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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-03-19 · 42 (19.3.1920) · p. Seite 139

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
42 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
Seite 139 (sequence 7)
Language
German
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Mahlzeit für 2.50 M. ohne und für 3.50 M. mit Fleisch (fine solche Mahlzeit kostet in einem gewöhnlichen Gasthaus *—15 M.) erhalten. Bei einem Diner jüdischer Notabeln der beiden Weltteile. an dem ich als einziger Nichtjude feil» nahm, wurde einer der amerikanischen Finanziers von polnisck^n Juden mit cincm Erstaunen, aus dem zugleich deutlich ein Verweis klang, gefragt, wie es möglich war. daß die amerikanischen Juden Geld gaben, um die erbittertsten Feinde der Polen und Juden zu verköstigen. Man erzählte mir, daß arr den Holztischen in dem erwähnten Hause gerrejene Kainiiierherren des >)aren. Sekretäre zaristisclwr Minister. Angehörige dcS russischen Adels, kurz Leute esien, von denen manche früher in glänzenden Uniformen stolz durch Warschaus Straßen schritten als Todfeinde der Polen und Juden. Am nächsten Tage konnte ich auch diese Herrschaften beim Speisen sehen. Der amerikanische Finanzinann anttvortete nicht sofort, sondern lächelte fein und fragte, dann, ob die Herren und 'Damen die Geschichte von dem annen Juden in Amerika und dem Iren kennten. Außer Sir Stuart Samuel kannte sie niemand von rms, und so erzählte sie uns der Amerikaner. Auf einer Straße irgendwo in Amerika stand eines Tages ein schrecklich unglücklicher Jude und bettelte. Der Mann hatte zwei verkrüppelte Arme, war halb blind, lahm und hatte eine komplette Kollektion Hautkrankheiten, mit einem Wort, er war ein trauriges Eremplar Mensch. Ein Ire — Iren hatten damals in Amerika den Ruf, große Judenfeinde zu sein — ging vorbei, besah sich den Juden genau und sckwnkle ihn, fünf Cents. Der Jude dankte, der Ire ging weiter, blieb nach einigen Schritten stehen, schaute noch einmal den Jriden an, kam zurück und gab ihm fünfzig Cents. Der Jude dankte noch inniger, der Ire schritt wieder weiter, kehrte aber nochmals um. nahm den Juden neuerlich scharf ins Auge und drückte ihm eine Fünfdollarnote in die Hand. Der Jude wußte nicht mehr, was er sagen sollte vor Freude und Dankbarkeit. Man lachte und ließ alle Proteste gegen die Wohltätigkeit der Amerikaner zugunsten der Feinde der Polen und Juden fallen. Und als ich später den Amerikaner sprach, kam er noch einmal darauf zurück. Wenn es eine Gerechtigkeit auf der Welt gebe, dann zeige sie sich ain sick-ersten in dem Schicksal dieser russischen Größen, die früher in prächtigen Schlitten durch die Straßen jagten und Pole» wie Juden knechteten oder noch Ärgeres taten und die jetzt an Holztischen in einer Art Volksküche sür ein paar Mark Essen tekommen von den Juden, die sie früher getreten und erniedrigt staben. Sücherschau. Das deutsche Judentum, stink Parteien und Organisationen. Turch die äusteren politischen Geschehnisse sind wir Jude» mehr denn jk auf uns sttbsl angewiesen, lcidcr aber eben dadurch in Partkicn und Organisationen zcrsplilicrt. In jkdcr jüdisch-politische» Partei »nd in jeder jüdisch-religiöse» Bereinigung herrschen heule die radikalen Richtungen. die einseitig ans ihrer „großen" Idee ihr Lebe» »nd das ihrer Millänicr aiiibaiie» und in den ihnen nicht zusitininenden Mensche» nicht ihre Mitmenschen oder aitch nur Mit- 1»den sehen, sonder» nur >hre Ieinde. Ticse Zersplitterung wird nainrgeniäß von den Parteien gefördert, die am tätigsten in der Propagandaarbeit sind. Tie andern müsse» zurückstehen und »eidvoll deren Anwachsen beobachten. Ter Wcgansang j» einem Ausgleich. einer Wirdcrsammlnng ist in obigem Buche versucht. Tie Orthodorie, der 'Zionismus, der 'Verband deutscher Inden »sw. rollen ihre .'Ziele i» diesem Buche in beredter Sprache aus. Tie Artikel sind hnrchwcg gut. Ihre Bersasscr sind die prominenleste» Namen der verschiedenen Bewegnnge». Tas Buch hat aber vor allem den Vorteil, das, es zu der Bildung eines objektiven UrleilS enteilet. Tic Gefahr der einseitigen Beeinilnssnng bellet» nicht..l. Man bekommt ein wenn auch nicht vollständiges, so doch anschauliches Bild von jüdischem Leben und kan» dann »in so besstr »nd gerechter der Partei bei treten, deren Ziele mit denen der eigenen Persönlichkeit am meiste» übereinstimme». Tic Endkonsco.'ienz dieses objektiven Urteils ist das tzinauswachsen über Parteihader und Ieindseligkeiten. d. h. daß wir Inden »ns alS Menschen wieder liaiim und zusammenhallen. daß wir uns über die Parteien hinaus wieder .„sammeln". L. ff. Der gfeirtotatt. Berlin. Jüdischer Nationalfond« e. v. Postscheckkonto Berlin RS. 7 Rr. 28217. Bon den im Jahre 1920 auszubringenden 4 Millionen sind bis zum 9. Mürz lvLuül.80 M. eingezahlt worden. Bonn. Jüdischer Jngendderei» „Die Kameraden", Vorsitzende: Iran NcchtSanwal« Dr. Sohn. Tienslao den 23. März. 1 Uhr, Meckenheimerstr. 04: Literarischer Nachmittag. Mittwoch den 24. März. 4 Uhr, Kaiser Irirdrichstr. l: Heimnachmiiiag. — ltbcr eine evtl, stattsindende Wanderung ergeht besondere Bekanntmachung. Jüdischer Jngenddnnd. I. Vorsitzender: Siegmund Schmitz. Hatsch,ergasse 4. Freitag den 19. März, 8 Uhr. im Hotel Levq, Friedrichstraße: Heimabend. -V TonnerStag dr» 25. Mär, H Uhr. Vortrag von Herrn SanitätSrat l)r. Lichtensici»:^ „Ser»alethik" (für Tomen »nd Herren!. Zion. Orllgrnpp«. Vorsitzender: Max Soldreich. Beuel. Jriedrichstr. 1b. Jeden Dienstag Abend 8 Uhr Weberstrab« 3I^_ Zionistischer Stammtisch. Käln. Jüdischer Turnverein. Sonntag den 21. März, morgens von 9 Uhr ab: Spielen aus dem Stadt. Spielplatz vor dem Lindentor. ferner: Tagesionr ins Aggrrial, Ovcralh-EhreShoscn-Ründeroih. Treffpunkt 7.1t> Uhr »öln-Teutz. — Dienstag den 24. März, abend« 8'/j Uhr. im »lapperhos 28, 2. Stock: Literarischer Abend sGesang »nd Rezitation ans bidl.. west- und ostjüdischcr Dichtung!. — Mittwoch de» 24. März in der Schule Richard-Wagnerstrahe, 8—10 Uhr: Tomen- »nd Herreniurneu. Jugendverei» Gabriel Riesser. Freitag den 19. März, 9 Uhr, ^rcitagabcndvcranslaliung. I>r. »ahn: „Sprüche der Väter". — «amsiag den 20. März, t> Uhr. Iugchidgruppc: Vortrag I)r. Kahn. Wiesbaden. Zion. Ortsgruppe. Samstag, 20. März: Vortrag des Herrn I. Bornstcin: „Ostjüdische Erzähler". — Samstag den 27. März: Vortrag des Herrn I. Bornslein: „Tas ostjüdische-Theater". — Die Vorträge finden i» unserem neuen verein-lokal Hotel Burghof, Lanogasse 19, jeweils 8 Uhr abends pünktlich stall. Gäste jederzeit willkommen.' Hottesdienll tit jilonn und Meuek. Bonn. Freitag den 19. März: AbendgotteSdienst 6.05 Uhr. Samstag den 20. Marz: Morgrngollesdicnsl!> Uhr, Säbbathausgang 7.25 Uhr. Werkiagsgoltesdienst morgens 7'l, Uhr, abend« 0 Uhr. Beuel. Freitag den 19. März: AbendgotteSdienst 6.05 Uhr. SamStag den 20. Marz: Morgengoitrsdienst 9 Uhr. Minchah 4 Uhr. AnSgang 7.25 Uhr. Jastrzeiten. Bonn. Sonntag den 21. März: Jul. Herschel. TienStag den 29. März: L. Schwarz!r. Mittwoch den, 24. März: L. Abraham. Isaak Mendel. Rebst Vorabend. Et»«ld- und Aectzkekmarül. Es kosteten ln Cöln am 9. März Mark am 13. März FriedenSkur« Mark Mark 1 Pfund Sterling . . 807-314 > 300 90.43 100 sranzös. Frank . . 633—645 638 81- 100 belgisch« „ . . 65(5 - 663 112.60 100 schweizer. „ 1425 1376 81.- 100 bolländ Gulden. . 3325-3150 3003 168.75 100 Illterreich. ffronrn 37,4-37,5 37,5 86.— 100 riimän. Lei . . . 128 128 81.— 1 amerikan. Dollar . 85-88 82 4.24 Llakender der ZBocHe. -- März 1920 Adar Nissan Freilag. 19. gebr. 29 Samstag ... 20. 1 soji" Neumond Sonntag.... 21. 2 Montag. 22. „ 3 Dten«tag.... 23. 0 4 Mittwoch.... 24. 0 5 Donnerstag. 26. » 6 Freitag. 26. 0 7 SamStag .. 27. 0 H ritjn na® ix

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