Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 40 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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giMtrt Kachricklrn. Bonn. Tie CSheotoft G'inillus-Chasiodim Bonn hielt kürzlich im Gcmcindehause eine außerordentliche General-Versammlung ab. Tie anwesenden 48 Mirgliedcr wurden vorn Vorsitzenden Herrn Leop. Coßmann hcrzlickst begrüßt; letzterer stellte die Beschlußfähigkeil fest und eröffnete die Sitzung, worauf der Schriftführer das Protokoll der letzten Sitzung verlas, welches witeripructslos genehmigt wurde. Hierauf legte der Vorstand sein '.'Im, nieder und inan schritt zur Neuwahl deSidten. $crr Louis Tavid wurde zuin Wahlkommisiar geirählt und ichlug die Wiederwahl des I. Vorsitzenden vor. der sich bisher pul bewährt habe. Tie Versammlung wäblte diesen durch Akklamation wieder und ebenso wurden die Heileren Vorstandsmitglieder toiedergewählt, und zwar die veiren Leop. Levl> als 2. Vorsitzender, Louis Rollinann als Kassierer und Schriftführer, Kantor Baum als Stellvertreter, L. Schwarz als Beisitzer. In der weiteren Veihanblung wurde eine Satzungsänderung vorgeiloinnien und beschlosicn, die Beiträge auf 12 M. jährlich zu erhöhen. Hierauf wurde die zirkulierende Liste befpiodjcn, welche zur. Beantwortung dreier Fragen aufgestellt ist. uni das BcerdigungStvesen in würdiger Weis«,zu gestalten. daS Wachen bei Kranken und Toten zu regeln und bei der Teiroh mit Hand anzulegen. Herr Rabbiner vr. Cohn äußerte sich in eingehender Weise über diese Pflichten der Chevroh, und eine Anzahl Mitglieder trug sich in die Listen ein. Damit tvar die Tagesordnung erschöpft und man ging zum gemütlichen Teil über. Bevor die Annesenden sich trennten, gab Herr Rollmann bekannt, daß erst am Sonntag den 14. März den Kindern, der Chevrohmitglicder im Gemeindehause ein gemütlicher Nachmittag bereitet tverden soll. Bonn. Am letzten Sqnntag vereinigte eine wohlgelungene, eindrucksvolle Feier, die der jüd. Wanderbund Blau-Weiß, Bonn, zur Einweihung seines neuen Heims veranstaltete, die Eltern und Freunde der Blau-Weiß-Jugend. Zu Beginn der Feier begrüßte der Führerschaftsleitcr Cand. jur. Karl Levh die zahlreich erschienenen Gäste aufs herzlichste und dankte, wirkungsvoll unterstützt durch ein Gedichtchen einer kleinen Blau-Weißen, den Eltem für ihre reichlichen Spenden, sowie der V. I. St. Kadimah dafür, daß sie dem Blau-Weiß in ihrem Hause ein Heim zur Verfügung gestellt hat. Tann eröffnete der Blau-Weiß die Feier mit dein BundeSlied. Tie anschließende Festrede des Führerschaftsleiters brachte einige Hauptgesichtspunkte der leitenden Ideen der Blau-Welß-Erziehung. Bei Kaffee und .Kucken kam bald eine sehr gemütliche Stimmung auf, die unterstützt wurde durch ivohlgelnngene Tarbietungen nntsikalischcr. literarischer und poetischer Art. Im Verlaufe der Feier übermittelte der Vertreter der V. I. St. Kadimab die lierzlickslen Wünsche. Herr Rabbiner Dr. Cohn betonte die gerade für die jüdische Jugend so notwendige körperliche Enüchtigung. die der Blau-Weiß anstrebe, wwhrend Hekr Goldreich (Beuel) in kernigen, aus bctn Herzen kommenden Worten seine engste Verbundenheit mit der Fugend darlcaie und betonte, wie gerade (r sich freue, daß der Blan-Weiß ans Jndenjungcn junge Juden machen wolle. >vie eS fein Ideal sei. Bonn. Herr Lebrer Seclig aus Siegburg sprach am Dienstag den 24. Febr. im hiesigen Jüdischen Jngendbnnd über den Talmud. In allgemein verständlicher Weise erlänterie der Redner die Entstehung des Talmud, wies auf die zwei bestehenden Arten bin und zeigte an kleinen Beispiele» den zahlreichen Anwesenden die Auslegung des Talmud. Im Anschluß an eine kleine Diskussion forderte Herr . Hehinann. der I. Vorsitzende des Siegburger Vereins, zum gtuitinsanicn Zuja»i»icnarl>eitcn auf. Ate Kolentasche v Der Malbim. In den 70er Jahren war in Memel der Streit zwischen den Alten und Neuen in der Gemeinde ausgebrochen. Die Alten standen eifernd M Thora und dem altfrommen Judentum, die Neuen scharten sich um den damals jungen Rabbiner Rülf, der später seine alten Tage in Bonn verbrachte. Sie wollten vom Kaschrus und Schechita nichts mehr wißen und kleideten und trugen sich modern und rasiert, während die Alten in .Kleidung. Tracht und allem sich als echte Ostjuden hielten. Damals wurde nun gerade das neue Beth Hamidrasch in Memel eingcweiht und man lud dazu den berühmten Rabbiner Meier Löbus Malbim aus Königsberg ein. Bei dieser Gelegenheit — es ging gerade die Sidra Waj'chi — soll dieser wahrhaft fromme Mann folgende Ansprache gehalten haben: „Als Jakob starb, ließ er all seine Söhne kommen, nannte sie mit Namen und segnete sie. Da nahm Josef auch seine beiden Söhne Manasie und Efraim und führte sie dem Vater zu, daß er sie ebenfalls segne. Als unser Vater Jakob sie sah» fragte er: „Mi eie? Wer sind diese?" Worauf Josef: „Meine Söhne sind es." Da sagte Jakob: „Kochem-no elaj waäworachem! Gib sie mir her, daß ich sie segne!" — Wie kani, frage ich, Jakob dazu, zu sagen r „Wer sind die?" Wohnte er nicht in Josefs Hause? Sah er die Enkel nicht täglich? Kannte er sie nicht? — Ei, sie kamen in Egyptertracht zu ihm, wie sie sonst nie gekommen waren, so erkannte er sie wirklich nicht. Als aber Josef sagte: „Es sind doch meine Kinder!" da rief Jakob laut: „Herbei mit ihnen, daß ich sie segne!" — Ihr Memeler Jehudim, ich sehe Männer unter euch, die sehen gar nicht aus wie Juden, sie tragen keine Bärte mehr, keine Peies, keinen Chalat, und ich hö?, sie sollen auch schon Treifes essen! Frag' ich wie unser Vater Jakob: „Mi ele? Wer sind die?" Was hör' ich: Bonaj hem? Auch diese sind Söhne Israels? Nun denn, so mögen sie hertreten, ich will auch sie, ich will euch alle, alle segnen?" — Diese wahrhaft duldsame und weise Art soll das Andenken des großen Malbim in Memel nicht nur unvergeßlich gemacht, sondem auch zur Beilegung des damaligen Streites entscheidend beigetragen haben. , E. C. Was die perfekte Köchin Minna Hageputt an den „Schlemiel" schrieb. Det is aber 'n stärket Stück! Sie wollen eenen un- ' parteiischen Einblick in 't jüdische Familienleben von Berlin W. jewinnen, und da soll ick-na, hat der Mensch Worte? Ick soll Ihnen Berichte über meine Herrschaft schicken? Ick soll also Hausspionin tverden un den juten Leuten die Suppe versalzen? Da ham Sie sich gber höllisch in de Hausnummer jeirrt. Sie; denn ick bin treu wie früher det Jold war. un mein Busen is verschlosien wie der Butteriopp in d§ Speisekammer. Verschwicjenheit is mein Berufsjeheimnis. un wat ick mit 'n eenen Oooje sehe, jeht zum andern Wiederaus. Mit de Ohren & et ebenso. Det weeß sie och janz jcnau, meine Olle, det Ekel. Verdient hätt' sie's schon, det ick mir mal uffblasc un rauspuste» wat ick von ihr jeden Tag runterschlucken muß. Neulich sagt sie zu mir: „Minna, unser Äohlenfritze hat Weihnachtsbäume jekriecht; gehen §ie mal bald rüber, und er möchte uns den schönsten reservieren." „Nee", sag ick, „et muß nich sind. Bei die teure Valuta will ick jerne dadruf verzichten." Da hätten Sie de Olle sehen sollen. „Ich bün ja sprachlos", rief sie aus. „was haben Sfe denn zu verzüchten? Sind Sie hier die Herrin oder üchi Sie dreiste Person?" Na, da werde ick natürlich och sprachlos, un von unserer jejenscitigen Sprachlosigkeit entstand so'n Krach, det. er in de Küche jeloofen kam un fragte: „Um Gotteswillen, was ist denn hier los?" Nu erzählt sie haarkleen vom Kohlenfritzen mit de, Wcihnachtsbäumc, un wie ick die Kühnheit jehabt hätte zu sagen, det ick druf verzichte. „Jawoll", schmiß ick rin, „nur w'ür det keene Kühnheit, sondem Jutmütigkcit. Ick dachte nämlich, det der Baum vor mir sein sollte, weil doöh Israeliten keene Weihnachten haben." — „Sie irren, Minna", sagte er, „daS Anzünden des Tannenbaums ist keine christliche. sondem eine altgermanischc Sitte; darumdürfen auch tvir sie heiligen. Übngens", sprach er dann zu ihr, „schreibt der Junge heute aus Freibürg^daß er Sonnabends hier eintrifft." Da war sie nu wieder vor Freude janz aus d^>