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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-03-05 · 40 (5.3.1920) · p. Seite 111

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
40 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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gierung werde ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg legen und er sei überhaupt gegen jede Zwangsassimilation. Zum Schluß hielt Vaida-Voevod eine längere Ansprache in französischer Sprache an alle versammelten Journalisten, aus welcher der folgende Abschnitt von Interesse für die Juden ist: Die rumänische Regierung ist bereit, allen Minoritäten vollste Autonomie in ihren eigenen Angelegenheiten zu gewahren. Die Minoritäten werden eigene Schulen besitzen können und die Regierung wird jeder Minorität Subventionen bewilligen für die Erhaltung der Schulen und religiösen Anstalten. Die Subventionen werden die Minoritäten nach eigenem Gutdünken vemvenden können. ( Palästina. Haifa. Der hiesige Militärgouverneur hat die Vertreter der jüdischen, christlichen, mohammedanischen Gemeinden von Haifa einberufen, um mit ihnen über die Einrichtung einer gemeinsamen Schule zu beraten. Die jüdischen Mrtretr forderten: 1. Anerkennung und Gleichberechtigung der hebräischen Sprache mit der arabischen aind englischen. 2. Einführung des Hebräischen als Unterrichtssprache für einige Fächer. Schon diese erste Beratung, in der die Frage der Ruhetage noch nicht zur Sprache gekommen ist. zeigt, wie wenig Aussicht auf Erfolg das Projekt des englischen Gouverneurs hat. Auch der frühere Führer der Legion, Jabotinski, spricht sich in einem Zeitungsartikel energisch gegen die Gründung solcher Schulen aus. Jerusalem. Ein Palästina-Museum ist Hierselbst errichtet worden und steht gegenwärtig den Besuchern am Freitag, Samstag und Sonntag (das sind die Ruhetage der dvei verschiedenen Religionen) offen. Das Museum bestand bisher als. ein Teil der durch die Zionisten gegründeten Bezalelschule, und obwohl es erst 1906 eingerichtet wurde, enthält es schon über 9000 Ausstellungsgegenstände, und zwar Statuen, Gemälde, eine wertvolle Sammlung alter Münzen, viele Exemplare alter Glas-, Topf- und Bronzewaren, palästinensische Vögel, Säugetiere, Reptilien, Insekten, Mineralien, Stickereien, Juwelen und jüdische Zeremonial- und Ritualgegenstände. Während des Krieges vermochte Herr Prof. Boris Schatz, der Leiter der Schule, nur mit Hilfe des Backschich und äidurch, daß er eine Statue von Djemal Pascha modellierte, die Requisition durch die Türken zu verhindern. s. Z. schildert Palästina wie kogromklllckillinge. Ein aus Sjaffa datierter Aufsatz der N. den Zustrom flüchtiger russischer Juden nach folgt: Auf den wildschäumenden Wellen des vom eisigen Nordwind durchgepeitschten Schwarten 'Meeres wackeln, Nußschalen gleich. Segler, Frachtschiffe, Fischerbarken, Küstenschoner, sämtlich mit eigentümlicher Ladung bcschlvert: Greise, Frauen, Kinder/ Jünglinge mit vor Todesangst und Frost verstörten Gesichtern, vor Kälte zitternd, in ihren leichten, zerschlisienen Kleidem, mit ihren hölzernen Kistchen, in denen Reste armseliger Haushalte zusammengepackt sind. Diese von der Seekrankheit gepackten, von Hunger und Durst geplagten Menschen sind pogromflüchtige Juden aus Rußland, welche die letzten paar tausend Rubel (und in Rußland ist heute der Tausendrubelschein die kleinste, einigen Wert besitzende Münze) geopfert haben, um in die schrecklichste aller Verbannungen zu gehen, ohne Paß, ohne sicheren Schutz, ohne daß sich irgendeine organisierte Körperschaft der Welt um sie kümmerte. Viele von ihircn sind letzte Überlebende aus einer Stadt, die dein Erdboden gleichgemacht wurde, andere haben ihre Frau, den Vater, einen Sohn verloren und sind selbst durch Aufopferung des ganzen Vermögens mit knapper Not dem Tode entronnen. Wie einst, nach der Austreibung aus Spanien, wird diesen Leuten nicht erlaubt. Mittel für mehr als einen Monat Unterhalt mitzunchmen, und genau wie damals, vor vierhundert Jahren, sind sie unterwegs herren- und rechtlos. Wohin fahren diese Unglücklichen, die ihr Heimatland aussdeit und denen kein anderes Gebiet Asyl gewähren will? Sie segeln gen Ostcn^ ihr Ziel ist die alte Heimat ihres vielgeprüften Stammes: Palästina. Sie wisien, daß sie Wochen, ja sogar monatelang unterwegs sein müsien, daß sie durch Sturm, Kälte oder Krankheit umkommen können, sie ertragen geduldig alle Demütigungen und die endlos langwierigen Quarantäneinaßnahmen, erbetteln bei fremden Leuten oder bei eigenen Stammcsgenosien. wenn sie das Glück haben, solche irgendwo anzutreffen, den Unterhalt des nackten Lebens, bis sie sich nach fürchterlichen Reisestrapazen nach Jaffa durchschlagen können. Sie erzählen dann den Brüdern hier ihre Not, die blutige Not eines für vogelfrei erklärten Volkes in einen« Lande, wo sich über die Hälfte desselben beisammen findet. Sie zählen die Namen der Getöteten, Gemarterten, Erhängten. Erschosienen, lebendig Begrabenen, zu ewigen Krüppeln Geschlagenen auf. und Ströme heißer Tränen fließen aus ihren und der Zuhörer Augen ob der himmelschreienden Gewalttaten, die ihresgleichen in der Geschichte suchen. Die Bolschewiki hatten es aus die Reichen unter ihnen abgesehen, sie gewaltsam ihrer Habe beraubt und beim leisesten Widerstand sie wie die Hunde nicdcrgeknallt. Den Zionisten in Rußland rückten die Bolschewiki ganz besonders auf den Leib, weil sic im Gcrüä)e standen, ententefrrundliche Gesinnung zu haben. Hunderte von Proskriptionslisten wurden mit jüdischen Namen ausgefüllt ynd zahlreiche Opfer ihrem grausamen Schicksal zugeführt. Was aber vor der Wut der proletarischen Diktatur sich verbergen konnte, kam unter das Schwert der Denikinschen Kosakn, dse wahre Blutbäder anrichtetcn. Mit dem Schlagworte „Die Juden sind eine Gefahr für das rechtgläubige Rußland" als Parole durchzogen Trupps benttener Kosaken und Freischärler dse jndisklM Städtä-en. drangen in die Häuser ein und mordeten die Jnsosien oft bis auf den letzten Säugling, schändeten die Frauen und steckten die Häuser in Brand. Tie Zahl der Getöteten beläuft sich nach vorsichtigen Angaben in die Zehntausende und die Art des Verfahrens bei diesen Masienschlächtereien ist in. Worten unmöglich zu schildern. In manchen Gegenden wurde die Brutalität bis zum Wahnsinn getrieben. In einem ukrainischen Städtchen wurde der Rabbiner gezwungen, am Ufer des Stadtflusses unter gezuckten Bajonetten die religiöse Weise „Kol Nidre" zu singen, um dann mit einem Stein am Halse ins Wasier geworfen zu werden. An anderen Orten kleideten sich die Mörder in die jüdisch-rituellen Gebettücher und in diesem Aufzuge drangen sie in die jüdischen Häuser ein und schlachteten die Jnsasien ab. I lüdifcbc Cöch’er. Von Samuel Gordon. Brrcch'. Ubcrraftmifl am' htm Gityt v >« M v avcrman». lForisktzung.j „Das ist wohl Niahr, aber meinem Phtstar haben sie ausgezeichnet geschmeckt. Sie hätten nur sein Freudenge-. bell hören sollen — es klang fast wie eine Danksagung. Nebenbei bemerkt, machen Sic oft Spaziergänge im Walde — allein?" „Sobald sich Gelegenheit bietet — ja," antwortete sie zweideutig. Sic dachte daran — wie Jankele sagte — was wohl geschehe, wenn sic nicht ,^in lvenig freundlich" zu dem Herrn sein sollte? Er konnte ihrem Vater die Konzesiion entziehen. Das ivürde freilich nicht viel zu bedeuten haben. — der Inhalt des eisernen Kastens Ichützte sic schon vor dem Verhungern; aber Jankele mußte hungern, und ihm zu Liebe muß sie ihre widerwiMgen Empfindungen gegen den Kommissar beherrschen und sich ihm etwas entgegenkommender zeigen.

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