Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 41 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MflOtni. \ Kairo. Die von dem Rabbiner der hiesigen Nschkenasim-Gemeinde, Rabbi Aaron Mendel Hakohcn, vor dem Kriege ins Leben gerufene „Kncßes Jisroel"-Organisation bat ihre Tätigkeit, unterstützt vom Chacham-Baschi, Rabbi Äaphael Aron ben Schimon, und seinem rührigen Bruder, wieder ausgenommen. Sie erstrebt die Schaffung eines Bes din hagodol von 71 hervorragenden Thoragrößen der ganzen Welt in Jerusalem als großes San he drin und höchste religiöse Autorität für daS ganz« jüdische Volk; ihm soll ein Sanhedrin ketanno von 23 Männern der Tat und der Wisienschaft zur Seite stehen. Die Grundlage sollen große Weltsammlungen für einen Rcligionssonds des jüdischen Volkes bilden. Ein ausführlicher Plan, der alle Einzelheiten vorsieht, ist ausgearbeitet und wird auf Wunsch Interessenten zur Verfügung gestellt. Palästina. Jerusalem. Die in letzter Zeit systematisch betriebene antizionistische und antijüdische Hetze seitens einer arabischchauvinistischen Gruppe und ihrer Presie hat die Behörde schließlich veranlaßt, gegen die Verleumdungen dieser Presie vorzugehen. So wurde die Zeitung „Beit El Mekdas" eingestellt. Überdies wurde namens des Militärgouverneurs die folgende Verordnung an die Zeitungen «lasten: „Ich habe den Auftrag, Sie zu verständigen, daß die Verbreitung der folgenden Zeitungen verboten wurde und daß alle vorlindbaren Exemplare derselben beschlagnahmt und vernichtet werden, und zwar „Al Ordun", „Hermon", „Al Hainara", „Al Mufid", „Suria al Jadida", „Jstikal al Arabi". Zitate aus den genannten Zeitungen sind gleichfalls strenge untersagt, da die in denselben enthaltenen Berichte sich als falsch erwiesen und den Zweck verfolgen, einen den Tatsachen nicht entsprechenden, beunruhigenden Eindruck bcrvorzurufen. Rom. Die Katholiken von Jerusalem haben dem französischen Kardinal Dubais bei desien Aufenthalt in Palästina ein Schreiben überreicht, in dem sie gegen die Absicht, in Palästina einen Judcnstaat zu gründen oder Palästina von Syrien zu trennen, entschiedenen Protest cinlegen. Jerusalem. Ende Januar ist von der Pariser Vertvaltung der Alliance Israelit« Universelle ein offizielles Schreiben an alle Verwalter der Alliance-Schulen in Palästina gerichtet worden, worin sie dieselben auffordert, ln den Alliance-Schulen in Palästina die hebräische Sprache mit der französischen gleichzustellen. Auch soll für die Hälfte der Lehrfächer der Unterricht in Hebräisch erteilt werden. Jaffa. Um der groeßn Wohnungskrise in Palästina reilN'eise abzuhelfen, soll der Versuch gemacht werden, in einzelnen Kolonien amerikanische Holzzeltbauten einzuführen. Tie ersten zwanzig kompletten Holzhäuser sind bereits in Jaffa angekommen. Sollten sie sich bewähren, so wird die Einfuhr dieser Zeltbauten bald eine beträchtliche Höhe erreichen. _ , Hilfe für die jüdischen Flüchtlinge! In schivcrer Schicksalsstunde wensden wir uns an alle gutgesinnten Juden. Unsere Brüder im Osten erdulden ein hartes Martyrium. Furchtbare Katastrophen sind über sie hereingebrochen. Ten verheerenden Wirkungen des Krieges folgte «ine blutige Pogrpmflut. In der Ukraina haben siebzigtausend Juden dabei ihr Leben eingebüßt; doppelt so Ö ist die Zahl der Verwundeten und Verstümmelten! sende sind den Judenpogromen in Polen zum Opfer gefallen. Tort wie in anderen osteuropäischen Gebieten wütet der Judenhaß. Todesängste und Vcrfolgungsschrecken jagen zahlreiche Juden in die Fremde hinaus. Der Wanderstab heischt ihnen Rettung und Erlösung. Nach einem lcidcnsreichen Wanderweg kommen die Heimatlosen zu uns, ihren Brüdern, Beistand suchend. Heilige Pflicht ist es, den Unglücklichen in'ihrer löerzweiflung zu Helsen! Niemand darf untätig beiseite stehen. Jeder muß sein Möglichstebeisteuern zum Hilfswerk für die jüdischen Flüchtlinge! Bedeutende Mittel sind erforderlich zur Beschaffung von Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung, Arbeitsmöglichkeiten und sozialer Hilfeleistung für die zahlreichen Mi» scheu Flüchtlinge. Allein die Einrichtung und der Unterhalt der Herberge, die wir in den von der Berliner Jüdisch» Gemeinde zur Verfügung gestellten Räumen des alten jüdischen Krankenhauses errichten, erfordert jährlich einige hunderttausend Mark. Solche Herbergen müssen überall in Deutschland errichtet werden, wo jüdische Flüchtlinge in größerer Zahl sich aufhalten, damit sie Verpflegung und Unterkunft ftn-en. bis sie Arbeitsmöglichkeit erhalten oder Weiterreisen kön- . neu. Es darf nicht geschehen, daß unsere ohnehin so schwer geplagten Brüder nun obdachlos und unversorgt dem Un* tergang verfallen! Vielfach sind ganze Familien mit kleinen Kindern auf der Wanderung. Frühzeitig bekommen diese Judenkind« das bittere Los des Golus zu fühlen. Tatkräftige Hilfe durch Errichtung von Kinderheimen tut hi« dringend not! Zahlreiche ostjüdische Waisenkind«, deren Ernährer auf den Schlachtfeldern oder den Pogromen zum Opfer gefallen sind, befinden sich hier in trostloser Lage. Die jüdischen Waisenhäuser sind überfüllt. Gibt cs eine heiligere Pflicht, als die Rettung dies« hilflosen Waisenkind«!? Westen Herz vermag ruhig zu bleiben im Angesicht all' dieses jammervollen Elends!? Uns allen liegt die Verwirklichung des Hilfswerkes gemeinsam ob. Traget euer Möglichstes bei! Beschleunigt eure Hilfeleistung! Groß ist die Not — dringend die Rettung. Der Vorstand des Verbandes der Ostjuden in Deutschland, Berlin N. 24. Auguststr. 17. Max Lewit. Moritz Brenner. Rechtsanwalt Feblowicz. > H. Garbartsky. D. Haltrecht. A. Kraus. I. Landau. Tw. Wilhelm Lewy. Josef Lin. M. Reinhardt. Dr. I. Taubes. Ing. Warschawsky. Wohlfahrtskomitee beim Verband der Ostjuden in Deutschland. Hermann Abraham. Dr. Nathan Birnbaum. SanitätSrat Dr. Gustav Bradt. Eugen Caspary. Hendrik Citroen. Heinrich Freirich. Rabbiner Grünberg. Dr. Jacobus. Dr. Arthur' Kahn. Ing. Hermann Kahn. Prof. Dr. S. Kalischcr. Dr. N. Katzenelsohn, Direktor der Jüdischen Kolonialbank. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Leopold Landau. Architekt Dr. Ing. Max Levy. Prof. Dr. Carl Lewin. Rabbiner Dr. Liebermann. Prof. Dr. Heinrich Löwe. Frau Prof. Loewe. Rabbiner Dr. Löwenthal. Dr. Hans Mühsam. Wolf MM«» Frau Marta Ollendarf. E. Schalit. Pros. Dr. Heinrich Silbergleit. Handelsrichter Felix Struck. Dr. Jakob Tugendreich. Lina Wagner-Tauber. Dipl.-Jng. S. Weile. Rabbin« Dr. Meiste. Beitrittserklärungen zum ostjüdischen Verband nud Spenden an Kleidungen, Wäsche, Schuhen, Betten und Bettzeug, sowie Einrichtungsgegenständcn jeglicher Art sind zu richten an das Büro des Verbandes der Ostjuden in Deutschland, Berlin N. 24, Auguststr. 17. Geldspenden an Postscheckkonto N. 72 109 Max Lewit für Verband der Ostjuden in Deutschland, Berlin C. 19. Bou.br« Jüdische« Arbeitsämter«. Während in der Preste und bei den Behörden «ine erregte und nicht immer sehr sachliche Diskussion über die Lösung der Ostjudenfrage in Deutschland geführt wird, übersieht man fast völlig die Tatsache, daß einige entschlossene Leute längst das einzig Richtige getan haben, indem sie Jüdische Arbeitsämter schufen, die sich die Vermittlung von Arbeit an die zuwandernden Ostjuden zur Aufgabe machen. Die Hauptämt« befinden sich in Berlin, Duisburg und Königsberg. Über den Erfolg solch« Arbeit gibt eine Statistik Auskunft, die soeben vom Jüdischen Arbeitsamt in Duts-