Palast zum andem, mit einem Gefolgt von Sklaven hinter sich. Sie hatten ihre Kasinos, Ateli«S, ihre Büroverlassen, um sich vor ihren Triumphwagen zu spannen, um ihr überallhin zu folgen, wohin fieaing; denn ihr Anblick war wie der Morgenstern, sttahleno, glänzend, und keiner konnte und wollte sich den Anblick vniagen. Mehr aber als alle ihre Verehrer bewundette sie ihr Gatte; er liebte sie mehr als sein eigenes Leben und ihre Erde war sein Himmel." „Und waS ist später aus ihr geworden?" ftagte Zillah mit verhaltenem Atem. «Sie glauben also, daß ein Umscblag gefolgt sei? Sie täuschen sich. Es erfolgte keiner, und das Lebensglück blieb ihr tteu bis an ihr Lebensende." „Gehörte sie auch zu den Frauen mit den ttaurigen Augen?" „Ja. sie sah ttaurig aus; aber nur durch die Fülle ihres Glückes: vielleicht, weil sie so viel und andere nichts hatten, oder vielleicht, weil sie aus dem Volke stammt«, daan den „bösen Blick^' glaubt, und sie fürchtete, daß ihr Glück zusammenbricht, wenn sie damit prahlt und es zur Schau stellt; darum heuchelte sie eine äußere Traurigkeit, die sie innerlich gar nicht besaß." ~ „Wissen Sie es ganz genaue daß die Trauer wirklich nur eine geheuchelte war?" ftagte Zillah, gedankenvoll vor fich hinstarrend. „Vielleicht hatte sic nur ihr halbes Herz dorthin mitgebracht, während die andere Hälfte dort zurückblieb, woher sie gekommen war." „Anfänglich mag es so gewesen sein", erwiderte er nach kurzem Nachdenken; „doch hat man erst die Spaltung des Herzens überlebt, dann heilt es schnell wieder zusammen, ohne auch nur eine Narbe zu hinterlasien, da. wo es früher geteilt war." t IJortsetzun, folgt.) Kon Kcry und Tut. Bona. Am Sonntag den 14. März veranstaltete die Chevroh G'miluS Chasiodim im Gemeindehaus eine Purimfeier, zu welcher viele Mitglieder und deren Kinder erschienen waren. Der Zweck dieser Veranstaltung gipfelte in dem Gedanken, namentlich den Kinder^ die Bedeutung des Purimfestes nahczulegen. Der Vorsitzende, Herr Coßmann, begrüßte di« Erschienenen, während Herr Kantor Baum in Verhinderung des Herrn Rabbiners in einer talmudischen Legende den Kindern Liebe und Treue zu unserem Väterglauben ans Herz legte. Auch die Purimfreude kam zu ihrem Recht. Bei Kaffee und Kuchen, Deklamattonen und Lieder, die von den Kindern vorgettagen wurden, verlirftn die Stunden gar zu schnell und man verabschiedete sich mit dem Wunsche, im nächsten Jahre wieder solch schöne Purimfeier abzuhalten. % Bonn. Zum Dr. med. dent. promovierte als erste Zahnärztin an der Universität Bonn Frl. Selma Roer aus Kreuzau. Siegburg. In dem Bericht über die Gründungsversammlung des Zenttalvereins soll die am Schluß genannte Gemeinde nicht Hennef, sondern Honnef a. Rh. heißen. Köln. Herr Oberpostschaffner Moritz Frank hat nachttäglich das Verdicnstkreuz für Kriegshilft erhalten. Köln. Die Verwaltung der Synagogengemeinde hat sich genötigt gefthen, mit Rücksicht auf die teueren Zeiten die Preise der Synagogenplätze mit sofortiger Wirkung um 50 Prozent zu erhöhen. Diejenigen Platzinhaber, die ihre Karte noch nach dem alten Satz eingelöst haben, find verpflichtet. di« Differenz nachzuzahlen. Unterbleibt die-, so wird Verzicht aus den Platz für das nächste Jahr angenom. men und der Platz fällt in die Verlosung. Wesftlina a. Rh. Am verflosienen Samstag ftierte unser allverehrter und in ftinem großen Bekanntenkreise beliebter Kantor Herr Bernhard Koppel in voller Rüstigkeit da- Fest seine- 70jährigen Geburtstage». Jahrzehnte hindurch wirkte er in unserer Gemeinde als Borbeter und Thoravorleser. Möge edem Jubilar vemönnt ftin, noch lange Jahre in geistiger Frische zum Wohle der jüdischem Gemeinde von Wesseling ftin Amt in solcher Würde so weiter auszuüben, wie er es bi» heute getan hat. St. Wendel. Am SamStag den 28. Februar hielt hier Herr Dr. Weiler-Saarbrücken einen Bortrag über da- Thema: „Der Zionismus und ftine Gegner." Der fthr klar und sachlich gehaltene Vorttag rief «ine lebhafte Diskussion für und gegen den Zionismus hervor. Von den Gegnem wurden die alten, immer wiederholten Einwände vorgebracht. Ts gelang den zionistischen Rednern, diese Einwände bei sehr vielen Versammlungsteilnehmern zu zerstreuen. Im Anschluß an den Vorttag erfolgte di« Gründung einer zionistischen Ortsgruppe St. Wendel, die fich an die zionistische Saargruppe in Saarbrücken anschloß. St. Wendel. Herrn Eugen Zerl wurde nachträglich da- Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. DDDDDDDoaaDaDanDDD a a BaoaaaoDaaoociDaoaaa S 8 8 9» Kotratasche. § o a □ o aaaaaaaaoaaaaoaaaaaa a acnnaaaiicaaaaaoaaa Alle unsere Leser und Freunde werden hiermit freunblichst eingeladen, an der lebendigen Ausgestaltung unserer Botentafche mitzuwirkea. Der Einsender der besten Sprichwörter, Anekdote oder eines Rätsels erhält einen Preis. Herschele Ostropoler. Reb Herschele hatte mal an einer Jahrzeit vergessen, daS Kadischgcbet zu sagen. Er verzweifelte; denn es war schon spät am Abend. Da lief er auf den Marktplatz und schrie aus Leibeskräften: „Hilft I Hilfe!" Allerhand Leute rannten herbei, Juden und Ehristen, und sie ftagten ihn: „Reb Herschele, was ist geschehen?" Seine Augen aber suchten unter der Volksmenge, und als sie einen Minjan Juden gezählt hatten, stellte er fich ruhig hin und sagte sein adischgebet. H. K. Die Judenstadt Rewyork. In Newyork und seinen vier Vorotten wohnen heute 1'/, Millionen Juden unter einer Gesamtbevölkerung von 5 Millionen Einwohnern. Fast jeder dritte Mensch in Newyork ist also Jude. Laut den Registern der jüdischen Gemeindevereinigungen in Newyork War die Stadt im Jahre 1790 von 390 Juden bewohnt. Das gegenwärtige sozial und kulturelle Leben dieser größten jüdischen Ansiedelung der Welt ist ein überaus reges. Es gibt heute in Newyork mehr als 720 ttaditionelle und Reform-Synagogen. Unter den 46 jüdischen Zeitschriften, welche in Newyork erscheinen, sind 5 Tageszeitungen. 29 Zeitschriften erscheinen in jiddischer, die übrigen in englischer) hebräischer und spaniolischer Sprache. In Newyork gibt es 29 Friedhöfe. Die jüdische Volksbibliothek hat einen überaus reichhaltigen Bücherwand und einen großartigen Lesesaal. Schließlich hat Newyork 7 jüdische Theater, welche fast ausschließlich jiddisch spielen. Die Juden im Kaukasus. Ganz entlegen im Kaukasus gibt es Orte, an welchen Juden in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben. Drei leine, während des Krieges gegründete Republiken: Aserieidschan, Grusien und Daghastan, die an der Grenze zwichen Europa und Asien gelegen find, bilden diese Zufluchtstätten. Die Zentren dieser glücklichen jüdischen Bevölkerung sind die drei respektiven Hauptstädte, nämlich Baku, Tiflis und Babrosk. Vor dem Kriege waren die jüdischen Gemeinden dieser Städte klein. Die während des Kriegeerfolgte Ausweisung der Juden auS Litauen und die russische Revolution vdn 1917 vergrößerten diese Gemeinden, und die Flucht der Juden vor dem bolschewistischen Terror brachte nicht nur erneuten Zuwach-, sondern auch eine interossante kulturelle Bewegung mit sich. Da die kaukasische»