Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 39 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Museen, in öffentlichen Sammlungen und Bibliotheken, den wissenschaftlichen Instituten und Vereinen befinden, Herren, lo- oder in Privatbefitz find. .Jüdische- Sunstartiv», «rlchüstSstelle'Drerdeii A, Lrrstraßr 7II. Postscheckkonto Leipzig: 85 6)7. Der Bote erzählt: Jüdische «Schier. Von Samuel Gordon. Berechtigt« Übertragung audem Englischen von M- Pulvrimann. iFortsetzung.j 3. Zillah saß wiederum im Laden, doch das Buch lag unl>erührt neben ihr. Sie hatte jetzt etwa- Interessanteres zu lesen — ihre eigen Gedanken. Eigentlich war ja dieses ihre Lieblingsbeschäftigung, wie es stets bei Menschen der Fall ist, die ein verschlossenes, unzufttedenes Leben führen. Der Inhalt ihrer Gedanken war auch heute wieder derselbe, doch hatte er eine andere Tonart, eine andere Färbung angenommen. ^Vergebens suchte sie sich selbst über den Wechsel Rechenschaft abzulegen; es wollte ihr nicht gelingen. Ihr kam es vor, als ob das weit, weit entfernte Wunderland, nach welchem sie all diese Jahre ihre Hände in ungestillter Sehnsucht ausgestreckt, ganz nahe zu ihr herangetreten sei ltnd sie leise am Arme berührt, als habe sie die süße Wonnestimme ganz deutlich vernommen — freilich nur wenige Augenblicke, aber die Berührung zitterte doch in ihrem Innern nach, der Ton hatte noch nicht aufgehört, nachzuhallen. Es war ^eine wohljunende Empfindung, die plötzliche Lichtfülle, die über ihre mitternächtliche Einsamkeit dahingcschwebt war. Nur das Rätselhafte, das Geheimnisvolle ängstigte sie; sie konnte die Quelle der seligen Empfindungen nicht entdecken. Sicherlich hat der junge Polizei-Kommissar, der gestern mit ihr gesprochen, nichts — rein gar nichts damit zu tun. — Wie kam sie überhaupt dazu, dieses auch.nur anzunehmen? Auch früher schon haben doch junge Leute mit ihr gesprochen, und sogar viel höflicher noch, als dieser aufdringliche, ungehobelte Fremdling I Nein, nein — sie würde ihm viel zu viel Ehre er- UEisen, wollte sie etwas, was ihr Freude bereitet, .mit diesem, wenn auch nur im entferntesten, in Verbindung bringen. Dennoch aber wurden ihre Zweifel nicht geringer; im Gegenteil, je mehr sie grübelte, desto größer, desto stärker wurden sie. Dann siel ihr ein, daß es die drückende Luft im Laden sei, die ihre Untersuchungsfähigkeit lähme. Vielleicht,, wenn sie dort tief in den Wald hineinginge, zwischen den blattreichen, schaukelnden Zweigen, vielleicht daß diese ihr eine Aufklärung zuflüstcrten, ihre eigenen Gedanken ihr erläuterten. Ja, sie wird es wenigstens versuchen; sie wartete auch gar nicht, um das Ende der weiteren Lockungen ihres Herzens zu hören, sondern nahm ihren ros« Sonnenschirm vom Nagel, strich sich flüchtig das Haar mit den Händen glatt, und sie war zum Ausgchen fertig. „Jankele," rief sie nur noch von der Schwelle zurück, „ich werde in einer Stunde zurück sein, passe gut auf und nasche nicht zu viel vom Sirup." Eilig schritt sie die Straße entlang. Vor dem letzten Hause war eine Anzahl junger Mädchen und Frauen versammelt, die lachend, plaudernd, Obst essend oder Kattunftücke mit Nadel und Zwirn mißhandelnd, saßen oder standen. Als Zillah vorüberkam, unterdrückten sie schnell ihr lautes, fröhliches Treiben. Zillah grüßte höflich; eine oder zwei erwiderten den Gruß, aber keine fragte sie, wohin sie gehe oder ob sie sich ihnen anschließen wolle. Zillah ging unbekümmert weiter; sie hatte wohl das plötzlich eingeiretene Schweigen bemerkt — noch WljT, sie hatte es sogar erwartet. Und wessen Schuld war eS wobl? Ihre eigene — sie gestand es sich selbst. Ihre Spielgefährtinnen hatten sie früher immer herzlich willkommen geheißen, so oft sie in ihrer Mitte erschien. Sie hatten ZillahS zurückhaltendes, naserümpfrndes Benehmen übersehen, so lange sie es nur konnten; allmählich aber wurde es ihnen klar, daß Zillah die Tochter des reichsten Mannes in der Stadt sei, daß ihre Schönheit unvergleichlich war, und daß sie mehr Bildung besaß als sie alle zusammen, so daß ihr vornehme- Gebühren — der Kürze wegen wurde es mit Stolz bezeichnet — eine gewisse Berechtigung hatte; allein, ob auch Zilsas Seele dem Einsiedlerleben zuneigte, empfand sie eS doch manchmal als einen Fluch, daß auch ihr Körper zur Einsamkeit verdammt sein sollte. Im Lauf« der Jahre hatte sie sich auch daran gewöhnt. waS ihr besonders weh tat, war der Umstand, daß sie auch ihre Schwester gezwungen. sich in die Selbstverbannung zu begeben. Sie legte Salka die Wahl vor zwischen ihren Freundinnen und ihr, Zillah; und Salka hatte gewählt, wie man es im voraus von ihr erwarten durfte. Treue, liebe Salka. Diese Gedanken begleiteten sie. bis sie den Rand des Waldes erreicht. Tann erinnerte sie sich, daß sie zu einem besonderen Zwecke hierher gekomnien war und warf alles übrige lveit von sich. Im Walde selbst waren zu viel Unterholz und zu viele Baumwurzeln, um bequem gehen zu können, aber der Weg in der Mitte war sehr gut für Fußgänger und Fuhriverk. Zillah betrat diesen, blieb aber doch im Schatten der Bäume. Eine Grabessttlle umfing sie daselbst, und es wnrde ihr klar, daß, falls ihre Zweifel auch da nicht gehoben, sie wohl erst dann schwinden werden, wenn, die große Finsternis der Ewigkeit und Ruhe sie umgab. Das Geklapper eiliger Pfcrdehufe ertönte hinter ihr; sie achtete nicht darauf: keiner ihrer Bekannten pflegte zu reiten, lvenigstens nicht mit solcher Eile, und darum fürchtete sie auch keine Störung. Ter Reiter hatte sie inzwischen cingeholt, und einen schnellen Seitenblick nach ihr n'erfenb, hielt er das Pferd init einem Ruck an. Sie sah nicht auf und doch wußte sie, daß er abgesticgen mx und neben ihr herging, das Pferd ain Zügel führend. „Guten Tag." redete er sie höflich an. „das trifft sich ja wirklich gut — wenigstens kann ich meine Schuld bezahlen." { Sic sah ihn an; beider Augen tvaren fast in gleicher Höhe. Eine plötzliche Röte bedeckte ihr Gesicht; doch war es vielleicht nur der Widerschein ihres roten Sonnenschirmes. „Sie haben aber nicht den reellem Wert für Ihr Geld bekommen, da Sie ja die Fische nicht gegessen," erwiderte sie. i! tFortsetzung folgt.) Kon Kerg und «ul. Dinslaken. Hier wurde als Stadtverordneter der demokratischen Partei Herr Lehrer Strauß gewählt. Saarbrücken. Tie zionistische Gruppe des Saarlandes entwickelt weiter eine sehr lebhafte Tätigkeit. Folgende Vorträge wurden in kurzen Zwischenräumen gehalten: I. Theodor Herzl und sein Werk (Redner: Benny Weiler); 2. Ter Freiheitsgedanke in der jüdisckM Geschichte (Redner: Georg Landauer-Köln); 3. Der Zionismus und seine Gegner (Redner: Dr. Weiler-Saarbrücken); 4. Das Rassenproblem und die Juden (Redner: Dr. Löschner-Saarbrücken). Die Vorträge waren sehr gut besucht, cin^ Zeichen dafür, daß auch di«'Juden des Saarlandes sich für jüdische Fragen stärker zu interessieren beginnen. Illingen. Ter Jüd. Jugendbund veranstaltete einen Rezitationsabend, zu dem er Herrn Turm und Frau vom Schauspielhaus Saarbrücken gewonnen hatte. In meisterhafter Weise brachten die Künstler jüdische Gedichte zum Vortrag; leider ließ ein Teil des Publikums jedes Ver-