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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-03-26 · 43 (26.3.1920) · p. Seite 148

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
43 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 \ Arbeitsamt«? veranlaßt, da? auch hier arbeitsame» u»d wü» Ligen Ostjuden wirksame Unterstützung gewährt. Das Duisburger Arbeitsamt wird erhalten au- Mitteln rheinisch-westfälischer Gemeinden, die leider so gering find, daß sie deutlich zum Allsdruck bringen, daß die Destjuden sowohl als auch die in Deutschland reich gewordenen Ostluden bisher noch nicht begriffen haben, daß daS Arbeit-, amt eine der bedeutsamsten und segensreichsten Institutionen jüdischen Lebens darstellt. Hus der D<nihinsdien Nölle. Die „Contemporary Review" veröffentlicht eine Artikelserie über das Regime, das von Koltschak in Sibirien und von Denikin in Südrußland geführt wurde. Die Zeitschrift publiziert ein Dokument, das in DenikinS offiziellem Lrgdn „Kiewlianin" veröffentlicht wurde. Der Unterzeichner des Dokuments, Chulgin, ist Chefredakteur dieser Zeitung und gleichzeitig Minister ohne Portefeuille in Dcnikins Regierung. Es handelt sich also um ein amtliche- Dokument. Es hat folgenden Wortlaut: „In den Nächten herrscht in Kn Straßen von Kiew ein wahrhaftiger Terror. Mitten in einer totenähnlichen Stille, die in der entvölkerten Stadt herrscht, werden plötzlich schreckliche Schreie lau. Es sind die Juden, welche schreien, welche mit Angst schreien. In der dunklen Straße erscheint eine Gruppe von „Bajonettmännern". Sie nähern sich einem großen Gebäude von fünf oder sechs Stockwerken und es beginnt ein Gewinnst! vom Dach bis zum Boden desselben. Ganze Straßen, erfüllt mit tödlicher Panik, heulen mit einer nicht menschenähnlichen Stimme, weil sie für ihr Leben zittern. Gewiß, in unseren Augen erscheint diese Furcht übertrieben und nimmt einen dummen und erniedrigeirden Charakter an. "Nichtsdestoweniger ist eS eine urwüchsig« Angst, eine wahre Marter de- Terror-, die der ganzen jüdischen Bevölkerung auferlegt ist. Die Be- Hörden kämpfen, soweit sic können, gegen die Mordtaten x und Plünderungen. Die russische Bevölkerung lauscht auf dieseschreckliche Heulen, das durch die Folter des Terrorverursacht ist, und fragt sich, ob diese unglückseligen Nächte die Judssn nichts lehren norden. Werden sie jetzt verstehen, waeS bedeutet, Staaten zu zerstören, die sie nicht gegründet haben? Werden sie verstehen, was es besagen will, gleiche x Rechte zu erlangen, gleichgiltig zu welchem Preis? Werden sie begreifen, was cs bedeutet, eine Bevölkerungsklasie gegen die andere aufzuhetzen, nach den Vorschriften des großen Meisters Karl Marx? Werden sie jetzt verstehen, daß der Bolschewismus dem Herzblut des Sozialismus entstammt? Werden sie verstehen, was die Verwirklichung ihrer demagogischen Prinzipien für Rußland bedeutet? Werden sie begreifen, was sie jetzt tun müssen? Werden diejenigen Juden, die an den ^Exzessen teilgenommen haben, öffentlich in den Synagogen verflucht werden?>>Wird die Masie der jüdischen Bevölkerung die Gründer des neuen Regimes mit derselben Entschiedenheit verlcrfgnen, mit der sie das alt« angreifen? Werden die Juden sich auf die Brust schlagen und ihr Haupt mit Asche bestreuen, werden sie öffentlich Buße tun, weil die Söhne Israels eine verhängnisvolle Rolle in der ungezügelten Raserei des Bolschewismus gehabt haben? Wird eine „Liga zum Kampf gegen den Sozialismus" gegründet werden oder wird alles so bleiben, wie in der Vergangenheit, trotz der schrecklichen Nächte tödlicher Angst? Wird die .Liga zum Kampf gegen den AntistmitiSmuS" weiter existieren und wird die Dummheit allgemein bekannte Tatsachen ableUgnen und dadurch die antisemitischen Leidenschaften anstacheln? Die Juden haben nur zwei Wege zu gehen, entweder ihre Schuld einzugestehen und Buße zu tun. oder weiter abzulcugnen und alle zu beschuldigen, außer sich stlbft. Ihr Schicksal wird von der Wahl abhängen, die sie treffen. Wird nicht die Folter deö Schreckenihnen zeigen, welches der richtige Weg ist?- gez: Chuligin/' Das jfldisdie leben in Sibirien. Dieser Tage ist die erste Nummer der rusfisch-jüdische» Zeitung „Nasche Slowo" erschienen, welche in Charbin vo» der jüdischen Demokratie hnausgegeben wird. Die Nummer tragt das Datum vom 15. Dezember 1919, bringt also Einblicke in die allerletzte Zeit'. An der Spitze de- Blattesteht ein« Erklärung der Redaktion, welche die widersprechende Tatsache, daß eine Zeitung, die die Interessen der jüdischen Demokratie vevtritt, nicht in der jüdischen Volkssprache, sondern in russischer Sprache erscheint, dahin aufllärt, daß ein Charbin keine jüdischen Lettern für den Druck gibt. Gleich der erste Artikel: „Die Krisis in der Charbiner Mischen Gemeinde" bringt interessante Daten: Darnach wurde im April 1919 eine neue Gemeindeverwaltung vo» 40 Vorstehern gewählt; davon sind 16 Zionisten, 3 gehören der Agudas Jisroel an, 7 sind Pdale-Zion, 4 Zeire- Zion, 2 unparteiische Demokraten und 3 Bundisten. Die politische und wirtschaftliche Tätigkeit der Gemeinde ist gleich Null. Die finanzielle Lage ist trostlos, da die geringe Opferwilligkeit der vermögenden Judenhcit und eine gewisst Verwaltungssabotage seitens der früheren Gemeindemachthaber die Lage erschwert. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Charbin und ch ganz Wcstsibirien ist im allgemeinen nicht schlecht. Infolge des niedrigen Kursedes Zarenrubels hat die große Masie stark unter der Lebensmittelteuerung zu leiden. Die Geschäftsleute jedoch und die Besitzer unbeweglichen Eigentumsind dagegen zu großem Reichtum gelangt, allerdings ist der breiten Masie damit wenig gedient. Die Nachrichten über die schlimme Lage der jüdische« Flüchtlinge in Sibirien sind, wie auder Zeitung hervorgeht, stark übertrieben. Der größte Teil der Flüchtlinge hat sich bereitin das Wirtschaftsleben eingefügt oder ist abgewandert. Wirklich traurig ist nur die Lage der jüdischen Kriegsgefangenen, welche über verschiedene Lager in Sibirien verstreut sind. Dies« wahren Kriegsopfer sterben oft Hungers. In letzter Zeit wird ihr Los etwas gebessert, da in Westsibiricn Vertreter der verschiedenen jüdischen Hilfskomitees au- Amerika eingetrofstn sind, welche große Summen für die Hilfstätigkeit zur Verfügung gestellt haben. Die demokratischen Elemente der jüdischen Bevölkerung in Sibirien sind kulturell sehr lebhaft tätig. Vor acht Monaten wurde in Sibirien eine jüdische .Lulturliga" begründet, welche Ortsgruppeck in Omsk, Tomsk, Atschni-k, Krasnojarsk, Irkutsk, Charbin, Wladiwostok usw. hat. Sie veranstaltet Literaturdiskussionen, Vorlesungen, Theateraufführungen, Kunstabende, hat ferner eine ansehnliche Summe für die Herausgabe von jüdischer Kinderliteratur gesammelt. Im Frühling wird in Charbin eine Ausstellung der jüdischen Presie und der jüdischen Dvuckkunst eröffnet werden. Mit Amerika besteht in letzter Zeit lebhafte Verbindüng; viele sibirischen Juden beabsichtigen auch, dorthin auszuwandem. Mit Europa ist fast gar keine Verbindung vochanden. 8 lüdilcbc CSchwer. J Von Samue l G o r d o ». $ m Berecht. Übertragung aus dem Engl, vo» M. Pulvermann. « rj, j, .TY.T. Z T.3T..7. y. Z T. T -T ITT y, ,t,T ,t. 5. Der Kommisiar ging auf und ab zwischen den Bäumen am Rande des Waldes. Es war heute schon der dritte Nachmittag, daß er daS gleiche tat. Me Sonne brannte chm glühendheiß auf den Kopf, aber er beachtete «s nicht. Manchmal ging 6c eine Strecke zurück, bis er die Häuser des Städtchens überblicken konnte, und blieb da volle fünf

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