Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 40 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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[ (Soeben Icbau. I Tatsachen und Erqebnifie. ' J» Deutschland. Berlin. Eine größere Anzahl jüdijck-er Jugendvereine har einer Einladung des Bar Kvchba Folge geleistet und die Gründung einer Gesellschaft vollzogen, die einen Sportplatz im Gruncwald ankanft und verwaltet. Das Statut dieser Gesellschaft ist bis jetzt von ungefähr 12 Jugendvereinen angcnoinincn. An den Beratungen nahmen bisher sämtliche jüdisckwn Jugcndvereine Berlins teil, von denen die meisten, ihren Anschluß ankündiglcn. Es ist ^u erwarten. daß mit der Schaffung eines großzügigen Sportplatzes ein Saminelpnnkt für die jüdijä-e Jugend Berlins ermöglicht wird. Zuschriften und Spenden lverdcn an das Sekretariat p. Adr. I. Fuchs, Hornstraße I I, erbeten, Berlin. Die Wahlen zum Berliner Studentenparlament sind unter einem großen Aufwand an Flugblättern vonslauen gegangen. Tic vom Si. I. P. und einigen kleineren Verbänden ausgestellte Liste wurde wegen eines Formfehlers nicht anerkannt. Tie K. I. V.er stimmten deshalb füp-pi^Liste des M. E.. der ihnen dafür zlvei Plätze cinräudci Von den Einzelergebnissen sei genannt: tt. E. 8 Delegierte. Sozialisten 6, Katholiken 3, Waffenring 15, Finkenjchail 26, Hochjchulvcrband 9. Berlin. Ter Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schreibt uns: „In den letzten Wochen ist in der deutschen Presse vielfach die Rede gewesen von gewaltigen Verfehlungen, die sich angeblich die Gcschoßsabrik von Olebr. Heidelberger in Frankfurt a. M. hat zuschulden kommen lassen. Es soll sich dalwi um Bestechungen größten Umfanges handeln, ferner um die Unterschmuggelting zurückgcwiejencr, inindcrwcrtiger Zünder unter neue Gejchoßscndungen an die Front. Ta dieser das größte Aufsehen erregende Fall i» der antisemitischen Presie bereits gegen die Juden ausgebelucl wird, so haben wir einwandfrei festgestellt, das; die Gebrüder Heidelberger christlich e r R c l i g i o n rmd christlicher A b st a m m ri n g sind. WricrticiilmiB. London. Wie dem „Temps" telegraphiert wird, protestierte der jüdische Abgeordnete l)r. Eonfinas in der griechischen Kammer gegen die Pogrome und ersuchte den Minister des Innern, seine Stimme vor der zivilisierten Menschheit als Jntcrprctor des Einsetzens über diese furchtbaren Ereignisse zu erheben. Ter Minister für innere Angelegenheiten. Politis, erwiderte, daß die Regierung die Meinung des Vorredners in seiner Auffassung teile und daß er und der Ministerpräsident cs niemals Unterlasten haben, sich den Bemühungen der anderen Machte Zwecks Schutz der Juden anzujchließe».. Schließlich erwähnt der Minister das wohlwollende Verhalten der griechischen Regierung gegen die Juden in Griechenland und die Shmpatbicn derselben zwecks Herstellung einer nationaljüdischen Heiiustätie in Palästina. Saloniki. Tie griechische Regierung bewilligte der Verwaltung der jüdischen Schulen in Saloniki eine Subvention von l 50 000 Drachmen. Tie Stadlgemcinde hat sich außerdem verpflichtet, zu demselben Ziveck weitere Summen zur Verfügung zu stelle». Italien. Turin. In der» von l)r. Servi. Direktor der Zweiwochenschrist „Vessiliv Jsraelitico" in Turin herausgegebencn Lnnario (Kalender) für 5680 finden sich folgende Taten, die Juden in Italic» betreffend: Die Gesamtzahl derselben beträgt iin jetzigen t»crgrößerten Königreich 67 600. Davon entfallen auf Tripolis 12 000, Bengasi 4000, Demo 2000, Triest 4000, Fiume 100. Die restlichen 47 600 wohnen in etwa 160 Ortschaften in der Zahl von 2 bis 11000. Diese letztere, größte Gemeinde ist Rom. über 1000 Juden finden sich in folgenden Städten: Ancona, Bologna, Ferrara, Florenz (2800), Genua, Livorno (3000), Mailand (4500), Neapel, Turin (5100), Venedig (2500). Bcthäuser gibt es 57, Rabbiner (Vizewbbiner) 60. Jüdische Senatoren gibt es 14, Deputierte 12. Amerika. Philadelphia. Auf dem am 24. Dezember in Philadelphia stattgefundenen Meeting des Jüdischen Kongreß- Komitees' wurde folgende Resolution angenommen: „In Anbetracht besten, daß bereits mehr als ein Jahr seit der ersten Sitzung des jüdisch-amerikanischen Äongrestes verflosten ist und daß damals beschlosten wurde, eine, weitere Tagung nicht später als nach einem Jahre einzuberufen, und unter Berücksichtigung' des Umstandes, daß die überaus traurige jüdische Lage im jetzigen Moment ein brennendes Problem darstellt, besten Lösung nur ein Jüdischer Kongreß auf sich nehmen kann, lvird beschlossen, das Erekutivkornitee des ersten amerikanisch-jüdischen Kongresses aufzufordern, den Kongreß ehestens wieder einzuberufen, >velck)e Forderung auch der Ausdruck der gesamten bewußten jüdischen Bevölkerung ist." Rcwyork. John Rockefeller hat sich an Oberst Ginsburg. den Leiter der Hilfsaktion für die Ostjuden, mit folgendem Brief gewandt: Obwohl wir annehinen, daß nur Geldsammlungen von Juden beabsichtigt sind, würden mein Vater und ich es uns zur Ehre anrechnen, wenn man auch uns gestatten würde, zugleich mit unseren jüdischen Mitbürgern zum Gelingen dieser Aktion beizutragen. Wenn also das geehrte Komitee nichts dagegen hat, erlauben wir uns, als Spende 75 000 Dollar (mein Vater 50 000 und ich 25 000) anzubieten. I Blffarabik». Paris. . vr. Kogan-Bernstein, der derzeit in Paris an den Arbeiten des Komitees der Jüd. Delegationen teilnimmt, schreibt im „Peuple Juif": „Tie 300 000 bestarabischen Juden bilden mit ihren 12,8 Prozent der Bevölkerung die zweitstärkste Nation Bestarabiens. Die jüdische Organisation wurde, wenn auch nicht offiziell anerkannt, so doch in ihren Funktionen von der Regierung nicht gestört. Die jüdisckfe Gemeinde von Kischinew wurde auf Grund des Kerenskischen Wahlgesetzes konstituiert, wobei sich von 20 000 Wählern 13 500 an der Wahl beteiligten. Das Exekutivkomitee, der Waad Hapoel, besteht aus 9 Mitgliedern, an besten Spitze Hr. Kogan-Bernstein steht. Die 'Gemeinde mußte sich besonders stark der Hilfstätigkeit widmen. Tas vom Joint Distribution Comittee bisher eingesandre Geld, 61/., Millionen Franken, wurde von der jüdischen Olemeinde in Kischinew, der einzigen anerkannten jüd. Organisation, verteilt." "ii»i>i>>ikn. London. Ain 30 .Januar hat der rumänijck-e Ministerpräsident Vaida-Voevod, der sich derzeit in London befindet, in der rumänischen Gesandtschaft mehrere Journalisten empfangen, darunter die Vertreter der jüdischen Zeitungen „Jewish Times", „Jewish Ehronicle" und Newliorker „Häjnt". AuS der Unterredung mit Morris Meyer geben» lvir folgende Äußerungen deS rumänischen Ministerpräsidenten, wieder: Tie jüdisck-c Frage in Rumänien existiert juristisch nicht mehr. Diese Frage ist ein für allemal mit der-Untelfcrtigung des Minoritätenvertrages gelöst worden. Was die Frage dcj» Minoritätenrechtes der Juden anbelangt, so ist dies eine Frage für sich. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung ist für die Assimilation und er. der Ministerpräsident, ist ganz ihrer Ansicht. Tie Juden Rumäniens sollten sich assimilieren, nicht hinsichtlich ihrer Religion oder ihrer Raste, sondern bezüglich ihrer Jnteresten und ihres Geistes. Die Juden, die ihre eigene Sprache, das Jiddisckfe, beibehalten wollen, schließen sich ins Ghetto ein. Er habe jedoch nichts gegen sie. Die rumänische Re-