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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-03-26 · 43 (26.3.1920) · p. Seite 146

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
43 (26.3.1920)
Date
1920-03-26
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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14« lieferte-, Ekkbtes allein, sondem sie empört sich gegen die Straffung, mit der männliches Handeln sich selber zäumt. Diese Jugend will nichts als die Gefühlsseligkeiten des wilden Tages auskosten, ihr Wort wird zum Schrei, ihre Tat zum tönenden Bekenntnis, sie meist zu den Sternen, und gibt — und das ist das Bedenkliche — dem Geiste des Tages durch die Kraft des Ausdruckes sein Gepräge. Herrlich ist es, jung mit den Jungen zu sein, und als Mann die brausende Zeit des frühen Lenzes noch einmal au erleben. Ein Programm ist es nicht, darf es für Männer nicht sein. Mit aller Kraft ist die Jugend darauf hinzuweisen, daß erlösende Zeiten immer das Herz der Väter zu den Söhnen und der Söhne zu den Vätern gekehrt haben.. Ja, auch der Söhne zu den Vätem! Von den Vätem hat man Nachsicht, mebr als Nachsicht, Verständnis, mehr als Verständnis, Mitfichlen für die Jugend zu fordern. Das Gleiche von der Jugend zu verlangen, ist unmöglich. Aber wehe der Juaend, deren Ziel, deren Leidenschaft nicht der Mann, ist. Werst euch in den Strom, den Brausestrom der Zeit.'aber laßt euch nicht treiben, sondem schwimmt hinüber! O Elia. Elia, du großer Profet, du heimlicher Erlöser! Wenn du in der Scdernacht unser Haus betrittst, so bringe uns die große Erlösung mit, die auch wir Juden jetzt, ach, so bitter nötig haben: Väter und Söhne, Alter und Jugend, e i n Geist, e i n Herz, c i n Ziel! Emil Cohn. {Hocbenfcbau. Tatsachen mck Mr»eb«iss«. 'j r rh'Z Cs ’:r> r^g r_’0 ry. i-:vüü V: ■"' r~LiO'- 'CKTH-ro Tr'.rtüonc r;c,nrr*crv« ■ m. TH; Deutschland. Berlin. Hier ist eine hebräisch-dramatische Gesellschaft „Habimah" in der Gründung begriffen. Der vorbereitende Ausschuß erläßt einen Austuf, der unter Hinweis auf die gleichen Bestrebungen in Rußland und Amerika die Bedeutung einer hebräischen Bühne für die Wiederbelebung des Hebräischen hervmhebt. Jntcresicnten werden gebeten, ihre Adresse dem Kultur-Dezemat der B. Z. V., Berlin C. 19, Seydelstraße 3. einzusendcn. Karlsruhe. Im Landtag erwähnte Stockinger (Soz.), daß in Pforzheim Schüler, die dem Schutz- und Trutzbund angehören, antisemitische Zettel an die Häuser klebten. Ferner lag eine sozialdemokratische Interpellation über die Karlsruher Vorgänge gegen die Berufung des Direktors Meyer der Allergesellschaft in Berlin vor. Untcrichtsiilinlster Hummel erwiderte, daß in einem Erlaß erneut auf das Verbot der Beteiligung von Schülem an Vereinigungen jeder Art yingewicjen wurde, und daß die bedauerlichen Vorgänge an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe auf die Verhetzung durch die Rechtsparteien zurückzuführcn seien; doch werde die Rcgiemng auch in Zukunft sich nicht davon abhalten lasicn, auf die Lehrstühle die Tüchtigsten zu berufen; bei Wiederholung des Karlsruher Falles würde die Negierung sofort die Hochschule schließen, pm zu zeigen, daß sie der Herr im Hause ist und nicht die Studenten. Berlin. Am 19. März abends gegen 9 Uhr hielt ein Soldat von den Baltikunüruppen. die stillschweigend im Westen einquartiert sind, am Äurfürstendamm eine Ansprache an eine große MensckMmenge und schimpfte auf die Juden. Ein Herr trat aus der Menge hervor und versuchte in ruhigem Tone, den Soldaten aufzuklären, daß die Juden sich keiner Schuld bewußt seien. Sofort drangen drei bis vier Soldaten auf den Herm ein und mißhandelten ihn mit Gelvehrkolbenschlägen derart, daß der Tod sofort cintrat. Mit dieser Tat waren die Soldaten nicht zufrieden, sie griffen mehrere Personen aus der Menge heraus, von denen sie vermuteten, daß sie Juden seien, und schleppten sic nach der Wachstube der Ehrhardtschen Marinebrigade, wo sie in furchtbarer Weise mißhandelt wurden. Hamburg. Hier haben sich jüdische Arzte, Schwestern und ehemalige freiwillige Krankenpfleger zusammenavschloflen und unter dem Namen „Roter Mögen Dowio" einen Verein «gründet, welcher rege Tätigkeit entsaftet. Sie stellen z. B. unentgeltliche Sanitätswachen bei Turn- und Sportfesten, bei Versammlungen im Rahmen der jüdischen Gemeinschaft. Polen. Warschau. Der erste Transport Mehl zur Bereitung von Mazzos, 42 000 Sack enthaltend, ist aus Amerika bereits eingetroffen. Es handelt sich im ganzen um etwa 5 Millionen Pfund Mehl, die für die Notleidenden bestimmt find. Die Verteilung soll sich auf 1 Million Seelen erstrecken. Der allgemeinen Verteilung für die Bemittelten kommt diejrs Quantum nicht zugute. Man hofft, daß in wenigen Tagen der ganze Transport in Warschau eintveffcn wird. Die Armen bekommen zum Teil das Mehl in natura verabreicht, zum Teil auch in der Form von fertiggebackenen Mazzos. Lodz. Eine Delegation des amerikanischen Hilfskomitees weilte hier mehrere Tage, um das amerikanische Unterstützungswerk zu organisieren. Eine Viertelmillion Mark brachte sie gleich als erste Unterstützung für den Monat Februar mit. Eine zweite Unterstützung im gleichen Betrage stellte sie auch für März in AuGcht, freilich nur unter der Bedingung, daß die Zerteilungen durch das Ortskomitce auf rein demokratischer Grundlage vorgenommen werden und in einer Weise, daß sich keine Richtung und keine Partei über Benachteiligung zu beklagen haben. Als Peffachgcschenk haben die Amerikaner der notleidenden jüdischen Bevölkerung in Lodz 125 000 Pfund Mehl zur Bereitung von Mazzos und 15 Faß Öl zugedacht. Lodz. Hier wurde eine Gesellschaft gegründet mit dem Zwecke, die Perlmutterindustrie in Palästina zu entwickeln. EBojes-Rußlimt. Berlin. Laut einem Bericht des Wilnaer Journalistenvereins wird in Moskau durch das jüdische Kommissariat eine Wochenschrift „Kultur und Bildung" herausgegeben. In Homel erscheint der „Gorepaschnik" und dreimal wöchentlich der bundistische „Wecker". In allen die-, fcitj Zeitungen ist die jiddische Orthographie der hebräischen Wörter durchgeführt. Ihr literarischer Wert ist ein sehr geringer. Jüdische Bücher werden fast gar nicht gedruckt, hauptsächlich wegen der technischen Schwierigkeiten und des Papiermangels. Andererseits werden aber eine ganze Reihe höchst wichtiger Ausgaben vorbereitet, und cs wird sich beim Wegfall der technischen Schwierigkeiten Herausstellen, daß selbst unten den schweren Bedingungen, die jetzt in Rußland vorliegen, nicht wenig für die jüdische Literatur getan wurde. Berlin:, Aus Petersburg wird-der Tod des bekannten jüdischen Gelehrten Michael Kulischer im Alter von 72 Jahren gemeldet. Kulischer, der auf sozialem Gebiet Hervorragendes geleistet hat, war einer von den Gründern der russisch-jüdischen Zeitung „Raßwiet" und Herausgeber des „Trud" in Odessa. Er hat sich auch als Autor von zahlreichen Artikeln über jüdische Geschichte und Jurisprudenz einen Namen gemacht. Ungar«. Budapest. Der Oberrabbiner der hietzgen israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Samuel Kohn, ist dieser Tage im 79. Lebensjahre gestorben. Budapest. Die antisemitische Hetze der Studenten geht so weit, daß selbst der antisemitisch gesinnte Rektor Ballagi, crrt Renegat — er ist Sohn des Sprachforschers Moritz Bloch — mit seinem Rücktritt gedroht hat.

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