Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 40 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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und unsere Glaubensgenossen über dir brennenden jüdischen TageSfragen aufgeklärt werden. SieHburg. Am 22. Februar ds. Js. fand in Siegburg im Sieg-Palast die Gründung eines Kreisverbandes des. Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens umfassend 7 Ortsgruppen, statt. Die Ortsgruppen benennen sich nach den 7 Synagogenbezirken im Sieakreise wie folgt: Siegburg. Gcistingen. Ruppichteroth, Eitorf. Oberdollendorf, Mondorf und Hennef. Jede der Ortsgruppen hat einen Vorstand für sich und aus diesem Gesamtvorstand, der sich aus 25 Personen zujammensetze'.t wird ein engerer Ausschuß, den Kreisvorstand darstellend, getvählt. Der einstweilige Vorsitz wurde dem Äaufrnann Herrn Hermann Levy in Hennef übertragen, tvelcher die Versammlung leitete. Zu der Versammlung waren auf Einladung erschienen der Vorsetzende des Landesausschusses, der Geschäftsführer des Landesausschusses, Herren des Vorstandes der Ortsgruppe Bonn. Vertreter der Verbindungen im K. C. Rheno-Silesia Bonn und Rheno-Guestphalia Köln. Der Saal konnte die erschienenen Damen und Herren nicht fasien, die Begeisterung für die in Erscheinung getretene Sache war eine große und der folgenden Verhandlung würdige. Zuerst ergriff der Vorsitzende des Landesausjchusics, Herr Kaufmann B. Feilchenfeld aus Köln, das Wort, um in einer fast einstündigen Rede den Anwesenden die Gründe und die Ziele vor Augen zu führen, die der Zentral-Verein für seine Arbeit sich zu stellen angelegen sein läßt. Es waren ernste und erhebende Worte, die der Redner zum Ausdruck brachte und mit denen er dem neuen Krcisverein alles Gute für sein. Gedeihen wünschte. Tosender Beifall gab Zeugnis von der Empfindung dieser von .Herzen kom- ' menden und zu Herzen gegangenen Ausführungen. Hierauf gab der provisorische Vorsitzende ein Bild von der demnächst zu leistenden Arbeit im Kreisverband und in den Ortsgruppen. Dem Äreisverband gehören, wie eingangs schon erwähnt, 7 Ortsgruppen an. die insgesamt 230 Mitglieder zählen. Es lverden im Laufe des Jahres Vorstandssitzungen abgehalten, die vielleicht in Abständen von 3 oder 4 Monaten bei den einzelnen Ortsgruppen stattfinden. so daß die Tagpng dieser Vorstandssitzungen nicht allein in Siegburg erfolgt, sondern sich auch auf die anderen Orte verteilt. Die Hauptversammlungen — Uwe viele deren im Jahre stattfinden, wird der Vorstand noch zu beschließen haben — lverden aber ausschließlich in Siegburg, dem zentralgelegensten Punkte des Kreises, abgehalten. Im Anschluß an diese Ausführungen begrüßte der Vorsitzende alsdann die erschienenen Damen und Herren, insbesondere die Gäste, den Vorsitzenden des LandeSausschusies Herrn Feilchenfeld, den Geschäftsführer des Landesausschusies Herrn Jakoby, von der Ortsgruppe'Boim die Herren Dr. Hermanns, Dr. Cohn, Baum und Rollmann u. a. m. Ee begrüßte ferner die Vertreter der K. C. C.- Verbindungen und gab über deren Ersclwinen seiner ganz besonderen Freude Ausduck, da diese jungen Herren in Erkenntnis der Schwere, mit der wir Juden uni unsere Ehre und unser Dasein zu kämpfen hal»en, mutvoll für diese Punkte in die Bresche treten. Hierauf nahm Herr Rechtsanwalt Tr. Hermanns aus Bonn das Wort, der ebenso wie Herr Feilclwnfeld mit hervorragend Rednerischer Gabe dem neugegründeten Kreisverband Glück zu seinem Geburtstag wünschte und ihn als Geschwisterkind des nahegelegenen Ortsverbandes Bonn betrachtete. Bonn und der Siegkreis wollen eng geschlossen zusammen marschieren, alles Gute für uns Juden fördern und alles nicht Gute für unser Bestehen fernhalten. Auch diesem Herrn wurde innigster Dank und lauter Beifall für seine so herzlich gemeinten und innigst aufgenvmmenen Worte zuteil. Anschließend an diese Begrüßungen nahm der Vertreter der Rheno-Silesia Herr Stud. Windmüller für seine Verbindung und diejenigen der Rheno-Guestphalia das Wort, um in herzlicher Art den Gefühlen, die die genann- Gen Verbindungen für die Neugründung des Kreisverbandes hegen, Ausdruck zu geben. Auch diesem Redner, der trotz seiner Jugend in begeisterter und hingebender Weise mit seinen Bundesbrüdern für das Judentum einzutrelen in leder Art und Weise sich erbot und der dem neugebildeten Kreisverband auch die herzlichsten Wünsche entgegenbrachte, dankte die Versammlung durch lauten Beifall auf dainnigste. Herr Rechtsanwalt Dr. Cohn aus Bonn, auch ein begeisterter Vorkämpfer für unsere Sache, entbot dem Verband ebenfalls seine besten Wünsche und betonte, daß nicht der Verband sich auf Paragraphen und Statuten aufbauen dürfe, es müsie in ihm vielmehr jeder einzelne bestrebt sein, zu erkennen, daß er als Jude seine Ehre in den Vordergruird zu stellen habe und daß diese Ehre gehegt und gepflegt werden müsie. Jeder der dem Verband angehörcnden Damen und Herren müsie durchdrungen sein von der Wichtigkeit der Sache, damit wir allen Anwürfen,. die uns von antisemitischer Seite zugeschleuden würden, Gegenwehr zu bieten in der Lage wären. Vielen Dank enitete auch dieser Redner. Im Anschluß hieran sprachen Herr Lehrer Seelig aus Siegburg und ein von ihm eingeführter, der Demokratischen Partei angehörender Herr christliclwr Konfession. Auch diese Herren wünschten wie die Vorredner der neuen Vereinigung alles Gute. Jnzwisä)en war die Zeit vorgerückt und unter Berücksichtigung. daß sich bei der Versammlung viele auslvärtige Teilnehmer befanden, die bis zu 25 Kilometer Weges noch zurückzulegen hatten, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche auf ein gutes Gelingen für das neubcgonnene Werk. Kreuznach. Äm 31. Januar d. I. fand die Generalversammlung des hiesigen. jüd. JugendvercinS „Moses Mendelssohn" statt. Der bisherige l. Vorsitzende Herr Dr. Vogel wurde einstimmig wiedergewählt. Aus dem Jahreslwricht für 1914) ist folgendes hervorzuhel»en: Die Vereinsarbcit war hauptsächlich darauf gerichtet, die Mitglieder mit jüdischem Wissen und den so brennend gewordenen Tagesfragen rwrtraut zu machen. Die einzelnen Themen wurden teils durch Referate, teigs durch Vorträge befreundeter Redner oder Mitglieder, teigs duch DiSkussionSabende behandelt. U. A. sprachen Herr Rabbiner Dr. Tawrogi über „Tie Propheten", Herr Bankier H. Kronenberger- Mainz über „Streiflichter über die gegenwärtige Lage und Ströniungen im Judentum", Herr Rcchtsanivalt Tr. Kehr- KaiserSlautern über „Heinrich Heine". Herr Landesrabbiner Dr. Cohn-Hoppstädten über „Die Erziehung unserer Jugend". Frl. Clemens Mayer-Jerusalem über „Palästina an der Schwell? eines neuen Lebens", Herr Dr. Hesiel- Kreuznach über „Aberglaube in der Medizin", Herr Kantor Bachrach, hier, über „Sanges- und Dichtkunst in Israel". Primaner Lielwn über „Die Marannen". Einige Abende wurden mit der Besprechung von Verbandsmitteilungen vder Broschüren. >vic u. a. „Krieg, Revolution und Judentum von Dr. Jacob". „Die parteipolitischen Reubildungen und die Juden usw. verbracht. Reu eingerichtet iviuden Diskussionsabende, bei denen von Mitgliedern gestellte Frage» zur Besprechung stehen. Es handelt sich hier hauptsächlich um jüdische religiöse Frage», an deren Beantwortung sich zunächst jeder Anivesende mit seiner Meinung bestmöglichst beteiligen soll. Herr Rabbiner Tr. Tawrogi wohnt diesen Abenden stets bei. uni als Fachmann auf diesem Gebiet schließlich über die gestellten Fragen eine ausführliche Erklärung zu erteilen. Die Beziehung zu den Rachbarvereinen wurden durch Austausch der Einladungen zu den Veranstaltungen »nd durch gemeinsame Ausflüge mit de« Jugendl'ereinen von Bingen, Mainz und Wiesbaden gefestigt. Der jüdischen Feste Purim, Simchas Thora und Chan^uka wurde durch Feiern im Rahmen des Vereins gedacht. ' Am 4. Januar d. I. fand eine größere wohlgelungene Chanukahfeier statt. Auch die anderen Veranstaltungen waren gut besucht. Tie Vereinsversaminlungen finden regeltnäßig jeden SamStag abend. 8 Uhr in der „Heilquelle" statt. _•