Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 41 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3947615-6435930-6437090--0517-3948090- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Paris. Der Rückzug der Fveiwilligenarmee Denikins vor den nachdrängenden bolschewistischen Armeen hat zu neuen blutigen JudenauSschveitungen, vor allem in der Gegend von Odessa, geführt. Das Comite des Delegations Jurves verbreitet ein Communique vom 21. Februar, in welchem mitgeteilt wird, daß in folgenden Orten Pogrome stattgefunden haben: Bokopol, Golta, Gollowanevsk, Olviopol, Kodima, Kachtchevata, Golovskof, Savragne, Krivoje- Ozero und Elisabethgrad. NumSuit«. Budapest. Die rumänische Regierung hat die nationale Teilung der Volksschulen in Czernowitz verfügt. Die Juden erhalten besondere Abteilungen an zwei Knaben- und zwei. Mädchenschulen und zwei gemischte Schulabteistmgen. Im Zusammenhang damit sind sechs jüd. Lehrer zu Schulleitern ernannt worden. Litauen^. Köwno. Die seitens der Zeire Jisroel mit hebräischer Unterrichtssprache eingerichteten Lehrerkurse wurden feierlich eröffnet. Im Namen des Organisationskomitees begrüßte Vizeminister Dr. Rachmilewitsch die Anwesenden und übergab die Leitung der Kurse dem Lehrerkollegium, an besten Spitze Dr. Deutschländer steht. Namens des litauischen Mldungsministeriums hielt Ministerialrat Kuodeitis eine Ansprache. Tschechoslowakei. Prag. Der Motivenbericht zur Verfastungsurkunde des tschechoslowakischen Staates enthält die Feststellung, daß als nationale Minorität auch die Juden anzusehen sind, die sich zur jüdischen Nationalität bekennen. Die Juden können nicht gezwungen werden, sich bei Volkszählungen usw. zu einer andern als zm jüdischen Nation zu bekennen. Durch diese authentische Interpretation des Verfassnngsgesetzes ist die Anerkennung der jüdischen Nationalität im tschechosloivakischen Staat ausgesprochen. Schwei,. Basel. In einer Versammlung der Vertreter sämtlicher jüdischer Vereinigungen Basels legte Rabbiner Dr. Cohn die Notwendigkeit eines Auswanderungsbüros dar, wie dieses vor dem Kriege unter der mustergiltigen Leitung des sel. I. Bollag-Feuchtwanger bereits bestanden hatte. Die Versammlung beschloß einstimmig die Errichtung eines solchen Büros und wählte als Komitee Dreyfus-Brodsky (Ehrenpräsident), Jules Jung, Joseph Bollag. Frau Dreyfns-Strauß, Willy Eisnor, Victor Wyler. Das Büro will die in Basel eintreffendcn Auswanderer bekleiden und verpflegen, vor allem aber ihnen die direkte Durchreise zuui Einschiffungshajen ermöglichen. Das Büro hat mit seiner Ditigkeit bereits begonnen. Adreste: Jules Jung, Avstraße 57. \ Türkei. Konstantinopel. Hier befinden sich einige Hundert jüdischer Flüchtlinge aus Rußland, die in einer verzweifelten Lage sind, da sic noch nicht nach Palästina gehen können und in Konstantinopel keine Beschäftigung finden. Die Zeitung „La Nation" macht die KonstaUtinopeler jüdische Gemeinde auf die Lage der Flüchtlinge! aufmerksam und fordert sie auf, dieselben zu unterstützen.!Dr. Markus, der Vizepräsident der Zentralunterstützungskommission in Konstantinopel, hat aus Amerika eine größere Summe für Wohltätigkeitsztvecke erhalten, wovon ein Teil fiir die russischen Flüchtlinge bestimmt wurde. Amerika. Rewyork. Die zweite Tagung des amerikanisch-jüdischen Kongresses soll drei Wochen nach Ratifikation des Friedenwertrages durch den Henat abgehalten werden, spätestens am 8V. Mai. Rewyork. Das Präsidium tö Dteint Distribution Comite in Rewyork gibt bekannt, daß Dr. Julius Goldmann, welcher beinahe 50 Jahre im jüdischen Wshlfahrtswesen gewirkt hat, zum Leiter des ganzen amerikanische«! Hilfswerkes des Joint Disttibution Comittee in Eutöps' mit dem Titel eines Generaldirektors bestellt worden ist. Dr. Goldmann hat seine persönlichen Geschäfte in Amerika liquidiert, um sich ausschließlich dieser Tätigkeit zu widmen. Er ist in der ersten Februarwoche mit dem Schiff „Mauretania" von Amerika abgereist. Rewyork. Die Zionisten Newyorks veranstalteten am 1. Februar im Hotel Pennsylvania zugunsten des Palästinaaufbaufonds ein Festesten. Vorsitzender war Abraham Elkus, gewesener Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei. In seiner Eröffnungsrede erzählte er u. a., daß er in der Türkei Gelegenheit hatte, Einzelheiten über Palästina zu erfahren, die in Ihm die Überzeugung hinterließen, Palästina könnte in Wahrheit ein Land sein, in dem „Milch und Honig fließt", wenn nur jüdische Begabung und amerikanisches Geld es wieder aufbauen ivürden. Di« - jüdischen Bauern in Palästina haben es bereits durch Tatsachen bewiesen, indem sie eine Wüste in ein Paradies verwandelten. Er ist besten sicher, daß Palästina durch dir Juden zu einem Musterland werden wird. Newi^rk. Salomon Liffchitz. ein russischer Jude, der im vorigen Jahr« den Bordin^Preis von 3000 Francs der französischen Akademie der Wissenschaften getvann, wurde als Profestor der Mathematik an die Unii»ersität von Kansas berufen. Frankreich ' Paris. Der große Saal des Trocadöro war am 15. Februar zu eng, um die ungeheure Menge zu fassen, die dem Auftuf der Liga für Menschenrechte Folge geleistet hatte, um gegen die Pogrome zu protestieren. Nachdem die Versammlung die Herren Ferdinand Buisson, Victor Basch, Marcel Cachiu, de Moirzie, Jouhmir, den Pastor Durlemann, Marc Saugnior, Madame Schrine angehört hatte,, nahmen die 6000 auwesenden Bürger einstinnnig folgende Tagesordnung an: „Durch unwiderlegliche Zeug- Nisse von den Grausamkeiten (Crnwrdung von Menschen, Plünderungen von Häusern und Verwüstung von Städten) unterrichtet, die seit Noveinber 1018 jn Osteuropa gegen die Juden begangen werden, fordern wir die öffentliche Meinung in allen demokratischen Ländern auf, von den Regierungen alle nötigen Maßnahmen zu fordern^ um sofort diesen Schrecknissen Einhalt zu gebieten und für immer deren Rückkehr zu verhindern, und verlangen im Namen der Gerechtigkeit die Bestrafung der Schuldigen und im Namen der Bannherzigkeit Hilfe für die Opfer." Paris. Das Komitee der jüdisck)«n Delegationen bei der Friedenskonferenz gibt bekannt, daß die für den 7. März geplante Weltbilfskonferenz auf Verlangen der polnisck)en und amerikanischen jüdischen Organisationen auf den Monat Mai verschoben nierdcn mußte. England. London. In der Sitzung des großen Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisatidn wurden nach Beendigung der politischen Debatte insbesondere die Fragen der Gründung der hebräischen Universität in Jerusalem und der Technischen Hochschule in Haifa beraten. Nach den Vorschlägen der Leitung soll zunächst ein physikalisches, ein chemisches und ein mikrobiologisches Institut gegründet werden sowie für die humanistischen Fächer ein hebräisches Institut, das allmählich zu einem Institut für Orientalistik ausgebaut werden soll. Das Technikum in Haifa, dessen Gebäude von Herrn Jakob Schiff in Newyork für die Zionistische Organisation angekauft wurde, soll eine Inge» nieyrschule sein. Weiter soll eine landwirtschaftliche Versuchsstation und einarchäologisches Institut gegründet werden.