Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 41 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Richtung gibt, sein Ziel. So stand die Arbeit deallbegabten Bezalel unter dem erhabenen Ziele des zu bauenden Heiligtums, und wohlsweislich stellte die Schrift an die Spitze seiner Gaben die Fülle des göttlichen Geistes, wie sie an ihr Ende die einfache Fertigkeit der Hand stellte, die das Ersonnene zu gestalten lveiß. Der göttliche Geist in Beza« lel iuor die einende Mraft seines alle Strahlen der Begabung wie in einem Brennpunkte sammelnden Gemütes, sein — Wille. Ich habe einmal einen Politiker seufzen hören: „Ich bin nicht einseitig genug!" Es war ein Wort tiefster Selbst erkenntnis, denn in der Tat. in der Welt des Willens, wie sie die Politik mit ihren gegeneinander wirkenden Kräften bedeutet, ist die berühmte Scheuklappe unter Umständen das Instrument des Erfolges, jedenfalls für den wirklich dafür begabten Mann. Nicht seitwärts sehen kann ein Schaden sein, es kann Beschränktheit sein, mit Scheuklappen durch die Welt zu laufen. Es k a n n. aber es b r a u ch t es nicht. Vor allem ist es kc i n Schade, wenn man nicht gleich durch die ganze Welt damit läuft, sondern nur von hüben nach drüben, sondern »ar bis ans Ziel, das man sich einmal setzte. Eilttvcder mußt du wisicn, wo das Schwlergewicht deiner Gaben liegt, dann mußt du handeln nach dieser Erkenntnis deiner selbst, die kleine Gabe zrirückstellen hinter der großen und sehen, wo und wie du das Beste, das Bestmögliche leistest. Oder aber du hast ein Ziel, das dir das Leben setzte, dann mußt du sehen, was diesem Ziele taugt. Beides kannst du nur vermöge einer Entsagung, denn nur lvenigen Erivählten. durch Kraft. Geist. Temperament, Größe des Gemütes und nicht zuletzt durch irdisch? Gaben Ausgezeichneten war es bisher gegeben, die Fülle der göttlichen Gaben zur vollen harmonijclwn Ausgestaltung, zur Blüte und zur Frucht zu bringen: So war Mose, der Befreier, Gesetzgeber und Erzielter seines Volkes, der Ertvählte des Herrn. Aber selbst er hatte seinen Mangel: ein Soldat tvar er nicht und ein Redner auch nicht, obgleich er beides wohl hätte Zein dürfen. Aber dieser Mangel wurde zur Größe durch die stolze Selbsterkenntnis des souveränen Geistes, der dem Munde des Bruders die prophetische Rede, der Faust des Jüngers das Schlvcrt vertraute. Selbsterkenntnis. Wille und Ziel sind die Zügel des Lebens, seine Fülle, seine Größe, sein Erfolg. Sie sind die Jnlwgriff aller Erziehung. Emil Cohn. j GQocbenfcbau. v Tatsachen und Ergebnisse. fl sSBEBtSTil ÜDt.'CXJl snoagnoa cm □ i :ckj an\ jatc'il V Deutschland. Berlin. Das offiziöse Telegraphenbüro Wolfs meldet: „In einigen Zeitungen wisd in jüngster Zeit ein lebhafter Kampf gegen die Maßnahinen geführt, die von der Polizeibedördc gegen den andauernden starken Zustrom der Ausländer aus dem Osten getroffen oder geplant sind. Mehr oder weniger unverhüllt wird dabei ausgesprochen, daß diese Maßnahmen sich nur gegen Juden richteten. Das ist grundfalsch? Von diesen Maßnahmen werden alle Ausländer aus den östliclwn Nachbarstaaten betroffen, die ohne Etcnehmigung und verbotswidrig iir da» Inland cinreisen. Ganz erheblich ist die Zahl der zugereisten Ausländer, die sich ülwrhaupt nicht anmclden lassen und zunächst in Gast- Höfen Unterkunft finden. Bei sehr vorsichtiger Schätzung wird man die Zahl der im Monat Januar hier zugereisten östlichen Ausländer auf mindestens3000 annchmen müssen. Man braucht also gar nicht antisemitischen oder'antibolschewistischen Gründen nachznjpüren, die die Ausiveisungsinaßnahmen angeblich begründen: der Selbsterhaltungstrieb des eigenen Volkeis erfordert die Entfernung aller unnötig und verbotswidrig sich hier aufhaltenden Fremden." . Halberstadt. Hier fand die konstituierende Vertreterversammlung eines „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands" unter Führung der Synagogengemeinde Haloerstadt und der Hochdeutschen Israeliten» gemeinde Altona statt. Der Bmid. der im «Anne von Artikel 137 der Reichsverfasiung eine öffentlich-rechtliche Körperschaft ist, bezweckt die Zusammenfassung, Stärkung und Vertretung aller jüdischen Gemeinden, deren Verfasv ung und Institution dem überlieferten Religionsgesetz cntprechen. Er behält sich vor, mit anderen Organisationen, oweit es die Wahrung der eigenen Grundsätze zuläßt, zum besten der gesamten deutschen Judenheit zusammenzuarbeiten. Vorort des Bundes ist für die nächsten zwei Jahr« Halberstadt. Briefliche Anfragen sind an Rabbiner Dr. Auerbach in Halbcrstadt zu richten. Berlin. Seitens der jüdischen Gemeinde zu Berlin werden Kurse unterhalten, durch welche Lehrerinnen und Seminaristinnen Gelegenheit geboten ist, sich in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichts und in der Methodik dieser Disziplin auszubilden. Die Kurse dauern drei Jahre. Am Ende der Ausbildungszeit findet eine Abschlußprüfung statt, über deren Ergebnis ein Zeugnis ausgestellt wird. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Für die Teilnehmerinnen an den Kursen stehen aus dem Julius Bleichröderschen Legat einige Stipendien zur. Verfügung. — Das Sommersemester beginnt am Donnerstag den 15. April 1920. MÄdungen nimmt der Leitet der Kurse, Herr Rektor Dr. Spanier, in der Mädchenschule, Kaiserstraße 29/30, entgegen, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist. . Frankfurt a. M. Bei Beginn der nunmehr stattgefundenen Erez Jisroel-Woche der Agudas Jisroel hat ein Ungenannter der Palästinazentrale eine Million Mmck zwecks Gründung einer landwirtschaftlichen Siedlung gemeinsam mit industriellen Unternehmen zrrr Verfügung gestellt. Ein Spezialprospekt wird in Bälde veröffentlicht werden und dadurch Jnteresienten Gelegenheit zur Information geben. Polen. Warschau. Der Minister für die Volksverproviantierung hat auf Vorstellung einer jüdischen Delegation unter Führung von Herrn Rabbiner Dr. Perlmutter das Versprechen gemacht, der jüdischen Bevölkerung 32 000 Sack Mehl von dem amerikanischen Einfuhrmehl, das sich bereits „ m Danzig befindet, für Mazzoszwecke der jüdischen Be- ' völkerung in Polen und Galizien zur Verfügung zu stellen. Der Minister stellte in Aussicht, daß spätestens in 14 Tagen das ganze genannte Quantum in Warschau verfügbar sein wird. Man hofft, mit dieser Zuweisung in Galizien wie in Polen zur Not auskommen zu können. Warschau. Eine Interpellation im polnischen Parlament stellte st: Die ukminisch-jüdischc Bevölkerung Ostgaliziens s:..vr in Masten. Es sind ganze Dörfer ausgeftorbert, und die polnische Regierung gewährt keine Hilfe, liefert nicht eiumal Holz zur Heizung der Spitäler, keine -Kohlen für die Desinfektionsanstalten und kein Geld zur Bekämpfung der Epidemie. In Stanislau sind die Kranken in Hotels untergebracht. Bisher sind 100 000 Typhus- . fälle festgestellt, darunter 10 000 mit tötlichem Ausgang. Die Statistik ist jedoch ungena., iveil die wenigen Arzte, die gegenwärtig in Ostgalizien vorhanden sind: in die entlegenen Dörfer ncht gelangen können. Ilm die dort Erkrankten küminert sich niemand. In Tarnopol sterben täglich 70 Personen an Typhus. - Lemberg. Ter frühere-Pr», “'’tt der Leinberger Handelskammer und der jüdischen de in Lemberg, Samuel v. Horowitz, hat Dr.. Din ">, Rcgierungskominissar der Lemberger jüdischen .. .de, eine Million Kronen in Pfandbriefen übergeben als Spende für ein Rabbinerfennnar in Lemberg. '