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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-03-19 · 42 (19.3.1920) · p. Seite 136

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
42 (19.3.1920)
Date
1920-03-19
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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136 tum. ein sibirisches Judentum, vielleicht gar auch noch ein wcißrussisches Judentum, ein besfarabischcs Judentum, ein Judentum in der Krim und so wdter. Gewiß war auch das allgeineine russische Judentum nicht aus einem Stoff gebaut und von einem Geiste beseelt. Gewiß hat es auch da Gegensätze zwischen den einzelnen Teilen gegeben. Wir wissen es, daß beispielsweise das litauische Judentum Vielfalt, anders n>ar als das polnische, dieses anders als das podolische usw. Aber die gemeinsamen Staatsgrenzen sckufcn doch ein gemeinsames Band um die verschiedenen Teile diese» großen Organismus und gaben ihm, ungeachtet der Vielheit seiner Erscheinungsformen, ein in sich gegliedertes einheiiliäM Gepräge. Ein großes jüdijck>es Zentrum, ein Sechsmillionenvolk. war das russische Judentum. Darauf konnte man Hinweisen, wenn Eigenwille oder Unverstand die Eristenz eines jüdischen Volkes leugnete; daran konnte man manche HofsntUlg auf die Zukunft knüpfen, insofern man eine Erneuerung des Judentums herbcisehnte. Es war ein Volk, stattlich an Zahl, reich an Äulturlvcrtcn, einheitlich in seiner sichtbaren (^cschlosienheit. Der Krieg hat dieses große ganze Eechsmillionen-Judentum in ungefähr zehn Teile — große und kleine — zersplittert. Das ukrainische Judentum zählte zuvi Millionen Seele», das polnische anderthalb Millionen, das litauische und das weißrussische je eine halbe Million; da» Judenniin in Besjarabien zählt 200 000 Seelen, das ii» Kaukasus tiO 000, in Sibirien 40 000 und in der Krim nur >0 000 Seelen. Es versteht sich fast von selbst, daß infolge dieser Teilung das russische Judentum nicht mehr imstande .sein wird, seinem Einfluß wie bisher auf die Gesaintjudenheit auszuüben. Wie sich die weitere Entwicklung des Ostjudentums gestalten wird, ist schwer vorauszusagen. Das hängt in erster Linie von den äußeren Bcrhültnisien, oder sagen wir, von dem bistorischcn Werden in allen Gebieten des ehemaligen russischen Reiches ab. Sollten nach dem Kriege einzelne Teile des früheren Riesenreiches sich in irgend einer Form zu einer Einheit zusammenschließen, so würden sich dadurch auch Teile de» Ostjudentums wieder zueinander finden. Ta» alles liegt im Schoße der Zeiten, in dem bekanntlich die heiteren und die dunklen Lose ruhen. Die '.Hot der Stunde aber erheischt, daß man darauf bedacht sei, au» den Wirrnissen der Zeit sozusagen die Idee des Judentums zu retten, indem man das die einzelnen Teile umschließende geistige Band nicht lockern läßt. Nur der Zusammenschluß.im jüdischen Geiste kann die Gefahr abivende». die dem Lstjudentum droht. Im neuen Palästina. TaS Münchcncr „Jüdische Echo" veröffentlicht nnsznflsivkisc ei» schreiben zweier Ehaluzim fPio» »iere der jüdische» Arbeitf, das in seiner schlichten j Ärt ei» gutes Bild ihrer erste» Eindrücke gibt. . . . Gleich tiach Ankunft in Jaffa findet vor Verlasien des Schiffes eine strenge Kontrolle durch die jüdischen Paßbehörden stau. In die Koinmission gehört auch ein englischer Hauptmani», der jedoch lvcnig Anteil an den Feststellungen zu nehmen scheint. Wir hatten kein englisches Visum, sondern nur ein französisches. Der jüdische Beamte nimmt uns die Pässe ab, erklärt, wir müßten zunächst in Jerusalem beim Waad Hazirim um Einwanderungserlaubni» cinkommen. fügt jedoch, um uns zu trösten, hinzu: „jcsch tikwah" — cs besteht Hoffnung. Der Engländer mischt sich ein und meint, wir könnten schlimmstenfalls den Weg über Beirut machen: ,^Zns Land hinein kommt ihr sicher — al tid' agu — nur keine Sorge." Und so geschah e». Wir sichren nach Beirut, wo wir von Herrn Zevi Jehuda freundlich aufgcnommen und durch Obergaliläa nach Kinereth begleitet wurden. Wir marschierten vierzehn Tage lang je .15 Kilometer. Unser Gepäck wurde uns nachgcfahren. Wir durchwanderten das Libanongebirge und sahen die Vorberge de» Hermon. — Das erste jüdische Dorf, in das wir kamen, war Mctullah. Dann folgte Kolonie auf Kolonie, Orfsad-Hemealeh. Resai Hagilcad, Mechanarm, Rosch Pi- »4l, S/*.» ... . . - nah. Überall Ordnung und Sauberkeit, überall auf den Landstraßen berittene jüdische Gendarmen ... Die jüdische Gendarmerie erhält zusammen mit den drei jüdischen G'dudim, den Regimentern der Legion, für die jetzt wieder geworben wird, die Ordnung im Land aufrecht. Daneben gibt es natürlich auch englisches Militär. Der Anteil der Araber ist sehr unbedeutend. In Tiberias trafen wir zum Beispiel keinen araöifchen Beamten, nur Juden. Tort wollte man uns für die berittene Gendarmerie verpflichten, da wir ja beide groß und kräftig find. Wir lehnten ab. Das Land braucht tüchtige Landwirte mindestens so nötig wie Gendarmen. Es wird jetzt bereits viel Hebräisch im Lande gesprochen. Sogar die wenigen arabischen Polizisten geben auf Hebräisch ihre Auskünfte. Auch die Engländer lernen unsere Sprache. Vor dem Theater in Tiberias sprach mich ein englischer Offizier auf Hebräisch an. Ich zuckte die Achseln, da ich nicht genug konnte, um ihn ganz zu verstehen. Da sagte er ganz langsam und verwundert: „Jvri atah, ween atah medaber ivrith, dusch lecha!" — „Du bist Jude und kannst kein Hebräisch? Schäm dich!" Ich mußte mich wirklich schämen ... Jetzt also sind wir in Kinereth. Es wird hier wie in allen Kolonien viel gebaut. Leider macht sich der Mangel an Baumaterial, besonders an Holz, arg fühlbar. Es ist notwendig, daß etwas geschieht, dem abzuhelfen, denn die Wohnungsnot ist groß ... In Kinereth haben wir Arbeit . bekommen... lüdflcbe Cochtcr. Von Samuel Gordon. Berechl. Übertragung aus dem Engl, von M. Pulvermann. lFortsehung.) „Tu irrst, Salka, ich kämpfe nicht gegen,.sondern für mein Geschick, für meine Bestimmung. Wenn du etwas haben möchtest, was dir nicht gegeben wird, so nimmst du cs dir. Und ist nicht schon das Verlangen danach der beste Beweis, daß man cs haben sollte?" Salka sah sic verständnislos an. „Ich kann nicht mit dir stteiten, Schwester", sprach sie traurig; ,^ber ich weiß, du versuchst etwas, was dir unmöglich gelingen kann. Wenn dazu auch nur die geringste Aussicht vorhanden wäre, ich schwöre es dir, bei meiner Liebe zu dir,.ich würde dir mit der größten Bereitwilligkeit dazu verhelfen. Wenn du willst, kannst du die Größe meiner Liebe auf die Probe stellen. Sage mir, was ich tun soll." „Ja, was sollst du denn tun?" wiederholte Zilldh nachdenklich. „Sichst du. Zillah, ich habe Recht — du stehst cs selbst ein, daß du Unmögliches verlangst", fuhr Salka eifrig fort. „Höre mich' an. Schwester, du bist doch eine Tochter des Stammes, der die Welt die Entsagung gelehrt — das Geheimnis, stark zu sein durch Schwäche, stolz durch Demut. Zillah. dieses Geheimnis ist auch unsere Erbschaft — auch dir geht es nicht ab — suche cs nur in dir, und du wirst es finden: Zufriedenheit durch Ergebung." „Und wenn ich soweit bin?" „Tann wirst du die Eltern durch Gehorsam beglücken, dann wirst du dein Geschick ihrer liebenswürdigen Fürsorge anheimgcben, chann schmückst du dich mit der Krone der Liebe, dann wird dein Gatte dein treuer Untertan fein und in aufrichtiger Verehrung dir huldigen." „Und was erwartet er von mir als Belohnung?" „Nichts — als daß du ihn glücklich machst, indem du selbst glücklich bist." „Aber dieses würde er doch erwarten", sprach Zillah sinnend °, „er würde sogar ein Recht haben, cs von mir zu fordern. Demnach wäre der Tausch kein ehrlicher, wäl feine Aufgabe leichter sein würde, als die weinige."

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