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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-03-19 · 42 (19.3.1920) · p. Seite 138

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
42 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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Port und Bild wußte er geschickt den zahlreich erschienenen Zuhörern die Entstehung des Tempels und seine Entwicklung bis zur heutigen Snnagoge klarzulegen. Er bedauerte sehr, dag viele antike Bauw'erkc durch Modernisierung ihren ursprüngliche» Ehorakter verlieren. In seinem Schlußtvorl begründete der Referent, daß die ölten Juden nicht jo schöpferisch in der '.Wnlcrci und Bildhauerei tätig waren damit, das; cs ihnen durch das (besetz verboten war. Gon und die toatur bilduäßig darzustellcn. Ter Portrag fand lebhaften Beifall. Am Mittwoch den 10. März hatte der Jüdische Ju- -gendbund Herrn Wolbreidi für einen Portrag: „Heinrich Heine als Jude" gewonnen. Au» den Schriften Heine» bewies er. das; der Dichter trotz seiner Taufe innerlich ein Jude geblieben lvor. Nach einer kleinen Diskussion brachte der Redner noch zuvi lycdichtc „Hoffarth" und „Prinzcjsin Tabbath". Das erftere dürfte auch für die heutige Zeit geschrieben sein, das letztere bewies aufs neue, daß Heine auch als ..Ehrist" die jüdischen (Gebräuche zu schätzen wußte. Hoffentlich hat der Porlrag dazu beigelragen, dqß die Zahlreich erschienenen Zuhörer die Werke Heines mit anderem Jnreresic lesen als bisher. Siegburg. Sonntag den 7. März veranstaltete der hiesige Jugcndbund Gabriel Riesier eine kleine Purimfeier. Wie gewöhnlich hat cs auch diesmal der Vorsitzende, Herr Mar Hchniann. verständen, den Mitgliedern recht angenehme Stunden zu bereiten. Nach einer Begrüßungs-Anjprache des Porsitzenden und einem von Frl. Lcvy sinnreich vorgetragencn Prolog wurde .Herrn Lehrer Seelig das Wort zu einer kurzen, treffenden Festansprache erteilt. Er wies darauf hin. wie gerade heutigentags das Purimfest an Bedeutung gcivonnen hat. Seme Worte klangen au» in die Aufforderung, das; wir alle dem Porbilde Mordechais zu folgen und trotz äußerer Gefahr uns als freie, der übrigen Menschheit glcickl'erechtiglc Juden zu bekennen haben. Kaffee und Kuchen, heitere und ernste Vorträge und Tanz brachten reiche Abwechslung. Möge diese Veranstaltung den Mitgliedeni der Ansporn zu einer regeren Tätigkeit als bisher sein. aaaaaaaaoacaaduDOD n D DDcaaoaaoacaoDaoaoa a ~ □ g Hie Hotrnlaschc. g a □ □ a saaDaaaaaaaaaDoaaooaaDODDaDDaaaaaoDaaDa Alle unsere Leser und Freunde werden hiermit sekundlichst tingtladen. an der lebendigen Ausgestaltung unserer Botcntaschc milzuwirken. Der Einsender der besten Sprichwörter. Anekdote oder eines Rätsels erhält einen Preis. * Sie sind schuld .! . Im Büro der französischen Kommandantur mus; ich lange auf incinen Paß warten. Zwei junge Franzosen unterhalten sich ungeniert und ohne der vielen Wartenden zu achten, lebhaft gestikulierend tibcr die Lage in Deutschland. Ich kann ihrem brausenden Redefluß in cinein dialektgeinischlen Französisch nicht Wort für Wort folgen. Die Worre Belgiquc 'wnd Normandie wiederholen sich häufig und der Tenor ihrer Rede ist: „Die Boches haben cs nicht besser verdient-i—" Im Abteil ist es vollkommen dunkel, denn es ist gegen sieben Uhr morgens und wir fahren einer Uhr entgegen, die <rst sechs schlägt (sranzösisklfc Zeit). Ich kann meine Nebenmänner nicht sehen. aber ilstc Rede ist deutsch, gut Sachsenhäuscrisch, darum entgeht kein Wort meinem Ohre. „Die Juddc, die Juddc sind an allem schuld. vcrjchiebe's Geld und die War', die Judde .. ." ES wird mir etwa» unheimlich zumute und ich suche «inen anderen Abteil auf. Gott sei Tank. Heimatklänge! Frankfurter unseres Kreises. Man spricht von Geschäften. guten und schlechten und der Lage. „Tie Pollakcn, die inachen alles kaput, verschieben die .. „Soeben habe ich das gleiche von „den Juddc" gehört". mischte ich mich inS Gespräch. „Nein. nein, die Pollakcn ..."! Subjektiv haben sie wohl alle nicht ganz unrecht. Gewiß haben die Franzosen niehr wie einen deutschen Zeitgcnosicn gesehen, der in Belgien oder in der Nonuandie nicht gerade würdig den Eroberer spielte-, sicherlich trat den Leuten im gegenüberliegenden Abteil schon irgendwo ein Judd in den Weg. der „etw'as zu verschieben" hatte, und ohne Zweifel kennen meine Nachbarn zur Linken irgend einen Ausländer, der „alles kaput" macht. Der Irrtum — und das Unglück — besteht jedoch darin, daß sie alle von „den Boche»", „den Judde", „den Pollakcn" sprechen^. . („Israelit".) Ein Traum. -s,— ' Dos bewundernswerte Rcchtsgcfiihl der Entente, das in dem bekannten Auslieferungsverlangen eine sichtbare Gestalt annahm, bohrte sich in meine Seele ein und in den Traum der Nacht. Mir träumte, daß auch das Judenvolk berechtigt war. alle Misictäter vor sein Tribunal zu fordern, die sich wider Gottes und der Menschen Gesetze durch Ungerechtigkeit und Grausamkeit an ihm vergangen hatten. Und wie's in Träumen gewöhnlich geschieht, gerieten Raum und Zeit durcheinander, also daß ich Damaskus sah und das Rom des TiluS und Marokko und Spanien. Paris zur Treysußzeit, Tanten und Könitz, Polen und Luegers Österreich, Polna, Tißa Eßlar, Rumänien. Kischinew und Homel und das ganze heilige Rußland bis an das persische Urmia. Und ich. ich trug im Antlitz die Runzeln Clemenceaus und den Schnurrbart von Llohd George und saß auf meinem Thron in Jerusalem. Und ich befahl: Bindet sic und bringt sic mir alle vor meinen Richterstuhl! Tie ich aber zu nennen vergaß, mögen nicht etwa an eine Amnestie glauben. Sie kommen später an die Reihe. Und ich wetzte mein Richtschwert und gedachte mit den Frevlern abzurcchnen und zu vergelten. was seit zwei Fahrlausenden am Judenvolkc gesündigt wurde. Da erschreckte mich jäh der Ton einer Posaune und der Ruf: „Mein ist die Rackw. spricht der Herr!" Und ich erwachte und war glücklich, daß ich nur geträumt hatte. Denn wäre mein nächtlicher Hirnzauber kein Gespenst, sondern eine Wahrheit, so müßten die Völker des halben Erdballs gefesielt nach Palästina gebracht lverdcn. Und sie würden wie Eghptens Heuschrecken dermaßen das ganze Land bedecken, daß selbst der mutigste Marimalist kein Plätzchen mehr für einen Juden entdecken könnte. („Schlemiel".) Tie Rache der amerikanischen Juden. Wer in den Volksviertcln von Warschau gewesen ist, wer die erschreckende Annut in Warschau gesehen hat und weiß, was man jetzt in der polnischen Hauptstadt für eine normale Mahlzeit bezahlen muß. der begreift, daß dort schwer Hunger gelitten wird, so schreibt der auf einer Reise durch Polen befindliche Korrespondent Georg Nhpcls im „Allgemcen Handelsblad". Am ärgsten leiden unter der Not die jüdischen Volksmassen, deren sich das jüdisch-amerikanische Hilfskomitee annimmt. Aber die Aufgabe, den Juden im Osten zu helfen, wird, so erklärt Bankier Hirschseld, der die Aktion leitet, allmählich zu schwer für die amerikanischen Juden allein, hier müßten alle Juden der Welt mithelfen, und zwar schnell. Unter den vielen philanthropischen Einrichtungen, die mit jüdisch-amerikanischem Gelde betrieben werden, ist eine merkwürdig genug: es ist das Haus in Warschau, in dem die russischen Flüchtlinge an langen Holztischcn eine warme

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